{"id":42255,"date":"2013-05-24T09:03:31","date_gmt":"2013-05-24T07:03:31","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=42255"},"modified":"2013-05-24T09:03:31","modified_gmt":"2013-05-24T07:03:31","slug":"v-r-27-11-zur-ablaufhemmung-der-festsetzungsfrist-bei-ressortfremden-grundlagenbescheiden-keine-abweichung-is-des-par-11-fgo-bei-blossem-obiter-dictum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-27-11-zur-ablaufhemmung-der-festsetzungsfrist-bei-ressortfremden-grundlagenbescheiden-keine-abweichung-is-des-par-11-fgo-bei-blossem-obiter-dictum\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;27\/11 &#8211; Zur Ablaufhemmung der Festsetzungsfrist bei ressortfremden Grundlagenbescheiden &#8211; Keine Abweichung i.S. des &sect; 11 FGO bei blo&szlig;em obiter dictum"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.2.2013, V R 27\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur Ablaufhemmung der Festsetzungsfrist bei ressortfremden Grundlagenbescheiden &#8211; Keine Abweichung i.S. des &sect; 11 FGO bei blo&szlig;em obiter dictum<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Grundlagenbescheide ressortfremder Beh&ouml;rden, die nicht dem Anwendungsbereich der &sect;&sect; 179 ff. AO unterliegen, bewirken eine Ablaufhemmung nach &sect; 171 Abs. 10 AO nur, wenn sie vor Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die betroffene Steuer erlassen worden sind.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) betrieb eine Ballettschule. Sie unterwarf in den Streitjahren 1972 bis 1992 ihre Ums&auml;tze dem Regelsteuersatz. Die Umsatzsteuerbescheide wurden bestandskr&auml;ftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf Antrag der Kl&auml;gerin erteilte die Bezirksregierung am 30.&nbsp;September 2004 der Kl&auml;gerin eine Bescheinigung &quot;gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21&nbsp;a&nbsp;bb des Umsatzsteuergesetzes (UStG) vom 24.&nbsp;M&auml;rz 1999&quot;, wonach die Ballettschule &#8211;je nach Studio mit unterschiedlichem Beginn in der Zeit zwischen 1971 bis 1995&#8211; als Privatschule ordnungsgem&auml;&szlig; auf einen Beruf als Ballettlehrer, Ballettt&auml;nzer oder Musicaldarsteller vorbereite. Auf weiteren Antrag erteilte das Ministerium f&uuml;r Wissenschaft und Kultur am 24.&nbsp;Januar 2008 zudem eine Bescheinigung &quot;nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20&nbsp;a UStG&quot; (gemeint ist &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;b des Umsatzsteuergesetzes &#8211;UStG&#8211;) mit Wirkung ab dem 1.&nbsp;Januar 1973, wonach die Theater- und Schulauff&uuml;hrungen der Ballettschule die gleichen kulturellen Aufgaben wie die in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG bezeichneten &quot;&ouml;ffentlichen Einrichtungen&quot; erf&uuml;llen. Die Kl&auml;gerin beantragte daraufhin am 14.&nbsp;September 2006 und am 18.&nbsp;Februar 2008 die &Auml;nderung der Umsatzsteuerbescheide 1972 bis 1992.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte die Antr&auml;ge der Kl&auml;gerin, die bestandskr&auml;ftigen Umsatzsteuerbescheide 1972 bis 1992 entsprechend den Bescheinigungen zu &auml;ndern und die Ums&auml;tze steuerfrei zu belassen, ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt (Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 25). Die Ums&auml;tze seien nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 Buchst.&nbsp;b UStG steuerfrei, weil die Kl&auml;gerin die Sch&uuml;ler auf den Beruf des T&auml;nzers vorbereite, unabh&auml;ngig davon, zu welchem Anteil die Sch&uuml;ler tats&auml;chlich sp&auml;ter diesen Beruf ergreifen w&uuml;rden. Entsprechendes gelte f&uuml;r die Ums&auml;tze mit Theater- und Schulauff&uuml;hrungen, f&uuml;r die die Bescheinigung nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;b UStG erteilt worden sei. Bei den Bescheinigungen handele es sich um Grundlagenbescheide i.S. des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 der Abgabenordnung (AO), die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;175 AO auch r&uuml;ckwirkend f&uuml;r einen Zeitraum vor dem Ausstellungsdatum erteilt werden k&ouml;nnten. Der Grundsatz von Treu und Glauben f&uuml;hre nicht zu einer zeitlichen Begrenzung der R&uuml;ckwirkung, denn die langj&auml;hrige Unt&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin bei der Beantragung der au&szlig;ersteuerlichen Grundlagenbescheide allein reiche f&uuml;r einen Versto&szlig; gegen Treu und Glauben nicht aus, vielmehr m&uuml;sse neben dem Zeitablauf ein Umstandsmoment hinzutreten, aus dem das FA schlie&szlig;en k&ouml;nne, dass die Kl&auml;gerin auf die Steuerbefreiung durch die Beantragung der Bescheinigungen verzichten wolle. Daran fehle es.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts durch fehlerhafte Auslegung des Rechtsgrundsatzes von Treu und Glauben sowie wegen Nichtbeachtung der Verj&auml;hrungsvorschriften. Die Geltendmachung der Steuerbefreiung in einem Zeitraum von 12 bis 30&nbsp;Jahren nach vorangegangener Erkl&auml;rung steuerpflichtiger Ums&auml;tze versto&szlig;e gegen den Grundsatz von Treu und Glauben. Die Verwirkung eines Anspruchs als Anwendungsfall des Grundsatzes von Treu und Glauben und des Verbots widerspr&uuml;chlichen Tuns setze voraus, dass ein Anspruchsberechtigter durch sein Verhalten beim Verpflichteten einen Vertrauenstatbestand dergestalt geschaffen habe, dass nach Ablauf einer gewissen Zeit die Geltendmachung des Anspruchs als illoyale Rechtsaus&uuml;bung empfunden werden m&uuml;sse.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar reiche nach der Rechtsprechung in der Regel ein blo&szlig;es Unt&auml;tigbleiben in der Regel nicht aus und werde zus&auml;tzlich zu dem Zeitmoment ein bestimmtes Verhalten des Anspruchsberechtigten gefordert, demzufolge der Verpflichtete bei objektiver Beurteilung darauf habe vertrauen d&uuml;rfen, nicht mehr in Anspruch genommen zu werden (Vertrauenstatbestand) und der Berechtigte tats&auml;chlich auf die Nichtgeltendmachung des Anspruchs vertraut und sich hierauf eingerichtet habe (Vertrauensfolge). Ausnahmen seien jedoch m&ouml;glich. So habe der Bundesfinanzhof (BFH) in Entscheidungen zur Verwirkung der Rechtsbehelfsbefugnis (BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Juni 1972 II&nbsp;149\/65, BFHE 106, 134) und zur Klagebefugnis (BFH-Beschluss vom 19.&nbsp;August 1987 IV&nbsp;B&nbsp;70\/86, BFH\/NV 1988, 244) allein den Zeitablauf ausreichen lassen und im BFH-Urteil vom 14.&nbsp;September 1978 IV&nbsp;R&nbsp;89\/74 (BFHE 126, 130, BStBl II 1979, 121) ausgef&uuml;hrt, die Voraussetzungen der Verwirkung k&ouml;nnten nicht f&uuml;r alle F&auml;lle von vornherein festgelegt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Danach habe das FA sp&auml;testens nach Ablauf von zehn Jahren nicht mehr mit der Geltendmachung der Steuerbefreiung rechnen m&uuml;ssen. Die Vorschrift &uuml;ber die Verj&auml;hrung der Steuerhinterziehung m&uuml;sse analog angewendet werden. Zudem habe der Gesetzgeber durch das Jahressteuergesetz vom 8.&nbsp;Dezember 2010 &#8211;JStG&nbsp;2010&#8211; (BGBl I 2010, 1768&nbsp;ff.) eine Verj&auml;hrungsregelung in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG n.F. mit Wirkung vom 1.&nbsp;Januar 2011 geschaffen, wonach die Festsetzungsfrist f&uuml;r au&szlig;ersteuerrechtliche Grundlagenbescheide der vierj&auml;hrigen Festsetzungsfrist f&uuml;r Feststellungsbescheide angepasst werde. Die neu geschaffene Verj&auml;hrungsregelung f&uuml;r &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG&nbsp;n.F. m&uuml;sse analog f&uuml;r die Steuerbefreiung nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 Buchst.&nbsp;b UStG f&uuml;r die Jahre 1972 bis 1992 angewendet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Veranlagungszeitr&auml;ume 1972 bis 1976 habe das FG jedenfalls &uuml;bersehen, dass die Festsetzungsverj&auml;hrung nach der Reichsabgabenordnung (RAO) bereits eingetreten sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/><\/br>das angefochtene Urteil des FG Niedersachsen vom 16.&nbsp;September 2010&nbsp;&nbsp;16&nbsp;K&nbsp;295\/09 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/><\/br>die Revision des FA zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG-Urteil sei zutreffend. Nach dem Anwendungserlass zur AO vom 12.&nbsp;Januar 2004 (BStBl I 2004, 31) zu &sect;&nbsp;175 Nr.&nbsp;1.4 stehe der Anpassung des Folgebescheides an den Grundlagenbescheid nicht entgegen, dass sie, die Kl&auml;gerin, den f&uuml;r eine Steuerbeg&uuml;nstigung erforderlichen, aber nicht fristgebundenen Antrag erst nach Unanfechtbarkeit des Steuerbescheides gestellt habe. Ob bei einer Bescheinigung nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG die R&uuml;ckwirkung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO ausgeschlossen sei, spiele im Streitfall keine Rolle, weil die Regelung erst f&uuml;r Bescheinigungen gelte, die ab dem 28.&nbsp;Oktober 2004 vorgelegt worden seien (Art.&nbsp;32 Abs.&nbsp;5 JStG&nbsp;2010, BGBl I 2010, 1768).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall sei eine Bescheinigung bereits am 30.&nbsp;September 2004 vorgelegt worden. Der BFH habe weiter ausgef&uuml;hrt, dass entgegen den Bedenken des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) die R&uuml;ckwirkung nicht gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit versto&szlig;e. Die gegenteilige Rechtsansicht des XI.&nbsp;Senats des BFH (Urteil vom 15.&nbsp;September 1994 XI&nbsp;R&nbsp;101\/92, BFHE 176, 146, BStBl II 1995, 912), wonach einer Bescheinigung nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 UStG&nbsp;1980 keine R&uuml;ckwirkung vor ihrem Ausstellungsdatum zukomme, sei von der Verwaltung mit einem Nichtanwendungserlass belegt worden (Erlass des Bundesministeriums der Finanzen vom 30.&nbsp;November 1995 IV&nbsp;C&nbsp;4&nbsp;-S&nbsp;7177-&nbsp;22\/95, BStBl I 1995, 827). Eine analoge Anwendung der Neuregelung in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG&nbsp;n.F., wonach die Festsetzungsverj&auml;hrungsfrist auch f&uuml;r au&szlig;ersteuerrechtliche Grundlagenbescheide entsprechend gelten solle, komme mangels Regelungsl&uuml;cke nicht in Betracht, da der Gesetzgeber die Geltung dieser Neuregelung erst ab dem 1.&nbsp;Januar 2011 angeordnet habe. Zudem habe der Gesetzgeber bewusst von einer &Auml;nderung des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 UStG abgesehen, weil die Abschaffung des Bescheinigungsverfahrens beabsichtigt worden sei. Durch das Rechtsinstitut von Treu und Glauben in Form einer Verwirkung durch Zeitablauf d&uuml;rfe nicht die gesetzgeberische Grundwertung unterlaufen werden, wonach die in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 UStG enthaltene Begrenzung auf vier Jahre erst ab dem 1.&nbsp;Januar 2011 anzuwenden sei. Zudem d&uuml;rfe eine in Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;A der Sechsten Richtlinie des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern 77\/388\/EWG (Richtlinie 77\/388\/EWG) angelegte Steuerbefreiung nicht durch nationales Recht beschr&auml;nkt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu Recht geht das FG davon aus, dass die Bescheinigungen nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG und &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 Buchst.&nbsp;b UStG in der in den Streitjahren 1972 bis 1992 geltenden Fassung Grundlagenbescheide (&sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO) sind, deren Erlass grunds&auml;tzlich zu einer Korrektur nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO berechtigen kann. Entgegen der Auffassung des FG ist die &Auml;nderung der bestandskr&auml;ftigen Umsatzsteuerbescheide f&uuml;r 1972 bis 1992 jedoch rechtswidrig, weil die Bescheinigungen erst nach Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Umsatzsteuer der Streitjahre 1972 bis 1992 erteilt worden sind. Denn auch Grundlagenbescheide ressortfremder Beh&ouml;rden, die nicht dem Anwendungsbereich der &sect;&sect;&nbsp;179&nbsp;ff. AO unterliegen, bewirken eine Ablaufhemmung nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO nur dann, wenn sie vor Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die betreffende Steuer erlassen worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Von der Umsatzsteuer befreit sind nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 Buchst.&nbsp;b UStG in der Fassung der Streitjahre 1972 bis 1992 u.a. die unmittelbar dem Schul- und Bildungszweck dienenden Leistungen privater Schulen und anderer allgemeinbildender oder berufsbildender Einrichtungen, wenn die zust&auml;ndige Landesbeh&ouml;rde bescheinigt, dass sie auf einen Beruf oder eine vor einer juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts abzulegende Pr&uuml;fung ordnungsgem&auml;&szlig; vorbereiten. Nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;b UStG in der Fassung der Streitjahre sind befreit die Veranstaltung von Theatervorf&uuml;hrungen und Konzerten durch andere Unternehmer, wenn die Darbietungen von den unter Buchst.&nbsp;a der Vorschrift bezeichneten Theatern, Orchestern, Kammermusikensembles oder Ch&ouml;ren erbracht werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG geht zu Recht davon aus, dass es sich bei den f&uuml;r die Steuerbefreiung nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 und Nr.&nbsp;21 UStG erforderlichen Bescheinigungen der zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden um Grundlagenbescheide i.S. des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO handelt, die grunds&auml;tzlich Grundlage f&uuml;r eine &Auml;nderung bestandskr&auml;ftiger Bescheide nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO sein k&ouml;nnen (zur Vermeidung von Wiederholungen verweist der Senat auf sein Urteil vom 20.&nbsp;August 2009 V&nbsp;R&nbsp;25\/08, BFHE 226, 479, BStBl II 2010, 15, Rz&nbsp;27&nbsp;f.; ebenso BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Oktober 2011 XI&nbsp;R&nbsp;40\/09, BFH\/NV 2012, 798).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Wirkung der Bescheinigung bezieht sich grunds&auml;tzlich auf den in ihr bezeichneten Gegenstand und Zeitraum, auch wenn letzterer vor der Bekanntgabe der Bescheinigung liegt (BFH-Urteile vom 18.&nbsp;Februar 2010 V&nbsp;R&nbsp;28\/08, BFHE 228, 474, BStBl II 2010, 876; in BFHE 226, 479, BStBl II 2010, 15; vom 24.&nbsp;September 1998 V&nbsp;R&nbsp;3\/98, BFHE 187, 334, BStBl II 1999, 147).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Kl&auml;gerin wurde am 24.&nbsp;Januar 2008 bescheinigt, dass die Theater- und Schulauff&uuml;hrungen der Ballettschule der Kl&auml;gerin ab 1.&nbsp;Januar 1973 die gleichen kulturellen Aufgaben erf&uuml;llen, wie die in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG genannten &ouml;ffentlich-rechtlichen Einrichtungen und am 30.&nbsp;September 2004, dass die Ballettkurse in den vier Studios jeweils mit unterschiedlichem Beginn in der Zeit zwischen 1971 bis 1995 i.S. des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 Buchst.&nbsp;b UStG ordnungsgem&auml;&szlig; auf verschiedene Berufe vorbereiteten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der &Auml;nderung der bestandskr&auml;ftigen Umsatzsteuerbescheide f&uuml;r Umsatzsteuer 1972 bis 1976 steht jedoch entgegen, dass die Bescheinigungen erst am 24.&nbsp;Januar 2008 bzw. am 30.&nbsp;September 2004 und damit nach Ablauf der nach der RAO zu bestimmenden Festsetzungsfrist f&uuml;r die Umsatzsteuer diesen Streitjahren erteilt worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung (z.B. BFH-Urteile vom 21.&nbsp;Juli 1993 X&nbsp;R&nbsp;113\/91, BFH\/NV 1994, 221; vom 8.&nbsp;April 1992 X&nbsp;R&nbsp;164\/88, BFH\/NV 1992, 717; vom 23.&nbsp;Juni 1993 X&nbsp;R&nbsp;214\/87, BFH\/NV 1994, 295; vom 22.&nbsp;Februar 1991 III&nbsp;R&nbsp;35\/87, BFHE 164, 198, BStBl II 1991, 717; vom 18.&nbsp;Mai 1990 VI&nbsp;R&nbsp;17\/88, BFHE 160, 425, BStBl II 1990, 770) richtet sich zwar die Korrekturbefugnis von Steuerbescheiden ab dem 1.&nbsp;Januar 1977 grunds&auml;tzlich nach der AO (Art.&nbsp;97 &sect;&nbsp;9 des Einf&uuml;hrungsgesetzes zur Abgabenordnung &#8211;EGAO&nbsp;1977&#8211;, BGBl I 1976, 3341, 3382); dagegen bestimmt sich die Verj&auml;hrung u.a. f&uuml;r die Festsetzung von Steuern wie f&uuml;r die Feststellung von Besteuerungsgrundlagen (Art.&nbsp;97 &sect;&nbsp;10 EGAO&nbsp;1977) nach der RAO. F&uuml;r eine Berichtigung nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO gelten keine Besonderheiten (BFH-Urteil in BFHE 164, 198, BStBl II 1991, 717).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Umsatzsteuer betrug die Verj&auml;hrungsfrist nach &sect;&nbsp;144 RAO f&uuml;nf Jahre. Sie begann nach &sect;&nbsp;144 RAO sp&auml;testens mit Ablauf des dritten Kalenderjahres, das auf die Entstehung der Steuer folgt und ist f&uuml;r die Streitjahre 1972 bis 1976 offensichtlich bereits seit langem abgelaufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. F&uuml;r die Streitjahre unter Geltung der AO&nbsp;(1977) &#8211;1977 bis einschlie&szlig;lich 1992&#8211; ist nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO (bis 31.&nbsp;Dezember 1981: &sect;&nbsp;175 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO) ein Steuerbescheid zu erlassen, aufzuheben oder zu &auml;ndern, soweit ein Grundlagenbescheid (&sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO), dem Bindungswirkung f&uuml;r diesen Steuerbescheid zukommt, erlassen, aufgehoben oder ge&auml;ndert wird. Nach der Legaldefinition in &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO sind Grundlagenbescheide die Bescheide, die f&uuml;r die Festsetzung einer Steuer als Feststellungsbescheid, als Steuermessbescheid oder als anderer Verwaltungsakt bindend sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO ist eine Steuerfestsetzung sowie ihre Aufhebung oder &Auml;nderung nicht mehr zul&auml;ssig, wenn die Festsetzungsfrist abgelaufen ist. Dies gilt auch f&uuml;r &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO. Ob die Festsetzungsverj&auml;hrung einer &Auml;nderung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO entgegensteht, ist unter Ber&uuml;cksichtigung der Ablaufhemmung nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO zu bestimmen. Nach der in den Streitjahren geltenden Fassung dieser Vorschrift endete die Festsetzungsfrist nicht vor Ablauf eines Jahres nach Bekanntgabe des f&uuml;r die Steuerfestsetzung bindenden Grundlagenbescheides.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Entgegen der Auffassung des FG stand der &Auml;nderung der Umsatzsteuerbescheide 1977 bis 1992 aufgrund der Bescheinigungen vom 30.&nbsp;September 2004 und vom 24.&nbsp;Januar 2008 nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 AO entgegen, dass die Festsetzungsfrist f&uuml;r die Umsatzsteuer f&uuml;r 1977 bis 1992 bei Erlass der Grundlagenbescheide der ressortfremden Beh&ouml;rde bereits abgelaufen war. Denn bei Anwendung von &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO ist danach zu differenzieren, ob es sich bei dem die Ablaufhemmung bewirkenden Grundlagenbescheid um einen Feststellungsbescheid &#8211;i.S. der &sect;&sect;&nbsp;179&nbsp;ff. AO einem Grundlagenbescheid einer Finanzbeh&ouml;rde (&sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;2 AO)&#8211; oder um einen anderen Grundlagenbescheid einer aus Sicht der AO ressortfremden Beh&ouml;rde handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Feststellung der Besteuerungsgrundlagen ist grunds&auml;tzlich unselbst&auml;ndiger Teil des Steuerbescheides; eine Durchbrechung des Grundsatzes der Einheit des Steuerfestsetzungsverfahrens (vgl. &sect;&sect;&nbsp;155 Abs.&nbsp;1, 157 Abs.&nbsp;2 AO) findet nur statt, wenn und soweit dies ausdr&uuml;cklich gesetzlich bestimmt ist (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 11.&nbsp;April 2005 GrS&nbsp;2\/02, BFHE 209, 399, BStBl II 2005, 679, unter C.4.). Insoweit bezwecken die Vorschriften der &sect;&sect;&nbsp;179&nbsp;ff. AO in verfahrens-rechtlich gestufter und abschichtender Weise, die notwendigen Entscheidungen verbindlich vorzugeben, um auf dieser Grundlage die Folgebescheide erlassen zu k&ouml;nnen (vgl. BFH-Beschluss in BFHE 209, 399, BStBl II 2005, 679, unter C.3.b). Steuerrechtliche Grundlagenbescheide &#8211;wie z.B. Feststellungsbescheide&#8211; unterliegen den Regelungen der AO, die im Gegensatz zur RAO f&uuml;r den Erlass von Feststellungsbescheiden eine eigenst&auml;ndige Feststellungsfrist eingef&uuml;hrt hat. So gelten f&uuml;r die gesonderte Feststellung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO die Vorschriften &uuml;ber die Durchf&uuml;hrung der Besteuerung und damit auch die Vorschriften &uuml;ber die Festsetzungsverj&auml;hrung sinngem&auml;&szlig;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO kann eine gesonderte Feststellung nach Ablauf der f&uuml;r sie geltenden Feststellungsfrist im &Uuml;brigen nur insoweit erfolgen, als die gesonderte Feststellung f&uuml;r eine Steuerfestsetzung von Bedeutung ist, f&uuml;r die die Festsetzungsfrist im Zeitpunkt der gesonderten Feststellung noch nicht abgelaufen ist. Diese Regelung tr&auml;gt dem Umstand Rechnung, dass Festsetzungsfrist und Feststellungsfrist bei steuerrechtlichen Grundlagenbescheiden auseinanderfallen k&ouml;nnen, weil auch f&uuml;r die Feststellungsfrist die Ablaufhemmungstatbest&auml;nde ma&szlig;geblich sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der AO liegt danach ein Regelungssystem zugrunde, wonach Grundlagenbescheide, soweit eine ausdr&uuml;ckliche von der Festsetzungsfrist des betreffenden Steuerbescheides (Folgebescheides) abweichende Regelung zur Feststellungsfrist f&uuml;r den Grundlagenbescheid fehlt, steuerrechtlich nur zu ber&uuml;cksichtigen sind, wenn sie innerhalb der Festsetzungsfrist f&uuml;r den betreffenden (Folge-)Steuerbescheid erlassen worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Bei Grundlagenbescheiden ressortfremder Beh&ouml;rden ist &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO l&uuml;ckenhaft und deshalb aufgrund einer teleologischen Reduktion einschr&auml;nkend dahingehend auszulegen, dass die von dieser Vorschrift angeordnete Ablaufhemmung &#8211;wie in den F&auml;llen der Ablaufhemmung nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3, 4 bis 6, 9 und 13 AO&#8211; voraussetzt, dass der Grundlagenbescheid noch vor dem Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Steuer, f&uuml;r die der Grundlagenbescheid bindend ist, bekanntgegeben wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Eine Regelungsl&uuml;cke liegt vor, wenn eine Regelung gemessen an ihrem Zweck unvollst&auml;ndig, d.h. erg&auml;nzungsbed&uuml;rftig ist und wenn ihre Erg&auml;nzung nicht einer vom Gesetzgeber beabsichtigten Beschr&auml;nkung auf bestimmte Tatbest&auml;nde widerspricht. Dass eine gesetzliche Regelung nur rechtspolitisch als verbesserungsbed&uuml;rftig anzusehen ist (&quot;rechtspolitische Fehler&quot;), reicht nicht aus. Ob eine Regelungsl&uuml;cke oder lediglich ein sog. rechtspolitischer Fehler vorliegt, ist unter Heranziehung des Gleichheitsgrundsatzes zu ermitteln, wobei auf die Wertungen und die Entstehungsgeschichte des Gesetzes zur&uuml;ckzugreifen ist. Die Unvollst&auml;ndigkeit muss sich bereits aus der dem Gesetz immanenten Zwecksetzung ergeben und nicht nur aus einer selbst&auml;ndigen kritischen W&uuml;rdigung des Gesetzes. Auch bei einem eindeutigen Gesetzeswortlaut kann eine Gesetzesl&uuml;cke vorliegen (BFH-Urteil vom 11.&nbsp;Februar 2010 V&nbsp;R&nbsp;38\/08, BFHE 229, 385, BStBl II 2010, 873, unter II.5.a, m.w.N. zur BFH-Rechtsprechung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Liegt eine sog. Gesetzesl&uuml;cke vor, ist diese in einer dem Gesetzeszweck, der Entstehungsgeschichte und der Gesetzessystematik entsprechenden Weise zu schlie&szlig;en. Zur L&uuml;ckenf&uuml;llung kommen insbesondere Analogie, teleologische Extension oder Reduktion in Betracht (BFH-Urteil in BFHE 229, 385, BStBl II 2010, 873, unter II.5.a). Dies ist Aufgabe der Fachgerichte (vgl. z.B. Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 3.&nbsp;April 1990&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1186\/89, BVerfGE 82, 6, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 1990, 1593, unter C.I.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Danach enth&auml;lt &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO eine Regelungsl&uuml;cke. Denn nach ihrem Grundgedanken und System dienen die &sect;&sect;&nbsp;169&nbsp;ff. AO dazu, Rechtssicherheit und Rechtsfrieden dadurch herzustellen, dass Steueranspr&uuml;che nur innerhalb bestimmter Fristen geltend gemacht werden k&ouml;nnen (vgl. BFH-Urteile vom 31.&nbsp;Januar 1989 VII&nbsp;R&nbsp;77\/86, BFHE 156, 30, BStBl II 1989, 442, unter II.3.b; vom 26.&nbsp;Februar 2008 VIII&nbsp;R&nbsp;1\/07, BFHE 220, 229, BStBl II 2008, 659, unter II.3.a&nbsp;bb; vom 24.&nbsp;Januar 2008 VII&nbsp;R&nbsp;3\/07, BFHE 220, 214, BStBl II 2008, 462, unter II.2.b; vom 12.&nbsp;Mai 2009 VII&nbsp;R&nbsp;5\/08, BFH\/NV 2009, 1602, unter 3.; Kruse in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, vor &sect;&sect;&nbsp;169&nbsp;ff. AO Rz&nbsp;5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieser auch f&uuml;r die Auslegung des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO zu beachtende Normzweck wird f&uuml;r den Fall ressortfremder Grundlagenbescheide nicht verwirklicht, wenn diese wie Feststellungsbescheide der Finanzbeh&ouml;rden i.S. von &sect;&sect;&nbsp;179&nbsp;ff. AO auch bei einer Bekanntgabe nach Ablauf der regul&auml;ren Festsetzungsfristen des &sect;&nbsp;169 AO zu einer Ablaufhemmung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO f&uuml;hren w&uuml;rden, ohne dass f&uuml;r den Erlass derartiger Grundlagenbescheide &#8211;wie nach &sect;&nbsp;181 AO&#8211; zeitliche Grenzen bestehen. Eine f&uuml;r ressortfremde Grundlagenbescheide zeitlich unbegrenzte &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit ist nicht lediglich ein rechtspolitischer Fehler. Die Verselbst&auml;ndigung der Feststellung einzelner f&uuml;r die Besteuerung vorgreiflicher Umst&auml;nde und Beurteilungen rechtlicher Art (Besteuerungsgrundlagen, vgl. BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Mai 2000 VIII&nbsp;R&nbsp;40\/99, BFH\/NV 2001, 17) aus verfahrens&ouml;konomischen Gr&uuml;nden &#8211;z.B. mit R&uuml;cksicht auf Sachn&auml;he (z.B. BFH-Beschluss vom 15.&nbsp;September 2011 I&nbsp;R&nbsp;53\/10, BFH\/NV 2012, 23 zu &sect;&nbsp;51a des Einkommensteuergesetzes)&#8211; hat unabh&auml;ngig davon, ob die abgeschichtete Feststellung den Finanzbeh&ouml;rden oder einer ressortfremden Beh&ouml;rde obliegt, lediglich dienende Funktion gegen&uuml;ber der Steuerfestsetzung (Begr&uuml;ndung zu &sect;&nbsp;162 EGAO&nbsp;1974, BTDrucks&nbsp;VI\/1982, 157; z.B. BFH-Urteile vom 12.&nbsp;Juni 2002 XI&nbsp;R&nbsp;26\/01, BFHE 198, 395, BStBl II 2002, 681; vom 31.&nbsp;Oktober 2000 VIII&nbsp;R&nbsp;14\/00, BFHE 193, 392, BStBl II 2001, 156).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Die im Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO bei sog. ressortfremden Grundlagenbescheiden bestehende Regelungsl&uuml;cke ist dadurch zu schlie&szlig;en, dass derartige Grundlagenbescheide ebenso wie die in &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3, 4 bis 6, 9 und 13 AO ausdr&uuml;cklich geregelten Sachverhalte nur dann eine Ablaufhemmung begr&uuml;nden, wenn die Bekanntgabe dieser Grundlagenbescheide noch vor dem Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Steuer, f&uuml;r die der Grundlagenbescheid bindend ist, erfolgt. Damit tr&auml;gt der Senat den vom BVerwG (BVerwG-Urteil vom 11.&nbsp;Oktober 2006&nbsp;&nbsp;10&nbsp;C&nbsp;4\/06, NJW 2007, 714) und im Schrifttum (vgl. z.B. Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;171 AO Rz&nbsp;93; a.A. Bannitza in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;171 AO Rz&nbsp;206) ge&auml;u&szlig;erten Bedenken gegen eine zeitlich unbegrenzte Ablaufhemmung bei ressortfremden Grundlagenbescheiden Rechnung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(4) Der teleologischen Reduktion des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO bei der Bekanntgabe ressortfremder Grundlagenbescheide steht die mit Wirkung ab 1.&nbsp;Januar 2011 in Kraft getretene Neuregelung in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG nicht entgegen. Zwar gilt f&uuml;r die Erteilung der in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 UStG genannten Bescheinigung &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 und 5 AO entsprechend. Die erst nach den Streitjahren in Kraft getretene Neuregelung ist jedoch f&uuml;r die Beurteilung, ob nach der in den Streitjahren bis 1992 bestehenden Rechtslage eine Regelungsl&uuml;cke vorlag und ob der Gesetzgeber eine in den Streitjahren bestehende Regelungsl&uuml;cke f&uuml;r sp&auml;tere Besteuerungszeitr&auml;ume geschlossen hat, nicht von Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin f&uuml;hrt diese Auslegung nicht zu einer Beschr&auml;nkung der unionsrechtlich vorgegebenen Steuerbefreiung. Unionsrechtliche Grundlage der Steuerbefreiungen nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 (kulturelle Dienstleistungen) und &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 UStG (Privatschulen) ist Art.&nbsp;13 der Richtlinie 77\/388\/EWG. Unionsrechtliche Anspr&uuml;che werden aber nur im Rahmen der jeweils geltenden innerstaatlichen Verfahrensvorschriften gew&auml;hrleistet (vgl. BFH-Urteil vom 16.&nbsp;September 2010 V&nbsp;R&nbsp;46\/09, juris). Auch der Hinweis der Kl&auml;gerin auf die sog. &quot;Emmotschen Fristenhemmung&quot; nach dem Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union vom 25.&nbsp;Juli 1991 C-208\/90, Emmot (Slg.&nbsp;1991, I-4269, H&ouml;chstrichterliche Finanzrecht-sprechung 1993, 137) f&uuml;hrt zu keiner anderen Beurteilung. Denn diese setzt voraus, dass die entsprechende Richtlinie nicht ordnungsgem&auml;&szlig; in nationales Recht umgesetzt worden und die Geltendmachung des Anspruchs unzumutbar erschwert oder versperrt war (BFH-Urteil vom 21.&nbsp;M&auml;rz 1996 XI&nbsp;R&nbsp;36\/95, BFHE 179, 563, BStBl II 1996, 399). Im Streitfall ist jedoch nicht ersichtlich, dass die Kl&auml;gerin von der Beantragung der Grund-lagenbescheide in nicht verj&auml;hrter Zeit abgehalten worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat weicht entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin in dem nach Schluss der m&uuml;ndlichen Verhandlung eingegangenen Schriftsatz vom 25.&nbsp;Februar 2013 nicht i.S. des &sect;&nbsp;11 FGO von den BFH-Urteilen vom 13.&nbsp;Dezember 1985 III&nbsp;R&nbsp;204\/81 (BFHE 145, 545, BStBl II 1986, 245) und vom 9.&nbsp;August 1983 VIII&nbsp;R&nbsp;55\/82 (BFHE 139, 341, BStBl II 1984, 86) ab. Eine Anrufung des Gro&szlig;en Senats des BFH ist daher entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin nicht erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Eine Abweichung liegt nur bei einer entscheidungserheblichen Rechtsfrage vor (z.B. BFH-Beschluss vom 21.&nbsp;Oktober 1985 GrS&nbsp;2\/84, BFHE 145, 147, BStBl II 1986, 207; BFH-Urteile vom 15.&nbsp;Februar 2012 XI&nbsp;R&nbsp;24\/09, BFHE 236, 267, unter II.4.; vom 17.&nbsp;September 2002 IX&nbsp;R&nbsp;68\/98, BFHE 199, 493, BStBl II 2003, 2, unter II.1.b) und setzt daher einen gleichen oder vergleichbaren Sachverhalt voraus (z.B. BFH-Beschluss vom 5.&nbsp;M&auml;rz 1979 GrS&nbsp;5\/77, BFHE 127, 140, BStBl II 1979, 570; BFH-Urteil vom 9.&nbsp;August 1989 I&nbsp;R&nbsp;181\/85, BFHE 158, 31, BStBl II 1989, 990, unter II.3.c&nbsp;(4)). Liegen den Entscheidungen unterschiedliche Sachverhalte zugrunde, ergeben sich daraus andere rechtliche Wertungen und die Beurteilung anderer Rechtsfragen. Bei Ausf&uuml;hrungen, die verallgemeinernd &uuml;ber den entschiedenen Fall hinausgehen, handelt es sich mithin allenfalls um ein obiter dictum, das regelm&auml;&szlig;ig die Annahme einer Abweichung i.S. des &sect;&nbsp;11 FGO nicht indiziert (vgl. dazu BFH-Urteile vom 2.&nbsp;September 2008 VIII&nbsp;R&nbsp;2\/07, BFHE 223, 15, BStBl II 2010, 25, unter II.2.e; in BFHE 236, 267, unter II.4.; vom 26.&nbsp;Mai 1993 X&nbsp;R&nbsp;72\/90, BFHE 171, 455, BStBl II 1993, 855; BFH-Beschluss vom 22.&nbsp;Juli 1977 III&nbsp;B&nbsp;34\/74, BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838; Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;11 Rz&nbsp;11, m.w.N.). Eine Anrufung des Gro&szlig;en Senats ist in diesem Falle nicht erforderlich (z.B. BFH-Urteile vom 31.&nbsp;Juli 1990 VII&nbsp;R&nbsp;60\/89, BFHE 162, 1, BStBl II 1990, 1071, und in BFHE 158, 31, BStBl II 1989, 990).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Weder der III.&nbsp;Senat noch der VIII.&nbsp;Senat des BFH haben &uuml;ber die im Streitfall entscheidungserhebliche Frage der Wirkungen eines nach Eintritt der Festsetzungsfrist erlassenen Grundlagenbescheides entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) In dem von der Kl&auml;gerin in Bezug genommenen Urteil in BFHE 145, 545, BStBl II 1986, 245 hat der III.&nbsp;Senat vielmehr entschieden, dass sich eine zeitliche Beschr&auml;nkung f&uuml;r die Anwendung von &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO aus den Vorschriften der Festsetzungsverj&auml;hrung ergibt (in BFHE 145, 545, BStBl II 1986, 245, unter II.1.b). Zudem betrifft diese Entscheidung einen bereits vor Erlass des streitigen Steuerbescheides erlassenen Grundlagenbescheid. Im vorliegenden Fall ist demgegen&uuml;ber &uuml;ber die Wirkungen eines nach Eintritt der Festsetzungsfrist erlassenen Grundlagenbescheides zu entscheiden. Das ist ein anderer Sachverhalt. Soweit der III.&nbsp;Senat ausf&uuml;hrt, solange der Folgebescheid einen &quot;&#8211;gleichg&uuml;ltig zu welchem Zeitpunkt erlassenen&#8211;&quot; Grundlagenbescheid nicht ber&uuml;cksichtige, sei die diesem zugedachte Aufgabe noch nicht erf&uuml;llt, handelt es sich nur um ein obiter dictum.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auch eine Abweichung vom BFH-Urteil in BFHE 139, 341, BStBl II 1984, 86 liegt nicht vor. Das Urteil betrifft die Frage, ob ein Steuerbescheid auch dann noch nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO ge&auml;ndert werden kann, wenn der (innerhalb der Festsetzungsfrist des Folgebescheides erlassene) Grundlagenbescheid bereits bei Erlass eines fr&uuml;heren Steuerbescheides h&auml;tte ber&uuml;cksichtigt werden k&ouml;nnen und damit einen anders gelagerten Sachverhalt und eine andere Rechtsfrage betrifft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>41<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Aus denselben Gr&uuml;nden liegt auch keine Abweichung vom BFH-Urteil vom 14.&nbsp;April 1988 IV&nbsp;R&nbsp;219\/85 (BFHE 153, 285, BStBl II 1988, 711) vor, weil dieses Urteil eine Fallgestaltung betrifft, in der die Festsetzungsverj&auml;hrung noch nicht eingetreten war. Soweit der IV.&nbsp;Senat dar&uuml;ber hinaus ausgef&uuml;hrt hat, eine zeitliche Beschr&auml;nkung f&uuml;r die Anwendung des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO&nbsp;1977 ergebe sich lediglich aus den Vorschriften &uuml;ber die Festsetzungsverj&auml;hrung (&sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO) und &uuml;ber die Feststellungsverj&auml;hrung (&sect;&nbsp;181 AO) und im &quot;&uuml;brigen ist eine &Auml;nderung des Folgebescheids nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO&nbsp;1977 nur ausgeschlossen, wenn die Voraussetzungen f&uuml;r eine Verwirkung vorliegen&quot;, war dies nicht entscheidungserheblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>42<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>g) Ohne Erfolg r&uuml;gt die Kl&auml;gerin, der Senat setze sich in Widerspruch zu &quot;Regelungen im Anwendungserlass&quot; zu &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO und den Umsatzsteuer-Richtlinien zu &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 UStG bzw. dem nachfolgenden Umsatzsteueranwendungserlass. Denn hierbei handelt es sich um sog. norminterpretierende Verwaltungsvorschriften, denen keine Rechtsnormqualit&auml;t zukommt und die die Gerichte nicht binden (vgl. BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;Dezember 2008 XI&nbsp;B&nbsp;250\/07, BFH\/NV 2009, 394; vom 19.&nbsp;Januar 2010 VIII&nbsp;R&nbsp;40\/06, BFHE 228, 216, BStBl II 2011, 254; vom 26.&nbsp;April 1995 XI&nbsp;R&nbsp;81\/93, BFHE 178, 4, BStBl II 1995, 754).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.2.2013, V R 27\/11 Zur Ablaufhemmung der Festsetzungsfrist bei ressortfremden Grundlagenbescheiden &#8211; Keine Abweichung i.S. des &sect; 11 FGO bei blo&szlig;em obiter dictum Leits&auml;tze Grundlagenbescheide ressortfremder Beh&ouml;rden, die nicht dem Anwendungsbereich der &sect;&sect; 179 ff. AO unterliegen, bewirken eine Ablaufhemmung nach &sect; 171 Abs. 10 AO nur, wenn sie vor Ablauf der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-27-11-zur-ablaufhemmung-der-festsetzungsfrist-bei-ressortfremden-grundlagenbescheiden-keine-abweichung-is-des-par-11-fgo-bei-blossem-obiter-dictum\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;27\/11 &#8211; Zur Ablaufhemmung der Festsetzungsfrist bei ressortfremden Grundlagenbescheiden &#8211; Keine Abweichung i.S. des &sect; 11 FGO bei blo&szlig;em obiter dictum<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-42255","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42255"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42255\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}