{"id":46464,"date":"1989-04-26T14:57:31","date_gmt":"1989-04-26T12:57:31","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=46464"},"modified":"2013-06-21T14:59:32","modified_gmt":"2013-06-21T12:59:32","slug":"bfh-beschluss-vom-26-4-1989-i-b-60_88-bstbl-1989-ii-s-701","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-26-4-1989-i-b-60_88-bstbl-1989-ii-s-701\/","title":{"rendered":"BFH-Beschlu\u00df vom 26.4.1989 (I B 60\/88) BStBl. 1989 II S. 701"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschlu\u00df vom 26.4.1989 (I B 60\/88) BStBl. 1989 II S. 701<\/strong><\/p>\n<p>Eine Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft in der Form einer OHG ist nicht vertretungsberechtigt i.S. des Art. 1 Nr. 1 Satz 1 BFHEntlG (im Anschlu\u00df an den Beschlu\u00df des BFH vom 29. April 1981 I R 24\/81, BFHE 133, 338, BStBl II 1981, 651).<\/p>\n<p>BFH-EntlG Art. 1 Nr. 1 Satz 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG K\u00f6ln<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) hat den Antrag auf Aussetzung der Vollziehung der Beschwerdef\u00fchrerin und Antragstellerin (Antragstellerin) abgewiesen.<\/p>\n<p>Die vom FG zugelassene Beschwerde wurde unter dem Briefkopf der Wirtschaftspr\u00fcfungs- und Steuerberatungsgesellschaft eingelegt. Diese Gesellschaft ist im Handelsregister als OHG eingetragen. Das Schreiben der Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigten ist in Passivform abgefa\u00dft und von dem Steuerberater P unterschrieben. Der Unterschrift ist der Zusatz vorangestellt: &#8222;Wirtschaftspr\u00fcfer\/Steuerberater F. und R., Steuerberater K, P durch:&#8220;<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Beschwerde ist nicht zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Vor dem Bundesfinanzhof (BFH) mu\u00df sich jeder Beteiligte durch einen Rechtsanwalt, Steuerberater oder Wirtschaftspr\u00fcfer als Bevollm\u00e4chtigten vertreten lassen (Art. 1 Nr. 1 Satz 1 des Gesetzes zur Entlastung des Bundesfinanzhofs &#8211; BFHEntlG &#8211; vom 8. Juli 1975, BGBl I, 1861, BStBl I, 932 i.d.F. des Gesetzes vom 3. Dezember 1987, BGBl I, 2442, BStBl I 1987, 800). Dies gilt auch f\u00fcr die Einlegung einer Beschwerde (Art. 1 Nr. 1 Satz 2 BFHEntlG).<\/p>\n<p>Steuerberatungsgesellschaften sind von der Vertretungsbefugnis ausgeschlossen. Der BFH hat dies ausgesprochen f\u00fcr Gesellschaften in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft (BFH-Beschlu\u00df vom 12. November 1976 III R 14-15\/76, BFHE 120, 335, BStBl II 1977, 121; ferner BFH-Beschl\u00fcsse vom 23. November 1978 V B 21\/77, BFHE 126, 270, BStBl II 1979, 99, und vom 2. August 1979 V R 58\/76, BFHE 128, 342, BStBl II 1979, 699) und in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft (BFH-Entscheidung vom 29. April 1981, I R 24\/81, BFHE 133, 338, BStBl II 1981, 651; Beschlu\u00df vom 25. Juni 1985 VIII R 82\/84, BFH\/NV 1986, 38).<\/p>\n<p>Als Personenhandelsgesellschaft kann eine Steuerberatungsgesellschaft unter ihrer Firma Rechte erwerben und Verbindlichkeiten eingehen. Sie kann vor Gericht klagen und verklagt werden. Ihr kann auch Vollmacht erteilt werden (vgl. Fischer in Gro\u00dfkommentar HGB, 3. Aufl., \u00a7 124 Anm. 3).<\/p>\n<p>Bei dieser Rechtslage mu\u00df zwischen dem Auftreten der Personenhandelsgesellschaft, vertreten durch einen oder mehreren Gesellschaftern einerseits und dem Auftreten der Gesellschafter im eigenen Namen andererseits unterschieden werden. Nur wenn die Gesellschafter im eigenen Namen auftreten, k\u00f6nnen sie, die Zulassung als Rechtsanwalt, Steuerberater oder Wirtschaftspr\u00fcfer vorausgesetzt, f\u00fcr dritte Personen Beschwerde einlegen. Treten sie als Vertreter der Personenhandelsgesellschaft auf, so handeln sie im Namen einer im Beschwerdeverfahren nicht vertretungsberechtigten Person. Ob die Gesellschafter im Namen der Personenhandelsgesellschaft oder im eigenen Namen auftreten, m\u00fcssen sie bis zum Ablauf der Beschwerdefrist in der f\u00fcr Proze\u00dfhandlungen erforderlichen Deutlichkeit erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Im Streitfall ist Beschwerde von der im Handelsregister als OHG eingetragene Firma X &amp; Partner Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft und nicht von einem Rechtsanwalt, Steuerberater oder Wirtschaftspr\u00fcfer eingelegt worden. Das ergibt sich zun\u00e4chst aus der Verwendung des Briefbogens der Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft, auf dem die Beschwerde geschrieben worden ist. Entscheidend ist im Streitfall, da\u00df der Unterschrift ein Zusatz vorangestellt ist, der auf die Wirtschaftspr\u00fcfungs- und Steuerberatungsgesellschaft hinweist. Damit wird erkennbar, da\u00df nicht der Steuerberater P, sondern die Gesellschaft die Beschwerde eingelegt hat.<\/p>\n<p>Die Beschwerde der Wirtschaftspr\u00fcfungs- und Steuerberatungsgesellschaft kann nicht in eine solche umgedeutet werden, die durch einen Gesellschafter oder die Gesellschafter der OHG eingelegt wurde. Zwar ist grunds\u00e4tzlich davon auszugehen, der Rechtsmittelf\u00fchrer habe das Rechtsmittel einlegen wollen, das zu dem erkennbar von ihm erstrebten Erfolg f\u00fchrt (Beschlu\u00df vom 23. November 1978 I R 56\/76, BFHE 126, 366, BStBl II 1979, 173, m.w.N.). Unter diesem Gesichtspunkt k\u00f6nnen prozessuale Erkl\u00e4rungen in Rechtsmittelerkl\u00e4rungen umgedeutet werden. Aber nur der Inhalt einer Erkl\u00e4rung ist der Umdeutung f\u00e4hig, nicht auch die Person des Erkl\u00e4renden.<\/p>\n<p>Unbeachtlich ist auch, auf wen die Proze\u00dfvollmacht lautete. Selbst wenn sie auf die nat\u00fcrlichen Personen (die Gesellschafter der Firma X &amp; Partner) lautete, ist noch nichts dar\u00fcber ausgesagt, wer die Beschwerde eingelegt hat. Aus der Vollmacht kann lediglich erkannt werden, ob derjenige, der die Beschwerde eingelegt hat, auch dazu bevollm\u00e4chtigt war (vgl. Beschlu\u00df in BFH\/NV 1986, 38).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschlu\u00df vom 26.4.1989 (I B 60\/88) BStBl. 1989 II S. 701 Eine Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft in der Form einer OHG ist nicht vertretungsberechtigt i.S. des Art. 1 Nr. 1 Satz 1 BFHEntlG (im Anschlu\u00df an den Beschlu\u00df des BFH vom 29. 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