{"id":44759,"date":"2001-02-20T12:28:18","date_gmt":"2001-02-20T10:28:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=44759"},"modified":"2013-06-04T12:19:42","modified_gmt":"2013-06-04T10:19:42","slug":"bfh-urteil-vom-20-2-2001-ix-r-94_97-bstbl-2001-ii-s-415","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-20-2-2001-ix-r-94_97-bstbl-2001-ii-s-415\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 20.2.2001 (IX R 94\/97)     BStBl. 2001 II S. 415"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 20.2.2001 (IX R 94\/97) BStBl. 2001 II S. 415<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den nach \u00a7 6 Abs. 4 Satz 1 FGO unanfechtbaren Beschluss des FG zur \u00dcbertragung des Rechtsstreits auf den Einzelrichter ist eine Begr\u00fcndung nicht erforderlich (\u00a7 113 Abs. 2 Satz 1 FGO); dies gilt auch dann, wenn einer der Beteiligten sich zuvor gegen eine \u00dcbertragung des Rechtsstreits auf den Einzelrichter ausgesprochen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>FGO \u00a7 6 Abs. 4 Satz 1, \u00a7 113 Abs. 2 Satz 1, \u00a7 124 Abs. 2; AO 1977 \u00a7 169 Abs. 2 Satz 2.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Baden-W\u00fcrttemberg (EFG 1998, 124)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) \u00fcbte in den Veranlagungszeitr\u00e4umen 1986 bis 1989 (Streitjahre) eine selbst\u00e4ndige T\u00e4tigkeit als Kfz-Verk\u00e4ufer aus. Durch notariellen Kaufvertrag vom 21. September 1979 hatte er ein bebautes Grundst\u00fcck erworben, das er mit Vertrag vom 1. September 1983 vom Zeitpunkt des Vertragsschlusses an zu gewerblichen Zwecken vermietet hat. Entsprechend einer zwischen den Vertragsparteien getroffenen Vereinbarung \u00fcberwies der Mieter den Mietzins einschlie\u00dflich der hierauf entfallenden Umsatzsteuer auf ein Konto der Mutter des Kl\u00e4gers. In den die Streitjahre betreffenden Einkommensteuer- und Umsatzsteuererkl\u00e4rungen des Kl\u00e4gers sind Mieteinnahmen und -ums\u00e4tze nicht enthalten.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -), der von der Vermietung des Grundst\u00fccks durch eine Kontrollmitteilung Kenntnis erhielt, erlie\u00df unter dem 6. Dezember 1996 ge\u00e4nderte Einkommensteuer- und Umsatzsteuerbescheide f\u00fcr die Streitjahre, mit denen die bislang nicht versteuerten Einnahmen bzw. Ums\u00e4tze erfasst wurden.<\/p>\n<p>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG), das den Rechtsstreit nach \u00a7 6 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) auf den Einzelrichter \u00fcbertragen hatte, vertrat die Ansicht, die \u00c4nderung der streitgegenst\u00e4ndlichen Bescheide sei innerhalb der verl\u00e4ngerten Festsetzungsfrist des \u00a7 169 Abs. 2 Satz 2 der Abgabenordnung (AO 1977) zu Recht erfolgt. Der Kl\u00e4ger habe die nachtr\u00e4glich festgesetzte Einkommen- und Umsatzsteuer wissentlich und willentlich hinterzogen, so dass im Streitfall von einer zehnj\u00e4hrigen Festsetzungsfrist auszugehen sei.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger die Verletzung formellen Rechts. Er beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur\u00fcckzuverweisen, hilfsweise, die Einspruchsentscheidung vom 17. M\u00e4rz 1997 aufzuheben und die Einkommensteuer- und Umsatzsteuerbescheide 1986 bis 1989, jeweils vom 6. Dezember 1996, dahingehend abzu\u00e4ndern, dass die Einkommensteuer f\u00fcr 1986 bis 1989 ohne Vermietungseink\u00fcnfte in H\u00f6he von jeweils 14.280 DM ermittelt wird und dass die Umsatzsteuer f\u00fcr 1986 auf 5.705 DM, f\u00fcr 1987 auf 1.216 DM, f\u00fcr 1988 auf 1. 662 DM und f\u00fcr 1989 auf 858 DM festgesetzt wird.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1. Die Revision kann nicht mit Erfolg auf eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes &#8211; GG -) gest\u00fctzt werden. Zwar ist umstritten, ob das FG, bevor es in Anwendung von \u00a7 6 Abs. 1 FGO den Rechtsstreit einem Senatsmitglied als Einzelrichter \u00fcbertr\u00e4gt, den Beteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme geben muss (zum Meinungsstand s. Buciek in Beermann, Steuerliches Verfahrensrecht, \u00a7 6 FGO Rz. 27 f.), jedoch kann sich im Streitfall ein &#8211; unterstellter &#8211; Versto\u00df gegen das rechtliche Geh\u00f6r auf das Verfahrensergebnis nicht auswirken. Die Entscheidung, eine Rechtssache auf den Einzelrichter zu \u00fcbertragen, ist gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 4 Satz 1 FGO unanfechtbar. Unanfechtbare Entscheidungen der Vorinstanz, die dem Endurteil vorausgegangen sind, unterliegen nach \u00a7 124 Abs. 2 FGO nicht der Pr\u00fcfung im Revisionsverfahren (vgl. Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 17. April 1997 III R 39\/96, BFH\/NV 1997, 860; vom 3. Dezember 1998 I B 124\/98, BFH\/NV 1999, 793; vom 21. Oktober 1999 VII R 15\/99, BFHE 190, 47, BStBl II 2000, 88). Das kann anders sein, wenn die \u00dcbertragung greifbar gesetzwidrig ist (zu den Voraussetzungen vgl. BFH-Beschluss vom 29. Mai 1996 IV R 26\/95, BFH\/NV 1996, 908). Hierf\u00fcr liegen im Streitfall indes keine Anhaltspunkte vor. Im \u00dcbrigen hat sich der Kl\u00e4ger vor der \u00dcbertragung auf den Einzelrichter (negativ) zu der \u00dcbertragung ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Da der Beschluss zur \u00dcbertragung des Rechtsstreits auf den Einzelrichter nach \u00a7 6 Abs. 4 Satz 1 FGO unanfechtbar ist, ist &#8211; entgegen der Ansicht des Kl\u00e4gers &#8211; auch eine Begr\u00fcndung nicht erforderlich (\u00a7 113 Abs. 2 Satz 1 FGO). Dies gilt auch dann, wenn &#8211; wie im Streitfall &#8211; einer der Beteiligten des Rechtsstreits sich zuvor gegen eine \u00dcbertragung des Rechtsstreits auf den Einzelrichter ausgesprochen hat (Buciek in Beermann, a.a.O., \u00a7 6 FGO Rz. 84, m.w.N.).<\/p>\n<p>2. Die vom Kl\u00e4ger erhobenen R\u00fcgen mangelnder Sachaufkl\u00e4rung (\u00a7 76 FGO) sowie des Versto\u00dfes gegen den klaren Inhalt der Akten (\u00a7 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) sind nicht begr\u00fcndet. Der Senat sieht insoweit gem\u00e4\u00df \u00a7 126 Abs. 6 FGO i.d.F. des Zweiten Gesetzes zur \u00c4nderung der Finanzgerichtsordnung und anderer Gesetze (2. FGO\u00c4ndG) vom 19. Dezember 2000 (BGBl I 2000, 1757) von einer Begr\u00fcndung ab.<\/p>\n<p>3. Die Revision kann auch keinen Erfolg haben, soweit der Kl\u00e4ger die unrichtige Anwendung des \u00a7 169 Abs. 2 Satz 2 AO 1977 r\u00fcgt. Die Festsetzungsfrist betr\u00e4gt nach dieser Vorschrift zehn Jahre, soweit eine Steuer hinterzogen worden ist. Hierf\u00fcr m\u00fcssen die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale einer Steuerhinterziehung vorliegen, die vom FG zu pr\u00fcfen sind. Die vom FG vorgenommene W\u00fcrdigung der im Streitfall entscheidungserheblichen Tatsachen ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Das FG war insbesondere nicht veranlasst, im Rahmen seiner rechtlichen Beurteilung Schuldausschlie\u00dfungsgr\u00fcnde zu pr\u00fcfen, da solche weder vorgetragen noch ersichtlich sind (vgl. BFH-Urteil vom 2. April 1998 V R 60\/97, BFHE 186, 1, BStBl II 1998, 530).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 20.2.2001 (IX R 94\/97) BStBl. 2001 II S. 415 F\u00fcr den nach \u00a7 6 Abs. 4 Satz 1 FGO unanfechtbaren Beschluss des FG zur \u00dcbertragung des Rechtsstreits auf den Einzelrichter ist eine Begr\u00fcndung nicht erforderlich (\u00a7 113 Abs. 2 Satz 1 FGO); dies gilt auch dann, wenn einer der Beteiligten sich zuvor gegen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-20-2-2001-ix-r-94_97-bstbl-2001-ii-s-415\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 20.2.2001 (IX R 94\/97)     BStBl. 2001 II S. 415<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-44759","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44759","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44759"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44759\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44759"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44759"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44759"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}