{"id":44015,"date":"2002-03-19T11:26:13","date_gmt":"2002-03-19T09:26:13","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=44015"},"modified":"2013-05-30T15:37:47","modified_gmt":"2013-05-30T13:37:47","slug":"bfh-urteil-vom-19-3-2002-ix-r-19_00-bstbl-2002-ii-s-518","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-19-3-2002-ix-r-19_00-bstbl-2002-ii-s-518\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil     vom 19.3.2002 (IX R 19\/00) BStBl. 2002 II S. 518"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 19.3.2002 (IX R 19\/00) BStBl. 2002 II S. 518<\/strong><\/p>\n<p>Im Fall der Ermittlung des Nutzungswerts der Wohnung im eigenen Haus (\u00a7 21 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. \u00a7 52 Abs. 21 EStG) geh\u00f6ren zu der an der Marktmiete orientierten Rohmiete auch die orts\u00fcblichen umlagef\u00e4higen Nebenentgelte. Wird daher lediglich die Nettokaltmiete angesetzt, so m\u00fcssen &#8211; auch im Fall des Ansatzes des Werbungskosten-Pauschbetrags gem\u00e4\u00df \u00a7 9a Satz 1 Nr. 2 EStG &#8211; auf der Einnahmenseite die umlagef\u00e4higen Nebenentgelte in durchschnittlicher H\u00f6he hinzugerechnet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EStG (1990, 1997) \u00a7 9a Satz 1 Nr. 2, \u00a7 21 Abs. 2 Satz 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Baden-W\u00fcrttemberg (EFG 2000, 427)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) &#8211; zur Einkommensteuer zusammenveranlagte Eheleute &#8211; sind Eigent\u00fcmer eines mit einem Zweifamilienhaus bebauten Grundst\u00fccks. Die Erdgeschoss-Wohnung bewohnen sie selbst, die Wohnung im Dachgeschoss haben sie vermietet. F\u00fcr ihre selbstgenutzte Wohnung nahmen sie die \u00dcbergangsregelung nach \u00a7 52 Abs. 21 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in Anspruch.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Streitjahr 1996 erkl\u00e4rten die Kl\u00e4ger f\u00fcr die Dachgeschoss-Wohnung Mieteinnahmen sowie Einnahmen aus einer Umlage f\u00fcr Wasser und f\u00fcr die selbstgenutzte Wohnung einen (Netto-) Mietwert. Als Werbungskosten machten sie gem\u00e4\u00df \u00a7 9a Satz 1 Nr. 2 EStG in der f\u00fcr das Streitjahr geltenden Fassung f\u00fcr beide Wohnungen insgesamt 9.156 DM geltend. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) sch\u00e4tzte auf der Einnahmenseite f\u00fcr die selbstgenutzte Wohnung umlagef\u00e4hige Kosten in H\u00f6he von 2.682 DM hinzu.<\/p>\n<p>Einspruch und Klage blieben erfolglos. In seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2000, 427 ver\u00f6ffentlichten Urteil vertrat das Finanzgericht (FG) die Auffassung, dass im Rahmen der Ermittlung des Nutzungswerts der Wohnung im eigenen Haus bei Ansatz des Werbungskosten-Pauschbetrags nach \u00a7 9a Satz 1 Nr. 2 EStG auf der Ausgabenseite der auf der Einnahmenseite angesetzte Netto-Mietwert um die entsprechenden orts\u00fcblichen umlagef\u00e4higen Nebenentgelte (Umlagen) zu erh\u00f6hen sei.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgen die Kl\u00e4ger die Verletzung materiellen Rechts (\u00a7 9a Satz 1 Nr. 2 EStG).<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger beantragen, die Vorentscheidung aufzuheben und unter \u00c4nderung des Einkommensteuerbescheids 1996 vom 29. Dezember 1997 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 8. September 1998 die Einkommensteuer 1996 auf 16.150 DM festzusetzen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Das FG hat zu Recht entschieden, dass bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung dem von den Kl\u00e4gern angesetzten Mietwert die vom FA gesch\u00e4tzten Umlagen hinzuzurechnen sind.<\/p>\n<p>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7 21 Abs. 2 Satz 1 1. Alternative EStG in der nach \u00a7 52 Abs. 21 Satz 2 EStG auf den Streitfall anzuwendenden Fassung geh\u00f6rt zu den Eink\u00fcnften aus Vermietung und Verpachtung auch der Nutzungswert der Wohnung im eigenen Haus. Den unbestimmten Rechtsbegriff &#8222;Nutzungswert&#8220; hat der Senat in st\u00e4ndiger Rechtsprechung (z.B. Urteil vom 22. Oktober 1993 IX R 35\/92, BFHE 174, 51, BStBl II 1995, 98, m.w.N.) dahin ausgelegt, dass der zu sch\u00e4tzenden Rohmiete die nachgewiesenen Werbungskosten gegen\u00fcberzustellen sind.<\/p>\n<p>a) Die anzusetzende Rohmiete ist in entsprechender Anwendung des \u00a7 8 Abs. 2 EStG (st\u00e4ndige Rechtsprechung, z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 11. Oktober 1977 VIII R 20\/75, BFHE 123, 347, BStBl II 1977, 860, m.w.N.) grunds\u00e4tzlich anhand der am Wohnungsmarkt f\u00fcr vergleichbare Objekte erzielbaren Miete, der sog. Marktmiete, zu sch\u00e4tzen. Da von dem Rohmietwert die nachgewiesenen Werbungskosten abzusetzen sind, ist dieser als Bruttomietwert zu ermitteln (BFH-Urteil vom 3. Mai 1963 VI 140\/61 U, BFHE 77, 127, BStBl III 1963, 364). Das bedeutet, dass in den F\u00e4llen, in denen auf der Einnahmenseite lediglich eine Netto-(Kalt-)Miete angesetzt wurde, dieser umlagef\u00e4hige Nebenentgelte in durchschnittlicher H\u00f6he hinzugerechnet werden m\u00fcssen (BFH-Urteile vom 30. Januar 1996 IX R 80\/90, BFHE 180, 69, BStBl II 1997, 23, und IX R 18\/91, BFHE 180, 65, BStBl II 1997, 25; vgl. auch BFH-Urteil vom 10. Mai 1994 IX R 75\/90, BFH\/NV 1995, 213). Daf\u00fcr spricht auch &#8211; entgegen der Ansicht der Revision &#8211; die Systematik des Gesetzes, wonach die gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 2 Nr. 2 EStG f\u00fcr alle \u00dcberschuss-Einkunftsarten gleicherma\u00dfen vorzunehmende Eink\u00fcnfteermittlung es erfordert, auf der Einnahmen- wie der Ausgabenseite alle im Zusammenhang mit der jeweiligen Einkunftsart stehenden Vorg\u00e4nge betragsm\u00e4\u00dfig zu erfassen.<\/p>\n<p>b) Nichts anderes gilt, wenn statt nachgewiesener Werbungskosten der Werbungskosten-Pauschbetrag gem\u00e4\u00df \u00a7 9a Satz 1 Nr. 2 EStG geltend gemacht wird. Die mit dieser Vorschrift beabsichtigte Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens wirkt sich nur auf der Ausgabenseite aus. Der Umstand, dass die mit der Erzielung von Eink\u00fcnften aus Vermietung und Verpachtung im Zusammenhang stehenden Aufwendungen mit dem Pauschbetrag in einer gesetzlich typisierenden H\u00f6he festgesetzt worden sind, hindert nicht die Erfassung von Nebenentgelten auf der Einnahmenseite. Dies hat der Senat bereits in seinen Urteilen vom 14. Dezember 1999 IX R 69\/98 (BFHE 190, 442, BStBl II 2000, 197) und IX R 23\/99 (BFH\/NV 2000, 831) f\u00fcr den Fall der (Fremd-)Vermietung entschieden. Die Grunds\u00e4tze dieser Entscheidungen, auf die zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen wird, gelten in gleicher Weise f\u00fcr die Besteuerung des Nutzungswerts der Wohnung im eigenen Haus, die darauf gerichtet ist, den selbstnutzenden Eigent\u00fcmer steuerrechtlich so zu behandeln, wie wenn er die Wohnung an sich selbst vermietet h\u00e4tte (st\u00e4ndige Rechtsprechung, s. BFH-Urteile in BFHE 180, 69, BStBl II 1997, 23, und in BFHE 180, 65, BStBl II 1997, 25, m.w.N.).<\/p>\n<p>2. Hiernach hat das FG im Streitfall, in dem die Beteiligten \u00fcbereinstimmend davon ausgehen, dass die Kl\u00e4ger als Einnahmen lediglich die Netto-(Kalt-)Miete angesetzt haben, die vom FA vorgenommene Hinzurechnung von &#8211; der H\u00f6he nach unstreitiger &#8211; umlagef\u00e4higer Nebenentgelte zutreffend als rechtm\u00e4\u00dfig beurteilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 19.3.2002 (IX R 19\/00) BStBl. 2002 II S. 518 Im Fall der Ermittlung des Nutzungswerts der Wohnung im eigenen Haus (\u00a7 21 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. \u00a7 52 Abs. 21 EStG) geh\u00f6ren zu der an der Marktmiete orientierten Rohmiete auch die orts\u00fcblichen umlagef\u00e4higen Nebenentgelte. 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