{"id":43532,"date":"2002-03-21T12:14:29","date_gmt":"2002-03-21T10:14:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=43532"},"modified":"2013-05-29T13:49:00","modified_gmt":"2013-05-29T11:49:00","slug":"bfh-urteil-vom-21-3-2002-iv-r-15_00-bstbl-2002-ii-s-429","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-21-3-2002-iv-r-15_00-bstbl-2002-ii-s-429\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil     vom 21.3.2002 (IV R 15\/00) BStBl. 2002 II S. 429"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 21.3.2002 (IV R 15\/00) BStBl. 2002 II S. 429<\/strong><\/p>\n<p>Die Vermietung eines Geb\u00e4udeteils an einen Dritten f\u00fcr dessen Betrieb erf\u00fcllt nicht die Voraussetzung der Verwendung zu eigenbetrieblichen Zwecken i.S. des \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b F\u00f6GbG. Das gilt auch dann, wenn die Vermietung zu dem Zweck erfolgt, daraus einen Nutzen f\u00fcr den eigenen Betrieb zu erzielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00f6GbG \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnster (EFG 2000, 689)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) ist Steuerberater. Im Oktober 1995 erwarb er in Th\u00fcringen ein Gesch\u00e4ftsgrundst\u00fcck, das er zu zwei Drittel f\u00fcr seine Steuerberatungspraxis nutzte und zu einem Drittel an einen Rechtsanwalt f\u00fcr dessen Kanzlei vermietete. In der Gewinnermittlung gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) f\u00fcr das Streitjahr (1995) erfasste der Kl\u00e4ger eine Sonderabschreibung nach \u00a7 4 Abs. 2 des F\u00f6rdergebietsgesetzes (F\u00f6GbG) in H\u00f6he von 373.980 DM (50 v.H. der Anschaffungskosten des gesamten Geb\u00e4udes).<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) erkannte die Sonderabschreibung nur in H\u00f6he des auf die von der Steuerberatungspraxis genutzten R\u00e4ume entfallenden Anteils von 2\/3 (249.320 DM) an. Die Vermietung an eine (fremde) Rechtsanwaltskanzlei sei keine eigenbetriebliche Nutzung i.S. des \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b F\u00f6GbG.<\/p>\n<p>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Urteil des Finanzgerichts (FG) ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2000, 689 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Mit der vom FG wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache zugelassenen Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger eine Verletzung des \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b F\u00f6GbG.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision ist nicht begr\u00fcndet und war deshalb zur\u00fcckzuweisen (\u00a7 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Das FG hat zutreffend entschieden, dass die Voraussetzungen des \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b F\u00f6GbG hinsichtlich der vermieteten Geb\u00e4udeteile nicht erf\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>1. a) Nach \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b F\u00f6GbG in der f\u00fcr den Streitfall ma\u00dfgebenden Fassung des Standortsicherungsgesetzes (StandOG) vom 13. September 1993 (BGBl I 1993, 1569, BStBl I 1993, 774) ist die Anschaffung eines abnutzbaren unbeweglichen Wirtschaftsguts beg\u00fcnstigt, wenn das Wirtschaftsgut beim Erwerber zu einem Betriebsverm\u00f6gen geh\u00f6rt, nach dem Jahr der Fertigstellung und nach dem 31. Dezember 1993 angeschafft worden ist und mindestens f\u00fcnf Jahre nach seiner Anschaffung zu eigenbetrieblichen Zwecken verwendet wird.<\/p>\n<p>b) Mit dieser Einschr\u00e4nkung der F\u00f6rderung f\u00fcr Altgeb\u00e4ude ab 1994 durch das Erfordernis einer eigenbetrieblichen Verwendung hat der Gesetzgeber eine Formulierung aufgegriffen, die schon Bestandteil der Richtlinien zu \u00a7 3 des Zonenrandf\u00f6rderungsgesetzes (ZRFG) war (Schreiben des Bundesministers der Finanzen &#8211; BMF &#8211; vom 27. Dezember 1989, BStBl I 1989, 518). Dort hie\u00df es unter Tz. 6, die Verg\u00fcnstigungen w\u00fcrden u.a. unter der Voraussetzung zugelassen, dass &#8222;die unbeweglichen Wirtschaftsg\u00fcter und die ausgebauten oder hergestellten Teile der Geb\u00e4ude vom Steuerpflichtigen zu eigenbetrieblichen Zwecken verwendet werden&#8220;. Daran schloss sich ein Hinweis auf die Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 21. April 1983 IV R 60\/80 (BFHE 138, 396, BStBl II 1983, 529), vom 21. April 1983 IV R 217\/82 (BFHE 138, 292, BStBl II 1983, 532), vom 6. Juli 1983 I R 252\/82 (BFHE 139, 113, BStBl II 1983, 699) und vom 10. Februar 1988 VIII R 159\/84 (BFHE 153, 188, BStBl II 1988, 653) an.<\/p>\n<p>Mit dem Hinweis auf das Urteil in BFHE 139, 113, BStBl II 1983, 699 nahm der BMF Bezug auf die Rechtsprechung des BFH, wonach bei einem Geb\u00e4ude, das teils eigenbetrieblich, teils fremdbetrieblich, teils zu eigenen und teils zu fremden Wohnzwecken genutzt wird, jeder der unterschiedlich genutzten Teile des Geb\u00e4udes ein eigenst\u00e4ndiges Wirtschaftsgut ist (Beschluss des Gro\u00dfen Senats vom 26. November 1973 GrS 5\/71, BFHE 111, 242, BStBl II 1974, 132). Deshalb f\u00fchrte der BMF unter Tz. 12 des Schreibens aus, unter Verwendung zu eigenbetrieblichen Zwecken sei eine im Gegensatz zu fremdbetrieblichen Zwecken, zu fremden Wohnzwecken oder zu eigenen Wohnzwecken stehende Verwendung zu verstehen.<\/p>\n<p>c) In gleicher Weise ist nach Auffassung des erkennenden Senats auch die durch das StandOG eingef\u00fcgte Regelung des \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b F\u00f6GbG zu verstehen. Aus den Gesetzesmaterialien lassen sich keine entgegenstehenden Anhaltspunkte entnehmen. Die Regelung wurde auf Vorschlag des Ausschusses f\u00fcr Raumordnung, Bauwesen und St\u00e4dtebau des Deutschen Bundestags, den sich der Finanzausschuss anschlie\u00dfend zu Eigen gemacht hatte, nachtr\u00e4glich in das StandOG aufgenommen (BTDrucks 12\/5016, S. 48, 76, 82, 104). Ziel der Regelung sollte es sein, eine Inanspruchnahme der Sonderabschreibung durch gewerbliche Wohnungsgesellschaften zu verhindern, die Altbestand an Mietwohnungen aufkauften und diesen nach Inanspruchnahme der Abschreibung ohne Modernisierung wieder ver\u00e4u\u00dferten. Der Gesetzestext geht auf eine Formulierungshilfe des BMF zur\u00fcck (BTDrucks 12\/5016, S. 76), der sich mutma\u00dflich an der Vorg\u00e4ngerregelung in den Richtlinien zum ZRFG orientiert hat.<\/p>\n<p>2. a) Nach den vorstehenden Grunds\u00e4tzen kann der Kl\u00e4ger die Sonderabschreibung gem\u00e4\u00df \u00a7 4 F\u00f6GbG nur f\u00fcr die f\u00fcr seine Steuerberatungspraxis genutzten Geb\u00e4udeteile in Anspruch nehmen. Diese werden f\u00fcr Zwecke des freiberuflichen Betriebs des Kl\u00e4gers verwendet. Die an die Rechtsanwaltskanzlei vermieteten Geb\u00e4udeteile bilden demgegen\u00fcber ein eigenst\u00e4ndiges Wirtschaftsgut, f\u00fcr das die Voraussetzungen des \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b F\u00f6GbG nicht erf\u00fcllt sind. Denn diese Geb\u00e4udeteile werden nicht eigenbetrieblich im Sinne der Vorschrift verwendet. Die Vermietung von Geb\u00e4udeteilen an einen fremden Betrieb schlie\u00dft die eigenbetriebliche Verwendung aus. Dass die Vermietung auch zu dem Zweck erfolgt, daraus einen Nutzen f\u00fcr den eigenen Betrieb zu erzielen, tritt hinter die unmittelbare Verwendung im Betrieb des Mieters, also hinter die fremdbetriebliche Nutzung zur\u00fcck (ebenso die BFH-Rechtsprechung zu \u00a7 3 ZRFG &#8211; vgl. Urteile in BFHE 139, 113, BStBl II 1983, 699; in BFHE 153, 188, BStBl II 1988, 653; vom 16. Juni 1994 IV R 48\/93, BFHE 175, 109, BStBl II 1996, 82; vom 29. Januar 1997 XI R 85\/95, BFHE 182, 237, BStBl II 1997, 377, und vom 21. Oktober 1999 I R 1\/98, BFH\/NV 2000, 691 -, die Finanzverwaltung, vgl. BMF-Schreiben vom 24. Dezember 1996, BStBl I 1996, 1516, unter II. 2., sowie nahezu einhellig das Schrifttum, vgl. Stuhrmann, Deutsches Steuerrecht &#8211; DStR &#8211; 1993, 1125, 1126; ders., Neue Wirtschafts-Briefe &#8211; NWB &#8211; F. 3 8989, 8993; ders., DStR 1997, 103, 105; ders. in: Die neue Investitionsf\u00f6rderung in den neuen Bundesl\u00e4ndern, 4. Aufl. K\u00f6ln 1996, Rdnr. 123 ff.; ders. in Bl\u00fcmich, Einkommensteuergesetz, K\u00f6rperschaftsteuergesetz, Gewerbesteuergesetz, \u00a7 3 F\u00f6GbG Rz. 19 ff.; Beck, Steuern sparen mit Immobilien, 2. Aufl. Berlin 2000, 16; Best, Betriebs-Berater &#8211; BB &#8211; 1993, 1568, 1570; Kaligin, Deutsche Steuer-Zeitung &#8211; DStZ &#8211; 1994, 23, 25 f.; ders., Harzburger Steuerprotokoll 1997, 245, 250 f.; T\u00f6ben, Das F\u00f6rdergebietsgesetz, 2. Aufl. K\u00f6ln 1996, Rz. 520 f.; a.A. z.T. Roland\/Masuch in Bordewin\/ Brandt, Einkommensteuergesetz, \u00a7 3 F\u00f6GbG Rdnr. 14, die abweichend von den o.a. BFH-Urteilen in einigen F\u00e4llen eine Verwendung zu eigenbetrieblichen Zwecken annehmen).<\/p>\n<p>b) Ohne Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, ob der nicht eigenbetrieblich genutzte Geb\u00e4udeteil gleichwohl zum gewillk\u00fcrten oder notwendigen Betriebsverm\u00f6gen des Eigent\u00fcmers geh\u00f6rt. Selbst wenn dies &#8211; wie der Kl\u00e4ger geltend macht &#8211; der Fall ist, scheidet die Inanspruchnahme der Verg\u00fcnstigung aus (vgl. Senatsurteil vom 14. M\u00e4rz 1991 IV R 54\/90, BFHE 165, 119, BStBl II 1991, 808, zum Wohngeb\u00e4ude eines Landwirts im Zusammenhang mit \u00a7 3 ZRFG). Aus den Voraussetzungen des \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b F\u00f6GbG ist eindeutig zu entnehmen, dass der Gesetzgeber die F\u00f6rderung \u00fcber die im Einleitungsteil des Satzes 2 genannte Eigenschaft des Wirtschaftsgutes als Betriebsverm\u00f6gen hinaus an die in Buchst. b zus\u00e4tzlich verlangte eigenbetriebliche Nutzung kn\u00fcpfen wollte. Diese Eingrenzung steht im Ermessen des Gesetzgebers, der damit Mitnahmeeffekte verhindern wollte, und schlie\u00dft fremdbetrieblich genutzte Wirtschaftsg\u00fcter bewusst von der F\u00f6rderung aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 21.3.2002 (IV R 15\/00) BStBl. 2002 II S. 429 Die Vermietung eines Geb\u00e4udeteils an einen Dritten f\u00fcr dessen Betrieb erf\u00fcllt nicht die Voraussetzung der Verwendung zu eigenbetrieblichen Zwecken i.S. des \u00a7 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b F\u00f6GbG. 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