{"id":43529,"date":"2002-03-21T12:14:57","date_gmt":"2002-03-21T10:14:57","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=43529"},"modified":"2013-05-29T13:30:11","modified_gmt":"2013-05-29T11:30:11","slug":"bfh-urteil-vom-21-3-2002-iii-r-42_00-bstbl-2002-ii-s-417","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-21-3-2002-iii-r-42_00-bstbl-2002-ii-s-417\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil     vom 21.3.2002 (III R 42\/00) BStBl. 2002 II S. 417"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 21.3.2002 (III R 42\/00) BStBl. 2002 II S. 417<\/strong><\/p>\n<p>1. Die Gew\u00e4hrung des Pflege-Pauschbetrages wird durch jegliche Art von Einnahmen der Pflegeperson im Zusammenhang mit der Pflege, sei es als &#8211; steuerfreie &#8211; Pflegeverg\u00fctung, sei es als Aufwendungsersatz, und unabh\u00e4ngig von deren H\u00f6he ausgeschlossen.<\/p>\n<p>2. Die Weiterleitung des Pflegegeldes an die Pflegeperson ist unsch\u00e4dlich, wenn die Pflegeperson die Mittel lediglich treuh\u00e4nderisch verwaltet und deren tats\u00e4chliche Verwendung f\u00fcr den Pflegebed\u00fcrftigen nachweist. Typische Unterhaltsaufwendungen d\u00fcrfen insoweit nicht gegengerechnet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EStG \u00a7 33b Abs. 6 Satz 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Bremen (EFG 2000, 1132)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) lebt seit 1992 von ihrem Ehemann getrennt. Sie betreut und pflegt ihre am 4. Februar 1963 geborene, schwerbehinderte Tochter. Im Streitjahr 1997 betrug der Grad der Behinderung 100 v.H. mit den Merkzeichen &#8222;H&#8220;, &#8222;G&#8220;, &#8222;aG&#8220;, &#8222;B&#8220; und &#8222;RF&#8220;.<\/p>\n<p>Seit dem 1. April 1995 stand der Tochter der Kl\u00e4gerin ein monatliches Pflegegeld in H\u00f6he von 800 DM in der Pflegestufe II zu.<\/p>\n<p>Mit der Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr 1997 beantragte die Kl\u00e4gerin u.a. die Gew\u00e4hrung des Pflege-Pauschbetrages wegen der Pflege ihrer Tochter. Nach dem Hinweis des Beklagten und Revisionskl\u00e4gers (Finanzamt &#8211; FA -), der Pauschbetrag sei nur noch ausnahmsweise in den F\u00e4llen zu gew\u00e4hren, in denen f\u00fcr die famili\u00e4re Pflege kein Pflegegeld mehr geleistet werde, verzichtete die Kl\u00e4gerin fernm\u00fcndlich (am 17. November 1998) auf den Ansatz des Pauschbetrages.<\/p>\n<p>Mit ihrem gegen den entsprechend erlassenen Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 1997 eingelegten Einspruch machte die Kl\u00e4gerin geltend, das ihrer Tochter gew\u00e4hrte Pflegegeld stelle keine Einnahme f\u00fcr die Pflege ihrer Tochter dar. Sie erhalte es als Elternteil eines nicht gesch\u00e4ftsf\u00e4higen, pflegebed\u00fcrftigen Kindes unmittelbar von der Pflegeversicherung und verwende es, um die notwendige Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung der Tochter zu sichern. Unter dem 28. Juni 1999 reichte sie ferner eine Aufstellung \u00fcber Aufwendungen f\u00fcr sozialtherapeutische Gruppenreisen der Tochter f\u00fcr den Zeitraum vom 27. Dezember 1996 bis zum 13. Juni 1999 ein, davon f\u00fcr 1997 in H\u00f6he von insgesamt 4.151 DM, die sie mit Hilfe des Pflegegeldes finanziert habe.<\/p>\n<p>Nach erfolglosem Einspruch gab das Finanzgericht (FG) mit in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2000, 1132 ver\u00f6ffentlichtem Urteil der Klage statt.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung materiellen Rechts (\u00a7 33b Abs. 6 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes &#8211; EStG -).<\/p>\n<p>Das von der Krankenkasse f\u00fcr die Tochter geleistete Pflegegeld sei an die Kl\u00e4gerin weitergeleitet worden. Die Kl\u00e4gerin habe, soweit sie mit dem Pflegegeld nicht die sozialtherapeutischen Gruppenreisen der Tochter finanziert habe, die konkrete Verwendung des Restbetrages nicht belegt.<\/p>\n<p>Einnahmen i.S. des \u00a7 33b Abs. 6 Satz 1 EStG seien alle G\u00fcter in Geld oder Geldeswert sowie ersparte Aufwendungen. &#8222;Daf\u00fcr erhalten&#8220; bedeute, dass die Einnahmen der Pflegeperson im Zusammenhang mit selbst get\u00e4tigten Aufwendungen f\u00fcr die zu pflegende Person oder direkt f\u00fcr die Pflege als solche zufl\u00f6ssen. Die nach dem Pflege-Versicherungsgesetz (PflegeVG) vom 26. Mai 1994 (BGBl I, 1014) geleisteten Pflegegelder fielen ebenfalls darunter, soweit sie an die Pflegeperson unmittelbar ausgezahlt oder an diese weitergeleitet werden w\u00fcrden. Die Kl\u00e4gerin habe &#8211; was das FG verkannt habe &#8211; das Pflegegeld im Zusammenhang mit der Pflege erhalten. Sie habe &#8211; mangels gegenteiliger Feststellungen &#8211; rechtlich frei dar\u00fcber verf\u00fcgen d\u00fcrfen. Es sei ihr mithin zugeflossen, so dass dadurch grunds\u00e4tzlich die den Pflege-Pauschbetrag rechtfertigende au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung entfalle. Wie die Pflegeperson \u00fcber die zugef\u00fchrten geldwerten G\u00fcter verf\u00fcge, sei dann rechtlich neu zu w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>\u00a7 33b Abs. 6 Satz 1 EStG sei dahin gehend einschr\u00e4nkend auszulegen, dass eine anschlie\u00dfende Verwendung der Pflegegelder durch die Pflegeperson f\u00fcr die erforderliche Grundpflege oder hauswirtschaftliche Versorgung des Pflegebed\u00fcrftigen unsch\u00e4dlich sei (Verf\u00fcgung der Oberfinanzdirektion &#8211; OFD &#8211; Bremen vom 28. Mai 1998, Betriebs-Berater &#8211; BB &#8211; 1998, 1459). Die einschr\u00e4nkende Auslegung entspreche auch dem Sinn des \u00a7 37 Abs. 1 des Elften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XI). Danach solle der Pflegebed\u00fcrftige mit dem Pflegegeld entsprechend dessen Umfang die erforderliche Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung in geeigneter Weise selbst sicherstellen. Hierunter fielen die gesamten Aufwendungen f\u00fcr die sozialtherapeutischen Gruppenreisen nicht. Ob mit dem Restbetrag Aufwendungen f\u00fcr die o.g. Zwecke get\u00e4tigt worden seien, lasse sich der Behauptung der Kl\u00e4gerin, sie habe das Pflegegeld f\u00fcr die Tochter verwendet, nicht entnehmen.<\/p>\n<p>Das FG h\u00e4tte die Klage mangels eines konkreten Nachweises, wie das gesamte Pflegegeld verwendet worden sei, abweisen m\u00fcssen; denn entgegen der Ansicht des FG treffe die Kl\u00e4gerin die Feststellungslast f\u00fcr das Vorliegen der Voraussetzungen einer Steuerverg\u00fcnstigung.<\/p>\n<p>Das FG habe bei seiner Feststellung hinsichtlich der Verwendung des an die Kl\u00e4gerin weitergeleiteten Pflegegeldes \u00fcberdies au\u00dfer Acht gelassen, dass der Kl\u00e4gerin f\u00fcr die Tochter weitere Gelder zur Verf\u00fcgung gestanden h\u00e4tten. Das FG habe insoweit das Vorbringen der Kl\u00e4gerin in dem in Bezug genommenen Schriftsatz vom 13. Oktober 1999 nicht beachtet. Unter Ber\u00fccksichtigung dieser Umst\u00e4nde h\u00e4tte das FG nicht den Schluss ziehen k\u00f6nnen, der Restbetrag vom Pflegegeld sei f\u00fcr die Pflege ausgegeben worden; denn diese k\u00f6nne ebenso gut aus den anderen Geldquellen abgedeckt worden sein. Es h\u00e4tte dann zwingend den Schluss ziehen m\u00fcssen, hinsichtlich der tats\u00e4chlichen Verwendung des restlichen Pflegegeldes k\u00f6nne keine Aussage getroffen werden.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG zur erneuten Verhandlung und Entscheidung (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>Das FG hat den die Gew\u00e4hrung des Pflege-Pauschbetrages ausschlie\u00dfenden Tatbestand in \u00a7 33b Abs. 6 Satz 1 letzter Halbsatz EStG (&#8222;wenn die Pflegeperson daf\u00fcr keine Einnahmen erh\u00e4lt&#8220;) zu Unrecht verneint.<\/p>\n<p>Das FG hat zudem sein Ergebnis aus einer unzutreffenden Verteilung der Beweislast gewonnen, indem es die Feststellungslast dem FA auferlegt hat. Die Regeln \u00fcber die Beweislast kn\u00fcpfen in ihren Wertungen an die jeweils anzuwendende Norm des sachlichen Rechts an und erg\u00e4nzen sie. Die Verkennung der Beweislast stellt danach einen materiell-rechtlichen Fehler dar (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 31. Oktober 1996 VIII B 42\/96, BFH\/NV 1997, 490, unter 3. a der Gr\u00fcnde, m.w.N.).<\/p>\n<p>Der Senat kann nicht abschlie\u00dfend \u00fcber die Klage entscheiden. Zwar hat die Kl\u00e4gerin weder im Verwaltungs- noch im anschlie\u00dfenden Klageverfahren die Verwendung des an sie im Streitjahr 1997 weitergeleiteten Pflegegeldes ausschlie\u00dflich zugunsten ihrer behinderten, von ihr gepflegten Tochter nachgewiesen. Der Senat hat indes erstmals die rechtlichen Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die Auslegung und Anwendung des \u00a7 33b Abs. 6 EStG in der f\u00fcr das Streitjahr ma\u00dfgebenden Fassung entwickelt. Der Kl\u00e4gerin ist deshalb unter Ber\u00fccksichtigung dieser nunmehr gekl\u00e4rten Ma\u00dfst\u00e4be Gelegenheit zu geben, ggf. die danach notwendigen Nachweise doch noch nachtr\u00e4glich zu erbringen.<\/p>\n<p>1. Ein Steuerpflichtiger kann nach \u00a7 33b Abs. 6 Satz 1 EStG wegen der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Belastungen, die ihm durch die Pflege einer nicht nur vor\u00fcbergehend hilflosen Person i.S. des Satzes 2 entstehen, wenn er daf\u00fcr keine Einnahmen erh\u00e4lt, anstelle einer Steuererm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7 33 EStG einen Pflege-Pauschbetrag in H\u00f6he von 1.800 DM im Kalenderjahr geltend machen.<\/p>\n<p>a) Nach Auffassung des Senats sind grunds\u00e4tzlich s\u00e4mtliche der Pflegeperson im Zusammenhang mit der Pflege zuflie\u00dfenden Einnahmen &#8211; sei es als Pflegeverg\u00fctung, sei es als Ersatz f\u00fcr eigene Aufwendungen der Pflegeperson &#8211; f\u00fcr die Gew\u00e4hrung des Pflege-Pauschbetrages sch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>Der durch das Steuerreformgesetz 1990 (StRG) vom 25. Juli 1988 (BGBl I 1988, 1093) neu eingef\u00fcgte \u00a7 33b Abs. 6 EStG verfolgt den Zweck, die h\u00e4usliche Pflege zu st\u00e4rken und die vielf\u00e4ltigen Belastungen, welche die pers\u00f6nliche Pflege eines Schwerpflegebed\u00fcrftigen mit sich bringt, in angemessenem Rahmen steuerlich anzuerkennen. Der Pflege-Pauschbetrag soll f\u00fcr den pflegenden Steuerpflichtigen Erleichterungen schaffen. Im Hinblick auf die menschliche Belastung, welche die Pflegeperson auf sich nimmt, sollte auf Aufzeichnungen und Belege verzichtet werden (Begr\u00fcndung des StRG 1990 in der BTDrucks 11\/2157, S. 151 f.; dazu Kanzler, Finanz-Rundschau &#8211; FR &#8211; 1992, 669; ferner BFH-Urteil vom 29. August 1996 III R 4\/95, BFHE 181, 441, BStBl II 1997, 199).<\/p>\n<p>Durch das Jahressteuergesetz 1996 vom 11. Oktober 1995 (BGBl I 1995, 1250) wurde in \u00a7 33b Abs. 6 Satz 1 EStG der letzte Halbsatz angef\u00fcgt, nach dem der pflegende Steuerpflichtige &#8222;daf\u00fcr keine Einnahmen erhalten&#8220; darf. Nach der Gesetzesbegr\u00fcndung (BTDrucks 13\/1558, S. 157) soll der Pauschbetrag Aufwendungen abgelten, die bei Nachweis auch nach \u00a7 33 Abs. 1 EStG geltend gemacht werden k\u00f6nnten. Soweit die Pflegeperson f\u00fcr ihre Pflegeleistung und die damit verbundenen Aufwendungen Einnahmen erhalte, verbleibe keine Belastung, weshalb sie in diesem Falle den Pauschbetrag nicht ansetzen k\u00f6nne. Allerdings k\u00f6nne sie \u00fcber die Einnahmen hinausgehende Aufwendungen insoweit nach \u00a7 33 EStG geltend machen. Damit hat der Gesetzgeber offenbar an eine Vorteilsanrechnung sowohl eines Aufwendungsersatzes als auch des Pflegegeldes gedacht (vgl. Kanzler, FR 1996, 189, 191).<\/p>\n<p>Nach Auffassung des Senats kann es nicht entscheidend sein, ob mit den von der pflegebed\u00fcrftigen Person \u00fcberlassenen Mitteln von der Pflegeperson geleistete Dienste oder ihr entstandene Aufwendungen abgegolten werden sollen. Die Aufwendungen der Pflegeperson und damit verbundene au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen werden durch die \u00fcberlassenen Mittel zumindest gemindert. Die zus\u00e4tzliche Gew\u00e4hrung des Pflege-Pauschbetrages widerspr\u00e4che dann aber seinem Sinn (so zutreffend Stoecker in EFG, Beilage 20\/2000, S. 156).<\/p>\n<p>b) Sowohl die \u00fcberwiegend im Schrifttum vertretene Auffassung (von Oepen in Bl\u00fcmich, Einkommensteuergesetz, \u00a7 33b Rz. 34; Glanegger in Schmidt, Einkommensteuergesetz, 20. Aufl., \u00a7 33b Rz. 19 und 21; Stoecker in Lademann, Einkommensteuergesetz, \u00a7 33b Rz. 28, 178 und 182; Fuhrmann in Korn, Einkommensteuergesetz, \u00a7 33b Rz. 17; Mellinghoff in Kirchhof, Einkommensteuergesetz, \u00a7 33b Rz. 20; a.A. Kanzler in Herrmann\/Heuer\/Raupach, Einkommensteuer- und K\u00f6rperschaftsteuergesetz, Kommentar, Gr\u00fcne Bl\u00e4tter, Vor \u00a7 33b EStG Anm. G 4, unter Hinweis auf die Gesetzessystematik; derselbe, FR 1996, 189, 191) als auch die Finanzverwaltung (Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen &#8211; BMF &#8211; vom 7. November 1996, BStBl I 1996, 1433) sowie das Schleswig-Holsteinische FG im Urteil vom 8. Dezember 1999 V 557\/98 (EFG 2000, 1131, rkr.) teilen dieses Auslegungsverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>c) Der Ausschlusstatbestand in \u00a7 33b Abs. 6 Satz 1 1. Halbsatz EStG greift lediglich dann nicht ein, wenn die Pflegeperson f\u00fcr die Pflege keinerlei Einnahmen erh\u00e4lt. Aus der Verwendung des Einleitungswortes im letzten Halbsatz &#8222;wenn&#8220; anstelle von &#8222;soweit&#8220; ist ein absolutes Abzugsverbot abzuleiten, d.h. die H\u00f6he der Einnahmen ist f\u00fcr den Ausschluss des Pflege-Pauschbetrages insoweit unerheblich (ebenso von Oepen in Bl\u00fcmich, a.a.O., \u00a7 33b Rz. 84; Stoecker, a.a.O., Rz. 185; Kanzler in Herrmann\/ Heuer\/Raupach, a.a.O., Anm. G 4). Diese Einschr\u00e4nkung f\u00fcr die Inanspruchnahme des Pflege-Pauschbetrages ist jedenfalls deshalb hinnehmbar, weil tats\u00e4chlich verbleibende au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen grunds\u00e4tzlich nach \u00a7 33 EStG geltend gemacht werden k\u00f6nnen, wenn auch mit der materiell-rechtlichen Einschr\u00e4nkung der zumutbaren Belastung nach \u00a7 33 Abs. 3 EStG und der formellen Erschwernis eines Nachweises konkreter Aufwendungen.<\/p>\n<p>Danach ist es f\u00fcr die Gew\u00e4hrung des Pflege-Pauschbetrages nur unsch\u00e4dlich, wenn das Pflegegeld verwendet wird, um ausschlie\u00dflich Aufwendungen des Pflegebed\u00fcrftigen zu ersetzen, wenn also Auslagen f\u00fcr den Gepflegten erstattet werden oder der Pflegeperson f\u00fcr die Begleichung von Aufwendungen der pflegebed\u00fcrftigen Person vorab Mittel lediglich treuh\u00e4nderisch zur Verf\u00fcgung gestellt werden, die Pflegeperson das Pflegegeld also nicht zur pers\u00f6nlichen eigenen Verf\u00fcgung erh\u00e4lt (so Glanegger, a.a.O., Rz. 19; Stoecker, a.a.O., Rz. 183; derselbe in EFG, Beilage 20\/2000, S. 156; ferner Erlass des Hessischen Finanzministeriums vom 22. Juli 1997 S 2286 A-27-II B 22; Verf\u00fcgung der OFD D\u00fcsseldorf vom 3. November 1997, Der Betrieb &#8211; DB &#8211; 1997, 2574, und Verf\u00fcgung der OFD Bremen vom 28. Mai 1998, BB 1998, 1459; weiter gehend OFD N\u00fcrnberg, \u00a7 33b EStG Karte 6.1 in der Lohnsteuer-Kartei, wonach grunds\u00e4tzlich weiterhin von einer unentgeltlichen Familienpflege auszugehen sei).<\/p>\n<p>2. Bei Anwendung dieser rechtlichen Ma\u00dfst\u00e4be kann der Senat nicht abschlie\u00dfend entscheiden, ob der Kl\u00e4gerin der Pflege-Pauschbetrag f\u00fcr das Streitjahr 1997 zu gew\u00e4hren ist.<\/p>\n<p>a) Das FG hat die M\u00f6glichkeit, dass der Kl\u00e4gerin als Pflegeperson das von der gesetzlichen Pflegeversicherung an sie weitergeleitete, f\u00fcr die pflegebed\u00fcrftige Tochter gew\u00e4hrte Pflegegeld &#8211; zumindest teilweise &#8211; auch als eigene Einnahmen zur freien Verf\u00fcgung erhalten hat, im Wesentlichen nur nach der Lebenserfahrung und zus\u00e4tzlich wegen der dem FA auferlegten Beweislast ausgeschlossen. Das FG hat zum einen ausgef\u00fchrt, nach der Lebenserfahrung erfordere die Pflege eines so schwerbehinderten Menschen bereits Aufwendungen in H\u00f6he des gesetzlichen Pflegegeldes von 9.600 DM\/Jahr, umso mehr als infolge der nachgewiesenen Aufwendungen f\u00fcr die sozialtherapeutischen Gruppenreisen nur noch ein Teilbetrag von 4.699 DM f\u00fcr die h\u00e4usliche Pflege der Tochter verblieben sei. Die Erkl\u00e4rung der Kl\u00e4gerin, keine Eink\u00fcnfte f\u00fcr die Pflege erhalten und das Pflegegeld ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Tochter verwendet zu haben sowie schon wegen der geringen eigenen Eink\u00fcnfte der Tochter keine R\u00fccklagen gebildet zu haben, hat das FG nicht in Zweifel gezogen; vor allem widerspr\u00e4che die Annahme, nicht nachweisbar f\u00fcr die Tochter verwendete Pflegegelder h\u00e4tten zur Deckung pflegebedingter Aufwendungen der Pflegeperson zur Verf\u00fcgung gestanden, der Zweckbestimmung des Pflegegeldes, welches f\u00fcr den Bedarf des Pflegebed\u00fcrftigen an Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung gew\u00e4hrt werde (vgl. \u00a7 4 Abs. 1, \u00a7 36 Abs. 1, \u00a7 37 Abs. 1 Nr. 2 PflegeVG). Systemgerecht werde dann der aus dem Pflegegeld nicht zu bestreitende Aufwand pauschal als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung \u00fcber den Pflege-Pauschbetrag steuerlich ausgeglichen.<\/p>\n<p>b) Dieser Begr\u00fcndung des FG folgt der Senat nicht. Dem Pflegebed\u00fcrftigen wird entsprechend der in \u00a7 2 Abs. 1 SGB XI zum Ausdruck gekommenen Zielsetzung, ihn ein m\u00f6glichst selbst\u00e4ndiges und auch selbstbestimmtes Leben f\u00fchren zu lassen, ein Wahlrecht einger\u00e4umt zwischen Pflegesachleistung (vgl. \u00a7 36 SGB XI) und Pflegegeld f\u00fcr selbst beschaffte Pflegehilfen (\u00a7 37 SGB XI) oder auch einer Kombination aus beiden (\u00a7 38 SGB XI; dazu Zugmaier, Deutsches Steuerrecht &#8211; DStR &#8211; 1995, 872). Unter die in \u00a7 36 Abs. 2 SGB XI erfassten Pflegesachleistungen fallen die in \u00a7 14 Abs. 4 Nrn. 1 bis 3 SGB XI n\u00e4her umschriebenen Verrichtungen der Grundpflege sowie die hauswirtschaftliche Versorgung nach \u00a7 14 Abs. 4 Nr. 4 SGB XI (zum Ganzen Schulin, Handbuch des Sozialversicherungsrechts, Bd. 4 -Pflegeversicherungsrecht-, \u00a7 13 Rz. 59 ff.; Jahn\/Kulbe, SGB XI, \u00a7 14 Rz. 17 ff.; \u00a7 36 Rz. 17 ff.). Dabei handelt es sich ersichtlich in erster Linie um Dienstleistungen und allenfalls vereinzelt um Auslagenersatz. Wird somit das Pflegegeld an die Pflegeperson weitergeleitet, so liegt die Annahme nahe, dass zumindest ein Teilbetrag des Pflegegeldes der Pflegeperson als Verg\u00fctung f\u00fcr die von ihr erbrachten Pflegeleistungen verbleibt. Dementsprechend hat das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) im Urteil vom 4. Juni 1992 5 C 82\/88 (BVerwGE 90, 217, m.w.N.) zum Pflegegeld nach \u00a7 69 Abs. 2 Satz 2 des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG) ausgef\u00fchrt, es diene nicht nur dazu, vielf\u00e4ltige Aufwendungen ohne Einzelnachweis aufzufangen, sondern auch durch dar\u00fcber hinausgehende Zuwendungen Dank f\u00fcr geleistete und die Erwartung k\u00fcnftiger Hilfe auszudr\u00fccken. Ebenso hat der Bundesgerichtshof (BGH) in den Urteilen vom 15. Oktober 1986 IV B ZR 78\/85 (BGHZ 98, 353) und vom 24. April 1996 XII ZR 7\/96 (BGHR, \u00a7 69 BSHG, Pflegegeld 1) das Pflegegeld nach \u00a7 37 Abs. 1 SGB XI grunds\u00e4tzlich mit dem durch die Versorgung des Pflegekindes nicht verbrauchten Teil der Pflegeperson f\u00fcr unterhaltsrechtliche Zwecke als eigenes Einkommen angerechnet.<\/p>\n<p>Sowohl diese Zielsetzung als auch die unmittelbare Weiterleitung des Pflegegeldes an die Pflegeperson bedeuten indes &#8211; entgegen der vom Th\u00fcringer FG im Urteil vom 30. April 2001 III 312\/00 (EFG 2001, 1283, Revision III R 18\/01) vertretenen Auffassung &#8211; nicht zwingend, dass das Pflegegeld der Pflegeperson ohne weiteres zur freien Verf\u00fcgung zumindest auch f\u00fcr eigene Zwecke einger\u00e4umt w\u00e4re. Insoweit besteht allerdings auch umgekehrt keine tats\u00e4chliche Vermutung f\u00fcr eine nur treuh\u00e4nderische Verwaltung des weitergeleiteten Pflegegeldes. Vielmehr kommt es auch f\u00fcr die weitergeleiteten Betr\u00e4ge entscheidend darauf an, ob sie von der Pflegeperson lediglich treuh\u00e4nderisch in Empfang genommen und wie sie tats\u00e4chlich verwendet werden. Werden die Pflegegelder ausschlie\u00dflich f\u00fcr an sich vom Pflegebed\u00fcrftigen selbst zu t\u00e4tigende Aufwendungen eingesetzt, so fehlt es an Einnahmen der Pflegeperson f\u00fcr die Pflege.<\/p>\n<p>Lediglich treuh\u00e4nderisch weitergeleitete Pflegegelder flie\u00dfen gem\u00e4\u00df \u00a7 11 Abs. 1 EStG dem Pflegebed\u00fcrftigen als &#8222;Treugeber&#8220;, nicht aber der empfangenden Pflegeperson als Treuh\u00e4nder zu (vgl. BFH-Urteil vom 30. Januar 1986 IV R 125\/83, BFHE 146, 59, BStBl II 1986, 404, betreffend Guthabenzinsen auf einem Notar-Anderkonto; zum Ganzen Tipke\/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 16. Aufl., \u00a7 39 AO 1977 Tz. 44).<\/p>\n<p>Die Pflegeperson kann und muss f\u00fcr Zwecke der Gew\u00e4hrung des Pflege-Pauschbetrages in F\u00e4llen eines weitergeleiteten Pflegegeldes nachweisen, wozu das Pflegegeld konkret verwendet worden ist und ggf. nachtr\u00e4glich noch eine Verm\u00f6genstrennung durchf\u00fchren (ebenso Urteil des Schleswig-Holsteinischen FG in EFG 2000, 1131, rkr., mit zust. Anm. von Stoecker, EFG Beilage 20\/2000, S. 156).<\/p>\n<p>Der Pauschbetrag kann ebenso wie andere Steuerverg\u00fcnstigungen nur in Anspruch genommen werden, wenn seine Voraussetzungen im Einzelfall nachgewiesen werden. Die Finanzbeh\u00f6rde wie auch das FG sind zwar verpflichtet, den Sachverhalt von Amts wegen aufzukl\u00e4ren (vgl. \u00a7 88 der Abgabenordnung &#8211; AO 1977 -, sowie \u00a7 76 Abs. 1 FGO). Kann ein Sachverhalt, aus dem der Steuerpflichtige einen Vorteil herleiten will, im Prozess nicht hinreichend aufgekl\u00e4rt werden, so ist ihm grunds\u00e4tzlich der Nachteil der verbleibenden Ungewissheit anzulasten.<\/p>\n<p>Nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung tr\u00e4gt der Steuerpflichtige die objektive Beweislast f\u00fcr steuermindernde Tatsachen. Entscheidend ist, zu wessen Gunsten sich ein bestimmtes Tatbestandsmerkmal im konkreten Fall auswirkt (grundlegend BFH-Urteile vom 24. Juni 1976 IV R 101\/75, BFHE 119, 164, BStBl II 1976, 562; vom 14. Mai 1982 VI R 266\/80, BFHE 136, 97, BStBl II 1982, 772). Die Anwendung dieser Beweislastregeln setzt allerdings voraus, dass der entscheidungserhebliche Sachverhalt trotz Aussch\u00f6pfung aller zumutbarer Ermittlungsm\u00f6glichkeiten nicht oder nicht vollst\u00e4ndig aufgekl\u00e4rt werden kann (BFH-Urteil vom 15. Februar 1989 X R 16\/86, BFHE 156, 38, BStBl II 1989, 462). Sowohl eine nachvollziehbare Verm\u00f6genstrennung als auch ein ggf. vollst\u00e4ndiger Nachweis der Mittelverwendung kann nicht der Finanzverwaltung aufgeb\u00fcrdet werden; denn insoweit handelt es sich ausschlie\u00dflich um Umst\u00e4nde im Herrschafts- und Wissensbereich des Steuerpflichtigen (vgl. zum Gesichtspunkt der Beweisn\u00e4he BFH-Urteil vom 23 Mai 1989 X R 17\/85, BFHE 157, 516, BStBl II 1989, 879, 881 a.E., m.w.N.; Tipke\/Kruse, a.a.O., \u00a7 96 FGO Tz. 88, m.w.N.). Zudem widerspr\u00e4che es der gerade in der Gesetzesfassung und der Gesetzesbegr\u00fcndung zum Ausdruck gekommenen gesetzgeberischen Zielsetzung, den Pflege-Pauschbetrag nur noch unter engen Voraussetzungen zu gew\u00e4hren und den Steuerpflichtigen grunds\u00e4tzlich auf die allgemeine Steuererm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7 33 EStG zu verweisen, wenn die Beweislast f\u00fcr den die Steuerverg\u00fcnstigung ausschlie\u00dfenden Tatbestand der Finanzbeh\u00f6rde auferlegt werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Entgegen der Auffassung des FA gen\u00fcgt es allerdings, die Verwendung allein des Pflegegeldes nachzuweisen. Es ist nicht erforderlich, etwaige sonstige Einnahmen des Pflegebed\u00fcrftigen in diesen Verwendungsnachweis einzubeziehen. Umgekehrt d\u00fcrfen typische Unterhaltsaufwendungen i.S. von \u00a7 33a Abs. 1 EStG (vgl. dazu BFH-Urteile vom 22. Juli 1988 III R 253\/83, BFHE 154, 111, BStBl II 1988, 830, 831; vom 5. September 1980 VI R 75\/80, BFHE 131, 475, BStBl II 1981, 31) dem Pflegegeld nicht gegengerechnet werden. Keine Bedenken bestehen gegen die Einbeziehung der Aufwendungen f\u00fcr die sozialtherapeutischen Gruppenreisen; sie dienen gerade der pflegerischen Betreuung und damit zugleich einer zumindest vor\u00fcbergehenden Entlastung der Pflegeperson. Ebenso ist es unsch\u00e4dlich, wenn aus dem Pflegegeld R\u00fccklagen f\u00fcr sp\u00e4tere Aufwendungen zugunsten des Pflegebed\u00fcrftigen zur Deckung nicht typischen Unterhalts gebildet werden (gl.A. Urteil des Schleswig-Holsteinischen FG in EFG 2000, 1131, rkr.).<\/p>\n<p>3. Danach war die Vorentscheidung aufzuheben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur\u00fcckzuverweisen. Das FG wird unter Ber\u00fccksichtigung der Rechtsauffassung des Senats die erforderlichen Feststellungen nachholen und ggf. nach den vom Senat ausgef\u00fchrten Beweislastgrunds\u00e4tzen zu erkennen haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 21.3.2002 (III R 42\/00) BStBl. 2002 II S. 417 1. Die Gew\u00e4hrung des Pflege-Pauschbetrages wird durch jegliche Art von Einnahmen der Pflegeperson im Zusammenhang mit der Pflege, sei es als &#8211; steuerfreie &#8211; Pflegeverg\u00fctung, sei es als Aufwendungsersatz, und unabh\u00e4ngig von deren H\u00f6he ausgeschlossen. 2. 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