{"id":43288,"date":"2001-12-12T12:00:08","date_gmt":"2001-12-12T10:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=43288"},"modified":"2013-05-29T16:45:12","modified_gmt":"2013-05-29T14:45:12","slug":"bfh-urteil-vom-12-12-2001-xi-r-56_00-bstbl-2002-ii-s-202","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-12-12-2001-xi-r-56_00-bstbl-2002-ii-s-202\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil     vom 12.12.2001 (XI R 56\/00) BStBl. 2002 II S. 202"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 12.12.2001 (XI R 56\/00) BStBl. 2002 II S. 202<\/strong><\/p>\n<p>Ein Rechtsanwalt erzielt als Verwalter im Gesamtvollstreckungsverfahren Eink\u00fcnfte aus sonstiger selbst\u00e4ndiger Arbeit i.S. des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG. Sie k\u00f6nnen unter den Voraussetzungen der sog. Vervielf\u00e4ltigungstheorie als Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb zu beurteilen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EStG \u00a7 15 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3, \u00a7 18 Abs. 1 Nrn. 1 und 3; GewStG \u00a7 2 Abs. 1 Satz 2; BRAO \u00a7 3 Abs. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Bremen (EFG 1999, 843)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) ist eine GbR, in der sich eine Rechtsanw\u00e4ltin und drei Rechtsanw\u00e4lte zu gemeinsamer Berufsaus\u00fcbung zusammengeschlossen haben. Ihre Einnahmen stammen \u00fcberwiegend aus T\u00e4tigkeiten als Verwalter im Gesamtvollstreckungsverfahren.<\/p>\n<p>Der Hauptsitz der Kl\u00e4gerin befand sich in A. Ferner unterhielt die Kl\u00e4gerin im Streitjahr 1995 in B eine Zweigniederlassung bzw. ein B\u00fcro, in C und D jeweils ein B\u00fcro, das von Gesellschaftern der Kl\u00e4gerin geleitet wurde, ferner in E, F und G Insolvenzabteilungen. Ausweislich der vom Finanzgericht (FG) in Bezug genommenen Einspruchsentscheidung besch\u00e4ftigte sie 1995 insgesamt 70 Mitarbeiter. Hierzu geh\u00f6rten u.a. zwei angestellte Rechtsanw\u00e4lte, ein Betriebswirt, ein B\u00fcroverwalter, 11 Reno-Gehilfinnen sowie 6 Buchhalterinnen. Die Gehaltsaufwendungen betrugen 1995 1,98 Mio. DM, die Aufwendungen f\u00fcr Fremdarbeiten u.a. f\u00fcr Korrespondenzanw\u00e4lte und gutachterlich t\u00e4tige Wirtschaftspr\u00fcfer rd. 337.000 DM.<\/p>\n<p>Einer der angestellten Rechtsanw\u00e4lte war nach den Feststellungen des FG im Streitjahr im B\u00fcro in D unter Leitung zweier Gesellschafter t\u00e4tig. Seine Aufgabe bestand darin, Gesch\u00e4ftsunterlagen f\u00fcr den Forderungseinzug im Gesamtvollstreckungsverfahren in Abstimmung mit dem jeweiligen Verwalter zu sichten, die Liste der &#8222;offenen Posten&#8220; zu berichtigen, den Forderungseinzug durch Schriftsatzentw\u00fcrfe vorzubereiten und nach Weisung Gerichtstermine, Akteneinsicht u.\u00e4. wahrzunehmen. Der andere angestellte Rechtsanwalt war mit entsprechenden Aufgaben (ohne Fertigung von Schriftsatzentw\u00fcrfen) in der Zweigniederlassung bzw. ab 1. September 1995 dem B\u00fcro der Kl\u00e4gerin in B nach Weisung zweier Gesellschafter t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) beurteilte die T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin im Streitjahr 1995 &#8211; wie schon in den Erhebungszeitr\u00e4umen 1993 und 1994 &#8211; als gewerbliche. Die Kl\u00e4gerin habe im Wesentlichen Insolvenzt\u00e4tigkeiten und damit keine freiberufliche T\u00e4tigkeit i.S. des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ausge\u00fcbt und in einer f\u00fcr \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG sch\u00e4dlichen Weise eine Vielzahl von qualifizierten Mitarbeitern besch\u00e4ftigt (sog. Vervielf\u00e4ltigungstheorie).<\/p>\n<p>Nach erfolglosem Einspruchsverfahren gab das FG der Klage statt. Die Wahrnehmung von Aufgaben eines Verwalters im Gesamtvollstreckungsverfahren durch einen Rechtsanwalt sei Aus\u00fcbung eines freien Berufs gem\u00e4\u00df \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG. Unsch\u00e4dlich sei, dass sich die Kl\u00e4gerin der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskr\u00e4fte bedient habe; denn die Gesellschafter der Kl\u00e4gerin seien nach wie vor leitend und eigenverantwortlich t\u00e4tig gewesen. Aufgrund des unstreitigen und glaubhaften Vortrags der Kl\u00e4gerin stehe fest, dass die beiden im Streitjahr angestellten Rechtsanw\u00e4lte nur nach Weisung und nur vor\u00fcbergehend t\u00e4tig geworden seien (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211; EFG &#8211; 1999, 843).<\/p>\n<p>Das FA r\u00fcgt mit seiner Revision Verletzung des \u00a7 2 Abs. 1 Satz 2 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) i.V.m. \u00a7 15 Abs. 2 Satz 1, \u00a7 18 Abs. 1 EStG sowie des \u00a7 96 Abs. 1 und \u00a7 76 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/p>\n<p>Es beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Revisionsverfahrens erging ein \u00c4nderungsbescheid (\u00a7 68 FGO), der die tats\u00e4chlichen Grundlagen des Streitstoffes nicht ber\u00fchrt.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision des FA ist begr\u00fcndet. Die Vorentscheidung ist aufzuheben. Die Klage ist abzuweisen (\u00a7 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FGO).<\/p>\n<p>Entgegen der Auffassung des FG ist die Kl\u00e4gerin nach \u00a7 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG i.V.m. \u00a7 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG in vollem Umfang gewerbesteuerpflichtig, da sie nicht nur in geringf\u00fcgigem. Umfang gewerbliche Eink\u00fcnfte bezieht (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 13. November 1997 IV R 67\/96, BFHE 184, 512, BStBl II 1998, 254; vom 11. August 1999 XI R 12\/98, BFHE 189, 419, BStBl II 2000, 229). Ihre Eink\u00fcnfte als Verwalter im Gesamtvollstreckungsverfahren sind nicht solche aus selbst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit gem\u00e4\u00df \u00a7 18 EStG (ebenso Steinhauff in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, \u00a7 18 EStG Rdnr. 175 a; Brandt in Herrmann\/Heuer\/Raupach, Einkommensteuer- und K\u00f6rperschaftsteuergesetz, Kommentar, \u00a7 18 EStG Rdnr. 153; Kanzler, Finanz-Rundschau &#8211; FR &#8211; 1994, 114; zustimmend Schmidt\/Wacker, Einkommensteuergesetz, 20. Aufl., \u00a7 18 Rdnr. 97).<\/p>\n<p>1. Die T\u00e4tigkeit eines Konkurs-, Zwangs- und Vergleichsverwalters ist nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BFH eine verm\u00f6gensverwaltende i.S. des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG und keine freiberufliche T\u00e4tigkeit i.S. des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG (vgl. BFH-Urteile vom 29. M\u00e4rz 1961 IV 404\/60 U, BFHE 73, 100, BStBl III 1961, 306; vom 5. Juli 1973 IV R 127\/69, BFHE 110, 40, BStBl II 1973, 730; vom 11. Mai 1989 IV R 152\/86, BFHE 157, 148, BStBl II 1989, 729; vgl. auch z.B. Brandt in Herrmann\/Heuer\/Raupach, a.a.O., \u00a7 18 EStG Rdnr. 264; Stuhrmann in Kirchhof\/S\u00f6hn, Einkommensteuergesetz, \u00a7 18 Rdnr. B 228; Schmidt\/Wacker, a.a.O., \u00a7 18 Rdnr. 141).<\/p>\n<p>Dasselbe gilt f\u00fcr den Verwalter im Gesamtvollstreckungsverfahren, der vergleichbar einem Konkurs- oder Insolvenzverwalter das der Gesamtvollstreckung unterliegende Verm\u00f6gen in Besitz nimmt, verwaltet und durch Verkauf oder in anderer Weise verwertet (vgl. \u00a7 8 der Gesamtvollstreckungsordnung &#8211; GesO -; vgl. heute \u00a7 148 Abs. 1, \u00a7 159 der Insolvenzordnung; vgl. auch Beschluss des 1. Senats des Bundesverfassungsgerichts &#8211; BVerfG &#8211; vom 30. M\u00e4rz 1993 1 BvR 1045\/89 u.a., BVerfGE 88, 145, 146).<\/p>\n<p>2. Wird ein Rechtsanwalt (\u00fcberwiegend) als Verwalter im Gesamtvollstreckungsverfahren t\u00e4tig, gilt nichts anderes; auch ein Rechtsanwalt kann Verm\u00f6gensverwaltung i.S. des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG betreiben.<\/p>\n<p>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG geh\u00f6ren zu den Eink\u00fcnften aus freiberuflicher T\u00e4tigkeit solche, die durch eine selbst\u00e4ndige Berufst\u00e4tigkeit eines Rechtsanwalts erzielt werden. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer der in \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG genannten Berufsgruppen ist danach zwar Voraussetzung f\u00fcr die Annahme freiberuflicher Eink\u00fcnfte. Sie reicht allein jedoch nicht aus. Vielmehr muss, wie \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG zu entnehmen ist, die tats\u00e4chlich ausge\u00fcbte T\u00e4tigkeit freiberuflicher Art sein. Sie muss f\u00fcr den genannten Katalogberuf berufstypisch, d.h. in besonderer Weise charakterisierend und dem Katalogberuf vorbehalten sein (vgl. BFH-Urteile vom 2. Oktober 1986 V R 99\/78, BFHE 148, 184, BStBl II 1987, 147; vom 13. M\u00e4rz 1987 V R 33\/79, BFHE 149, 313, BStBl II 1987, 524; vom 9. August 1990 V R 30\/86, BFH\/NV 1991, 126, zugleich Abgrenzung zu BFH-Urteil vom 4. Dezember 1980 V R 27\/76, BFHE 132, 136, BStBl II 1981, 193). Diese vom V. Senat des BFH im Rahmen des \u00a7 12 Abs. 2 Nr. 5 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) 1967\/1973i.V.m. \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG entwickelten Rechtsgrunds\u00e4tze gelten &#8211; entgegen der Auffassung der Kl\u00e4gerin &#8211; auch bei unmittelbarer Anwendung des \u00a7 18 Abs. 1 EStG (vgl. BFH-Urteil vom 1. Februar 1990 IV R 42\/89, BFHE 160, 21, BStBl II 1990, 534; Anm. in H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211; HFR &#8211; 1986, 254; a.A. Schick, Neue Juristische Wochenschrift &#8211; NJW &#8211; 1991, 1328, 1332).<\/p>\n<p>Die T\u00e4tigkeit eines Verwalters im Gesamtvollstreckungsverfahren ist f\u00fcr einen Rechtsanwalt nicht berufstypisch:<\/p>\n<p>Nach \u00a7 3 Abs. 1 der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) ist der Rechtsanwalt der berufene unabh\u00e4ngige Berater und Vertreter in allen &#8222;Rechtsangelegenheiten&#8220;. Aufgabe des Verwalters im Gesamtvollstreckungsverfahren ist demgegen\u00fcber die Inbesitznahme von Verm\u00f6gen sowie dessen Verwaltung und Verwertung (\u00a7 8 GesO). Diese der Art nach als Verm\u00f6gensverwaltung i.S. des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG zu qualifizierende T\u00e4tigkeit wird nicht deswegen zu einer &#8222;Rechtsangelegenheit&#8220;, weil sich im Gesamtvollstreckungsverfahren (ggf. schwierige) Rechtsfragen stellen, zu deren Beantwortung Rechtskenntnisse des Verwalters hilfreich sein k\u00f6nnen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 73, 100, BStBl III 1961, 306). Verwaltungs- und Rechtsangelegenheiten stehen in einem solchen Fall nebeneinander. Die Verwaltungst\u00e4tigkeit wird nicht insgesamt zu einer Rechtsangelegenheit umqualifiziert, da die Art der tats\u00e4chlich ausge\u00fcbten T\u00e4tigkeiten letztlich entscheidend ist (vgl. auch \u00a7 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG).<\/p>\n<p>b) Eine T\u00e4tigkeit ist nicht allein deswegen eine freiberufliche, weil sie mit dem Berufsbild eines Katalogberufs nach den berufsrechtlichen Vorschriften vereinbar ist (vgl. BFH in BFHE 160, 21, BStBl II 1990, 534; vgl. z.B. auch BFH-Urteile vom 9. August 1983 VIII R 92\/83, BFHE 139, 380, BStBl II 1984, 129; vom 11. Mai 1989 IV R 43\/88, BFHE 157, 155, BStBl II 1989, 797). Ebenso wenig wie die Verletzung gesetzlicher Normen von einer Besteuerung freistellt (\u00a7 40 der Abgabenordnung &#8211; AO 1977 -), entscheidet die Beachtung oder Nichtbeachtung berufsrechtlicher Vorschriften \u00fcber das Bestehen einer Steuerpflicht.<\/p>\n<p>Da Art und Umfang der Besteuerung allein vom Gesetzgeber zu bestimmen sind, haben auch Berufsbezeichnungen, die von standesrechtlichen Organisationen eingef\u00fchrt werden (hier ab 1999 der &#8222;Fachanwalt f\u00fcr Insolvenzrecht&#8220;), keine ma\u00dfgebliche steuerrechtliche Relevanz.<\/p>\n<p>Der Senat verkennt nicht, dass der BFH bei Auslegung des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG auf berufsrechtliche Regelungen zur\u00fcckgegriffen hat (vgl. z.B. auch BFH-Urteil vom 3. Oktober 1985 V R 106\/78, BFHE 145, 248, BStBl II 1986, 213). Er hat dies aber nie in dem Sinn getan, dass er jede mit Berufsrecht vereinbare T\u00e4tigkeit des Rechtsanwalts als freiberuflich gem\u00e4\u00df \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG beurteilt hat (vgl. auch Schick, NJW 1991, 1328, 1332). Er hat vielmehr z.B. in BFHE 148, 184, BStBl II 1987, 147 klar ausgesprochen, dass die \u00dcbernahme von Konkursverwaltungen durch einen Rechtsanwalt keine dem Rechtsanwaltsberuf vorbehaltene und ihn in besonderer Weise charakterisierende T\u00e4tigkeit sei. Im \u00dcbrigen hat auch die Erweiterung des Berufsbilds des Rechtsanwalts nichts daran ge\u00e4ndert, dass die als Verm\u00f6gensverwalter t\u00e4tigen Rechtsanw\u00e4lte nicht nach der Bundesgeb\u00fchrenordnung f\u00fcr Rechtsanw\u00e4lte (BRAGO) abrechnen k\u00f6nnen (vgl. z.B. BFH in BFH\/NV 1991, 126).<\/p>\n<p>Entgegen der Auffassung des FG kommt es daher f\u00fcr die Auslegung des Begriffs freiberufliche T\u00e4tigkeit nicht auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) zu Art und Umfang der Rechtsanwaltst\u00e4tigkeit (z.B. BGH-Urteil vom 17. September 1998 IX ZR 237\/97, NJW 1998, 3567) an. Ebenso wenig ist bei der Abgrenzung einer freiberuflichen von einer sonstigen selbst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeit &#8211; entgegen der Auffassung der Kl\u00e4gerin &#8211; die Rechtsprechung des BFH einschl\u00e4gig, die zu ausdr\u00fccklich berufsrechtlich beeinflussten Vorschriften der \u00a7 109 Abs. 2 der Reichsabgabenordnung (AO) bzw. \u00a7 191 Abs. 2 AO 1977 ergangen ist (so BFH-Urteile vom 17. Oktober 1957 V 167\/55 U, BStBl III 1957, 453; vom 13. Mai 1998 II R 4\/96, BFHE 186, 7, BStBl II 1998, 760; vom 26. November 1985 VII R 148\/81, BFH\/NV 1986, 134; vom 27. Juni 1973 I R 172\/71, BFHE 110, 171, BStBl II 1973, 832).<\/p>\n<p>c) Der uneingeschr\u00e4nkte R\u00fcckgriff auf berufsrechtliche Bestimmungen w\u00fcrde zudem, wie der Streitfall zeigt, dem verfassungsrechtlichen Gebot der steuerlichen Gleichbehandlung (Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes &#8211; GG -) widersprechen. So f\u00fchrt die Auffassung der Kl\u00e4gerin dazu, wie sie selbst vortr\u00e4gt, dass Rechtsanw\u00e4lte, die als Konkursverwalter t\u00e4tig sind, aufgrund ihres umfassenden Berufsbildes freiberuflich t\u00e4tig w\u00e4ren, dieselbe T\u00e4tigkeit eines Wirtschaftspr\u00fcfers oder Steuerberaters aufgrund engerer berufsrechtlicher Regelungen jedoch nach \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG zu beurteilen w\u00e4re und damit eher der Gewerbesteuer unterl\u00e4ge (vgl. so auch ausdr\u00fccklich Stuhrmann in Kirchhof\/S\u00f6hn, a.a.O., \u00a7 18 Rdnr. B 229; Schick, NJW 1991, 1328, 1332).<\/p>\n<p>d) Der erkennende Senat weicht mit dieser Entscheidung nicht von den Urteilen des BFH vom 28. Juni 1973 IV R 77\/70 (BFHE 110, 34, BStBl II 1973, 729), vom 24. November 1983 IV R 130\/80 (nicht ver\u00f6ffentlicht &#8211; NV -) bzw. dem Urteil des Reichsfinanzhofs (RFH) vom 28. Juli 1938 IV 75\/38 (RStBl 1938, 809) zu \u00a7 34 Abs. 3 EStG ab. F\u00fcr die Abgrenzung von \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 zu \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG kann auf den anders lautenden und einen anderen Gesetzeszweck verfolgenden \u00a7 34 Abs. 3 EStG a.F. nicht zur\u00fcckgegriffen werden.<\/p>\n<p>Die Entscheidung des Senats widerspricht auch nicht dem Urteil des IV. Senats des BFH vom 6. September 1990 IV R 125\/89 (BFHE 161, 552, BStBl II 1990, 1028). Die Entscheidung des IV. Senats ist zur Frage der Steuerbarkeit von Einnahmen und nicht der Gewerbesteuerpflicht ergangen. Die Qualifizierung der Eink\u00fcnfte war in dem Verfahren, in dem Streitgegenstand allein die Einkommensteuer war, nicht entscheidungserheblich. Der IV. Senat des BFH ist daher mit dieser Entscheidung nicht von seinen Rechtsgrunds\u00e4tzen in BFHE 160, 21, BStBl II 1990, 534 abger\u00fcckt (vgl. auch Kanzler, FR 1994, 114).<\/p>\n<p>3. Die somit der Art nach selbst\u00e4ndige verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin i.S. des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG ist nach der sog. Vervielf\u00e4ltigungstheorie unter Ber\u00fccksichtigung der Gesamtumst\u00e4nde ein Gewerbebetrieb i.S. des \u00a7 2 Abs. 1 GewStG. Das FG hat insoweit zu Unrecht auf seine zu \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG angestellten \u00dcberlegungen zur\u00fcckgegriffen und damit Bedeutung und Inhalt der Vervielf\u00e4ltigungstheorie au\u00dfer Acht gelassen.<\/p>\n<p>a) Nach der vom RFH und BFH entwickelten Vervielf\u00e4ltigungstheorie, die f\u00fcr verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeiten nach \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG nach wie vor gilt (Umkehrschluss aus \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG; vgl. BFH-Urteil vom 11. August 1994 IV R 126\/91, BFHE 175, 284, BStBl II 1994, 936; Schmidt\/Wacker, a.a.O., \u00a7 18 Rdnr. 23), geh\u00f6rt es zu den Wesensmerkmalen der selbst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeit, dass sie in ihrem Kernbereich auf der eigenen pers\u00f6nlichen Arbeitskraft des Berufstr\u00e4gers beruht. Nimmt die T\u00e4tigkeit einen Umfang an, der die st\u00e4ndige Besch\u00e4ftigung mehrerer Angestellter oder die Einschaltung von Subunternehmern erfordert, und werden den genannten Personen nicht nur untergeordnete, insbesondere vorbereitende oder mechanische Arbeiten \u00fcbertragen, so beruht sie nicht mehr im Wesentlichen auf der pers\u00f6nlichen Arbeitskraft des Berufstr\u00e4gers und ist deshalb steuerrechtlich als eine gewerbliche zu qualifizieren. Die Tatsache, dass die Gesellschafter der Kl\u00e4gerin durch die in gleicher oder \u00e4hnlicher Weise qualifizierten Mitarbeiter oder Subunternehmer von Arbeit entlastet wurden, st\u00fctzt nicht die Annahme, die T\u00e4tigkeit beruhe auf der pers\u00f6nlichen Arbeitskraft der Berufstr\u00e4ger. Aber auch dann, wenn nur Hilfskr\u00e4fte besch\u00e4ftigt werden, die ausschlie\u00dflich untergeordnete Arbeiten erledigen, kann der Umfang des Betriebs im Einzelfall den gewerblichen Charakter der T\u00e4tigkeit begr\u00fcnden. Wann diese Voraussetzungen vorliegen, ist im Einzelfall nach dem Gesamtbild der Verh\u00e4ltnisse zu entscheiden (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 23. Mai 1984 I R 122\/81, BFHE 141, 505, BStBl II 1984, 823; in BFHE 175, 284, BStBl II 1994, 936). Allein die Tatsache, dass ein Steuerpflichtiger &#8222;selbst\u00e4ndig und eigenverantwortlich&#8220; i.S. des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG t\u00e4tig war, reicht im Rahmen des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG nicht aus, die T\u00e4tigkeit als selbst\u00e4ndige zu qualifizieren. Anderenfalls ginge die vom Gesetz beabsichtigte Unterscheidung zwischen \u00a7 18 Abs. 1 Nrn. 1 und 3 EStG verloren.<\/p>\n<p>b) Aufgrund der Feststellungen des FG ist davon auszugehen, dass die Kl\u00e4gerin als Verwalterin im Gesamtvollstreckungsverfahren gewerblich t\u00e4tig war:<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin besch\u00e4ftigte mehrere Angestellte, die die gleiche (Rechtsanw\u00e4lte) oder eine vergleichbar qualifizierende (Betriebswirt) Berufsausbildung wie ihre Gesellschafter abgeschlossen hatten (vgl. \u00e4hnlich BFH-Urteile vom 5. Juli 1957 IV 668\/55 U, BFHE 66, 85, BStBl III 1958, 34; vom 30. August 1962 IV 394\/58, BFHE 76, 116, BStBl III 1963, 42; vom 2. Juni 1959 I 87\/58 S, BFHE 69, 191, BStBl III 1959, 334). Sie hatte ferner 67 Personen angestellt, die teilweise eine Fachausbildung als Reno-Gehilfinnen bzw. Buchhalterinnen durchlaufen hatten. Die Zahl der insgesamt Besch\u00e4ftigten (70) ist ein gewichtiges Indiz, das gegen die individuelle Leistung der Gesellschafter der Kl\u00e4gerin spricht (vgl. zur Bedeutung der Anzahl der Besch\u00e4ftigten BFH-Urteil vom 18. M\u00e4rz 1999 IV R 5\/98, BFH\/NV 1999, 1456). Die Kl\u00e4gerin hat ferner mit einem Gesamtaufwand von rd. 337.000 DM u.a. nicht angestellte Rechtsanw\u00e4lte und Wirtschaftspr\u00fcfer mit Arbeiten betraut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 12.12.2001 (XI R 56\/00) BStBl. 2002 II S. 202 Ein Rechtsanwalt erzielt als Verwalter im Gesamtvollstreckungsverfahren Eink\u00fcnfte aus sonstiger selbst\u00e4ndiger Arbeit i.S. des \u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG. Sie k\u00f6nnen unter den Voraussetzungen der sog. Vervielf\u00e4ltigungstheorie als Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb zu beurteilen sein. &nbsp; EStG \u00a7 15 Abs. 2 Satz 1 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-12-12-2001-xi-r-56_00-bstbl-2002-ii-s-202\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil     vom 12.12.2001 (XI R 56\/00) BStBl. 2002 II S. 202<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-43288","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43288","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=43288"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43288\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=43288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=43288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}