{"id":46315,"date":"2013-06-07T11:20:10","date_gmt":"2013-06-07T09:20:10","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=46315"},"modified":"2013-06-07T11:20:10","modified_gmt":"2013-06-07T09:20:10","slug":"iv-r-38-11-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-bei-fehleingabe-in-den-elektronischen-fristenkalender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-r-38-11-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-bei-fehleingabe-in-den-elektronischen-fristenkalender\/","title":{"rendered":"IV&nbsp;R&nbsp;38\/11 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Fehleingabe in den elektronischen Fristenkalender"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.4.2013, IV R 38\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Fehleingabe in den elektronischen Fristenkalender<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist eine GmbH &#038; Co. KG. Sie hat ein Hotel angepachtet und an eine GmbH weiter verpachtet. Die Pachtaufwendungen der Kl&auml;gerin betrugen im Streitjahr (2008) 911.750&nbsp;EUR, die von ihr erzielten Pachterl&ouml;se 1.178.410&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) rechnete bei der Ermittlung des Gewerbeertrags der Kl&auml;gerin die Pachtaufwendungen dem Gewinn anteilig nach &sect;&nbsp;8 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;e des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) hinzu. Dadurch verminderte sich der auf den 31.&nbsp;Dezember des Streitjahrs festzustellende vortragsf&auml;hige Gewerbeverlust der Kl&auml;gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen erhob die Kl&auml;gerin nach erfolglosem Einspruchsverfahren Klage. Sie machte geltend, der Tatbestand des &sect;&nbsp;8 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;e GewStG sei nicht erf&uuml;llt, da sie das angemietete Objekt nicht selbst nutze, sondern weiter vermiete. Au&szlig;erdem begegne die Hinzurechnung systematischen Bedenken und f&uuml;hre zu einer steuerlichen Gesamtbelastung, die verfassungswidrig sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage als unbegr&uuml;ndet ab. Zwar f&uuml;hre die Hinzurechnung zu einer Doppelbelastung beim Verp&auml;chter und der Kl&auml;gerin als P&auml;chterin. Die Grenze des verfassungsrechtlich Zul&auml;ssigen werde jedoch nicht &uuml;berschritten. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 2100 ver&ouml;ffentlicht. Es wurde der Kl&auml;gerin am 18.&nbsp;Juli 2011 zugestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen legte die Kl&auml;gerin am 17.&nbsp;August 2011 Revision ein. Mit Schreiben vom 6.&nbsp;Oktober 2011 wies der Vorsitzende des beschlie&szlig;enden Senats die Kl&auml;gerin darauf hin, dass die Revision nicht innerhalb der nach &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) vorgeschriebenen, im Streitfall am 19.&nbsp;September 2011 abgelaufenen Frist begr&uuml;ndet wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daraufhin beantragte die Kl&auml;gerin Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen der vers&auml;umten Frist und begr&uuml;ndete die Revision. Das Schreiben ging am 3.&nbsp;November 2011 beim Bundesfinanzhof (BFH) ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin tr&auml;gt vor, das angefochtene Urteil sei am 18.&nbsp;Juli 2011 zugestellt worden und habe nach Eingang den &uuml;blichen Postweg gem&auml;&szlig; beigef&uuml;gter Ablaufbeschreibung durchlaufen. Die Frist zur Einlegung der Revision sei vom Sekretariat korrekt erfasst und f&uuml;r den 18.&nbsp;August 2011 notiert worden, wie durch einen Ausdruck des Fristenbuchs best&auml;tigt werde. Die Revision sei fristgerecht mit Schreiben vom 17.&nbsp;August 2011 eingelegt worden. Da das Sekretariat nicht wissen k&ouml;nne, ob Revision eingelegt werde und ob diese ggf. zeitgleich begr&uuml;ndet werde, sei dort nur die Frist zur Einlegung der Revision zu erfassen. Der mandatsverantwortliche Partner sei selbst daf&uuml;r verantwortlich, die Frist f&uuml;r die Revisionsbegr&uuml;ndung im Programm Outlook zu notieren, da bei Erfassung eines Posteingangs die Erfassung einer zweiten &quot;Nachfrist&quot; programmbedingt nicht m&ouml;glich sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vorliegend sei dementsprechend verfahren worden, jedoch habe der Unterzeichner als mandatsverantwortlicher Partner die Frist zur Begr&uuml;ndung der Revision versehentlich mit einem Zahlendreher eingegeben, so dass sie nicht f&uuml;r den 19.&nbsp;September 2011, sondern f&uuml;r den 19.&nbsp;September 2012 notiert worden sei. Wegen des hohen Arbeitsaufkommens sei ihm dieser Fehler nicht aufgefallen. Dies werde durch eine eidesstattliche Versicherung des Unterzeichners glaubhaft gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Sache h&auml;lt die Kl&auml;gerin an ihrer Auffassung fest, nach der sie nicht unter &sect;&nbsp;8 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;e GewStG falle, weil diese Norm sich ausweislich der Gesetzesbegr&uuml;ndung nicht auf die An- und Weitervermietung von Immobilien bez&ouml;ge, bei der lediglich eine Nutzungsberechtigung erworben und an den endg&uuml;ltigen Mieter &uuml;berlassen werde. In jedem Fall f&uuml;hre die Anwendung der Hinzurechnungsvorschrift aber zu einem Verfassungsversto&szlig;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;, wegen der am 19.&nbsp;September 2011 abgelaufenen Frist zur Begr&uuml;ndung der Revision Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren, das FG-Urteil aufzuheben und den angefochtenen Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung des vortragsf&auml;higen Gewerbeverlustes auf den 31.&nbsp;Dezember 2008 vom 9.&nbsp;November 2009 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 26.&nbsp;Januar 2010 dahingehend zu &auml;ndern, dass der gewerbesteuerliche Verlustvortrag auf 243.341&nbsp;EUR festgestellt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, den Antrag auf Wiedereinsetzung abzulehnen und die Revision als unzul&auml;ssig zu verwerfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Fristenkontrolle im Wege der elektronischen Datenverarbeitung erfordere im Hinblick auf die spezifischen Fehlerm&ouml;glichkeiten bei der Eingabe der Datens&auml;tze spezielle Kontrollma&szlig;nahmen, um fehlerhafte Eingaben rechtzeitig zu korrigieren (Beschluss des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 23.&nbsp;M&auml;rz 1995 VII&nbsp;ZB&nbsp;3\/95, Neue Juristische Wochenschrift 1995, 1756). Derartige Ma&szlig;nahmen lie&szlig;en sich den Darlegungen des Prozessbevollm&auml;chtigten nicht entnehmen. Hinzu komme, dass dieser sich zu der betreffenden Zeit mit dem Fall befasst habe, wie aus einem am Tag des Ablaufs der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist erstellten Schreiben hervorgehe, in dem auf das anh&auml;ngige Revisionsverfahren verwiesen und das Urteilsdatum 18.&nbsp;Juli 2011 genannt werde. Im &Uuml;brigen h&auml;tte die korrekte Eintragung des 19.&nbsp;September 2011 allein nicht ausgereicht. &Uuml;blich sei die Eintragung einer Vorfrist, da die Zeit f&uuml;r die Erstellung und Absendung einer Revisionsbegr&uuml;ndung am letzten Tag der Frist &auml;u&szlig;erst knapp bemessen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin erwidert darauf, es sei nicht lebensfremd, wenn anl&auml;sslich eines Schriftsatzes, der inhaltlich lediglich ein Standardanschreiben zur &Uuml;bersendung der Steuererkl&auml;rungen an die Mandantschaft enthalte, keine weiteren Nachforschungen oder &Uuml;berlegungen hinsichtlich des anh&auml;ngigen Revisionsverfahrens angestellt w&uuml;rden. Da es sich um ein von qualifizierten Mitarbeitern vorbereitetes Routineschreiben gehandelt habe, sei das Datum eher zuf&auml;llig und dem Arbeitsablauf im B&uuml;ro geschuldet. Hinsichtlich der vom FA f&uuml;r erforderlich gehaltenen Vorfrist sei anzumerken, dass technisch betrachtet die Frist im Outlook-Kalender eingetragen und dabei in einem Arbeitsgang &uuml;ber die Erinnerungsfunktion gedanklich die Vorfrist fixiert werde. Es w&uuml;rden also nicht zwei gesonderte Fristen erfasst, sondern in einem einheitlichen Vorgang eine Frist mit einer Erinnerung eingetragen. Wenn die Frist in das falsche Jahr eingetragen werde, sei damit auch die korrespondierend einzutragende Vorfrist automatisch im falschen Jahr eingetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unzul&auml;ssig, weil sie nicht fristgerecht begr&uuml;ndet wurde. Sie war daher durch Beschluss zu verwerfen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 FGO ist die vom FG zugelassene Revision innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollst&auml;ndigen Urteils zu begr&uuml;nden. Die Frist kann nach &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 FGO auf einen vor ihrem Ablauf gestellten Antrag von dem Vorsitzenden verl&auml;ngert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Vorliegend ist die Begr&uuml;ndung der Revision versp&auml;tet beim BFH eingegangen, wie zwischen den Beteiligten nicht streitig ist. Das angefochtene Urteil, das die Revision zugelassen hat, wurde am 18.&nbsp;Juli 2011 zugestellt. Die Begr&uuml;ndungsfrist ist am 19.&nbsp;September 2011 abgelaufen. Die Revisionsbegr&uuml;ndung ist jedoch erst &#8211;nach Hinweis des Vorsitzenden auf den Fristablauf&#8211; am 3.&nbsp;November 2011 beim BFH eingegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Wiedereinsetzung wegen der Vers&auml;umung der Frist zur Begr&uuml;ndung der Revision war nicht zu gew&auml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wenn jemand ohne Verschulden verhindert war, eine gesetzliche Frist einzuhalten, ist ihm auf Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO). Der Antrag ist bei Vers&auml;umung der Frist zur Begr&uuml;ndung der Revision binnen eines Monats nach Wegfall des Hindernisses zu stellen. Die Tatsachen zu seiner Begr&uuml;ndung sind glaubhaft zu machen und die vers&auml;umte Rechtshandlung ist innerhalb der Antragsfrist nachzuholen (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 FGO). Jedes Verschulden &#8211;also auch einfache Fahrl&auml;ssigkeit&#8211; schlie&szlig;t die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand aus (u.a. BFH-Beschluss vom 30.&nbsp;November 2010 IV&nbsp;B&nbsp;39\/10, BFH\/NV 2011, 613, m.w.N.). Ein Verschulden des Prozessbevollm&auml;chtigten ist dem Kl&auml;ger nach &sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 der Zivilprozessordnung zuzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Angeh&ouml;rige der rechts- und steuerberatenden Berufe m&uuml;ssen f&uuml;r eine zuverl&auml;ssige Fristenkontrolle sorgen und die Organisation des B&uuml;robetriebs so gestalten, dass Fristvers&auml;umnisse vermieden werden (u.a. BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;Juli 2011 IV&nbsp;B&nbsp;131\/10, BFH\/NV 2011, 1909, m.w.N.). Wird &#8211;wie im Streitfall&#8211; Wiedereinsetzung wegen eines entschuldbaren B&uuml;roversehens begehrt, muss substantiiert und schl&uuml;ssig vorgetragen werden, dass kein Organisationsfehler vorliegt, d.h. dass der Prozessbevollm&auml;chtigte alle Vorkehrungen getroffen hat, die nach vern&uuml;nftigem Ermessen die Nichtbeachtung von Fristen auszuschlie&szlig;en geeignet sind (u.a. BFH-Beschluss vom 14.&nbsp;Dezember 2011 X&nbsp;B&nbsp;50\/11, BFH\/NV 2012, 440).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Bei einer elektronischen Fristenkontrolle gelten keine geringeren Anforderungen (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 1909). Dementsprechend ist ein die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ausschlie&szlig;endes Organisationsverschulden anzunehmen, wenn ein Prozessbevollm&auml;chtigter, der den rechts- und steuerberatenden Berufen (&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO) angeh&ouml;rt, einen EDV-gest&uuml;tzten Fristenkalender verwendet und die dort vorgenommenen Eintragungen nicht durch Ausgabe der eingegebenen Einzelvorg&auml;nge &uuml;ber den Drucker kontrolliert werden (vgl. BGH-Beschluss vom 12.&nbsp;Dezember 2005 II&nbsp;ZB&nbsp;33\/04, Neue Juristische Wochenschrift &#8211; Rechtsprechungsreport Zivilrecht 2006, 500; BFH-Beschluss vom 6.&nbsp;August 2001 II&nbsp;R&nbsp;77\/99, BFH\/NV 2002, 44, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Danach hat der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin, der zu den Berufstr&auml;gern i.S. des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO geh&ouml;rt, die Frist zur Begr&uuml;ndung der Revision nicht ohne Verschulden vers&auml;umt. Er hat nach seinen eigenen Angaben versehentlich eine falsche Frist in den elektronischen Kalender eingegeben, in welchem er den Ablauf der Frist zur Begr&uuml;ndung der Revision notiert hat. Eine &Uuml;berpr&uuml;fung der Eingaben in diesen elektronischen Fristenkalender, die geeignet w&auml;re, insbesondere bei hoher Arbeitsbelastung auftretende Fehleingaben rechtzeitig zu korrigieren, war jedoch dem dargelegten organisatorischen Ablauf zufolge nicht vorgesehen. Wie sich den Angaben im Wiedereinsetzungsantrag entnehmen l&auml;sst, ist eine Kontrolle der Eingabe offenbar auch tats&auml;chlich nicht erfolgt. Insbesondere ist auch ein Ausdruck der &#8211;fehlerhaft&#8211; eingegebenen Frist zu Kontrollzwecken unterblieben. Das Verschulden des Prozessbevollm&auml;chtigten ist der Kl&auml;gerin zuzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.4.2013, IV R 38\/11 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Fehleingabe in den elektronischen Fristenkalender Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist eine GmbH &#038; Co. KG. Sie hat ein Hotel angepachtet und an eine GmbH weiter verpachtet. 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