{"id":43661,"date":"2013-05-29T15:43:34","date_gmt":"2013-05-29T13:43:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=43661"},"modified":"2013-05-29T15:43:34","modified_gmt":"2013-05-29T13:43:34","slug":"iii-b-247-11-wiedereinsetzung-in-die-versaeumte-klagefrist-nach-ablehnung-der-pkh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-247-11-wiedereinsetzung-in-die-versaeumte-klagefrist-nach-ablehnung-der-pkh\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;247\/11 &#8211; Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Klagefrist nach Ablehnung der PKH"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.4.2013, III B 247\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Klagefrist nach Ablehnung der PKH<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Im Zuge einer beim Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) durchgef&uuml;hrten Steuerfahndungspr&uuml;fung erlie&szlig; der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eine Arrestanordnung. Au&szlig;erdem &auml;nderte es die Einkommen- und Umsatzsteuerfestsetzungen der Jahre 1996 bis 2002. Der Kl&auml;ger erhob dagegen verschiedene Einwendungen. So r&uuml;gte er unter anderem die Nichtigkeit der &Auml;nderungsbescheide. Diese seien unter Verletzung eines Beweisverwertungsverbots ergangen. Die bei ihm durchgef&uuml;hrten Durchsuchungs- und Beschlagnahmema&szlig;nahmen seien unter qualifiziert grundrechtsrelevanten Verfahrensverst&ouml;&szlig;en durchgef&uuml;hrt worden. Die Bescheide seien au&szlig;erdem aus den verschiedensten Gr&uuml;nden materiell rechtswidrig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte die Feststellung der Nichtigkeit der &Auml;nderungsbescheide und der Arrestanordnung ab und hielt an dieser Einsch&auml;tzung auch in der Einspruchsentscheidung fest. Dagegen f&uuml;hrte der Einspruch des Kl&auml;gers wegen der geltend gemachten Rechtswidrigkeit der &Auml;nderungsbescheide zu einer Teilabhilfe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 4.&nbsp;Mai 2009, 10.&nbsp;Juli 2009 und 26.&nbsp;Januar 2010 gingen beim Finanzgericht (FG) isolierte Gesuche des Kl&auml;gers um Prozesskostenhilfe (PKH) zur Durchf&uuml;hrung von Feststellungs-, Anfechtungs- und Fortsetzungsfeststellungsklagen sowie Verfahren des vorl&auml;ufigen Rechtsschutzes (Aussetzung der Vollziehung &#8211;AdV&#8211;) ein. Beigef&uuml;gt waren Erkl&auml;rungen &uuml;ber die pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse und Klage- bzw. Antragsentw&uuml;rfe. Die PKH-Verfahren wurden sp&auml;ter zu gemeinsamer Entscheidung unter dem f&uuml;hrenden Aktenzeichen 5&nbsp;K&nbsp;2095\/09 verbunden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschluss vom 25.&nbsp;August 2010 lehnte das FG die Bewilligung der PKH mit der Begr&uuml;ndung ab, dass die vom Kl&auml;ger beabsichtigten Klagen und der AdV-Antrag nach summarischer Pr&uuml;fung ohne Aussicht auf Erfolg seien. Zu zahlreichen umstrittenen Einzelpunkten vermisste das FG einen substantiierten Tatsachenvortrag oder verwies auf die beim Kl&auml;ger liegende Feststellungslast.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 22.&nbsp;September 2010 erhob der Kl&auml;ger eine Nichtigkeitsfeststellungs- und zugleich eine Anfechtungsklage gegen die streitigen Bescheide. Au&szlig;erdem beantragte er AdV. Wegen der vers&auml;umten Frist zur Erhebung der Anfechtungsklage beantragte er Wiedereinsetzung in den vorigen Stand unter Verweis auf die von ihm rechtzeitig gestellten und vom FG mit Beschluss vom 25.&nbsp;August 2010 abgelehnten Antr&auml;ge auf PKH.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG wies mit dem angegriffenen Urteil die Klage als unzul&auml;ssig ab. Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Klagefrist k&ouml;nne nicht gew&auml;hrt werden. Denn der Kl&auml;ger habe innerhalb der Klagefrist keinen vollst&auml;ndigen PKH-Antrag gestellt. Die den Gesuchen beigef&uuml;gten Klageentw&uuml;rfe und -begr&uuml;ndungen seien nicht geeignet gewesen, das Klagebegehren hinreichend substantiiert darzustellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Nichtzulassungsbeschwerde r&uuml;gt der Kl&auml;ger unter anderem einen Verfahrensmangel. Das FG habe zu Unrecht durch Prozess- statt durch Sachurteil &uuml;ber seine Klage entschieden. Sein Wiedereinsetzungsantrag sei rechtsfehlerhaft abgelehnt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des finanzgerichtlichen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO liegen vor. Das FG hat zu Unrecht durch Prozessurteil entschieden. Es h&auml;tte dem Wiedereinsetzungsantrag entsprechen und zur Sache verhandeln m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Verfahrensr&uuml;ge des Kl&auml;gers ist in zul&auml;ssiger Form erhoben worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Beschwerdebegr&uuml;ndung wurden die Voraussetzungen f&uuml;r einen Verfahrensmangel, n&auml;mlich die fehlerhafte Ablehnung des Antrages auf Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Klagefrist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO, in der von &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO geforderten Form, dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Auffassung des Senats waren Darlegungen zur Erheblichkeit des Verfahrensmangels f&uuml;r das angefochtene Urteil entbehrlich. Wird, wie im Streitfall, die Verletzung von Sachentscheidungsvoraussetzungen schl&uuml;ssig dargelegt, dann liegt die Erheblichkeit des Fehlers auf der Hand (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;50, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Verfahrensr&uuml;ge ist auch begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wenn jemand ohne Verschulden verhindert war, eine gesetzliche Frist einzuhalten, so ist ihm auf Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es entspricht st&auml;ndiger Rechtsprechung der obersten Gerichtsh&ouml;fe des Bundes, dass ein Beteiligter, der wegen Mittellosigkeit nicht in der Lage war, die fristgebundene Klage oder das gegebene Rechtsmittel rechtzeitig einzulegen, Anspruch auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand hat, wenn er innerhalb der Klage- oder Rechtsmittelfrist alles Zumutbare tut, um das in seiner Mittellosigkeit bestehende Hindernis zu beheben. Das bedeutet, dass er bis zum Ablauf der Klage- oder Rechtsmittelfrist alle Voraussetzungen f&uuml;r die Bewilligung der PKH zur Erhebung der Klage oder der Einlegung des Rechtsmittels schaffen muss. Hierzu geh&ouml;rt, dass innerhalb dieser Fristen das PKH-Gesuch zusammen mit der Erkl&auml;rung &uuml;ber die pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse nebst den entsprechenden Belegen (&sect;&nbsp;117 Abs.&nbsp;2 bis 4 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;) eingereicht wird (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 3.&nbsp;April 1987 VI&nbsp;B&nbsp;150\/85, BFHE 149, 409, BStBl II 1987, 573; Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect;&nbsp;56 Rz&nbsp;20 &quot;Prozesskostenhilfe&quot;, m.w.N.). Nach verbreiteter Auffassung hat er au&szlig;erdem gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;142 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;117 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 ZPO das Streitverh&auml;ltnis unter Angabe der Beweismittel darzustellen (so z.B. BFH-Beschluss vom 15.&nbsp;April 1999 X&nbsp;S&nbsp;1\/99, BFH\/NV 1999, 1355; offen gelassen z.B. im BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;Oktober 2004 VII&nbsp;S&nbsp;11\/04 (PKH), BFHE 208, 26, BStBl II 2005, 139). Sind diese Anforderungen erf&uuml;llt, dann liegt ein formell ordnungsgem&auml;&szlig;er PKH-Antrag mit der Folge vor, dass ohne Verz&ouml;gerung &uuml;ber das Gesuch entschieden werden kann. Ergeht sodann eine &#8211;stattgebende oder ablehnende&#8211; Entscheidung &uuml;ber den PKH-Antrag, dann muss auf den fristgerecht gestellten (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO) Antrag des Rechtsuchenden grunds&auml;tzlich Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Rechtsbehelfsfrist gew&auml;hrt werden. Die Wiedereinsetzung ist nicht davon abh&auml;ngig zu machen, ob der PKH-Antragsteller mit der Bejahung der Erfolgsaussicht des beabsichtigten Rechtsbehelfs rechnen konnte (vgl. z.B. Beschluss des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 29.&nbsp;Januar 1985 VI&nbsp;ZB&nbsp;20\/84, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211;HFR&#8211; 1986, 87). Er hat daher insbesondere auch dann grunds&auml;tzlich einen Anspruch auf Wiedereinsetzung, wenn das Gericht in seiner PKH-Entscheidung die Erfolgsaussichten der beabsichtigten Rechtsverfolgung verneint hat (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2010&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;290\/10, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 2010, 2567).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben hat das FG verfahrensfehlerhaft dem Kl&auml;ger die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand verweigert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Kl&auml;ger hat innerhalb der durch die Bekanntgabe der PKH-Entscheidung vom 25.&nbsp;August 2010 ausgel&ouml;sten Zweiwochenfrist des &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO den Wiedereinsetzungsantrag gestellt (zur Fristberechnung nach PKH-Versagung vgl. Beschl&uuml;sse des BGH vom 20.&nbsp;Januar 2009 VIII&nbsp;ZA&nbsp;21\/08, HFR 2009, 722; vom 26.&nbsp;Mai 1993 XII&nbsp;ZB&nbsp;70\/93, Zeitschrift f&uuml;r das gesamte Familienrecht 1993, 1428, jeweils m.w.N.; gleicher Auffassung BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;November 1991 III&nbsp;B&nbsp;566\/90, BFH\/NV 1992, 686) und die vers&auml;umte Klageerhebung nachgeholt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der Kl&auml;ger war ohne sein Verschulden an der Einhaltung der Klagefrist gehindert, weil er sich f&uuml;r bed&uuml;rftig halten durfte und er innerhalb der Klagefrist formell ordnungsgem&auml;&szlig;e, vollst&auml;ndige und sachlich bescheidungsf&auml;hige PKH-Antr&auml;ge gestellt hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Antr&auml;gen waren ausgef&uuml;llte Erkl&auml;rungsvordrucke &uuml;ber die pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse beigef&uuml;gt. Zwar l&auml;sst sich anhand der Akten nicht sicher feststellen, dass, wie vom Kl&auml;ger in der Beschwerdeschrift ausdr&uuml;cklich vorgetragen wird, auch dem am 26.&nbsp;Januar 2010 eingegangenen PKH-Antrag ein Vordruck beigef&uuml;gt war. Doch selbst wenn ein solcher nicht eingereicht worden sein sollte, w&uuml;rde dies nach den besonderen Verh&auml;ltnissen des Streitfalles keinen Verschuldensvorwurf begr&uuml;nden k&ouml;nnen. Zwar kann ein Kl&auml;ger nur dann davon ausgehen, die wirtschaftlichen Voraussetzungen f&uuml;r die Gew&auml;hrung von PKH dargetan zu haben, wenn er sich rechtzeitig vor Ablauf der Klage- oder Rechtsmittelfrist auf dem hierf&uuml;r von &sect;&nbsp;117 ZPO vorgeschriebenen und von ihm vollst&auml;ndig ausgef&uuml;llten Vordruck &uuml;ber seine pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse erkl&auml;rt hat. Dabei d&uuml;rfen die Anforderungen an die Darlegung der Bed&uuml;rftigkeit allerdings nicht &uuml;berspannt werden, weil sonst der Zweck der PKH, dem Unbemittelten den weitgehend gleichen Zugang zu den Gerichten zu erm&ouml;glichen, verfehlt w&uuml;rde. Im Streitfall lagen demselben Spruchk&ouml;rper des FG bereits zwei aktuelle Vordrucke aus den noch offenen, parallel gef&uuml;hrten und wegen Sachzusammenhangs sp&auml;ter verbundenen PKH-Antragsverfahren vor. Auf das bereits anh&auml;ngige PKH-Verfahren 5&nbsp;K&nbsp;2095\/09 wies der Kl&auml;ger zudem ausdr&uuml;cklich hin. Das Gericht war somit rechtzeitig &uuml;ber die pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse als Grundlage f&uuml;r die sodann am 25.&nbsp;August 2010 getroffene PKH-Entscheidung vom Kl&auml;ger in Kenntnis gesetzt worden. Dieser hat damit in solcher Weise um die Bewilligung der PKH nachgesucht, dass er &#8211;von seinem Standpunkt aus gesehen&#8211; damit rechnen konnte, dass ihm unter dem Gesichtspunkt der Bed&uuml;rftigkeit PKH nicht versagt werde. Einer f&ouml;rmlichen Bezugnahme auf die in den Parallelverfahren eingereichten Vordrucke bedurfte es nach Auffassung des Senats nicht. Die Situation, in der mehrere offene, sachlich zusammenh&auml;ngende PKH-Verfahren in derselben Instanz vor demselben Spruchk&ouml;rper parallel gef&uuml;hrt werden, ist mit den vom BFH entschiedenen Fallgestaltungen, in denen PKH f&uuml;r ein Rechtsmittelverfahren unter Hinweis auf den erstinstanzlich vorgelegten Vordruck gew&auml;hrt werden soll (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 5.&nbsp;November 1986 IV&nbsp;S&nbsp;7\/86, BFHE 148, 13, BStBl II 1987, 62; vom 21.&nbsp;Januar 2000 VIII&nbsp;S&nbsp;7\/99, BFH\/NV 2000, 866), nicht vergleichbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Antr&auml;gen lagen au&szlig;erdem umfangreiche Klageentw&uuml;rfe bei. So umfasste beispielsweise der Klageentwurf f&uuml;r das Anfechtungsbegehren mehr als vierzig Seiten. Die Schrifts&auml;tze waren inhaltlich klar strukturiert und enthielten zu den einzelnen Streitkomplexen kein Pauschalvorbringen, sondern eine konkrete, zum Teil in die Einzelheiten gehende Sachverhaltsdarstellung mit umfangreichen Beweisantritten. Im &Uuml;brigen wird das Ma&szlig; der Substantiierung auch durch die Reaktion des Gerichts und der &uuml;brigen Prozessbeteiligten, vor allem aber durch den Zweck der aus &sect;&nbsp;117 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 ZPO abzuleitenden Darlegungspflicht bestimmt. Dieser Zweck besteht darin, dem Gericht die Pr&uuml;fung der Erfolgsaussichten des PKH-Gesuchs zu erm&ouml;glichen (z.B. BFH-Beschluss vom 21.&nbsp;April 1986 IV&nbsp;B&nbsp;9\/86, BFH\/NV 1986, 762). Das FG war im Streitfall durch die Klageentw&uuml;rfe in die Lage versetzt worden, die PKH-Gesuche materiell zu w&uuml;rdigen. Das geht aus dem rund sechzigseitigen Beschluss hervor, in dem das FG die Erfolgsaussichten der Klage bei allen einzelnen Streitpunkten sachlich gepr&uuml;ft und im Ergebnis verneint hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach Auffassung des Senats k&ouml;nnen kleinere Substantiierungsm&auml;ngel bei der Darstellung des Streitverh&auml;ltnisses, so sie denn im Streitfall &uuml;berhaupt vorliegen sollten, nicht zur Verweigerung der Wiedereinsetzung f&uuml;hren. Nur mit dieser Sichtweise l&auml;sst sich eine sonst drohende Benachteiligung der bed&uuml;rftigen Partei vermeiden. Ist diese anwaltlich nicht vertreten, so muss sie ihr sachliches Begehren nach bisheriger, allerdings nicht unumstrittener h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung zur PKH f&uuml;r das Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde zumindest laienhaft substantiieren (zusammenfassend zur Problematik BFH-Beschl&uuml;sse vom 14.&nbsp;Oktober 2003 X&nbsp;S&nbsp;9\/03 (PKH), BFH\/NV 2004, 221; vom 23.&nbsp;Januar 2008 VIII&nbsp;S&nbsp;21\/07 (PKH), BFH\/NV 2008, 810, m.w.N.). Es kann offen bleiben, ob sich der Senat dieser Rechtsprechung anschlie&szlig;en k&ouml;nnte. Jedenfalls ist er der Auffassung, dass die Anforderungen an die Darlegungspflicht keinesfalls &uuml;berspannt werden d&uuml;rfen, selbst wenn die bed&uuml;rftige Partei anwaltlich vertreten ist. Findet eine solche Partei einen fachkundigen Vertreter f&uuml;r die Stellung eines isolierten PKH-Antrages, dann kann von dem zur Vertretung bereiten Anwalt oder Steuerberater regelm&auml;&szlig;ig nicht erwartet werden, dass er ohne Kostenvorschuss und vor einer gerade erst beantragten Beiordnung (&sect;&nbsp;142 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;121 Abs.&nbsp;2 ZPO) eine umfassende Sach- und Rechtspr&uuml;fung vornimmt und innerhalb der Klagefrist gewisserma&szlig;en einen &quot;nahezu perfekten&quot; Klageentwurf ausarbeitet (vgl. auch BGH-Beschl&uuml;sse in HFR 1986, 87; vom 11.&nbsp;November 1992 XII&nbsp;ZB&nbsp;118\/92, NJW 1993, 732). Auf der Basis der im angegriffenen Urteil vertretenen Auffassung w&uuml;rden einzelne Substantiierungsm&auml;ngel des PKH-Gesuchs, die nicht noch w&auml;hrend der laufenden Klagefrist behoben werden, nicht nur zur Verneinung der hinreichenden Erfolgsaussichten und damit zur Versagung der PKH als Leistung der staatlichen Daseinsf&uuml;rsorge, sondern wegen der damit verbundenen Qualifizierung des PKH-Antrages als nicht ordnungsgem&auml;&szlig; zugleich zur Verweigerung der Wiedereinsetzung, also zum endg&uuml;ltigen Verlust des Klagerechts f&uuml;hren. Eine derartige Beschr&auml;nkung der Rechtsschutzm&ouml;glichkeiten der bed&uuml;rftigen Partei ist aus Sicht des Senats nicht hinnehmbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Soweit das FG den PKH-Antrag wegen Mutwilligkeit abgelehnt hat, steht auch dies der Wiedereinsetzung nicht entgegen. Die beabsichtigte Rechtsverfolgung war nicht mutwillig. Das FG hat die Mutwilligkeit damit begr&uuml;ndet, dass der Kl&auml;ger Unterlagen, die bereits im Verwaltungsverfahren h&auml;tten vorgelegt werden k&ouml;nnen, erst im gerichtlichen Verfahren eingef&uuml;hrt habe. Es entspricht jedoch st&auml;ndiger BFH-Rechtsprechung, dass die Verletzung von Mitwirkungspflichten im Besteuerungsverfahren grunds&auml;tzlich f&uuml;r die Bewilligung der PKH unsch&auml;dlich ist, weil zur Beurteilung der Mutwilligkeit allein auf das innerprozessuale Verhalten abzustellen ist (BFH-Beschl&uuml;sse vom 11.&nbsp;November 1999 III&nbsp;B&nbsp;40\/99, BFH\/NV 2000, 722; vom 11.&nbsp;August 2000 IV&nbsp;B&nbsp;27,&nbsp;28\/00, BFH\/NV 2001, 191). Der abweichenden Auffassung in der finanzgerichtlichen Rechtsprechung (z.B. Urteil des FG Hamburg vom 8.&nbsp;November 2002 IV&nbsp;58\/00, Entscheidungen der Finanzgerichte 2003, 719) folgt der Senat nicht. Zudem betraf der Mutwilligkeitsvorwurf nach den Gr&uuml;nden des PKH-Beschlusses vom 25.&nbsp;August 2010 nur einzelne Streitpunkte. Es ist daher nicht gerechtfertigt, die nachfolgende Anfechtungsklage insgesamt als unzul&auml;ssig abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.4.2013, III B 247\/11 Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Klagefrist nach Ablehnung der PKH Tatbestand 1&nbsp; I. Im Zuge einer beim Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) durchgef&uuml;hrten Steuerfahndungspr&uuml;fung erlie&szlig; der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eine Arrestanordnung. Au&szlig;erdem &auml;nderte es die Einkommen- und Umsatzsteuerfestsetzungen der Jahre 1996 bis 2002. Der Kl&auml;ger erhob dagegen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-247-11-wiedereinsetzung-in-die-versaeumte-klagefrist-nach-ablehnung-der-pkh\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;B&nbsp;247\/11 &#8211; Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Klagefrist nach Ablehnung der PKH<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-43661","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43661","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=43661"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43661\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43661"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=43661"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=43661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}