{"id":43657,"date":"2013-05-29T15:43:33","date_gmt":"2013-05-29T13:43:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=43657"},"modified":"2013-05-29T15:43:33","modified_gmt":"2013-05-29T13:43:33","slug":"ii-r-59-11-anlaufhemmung-der-feststellungsfrist-fuer-bedarfsbewertung-bei-anforderung-einer-feststellungserklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-59-11-anlaufhemmung-der-feststellungsfrist-fuer-bedarfsbewertung-bei-anforderung-einer-feststellungserklaerung\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;59\/11 &#8211; Anlaufhemmung der Feststellungsfrist f&uuml;r Bedarfsbewertung bei Anforderung einer Feststellungserkl&auml;rung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2013, II R 59\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Anlaufhemmung der Feststellungsfrist f&uuml;r Bedarfsbewertung bei Anforderung einer Feststellungserkl&auml;rung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Fordert das Lagefinanzamt vom Steuerpflichtigen innerhalb der Feststellungsfrist eine Feststellungserkl&auml;rung f&uuml;r Zwecke der Grunderwerbsteuer an, f&uuml;hrt dies unabh&auml;ngig vom Zeitpunkt der Erstattung der Anzeige nach &sect;&sect; 18 und 19 GrEStG zu einer Anlaufhemmung der Feststellungsfrist.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Durch notariell beurkundeten Vertrag vom 20.&nbsp;Juli 2005 wurde die Verschmelzung der I-GmbH, die Eigent&uuml;merin zahlreicher Grundst&uuml;cke war, auf die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, vereinbart. Die Verschmelzung wurde am 21.&nbsp;Juli 2005 f&uuml;r die Kl&auml;gerin in das Handelsregister eingetragen. Die Kl&auml;gerin zeigte den mit der Verschmelzung verbundenen &Uuml;bergang der Grundst&uuml;cke der I-GmbH auf sie im Jahr 2005 der Grunderwerbsteuerstelle des zust&auml;ndigen Finanzamts an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die vom Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im April 2009 angeforderte Erkl&auml;rung zur Feststellung u.a. des Grundbesitzwerts f&uuml;r das Grundst&uuml;ck &#8230;&nbsp;&nbsp;gab die Kl&auml;gerin im November 2009 ab. Den Grundbesitzwert f&uuml;r dieses Grundst&uuml;ck stellte das FA durch Bescheid vom 5.&nbsp;Januar 2010 auf den 21.&nbsp;Juli 2005 f&uuml;r Zwecke der Grunderwerbsteuer in der von der Kl&auml;gerin erkl&auml;rten H&ouml;he gesondert fest. Der Einspruch hatte nur insoweit Erfolg, als das FA die Feststellung des Grundbesitzwerts in Bezug auf die Frage der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Heranziehung des Grundbesitzwerts als Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Grunderwerbsteuer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;165 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 und 4 der Abgabenordnung (AO) f&uuml;r vorl&auml;ufig erkl&auml;rte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage durch das in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2012, 908 ver&ouml;ffentlichte Urteil mit der Begr&uuml;ndung ab, die Feststellungsfrist sei entgegen der Ansicht der Kl&auml;gerin beim Erlass des Bescheids vom 5.&nbsp;Januar 2010 noch nicht abgelaufen gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Vorentscheidung und den Feststellungsbescheid vom 5.&nbsp;Januar 2010 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 6.&nbsp;Mai 2010 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht angenommen, dass die Feststellungsfrist beim Erlass des Bescheids vom 5.&nbsp;Januar 2010 noch nicht abgelaufen war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 des Bewertungsgesetzes in der im Jahr 2005 geltenden Fassung des Art.&nbsp;1 Nr.&nbsp;36 des Jahressteuergesetzes (JStG) 1997 vom 20.&nbsp;Dezember 1996 &#8211;BewG&#8211; (BGBl I 1996, 2049) sind die Grundbesitzwerte (&sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2, Abs.&nbsp;2 und 3 BewG) gesondert festzustellen, wenn sie f&uuml;r die Erbschaftsteuer oder Grunderwerbsteuer erforderlich sind (Bedarfsbewertung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) F&uuml;r die Feststellung von Grundbesitzwerten gelten gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 BewG die Vorschriften der AO &uuml;ber die Feststellung von Einheitswerten des Grundbesitzes sinngem&auml;&szlig;. Das f&uuml;r die Feststellung von Grundbesitzwerten zust&auml;ndige Finanzamt kann nach &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;6 BewG von jedermann, f&uuml;r dessen Besteuerung eine Bedarfsbewertung erforderlich ist, die Abgabe einer Feststellungserkl&auml;rung innerhalb einer von ihm zu bestimmenden Frist, die mindestens einen Monat betragen muss, verlangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Frist f&uuml;r die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen ist unabh&auml;ngig von der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Folgesteuern zu ermitteln (Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 27.&nbsp;April 1993 VIII&nbsp;R&nbsp;27\/92, BFHE 171, 392, BStBl II 1994, 3; vom 12.&nbsp;Juli 2005 II&nbsp;R&nbsp;10\/04, BFH\/NV 2006, 228, und vom 25.&nbsp;November 2008 II&nbsp;R&nbsp;11\/07, BFHE 223, 326, BStBl II 2009, 287; BFH-Beschluss vom 5.&nbsp;August 2004 II&nbsp;B&nbsp;26\/04, BFH\/NV 2005, 7). Sie kann sp&auml;ter beginnen als die Festsetzungsfrist f&uuml;r die Folgesteuern und daher noch laufen, nachdem die regul&auml;re Festsetzungsfrist bereits abgelaufen ist. F&uuml;r einen solchen Fall sieht &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 Satz&nbsp;1 AO eine Ablaufhemmung der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Folgesteuern vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Diese Grunds&auml;tze gelten auch f&uuml;r die Frist f&uuml;r die gesonderte Feststellung von Einheitswerten. Diese Feststellungsfrist beginnt nach &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 AO mit Ablauf des Kalenderjahres, auf dessen Beginn die Hauptfeststellung, die Fortschreibung, die Nachfeststellung oder die Aufhebung eines Einheitswerts vorzunehmen ist. Ist eine Erkl&auml;rung zur gesonderten Feststellung des Einheitswerts abzugeben, beginnt die Feststellungsfrist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 AO mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Erkl&auml;rung eingereicht wird, sp&auml;testens jedoch mit Ablauf des dritten Kalenderjahres, das auf das Kalenderjahr folgt, auf dessen Beginn die Einheitswertfeststellung vorzunehmen oder aufzuheben ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Aufgrund der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 BewG gebotenen sinngem&auml;&szlig;en Anwendung dieser Vorschriften auf die Bedarfsbewertung beginnt die Frist f&uuml;r die Feststellung eines Grundbesitzwerts f&uuml;r die Erbschaftsteuer oder Grunderwerbsteuer grunds&auml;tzlich mit Ablauf des Kalenderjahres, in das der Bewertungsstichtag f&auml;llt. Auf den Beginn der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Folgesteuer(n) kommt es nicht an (BFH-Urteil in BFHE 223, 326, BStBl II 2009, 287).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hat das Lagefinanzamt nach &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;6 BewG von einem Steuerpflichtigen eine Feststellungserkl&auml;rung angefordert, f&uuml;hrt dies nach Ma&szlig;gabe des &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 AO diesem Steuerpflichtigen gegen&uuml;ber zu einer Anlaufhemmung der Feststellungsfrist (BFH-Urteil in BFHE 223, 326, BStBl II 2009, 287; Hartmann in G&uuml;rsching\/Stenger, Bewertungsrecht, &sect;&nbsp;153 BewG Rz&nbsp;113&nbsp;f.). Die Feststellungsfrist beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Erkl&auml;rung eingereicht wird, sp&auml;testens jedoch mit Ablauf des dritten Kalenderjahres, das auf das Kalenderjahr folgt, auf dessen Beginn die Wertfeststellung vorzunehmen ist. Es gen&uuml;gt dabei, wenn das Finanzamt die Feststellungserkl&auml;rung verlangt, bevor die Feststellungsfrist abgelaufen ist (vgl. BFH-Urteil vom 18.&nbsp;Oktober 2000 II&nbsp;R&nbsp;50\/98, BFHE 193, 48, BStBl II 2001, 14). Die Aufforderung zur Abgabe der Feststellungserkl&auml;rung verpflichtet den Steuerpflichtigen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;149 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO zur Abgabe der Erkl&auml;rung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Die Anforderung einer Feststellungserkl&auml;rung f&uuml;hrt unabh&auml;ngig davon, wann die in &sect;&sect;&nbsp;18 und 19 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) vorgeschriebene Anzeige erstattet wurde, zur Anlaufhemmung der Feststellungsfrist f&uuml;r die Bedarfsbewertung f&uuml;r Zwecke der Grunderwerbsteuer. &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 BewG kn&uuml;pft aufgrund der ausdr&uuml;cklichen Bezugnahme auf &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 AO hinsichtlich der Anlaufhemmung an den Zeitpunkt der Abgabe der angeforderten Feststellungserkl&auml;rung und nicht an den Zeitpunkt der Erstattung der Anzeige nach &sect;&sect;&nbsp;18 und 19 GrEStG an. Der Gesetzgeber sieht in &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;6 BewG die M&ouml;glichkeit vor, &uuml;ber die Anzeige nach &sect;&sect;&nbsp;18 und 19 GrEStG hinaus eine Feststellungserkl&auml;rung als Grundlage f&uuml;r die Bedarfsbewertung zu verlangen. Die durch dieses Verlangen begr&uuml;ndete Handlungspflicht des Steuerpflichtigen beruht darauf, dass die Anzeige nach &sect;&sect;&nbsp;18 und 19 GrEStG gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;20 GrEStG nicht alle Angaben zu enthalten braucht, die f&uuml;r die Feststellung von Grundbesitzwerten regelm&auml;&szlig;ig erforderlich sind. Dem f&uuml;r die Bedarfsbewertung zust&auml;ndigen Finanzamt soll aufgrund der vom Zeitpunkt der Abgabe der Feststellungserkl&auml;rung abh&auml;ngigen Anlaufhemmung eine ausreichende Frist f&uuml;r die Bedarfsbewertung zur Verf&uuml;gung stehen. Dieses Ziel erreicht der Gesetzgeber dadurch, dass er f&uuml;r die Feststellungsfrist eine vom Zeitpunkt der Erstattung der Anzeige nach &sect;&sect;&nbsp;18 und 19 GrEStG unabh&auml;ngige Anlaufhemmung vorsieht. Das von der Kl&auml;gerin angef&uuml;hrte Urteil des FG Hamburg vom 18.&nbsp;Juli 2007&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;70\/07 (EFG 2007, 1978) hatte keinen Bestand. Es wurde durch das BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Oktober 2008 II&nbsp;R&nbsp;9\/08 (BFH\/NV 2009, 1832) aufgehoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Dieses Verst&auml;ndnis des &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 BewG i.V.m. &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 AO entspricht den Wertungen, die der Rechtsprechung zur Anlaufhemmung bei der Schenkungsteuer zugrunde liegen. Fordert die Finanzbeh&ouml;rde nach Anzeigeerstattung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;30 Abs.&nbsp;1 und 2 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) die Einreichung einer Schenkungsteuererkl&auml;rung (&sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;1 ErbStG), endet die Anlaufhemmung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO nach den BFH-Urteilen vom 27.&nbsp;August 2008 II&nbsp;R&nbsp;36\/06 (BFHE 222, 83, BStBl II 2009, 232) und II&nbsp;R&nbsp;37\/06 (BFH\/NV 2009, 173) erst mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuererkl&auml;rung eingereicht wird, sp&auml;testens jedoch mit Ablauf des dritten Kalenderjahres nach dem Jahr der Steuerentstehung. Die blo&szlig;e Erstattung der Anzeige f&uuml;hrt noch nicht zu einer endg&uuml;ltigen Beendigung der Anlaufhemmung. Die Schenkungsteuererkl&auml;rung dient n&auml;mlich weiter gehenden Zwecken als die Anzeige nach &sect;&nbsp;30 Abs.&nbsp;1 und 2 ErbStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Entgegen der von der Kl&auml;gerin im Klageverfahren vertretenen Ansicht ergibt sich aus der Neuregelung des Verfahrens bei der Feststellung von Grundbesitzwerten durch Art.&nbsp;18 JStG 2007 vom 13.&nbsp;Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878) nichts anderes. Zum einen ist die Neuregelung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;158 Abs.&nbsp;1 BewG i.d.F. des Art.&nbsp;18 Nr.&nbsp;9 JStG 2007 (BewG n.F.) erstmals f&uuml;r Besteuerungszeitpunkte nach dem 31.&nbsp;Dezember 2006 anzuwenden und somit im Streitfall nicht ma&szlig;geblich. Zum anderen hat sich durch die Neuregelung im vorliegenden Zusammenhang keine &Auml;nderung ergeben. Nunmehr ist die Befugnis des f&uuml;r die Feststellung des Grundbesitzwerts zust&auml;ndigen Finanzamts, von jedermann, f&uuml;r dessen Besteuerung eine gesonderte Feststellung von Bedeutung ist, die Abgabe einer Feststellungserkl&auml;rung zu verlangen, in &sect;&nbsp;153 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BewG n.F. vorgesehen. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;153 Abs.&nbsp;5 BewG n.F. ist &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 und 5 AO entsprechend anzuwenden. &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO ordnet seinerseits die sinngem&auml;&szlig;e Geltung der Vorschriften &uuml;ber die Durchf&uuml;hrung der Besteuerung f&uuml;r die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen an. Dies gilt auch f&uuml;r die Vorschriften &uuml;ber die Festsetzungsverj&auml;hrung gem&auml;&szlig; &sect;&sect;&nbsp;169&nbsp;ff. AO und damit u.a. f&uuml;r die Regelung in &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO (BFH-Urteil in BFHE 171, 392, BStBl II 1994, 3; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2005, 7). Steuererkl&auml;rung i.S. des &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO die Erkl&auml;rung zur gesonderten Feststellung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ist aufgrund des Verlangens des f&uuml;r die Feststellung zust&auml;ndigen Finanzamts gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;153 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BewG n.F. eine Feststellungserkl&auml;rung einzureichen, beginnt somit die Frist f&uuml;r die Feststellung eines Grundbesitzwerts in sinngem&auml;&szlig;er Anwendung des &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Feststellungserkl&auml;rung eingereicht wird, sp&auml;testens jedoch mit Ablauf des dritten Kalenderjahres, das auf das Kalenderjahr folgt, in dem die Steuer entstanden ist, es sei denn, dass die Feststellungsfrist in sinngem&auml;&szlig;er Anwendung des &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;1 AO sp&auml;ter beginnt. Wenn die Anzeige nach &sect;&sect;&nbsp;18 und 19 GrEStG bereits in einem fr&uuml;heren Jahr erstattet worden war, ist dies auch insoweit unerheblich (Hofmann in Viskorf\/Knobel\/Schuck, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Bewertungsgesetz, 4.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;153 BewG Rz&nbsp;14; Halaczinsky in R&ouml;ssler\/Troll, BewG, &sect;&nbsp;153 Rz&nbsp;25; zur Schenkungsteuer vgl. BFH-Urteil in BFHE 222, 83, BStBl II 2009, 232; Hartmann, a.a.O., &sect;&nbsp;153 BewG Rz&nbsp;109&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Feststellungsfrist war somit bei Erlass des Feststellungsbescheids vom 5.&nbsp;Januar 2010 noch nicht abgelaufen. Sie betr&auml;gt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO vier Jahre und hat nach &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;1 AO mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist, begonnen. Die Steuer ist mit Eintragung der Verschmelzung der I-GmbH in das Handelsregister f&uuml;r den Sitz der Kl&auml;gerin am 21.&nbsp;Juli 2005 entstanden; denn die Eintragung f&uuml;hrte gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Umwandlungsgesetzes zum &Uuml;bergang der der I-GmbH geh&ouml;renden Grundst&uuml;cke auf die Kl&auml;gerin und somit zur Verwirklichung des Tatbestands des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 GrEStG (BFH-Urteil vom 29.&nbsp;September 2005 II&nbsp;R&nbsp;23\/04, BFHE 210, 531, BStBl II 2006, 137). Da das FA im Jahr 2009 und somit noch vor dem Ablauf der Frist die Abgabe einer Feststellungserkl&auml;rung verlangt hat, kam es r&uuml;ckwirkend zu einer Anlaufhemmung von drei Jahren. Der Ablauf der Feststellungsfrist verschob sich somit auf das Ende des Jahres 2012. Der angefochtene Feststellungsbescheid vom 5.&nbsp;Januar 2010 wurde demnach innerhalb der Feststellungsfrist erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2013, II R 59\/11 Anlaufhemmung der Feststellungsfrist f&uuml;r Bedarfsbewertung bei Anforderung einer Feststellungserkl&auml;rung Leits&auml;tze Fordert das Lagefinanzamt vom Steuerpflichtigen innerhalb der Feststellungsfrist eine Feststellungserkl&auml;rung f&uuml;r Zwecke der Grunderwerbsteuer an, f&uuml;hrt dies unabh&auml;ngig vom Zeitpunkt der Erstattung der Anzeige nach &sect;&sect; 18 und 19 GrEStG zu einer Anlaufhemmung der Feststellungsfrist. 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