{"id":46480,"date":"1989-06-21T12:01:23","date_gmt":"1989-06-21T10:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=46480"},"modified":"2013-06-20T12:03:40","modified_gmt":"2013-06-20T10:03:40","slug":"bfh-urteil-vom-21-6-1989-ii-r-235_85-bstbl-1989-ii-s-740","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-21-6-1989-ii-r-235_85-bstbl-1989-ii-s-740\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 21.6.1989 (II R 235\/85) BStBl. 1989 II S. 740"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 21.6.1989 (II R 235\/85) BStBl. 1989 II S. 740<\/strong><\/p>\n<p>Ob ein Seehafen dem \u00f6ffentlichen Verkehr insoweit dient, als auf einem gekennzeichneten, zum Hafengebiet geh\u00f6renden Grundst\u00fccksteil sog. Semitrailer (Sattelanh\u00e4nger ohne Zugmaschine) auf ihrem Transportweg im kombinierten Verkehr f\u00fcr kurze Zeit (etwa bis zu 24 Stunden) abgestellt werden, h\u00e4ngt davon ab, ob der Abstellplatz aufgrund stra\u00dfenrechtlicher und hafenrechtlicher Vorschriften als \u00f6ffentliche Sache zu beurteilen ist (Anschlu\u00df an das BFH-Urteil vom 7. Dezember 1988 II R 115\/88, BFHE 155, 400, BStBl II 1989, 302).<\/p>\n<p>BewG \u00a7 19 Abs. 4; GrStG 1973 \u00a7 4 Nr. 3 Buchst. a, \u00a7 8 Abs. 1; HVO SH \u00a7 8.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Schleswig-Holstein<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), die Stadt A, ist Eigent\u00fcmerin des Grundst\u00fccks &#8222;B&#8220; in A. Das Grundst\u00fcck geh\u00f6rt zum Hafengebiet. Von dort aus wird der F\u00e4hrverkehr von und nach Skandinavien abgewickelt. Der Hafen wird verwaltet, betrieben und unterhalten von der C Hafen-Gesellschaft mbH (fortan GmbH) aufgrund eines Vertrags mit der Kl\u00e4gerin aus dem Jahre 1941.<\/p>\n<p>Den Einheitswert f\u00fcr das Grundst\u00fcck B stellte das Finanzamt (FA) auf den 1. Januar 1977 durch Bescheid auf 1.560.200 DM, durch Einspruchsentscheidung auf 1.393.500 DM fest. Nicht festzustellen sei gem\u00e4\u00df \u00a7 19 Abs. 4 des Bewertungsgesetzes (BewG) ein Einheitswert nur f\u00fcr jenen Teil des Grundst\u00fccks, der gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Nr. 3 Buchst. a i.V.m. \u00a7 8 Abs. 1 des Grundsteuergesetzes (GrStG) grundsteuerfrei sei, z.B. der Wendeplatz f\u00fcr Busse und Taxen, Fu\u00dfg\u00e4ngerwege, Gleisfl\u00e4chen, Kaimauer und Fu\u00dfg\u00e4ngerstreifen. Dagegen seien in die Einheitswertfeststellung einzubeziehen jene markierten Fl\u00e4chen, auf denen Auflieger (das sind Sattelanh\u00e4nger ohne Zugmaschine, auch als &#8222;Semitrailer&#8220; bezeichnet) auf ihrem Transportweg im kombinierten Verkehr f\u00fcr kurze Zeit (in der Regel bis zu 24 Stunden) abgestellt werden. Denn der abgestellte Auflieger verliere nach der Abtrennung von der Zugmaschine seine Eigenschaft als Fahrzeug im Sinne der Stra\u00dfenverkehrsordnung (StVO). Er stelle nicht mehr ein parkendes Fahrzeug dar, sondern werde ein Gegenstand i.S. des \u00a7 32 Abs. 1 Satz 1 StVO, der am \u00f6ffentlichen Verkehr nicht mehr teilnehme. Die bezeichneten Abstellpl\u00e4tze dienten sonach nicht dem \u00f6ffentlichen Verkehr im Sinne des Stra\u00dfenverkehrsrechts, sondern seien Fl\u00e4chen der Umschlagslagerei und als solche nicht von der Grundsteuer befreit.<\/p>\n<p>Mit ihrer Klage hat die Kl\u00e4gerin begehrt, den Einheitswert des Grundst\u00fccks auf den 1. Januar 1977 auf 1.116.100 DM festzustellen. F\u00fcr die bezeichneten Abstellfl\u00e4chen sei ein Einheitswert nicht festzustellen. Entgegen der Auffassung des FA sei das &#8222;jeweils kurzfristige Abstellen von Semitrailern nicht der Umschlagslagerei zuzurechnen&#8220;. Umschlag und Lagerung setzten besondere rechtliche Beziehungen zu Lagerhaltern voraus. Solche l\u00e4gen hinsichtlich der Semitrailer nicht vor.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) hat die Klage abgewiesen. Es hat die Revision zugelassen, weil es der Rechtssache grunds\u00e4tzliche Bedeutung beimi\u00dft.<\/p>\n<p>Mit ihrer Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin Verletzung der \u00a7\u00a7 4 Nr. 3 Buchst. a, 8 Abs. 1 GrStG. Sie beantragt, das Urteil des FG, die Einspruchsentscheidung sowie den Feststellungsbescheid aufzuheben und den Einheitswert auf den 1. Januar 1977 auf 1.116.100 DM festzustellen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG, damit es anderweitig verhandle und entscheide (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>Aufgehoben werden mu\u00df das Urteil des FG, weil die bundesrechtliche Vorschrift des \u00a7 4 Nr. 3 Buchst. a GrStG i.d.F. des Art. 1 des Gesetzes zur Reform des Grundsteuerrechts vom 7. August 1973 (BGBl I 1973, 965, BStBl I 1973, 586) verletzt ist. Diese Vorschrift lautet:<\/p>\n<p>&#8222;\u00a7 4<\/p>\n<p>Sonstige Steuerbefreiungen<\/p>\n<p>Soweit sich nicht bereits eine Befreiung nach \u00a7 3 ergibt, sind von der Grundsteuer befreit &#8230;<\/p>\n<p>3. a) die dem \u00f6ffentlichen Verkehr dienenden Stra\u00dfen, Wege, Pl\u00e4tze, Wasserstra\u00dfen, H\u00e4fen und Schienenwege sowie die Grundfl\u00e4chen mit den diesem Verkehr unmittelbar dienenden Bauwerken und Einrichtungen, zum Beispiel Br\u00fccken, Schleuseneinrichtungen, Signalstationen, Stellwerke, Blockstellen.&#8220;<\/p>\n<p>Das FG hat angenommen, es sei &#8222;bei der Beurteilung, inwieweit ein Hafen dem \u00f6ffentlichen Verkehr i.S. des \u00a7 4 Nr. 3 a GrStG dient, &#8230; von der Auslegung auszugehen, die dieser Begriff im Stra\u00dfenverkehrsrecht erfahren hat&#8220;. Die dahingehende Rechtsauffassung lie\u00df sich zwar dem vom FG angef\u00fchrten Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) entnehmen (BFH-Urteil vom 14. November 1980 III R 23\/78, BFHE 132, 475, 477, BStBl II 1981, 355, betreffend einen \u00d6lbinnenhafen). Denn dort ist ausgef\u00fchrt, der Begriff &#8222;die dem \u00f6ffentlichen Verkehr dienenden &#8230; H\u00e4fen&#8220; sei entsprechend dem BFH-Urteil vom 11. November 1970 III R 55\/69 (BFHE 100, 325, BStBl II 1971, 32, betreffend die Ladestra\u00dfen eines Bahnhofsgrundst\u00fccks) auszulegen: Eine Stra\u00dfe diene immer dann dem \u00f6ffentlichen Verkehr, wenn auf der Stra\u00dfe tats\u00e4chlich ein \u00f6ffentlicher Verkehr im Sinne des Stra\u00dfenverkehrsrechts stattfinde, d.h. wenn die Stra\u00dfe tats\u00e4chlich ohne Beschr\u00e4nkung auf bestimmte, mit dem Verf\u00fcgungsberechtigten in enger Beziehung stehende Personen zug\u00e4nglich sei und auch tats\u00e4chlich so genutzt werde. Die \u00f6ffentlich-rechtliche Widmung sei weder erforderlich noch f\u00fcr sich allein ausreichend.<\/p>\n<p>Der erkennende und nunmehr f\u00fcr die Grundsteuer zust\u00e4ndige Senat teilt jene Ansicht nicht, weil sie nicht dem Sinn der Befreiung und der Absicht des Gesetzgebers entspricht. Das hat der erkennende Senat n\u00e4her dargelegt in seinem Urteil vom 7. Dezember 1988 II R 115\/88 (BFHE 155, 400, BStBl II 1989, 302, betreffend das Parkhaus eines Warenhausunternehmers).<\/p>\n<p>Das Urteil des FG beruht auf der als unrichtig erkannten Auslegung der Befreiungsvorschrift des \u00a7 4 Nr. 3 Buchst. a GrStG, denn es ist nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df es bei richtiger Auslegung der Vorschrift zu einer anderen Entscheidung gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die Sache wird an das FG zur\u00fcckverwiesen, damit es weitere, nach seiner bisherigen Rechtsauffassung nicht erforderlich gewesene Feststellungen nachholt, sodann unter Beachtung der hafenrechtlichen Vorschriften (z.B. des \u00a7 8 der Landesverordnung f\u00fcr die H\u00e4fen in Schleswig-Holstein &#8211; Hafenverordnung, HVO &#8211; vom 13. Februar 1976, Gesetz &#8211; und Verordnungsblatt f\u00fcr Schleswig-Holstein &#8211; GVBl SH &#8211; 1976, 66, 68) pr\u00fcft und entscheidet,<\/p>\n<p>&#8211; ob der bezeichnete Abstellplatz durch Widmung und Indienststellung zu einer \u00f6ffentlichen Sache geworden, infolgedessen grundsteuerfrei (\u00a7 4 Nr. 3 Buchst. a i.V.m. \u00a7 8 Abs. 1 GrStG) und sonach nicht in die Feststellung des Einheitswerts f\u00fcr das Hafengrundst\u00fcck einzubeziehen ist (\u00a7 19 Abs. 4 BewG) oder<\/p>\n<p>&#8211; ob er ein (tats\u00e4chlich) \u00f6ffentlicher (privater) Platz ist, der nicht gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Nr. 3 Buchst. a GrStG von der Grundsteuer ausgenommen und demzufolge in die Feststellung des Einheitswerts f\u00fcr das Hafengrundst\u00fcck einzubeziehen ist (vgl. dazu Kodal\/Kr\u00e4mer, Stra\u00dfenrecht, 4. Aufl., 1985, S. 115, 116, 121 bis 127; Rainer Lagoni, Hafenrecht, in Hoffmann-Riem\/Koch, Hamburgisches Staats- und Verwaltungsrecht 1988, S. 607 f., 629 f.,640 f.).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 21.6.1989 (II R 235\/85) BStBl. 1989 II S. 740 Ob ein Seehafen dem \u00f6ffentlichen Verkehr insoweit dient, als auf einem gekennzeichneten, zum Hafengebiet geh\u00f6renden Grundst\u00fccksteil sog. 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