{"id":46504,"date":"1989-06-28T11:28:34","date_gmt":"1989-06-28T09:28:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=46504"},"modified":"2013-06-20T11:29:35","modified_gmt":"2013-06-20T09:29:35","slug":"bfh-urteil-vom-28-6-1989-ii-r-102_86-bstbl-1989-ii-s-802","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-28-6-1989-ii-r-102_86-bstbl-1989-ii-s-802\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 28.6.1989 (II R 102\/86) BStBl. 1989 II S. 802"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 28.6.1989 (II R 102\/86) BStBl. 1989 II S. 802<\/strong><\/p>\n<p>Der Nachweis daf\u00fcr, da\u00df ein Grundst\u00fcck zur Vermeidung der Enteignung f\u00fcr Stra\u00dfenbauzwecke freiwillig ver\u00e4u\u00dfert wurde, ergibt sich auch aus der bestehenden und vom Grundst\u00fccksk\u00e4ufer darzulegenden Stra\u00dfenbauplanung.<\/p>\n<p>GrEStG 1983 \u00a7 9 Abs. 1 Nr. 7.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG N\u00fcrnberg<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) kaufte durch notariell beurkundeten Vertrag vom Januar 1983 f\u00fcr 7.800 DM einen Grundst\u00fccksteil zum Ausbau der Staatsstra\u00dfe zwischen A und B. F\u00fcr die &#8222;Anschneidung&#8220; des dem Verk\u00e4ufer verbleibenden Grundst\u00fccksteiles zahlte er gesondert 2.600 DM.<\/p>\n<p>Das beklagte Finanzamt (FA) setzte gegen den Kl\u00e4ger 208 DM Grunderwerbsteuer fest, berechnet nach einer Gegenleistung von 10.400 DM.<\/p>\n<p>Mit dem Einspruch machte der Kl\u00e4ger geltend, die 2.600 DM seien die Entsch\u00e4digung f\u00fcr die Wertminderung des Restgrundst\u00fcckes und geh\u00f6rten daher gem\u00e4\u00df \u00a7 9 Abs. 1 Nr. 7 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG 1983) nicht zur Gegenleistung; denn der Grundst\u00fcckskauf habe eine Enteignung vermieden.<\/p>\n<p>Das FA wies den Einspruch zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Das Landratsamt X als Enteignungsbeh\u00f6rde antwortete dem FA auf Anfrage, es k\u00f6nne mangels Unterlagen nicht pr\u00fcfen, ob der betreffende Grundst\u00fcckskauf eine Enteignung vermieden habe.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab.<\/p>\n<p>Mit der vom FG zugelassenen Revision verfolgt der Kl\u00e4ger weiterhin sein Klagebegehren.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1. Das angefochtene Urteil mu\u00df aufgehoben werden, weil das FG \u00a7 9 Abs. 1 Nr. 7 GrEStG 1983 nicht richtig angewendet hat.<\/p>\n<p>Durch den Vertrag vom Januar 1983 wurde das betreffende Grundst\u00fcck im Sinne der genannten Vorschrift zur Vermeidung der Enteignung freiwillig ver\u00e4u\u00dfert. Dem Vertrag war ein Grunderwerbsplan f\u00fcr den Ausbau der Staatsstra\u00dfe zwischen A und B beigef\u00fcgt. Aus diesem Plan ist &#8211; auch nach Ansicht des FG &#8211; ersichtlich, da\u00df die erworbene Grundst\u00fccksfl\u00e4che zum Bau der Einm\u00fcndung einer Ortsstra\u00dfe in die genannte Staatsstra\u00dfe ben\u00f6tigt wurde. Somit drohte dem Grundst\u00fccksver\u00e4u\u00dferer gem\u00e4\u00df Art. 40 des Bayerischen Stra\u00dfen- und Wegegesetzes (BayStrWG) i.d.F. der Bekanntmachung vom 5. Oktober 1981 (Gesetz- und Verordnungsblatt &#8211; GVBl &#8211; 1981, 448) i.V.m. Art. 1 des Bayerischen Gesetzes \u00fcber die entsch\u00e4digungspflichtige Enteignung (BayEG) i.d.F. der Bekanntmachung vom 25. Juli 1978 (GVBl 1978, 625) die Enteignung seines Grundst\u00fcckes, falls er es nicht freiwillig ver\u00e4u\u00dferte.<\/p>\n<p>Eine Best\u00e4tigung der zust\u00e4ndigen Enteignungsbeh\u00f6rde, da\u00df die Ver\u00e4u\u00dferung zur Vermeidung einer Enteignung erfolgte, war unter diesen Umst\u00e4nden nicht erforderlich. Ebensowenig brauchte der Kl\u00e4ger gem\u00e4\u00df Art. 36 Abs. 3 Nr. 1 BayStrWG ein Planfeststellungsverfahren nach Art. 36 Abs. 1 dieses Gesetzes durchzuf\u00fchren; denn er hatte sich mit dem Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer \u00fcber den Verkauf der f\u00fcr den Stra\u00dfenbau ben\u00f6tigten Grundfl\u00e4che geeinigt. Es w\u00e4re sinnwidrig, lediglich f\u00fcr steuerliche Zwecke zur &#8222;Vermeidung der Enteignung&#8220; eine Planfeststellung zu verlangen. Insofern unterscheidet sich der vorliegende Fall von dem Sachverhalt, \u00fcber welchen der Senat mit dem Urteil vom 30. Januar 1980 II R 44\/77 (BFHE 130, 185, BStBl II 1980, 362) zu entscheiden hatte. Er hat dort die Ansicht vertreten, da\u00df der Erwerb &#8222;zur Vermeidung einer Umlegung&#8220; nach den fr\u00fcheren Grunderwerbsteuerbefreiungsgesetzen der L\u00e4nder einen Bebauungsplan voraussetze. Denn \u00a7 45 des Bundesbaugesetzes r\u00e4umt im Gegensatz zu Art. 36 BayStrWG nicht die M\u00f6glichkeit ein, unter bestimmten Bedingungen auf einen f\u00f6rmlichen Plan zu verzichten.<\/p>\n<p>2. Der Senat entscheidet selbst in der Sache. Das angefochtene Urteil ist aufzuheben und die Steuer nach einer Gegenleistung von 7.800 DM auf 156 DM festzusetzen; denn die restlichen 2.600 DM wurden f\u00fcr die &#8222;Anschneidung&#8220; des dem Verk\u00e4ufer verbleibenden Grundst\u00fccksteiles gezahlt und rechnen daher gem\u00e4\u00df \u00a7 9 Abs. 1 Nr. 7 GrEStG nicht zur Gegenleistung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 28.6.1989 (II R 102\/86) BStBl. 1989 II S. 802 Der Nachweis daf\u00fcr, da\u00df ein Grundst\u00fcck zur Vermeidung der Enteignung f\u00fcr Stra\u00dfenbauzwecke freiwillig ver\u00e4u\u00dfert wurde, ergibt sich auch aus der bestehenden und vom Grundst\u00fccksk\u00e4ufer darzulegenden Stra\u00dfenbauplanung. GrEStG 1983 \u00a7 9 Abs. 1 Nr. 7. Vorinstanz: FG N\u00fcrnberg Sachverhalt &nbsp; I. 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