{"id":46541,"date":"1989-05-23T14:33:54","date_gmt":"1989-05-23T12:33:54","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=46541"},"modified":"2013-06-21T14:35:32","modified_gmt":"2013-06-21T12:35:32","slug":"bfh-urteil-vom-23-5-1989-x-r-17_85-bstbl-1989-ii-s-879","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-23-5-1989-x-r-17_85-bstbl-1989-ii-s-879\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 23.5.1989 (X R 17\/85) BStBl. 1989 II S. 879"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 23.5.1989 (X R 17\/85) BStBl. 1989 II S. 879<\/strong><\/p>\n<p>Gebrauchte Wirtschaftsg\u00fcter k\u00f6nnen Gegenstand einer Sachspende sein, deren H\u00f6he sich nach dem gemeinen Wert des zugewendeten Wirtschaftsguts richtet. Soweit gebrauchte Kleidung \u00fcberhaupt einen gemeinen Wert (Marktwert) hat, sind die f\u00fcr eine Sch\u00e4tzung des Wertes ma\u00dfgeblichen Faktoren wie Neupreis, Zeitraum zwischen Anschaffung und Weggabe und der tats\u00e4chliche Erhaltungszustand im einzelnen durch den Steuerpflichtigen nachzuweisen.<\/p>\n<p>EStG \u00a7 10b Abs. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Rheinland-Pfalz<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagten (Kl\u00e4ger), beide Bedienstete des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), machten in ihrem gemeinsamen Antrag auf Lohnsteuer-Jahresausgleich f\u00fcr das Streitjahr 1983 u.a. Kleiderspenden als Sachspenden an das DRK in H\u00f6he von 1.442 DM als Sonderausgaben geltend. Bei den Kleiderspenden handelte es sich um gebrauchte Bekleidungsst\u00fccke der zum Haushalt der Kl\u00e4ger z\u00e4hlenden Personen, zu denen neben den Kl\u00e4gern drei Kinder und die Mutter der Kl\u00e4gerin geh\u00f6rten. Zum Nachweis der Spenden legten die Kl\u00e4ger zun\u00e4chst Spendenbescheinigungen des DRK \u00fcber 200 DM, 535 DM und 707 DM vor, auf denen lediglich vermerkt war, da\u00df es sich um Sachspenden gehandelt habe.<\/p>\n<p>Auf Anfrage des Beklagten und Revisionskl\u00e4gers (Finanzamt &#8211; FA -) legte das DRK eine detaillierte Aufstellung \u00fcber die Sachspenden vor. Danach sind die gespendeten &#8222;neuwertigen Kleidungst\u00fccke&#8220; mit folgenden Werten angesetzt worden:<\/p>\n<table width=\"507\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"61%\">Anz\u00fcge und M\u00e4ntel<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"39%\">\n<p align=\"right\">100 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"61%\">Jacken und Anoraks<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"39%\">\n<p align=\"right\">50 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"61%\">Kleider<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"39%\">\n<p align=\"right\">30 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"61%\">R\u00f6cke<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"39%\">\n<p align=\"right\">15 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"61%\">Blusen, Herrenhemden und T-Shirts<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"39%\">\n<p align=\"right\">10 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"61%\">Pullover<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"39%\">\n<p align=\"right\">15 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"61%\">Hosen<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"39%\">\n<p align=\"right\">30 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"61%\">Schuhe<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"39%\">\n<p align=\"right\">10 DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Im Bescheid \u00fcber den Lohnsteuer-Jahresausgleich 1983 vom 16. Juli 1984 versagte das FA den Abzug der geltend gemachten Spenden unter Hinweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 22. Oktober 1971 VI R 310\/69 (BFHE 103, 430, BStBl II 1972, 55). Der Einspruch war erfolglos.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage im wesentlichen statt.<\/p>\n<p>Es vertrat die Auffassung, grunds\u00e4tzlich seien auch Kleiderspenden als Sachspenden Ausgaben i. S. des \u00a7 10b Abs. 1 Satz 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG), die mit dem gemeinen Wert anzusetzen seien. Soweit der BFH im Urteil in BFHE 103, 430, BStBl II 1972, 55 davon ausgegangen sei, da\u00df gebrauchte Bekleidung kaum einen Marktwert bes\u00e4\u00dfe, sei dort die ver\u00e4nderte Marktsituation nicht ber\u00fccksichtigt. Inzwischen habe sich in Form von Second-Hand-L\u00e4den ein eigener Markt f\u00fcr gebrauchte Kleidung entwickelt.<\/p>\n<p>Entgegen der Auffassung des FA sei deshalb von einem Marktwert auszugehen, dessen H\u00f6he zu sch\u00e4tzen sei, weil die hingegebenen Waren nicht mehr greifbar seien und deshalb Feststellungen \u00fcber deren Zustand und Qualit\u00e4t ausschieden. Ma\u00dfgebliche Grundlage f\u00fcr die Sch\u00e4tzung sei die Bescheinigung des Spendenempf\u00e4ngers \u00fcber den Wert der Sachspende vor allem dann, wenn es sich um eine Organisation handle, &#8222;die &#8211; wie das DRK &#8211; auf diesem Gebiet erfahren&#8220; sei. Zweifle das FA an der Richtigkeit der Bescheinigung, m\u00fcsse es konkrete Umst\u00e4nde hierzu darlegen. Die Behauptung, es handle sich um Gef\u00e4lligkeitsbescheinigungen, reiche nicht aus. Im \u00fcbrigen k\u00f6nnten nach den Grunds\u00e4tzen von Treu und Glauben f\u00fcr abgelaufene Veranlagungszeitr\u00e4ume keine zus\u00e4tzlichen Nachweise gefordert werden, weil das FA bisher gleichlautende Bescheinigungen anerkannt habe.<\/p>\n<p>Das FG lie\u00df lediglich die von der Mutter der Kl\u00e4gerin stammenden Kleiderspenden nicht als Aufwand der Kl\u00e4ger zum Abzug zu. Diese sch\u00e4tzte es ausgehend von einem 6 Personenhaushalt auf 1\/6 des geltend gemachten Gesamtbetrages.<\/p>\n<p>Mit der vom FG zugelassenen Revision r\u00fcgt das FA Verletzung des \u00a7 10b Abs. 1 Satz 1 EStG.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger beantragen, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des FG-Urteils und zur Abweisung der Klage (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Die Voraussetzungen f\u00fcr den Abzug von Sachspenden liegen nicht vor.<\/p>\n<p>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7 10b EStG in der im Streitjahr 1983 geltenden Fassung sind Ausgaben zur F\u00f6rderung u.a. der als besonders f\u00f6rderungsw\u00fcrdig anerkannten gemeinn\u00fctzigen Zwecke bis zur H\u00f6he von insgesamt 5 v.H. des Gesamtbetrages der Eink\u00fcnfte als Sonderausgaben abziehbar. Als Ausgabe im Sinne der Vorschrift gilt nach \u00a7 10b Abs. 1 Satz 3 EStG auch die Zuwendung von Wirtschaftsg\u00fctern mit Ausnahme von Nutzungen und Leistungen. Handelt es sich, wie im Streitfall, nicht um Wirtschaftsg\u00fcter, die aus einem Betriebsverm\u00f6gen entnommen sind, bestimmt sich die H\u00f6he der Ausgaben nach dem gemeinen Wert des zugewendeten Wirtschaftsguts (\u00a7 10b Abs. 1 Satz 5 EStG).<\/p>\n<p>a) Entgegen der Auffassung des FA setzt \u00a7 10b EStG nicht voraus, da\u00df die Ausgaben das Einkommen belasten. Die Herkunft der verwendeten Mittel ist grunds\u00e4tzlich ohne Bedeutung (z.B. Clausen in Herrmann\/Heuer\/Raupach, Einkommensteuer- und K\u00f6rperschaftsteuergesetz mit Nebengesetzen, Kommentar, 19. Aufl., \u00a7 10b EStG Anm. 2a; Littmann\/Bitz\/Meincke, Das Einkommensteuerrecht, 15. Aufl., \u00a7 10b EStG Anm. 18). Das ergibt sich bereits daraus, da\u00df nach \u00a7 10b Abs. 1 Satz 3 EStG auch die Zuwendung von Wirtschaftsg\u00fctern als Ausgabe anzusehen und mithin auch die Hingabe von Wirtschaftsg\u00fctern aus dem Verm\u00f6gen des Steuerpflichtigen mit deren Wert als Aufwendung zu ber\u00fccksichtigen ist.<\/p>\n<p>b) Zu \u00a7 10b EStG enth\u00e4lt \u00a7 48 Abs. 3 der Einkommensteuer-Durchf\u00fchrungsverordnung (EStDV) i.V. m. \u00a7 51 Abs. 1 Nr. 2c EStG erg\u00e4nzende Vorschriften, die zum einen den Kreis der Empf\u00e4nger, zum anderen die Art des Nachweises betreffen. Im Streitfall geh\u00f6rt der Empf\u00e4nger der Spende unstreitig zu den in \u00a7 5 Abs. 1 Nr. 9 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (KStG) bezeichneten K\u00f6rperschaften, Personenvereinigungen oder Verm\u00f6gensmassen (\u00a7 48 Abs. 3 Nr. 2 EStDV).<\/p>\n<p>Hinsichtlich des Nachweises schreibt \u00a7 48 Abs. 3 Nr. 2 EStDV vor, da\u00df Zuwendungen nur dann abziehbar sind, wenn der Empf\u00e4nger die ausschlie\u00dfliche Verwendung des zugewendeten Betrags f\u00fcr seine satzungsm\u00e4\u00dfigen Zwecke best\u00e4tigt. Diese Best\u00e4tigung ist nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung unverzichtbare sachliche Voraussetzung f\u00fcr den Spendenabzug (BFH-Urteile vom 25. Juli 1969 VI R 269\/67, BFHE 96, 471, BStBl II 1969, 681; vom 19. M\u00e4rz 1976 VI R 72\/73, BFHE 118, 224, BStBl II 1976, 338; vom 25. August 1987 IX R 24\/85, BFHE 151, 39, BStBl II 1987, 850). Die Best\u00e4tigung hat jedoch nur den Zweck einer Beweiserleichterung hinsichtlich der Verwendung der Spende zu den steuerbeg\u00fcnstigten Zwecken und ist auch insoweit nicht bindend (ausf\u00fchrlich BFHE 118, 224, BStBl II 1976, 338). Eine Bindung besteht erst recht nicht f\u00fcr andere als in \u00a7 48 Abs. 3 Nr. 2 EStDV geforderte Angaben, insbesondere nicht f\u00fcr Angaben \u00fcber den Wert von Sachspenden.<\/p>\n<p>c) Der &#8222;gemeine Wert&#8220; ist im EStG nicht definiert. Ma\u00dfgeblich ist deshalb nach \u00a7 1 des Bewertungsgesetzes (BewG) die Begriffsbestimmung des \u00a7 9 Abs. 2 BewG. Danach bestimmt sich der gemeine Wert durch den Preis, der im gew\u00f6hnlichen Gesch\u00e4ftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsgutes bei einer Ver\u00e4u\u00dferung zu erzielen w\u00e4re; dabei sind alle Umst\u00e4nde, die den Preis beeinflussen, zu ber\u00fccksichtigen, ausgenommen au\u00dfergew\u00f6hnliche oder pers\u00f6nliche Verh\u00e4ltnisse. Die Vorentscheidung ist, soweit sie sich zu dieser Vorschrift und ihrer Anwendung auf den Streitfall \u00e4u\u00dfert, im Revisionsverfahren in vollem Umfang \u00fcberpr\u00fcfbar (BFH-Urteil vom 29. April 1987 X R 2\/80, BFHE 150, 453, BStBl II 1987, 769, m. w. N.). Die H\u00f6he des Preises, der im gew\u00f6hnlichen Gesch\u00e4ftsverkehr bei einer Ver\u00e4u\u00dferung zu erzielen gewesen w\u00e4re, ist dagegen Tatfrage.<\/p>\n<p>aa) Im Ergebnis zutreffend &#8211; wenn auch ohne \u00a7 9 Abs. 2 BewG zu erw\u00e4hnen &#8211; ist das FG davon ausgegangen, da\u00df \u00a7 9 Abs. 2 BewG einen funktionierenden Markt, d.h. eine Nachfrage nach Wirtschaftsg\u00fctern von der Art des zu bewertenden Wirtschaftsguts voraussetzt.<\/p>\n<p>Revisionsrechtlich nicht zu beanstanden ist auch die Annahme der Vorinstanz, f\u00fcr gebrauchte Kleidung bestehe grunds\u00e4tzlich ein Markt, wie die zunehmende Zahl der Second-Hand-Shops zeige. Die Bemerkung in BFHE 103, 430, BStBl II 1972, 55, gebrauchte Kleidung habe grunds\u00e4tzlich kaum einen Marktwert, ist zu Recht in der Literatur angezweifelt worden (z.B. Clausen in Herrmann\/Heuer\/Raupach, a.a.O., \u00a7 10b EStG Anm. 2a; Schmidt\/Heinicke, Einkommensteuergesetz, 7. Aufl., 1988, \u00a7 10b Anm. 2; Drasdo, Deutsches Steuerrecht &#8211; DStR &#8211; 1987, 327, 330; Thoma, DStR 1984, 641, 643; Mittelbach, Die Information \u00fcber Steuer und Wirtschaft &#8211; Inf &#8211; 1972, 855). Der erkennende Senat mi\u00dft der \u00c4u\u00dferung in BFHE 103, 430, BStBl II 1972, 55 keine die Entscheidung tragende Bedeutung zu. Der VI. Senat hat mit seiner beil\u00e4ufigen Bemerkung nur bekr\u00e4ftigt, da\u00df an den Nachweis des Wertes von Sachspenden &#8222;strenge Anforderungen&#8220; zu stellen sind und der Nachweis in dem dort entschiedenen Fall nicht erbracht war.<\/p>\n<p>bb) Grunds\u00e4tzlich l\u00e4\u00dft sich der gemeine Wert des zu bewertenden Wirtschaftsguts am zuverl\u00e4ssigsten anhand von Verkaufspreisen anderer gleicher oder vergleichbarer Wirtschaftsg\u00fcter ermitteln. Voraussetzung hierf\u00fcr ist jedoch, da\u00df Verkaufsf\u00e4lle in ausreichender Zahl stattgefunden haben und die ma\u00dfgebenden Wertfaktoren der zu vergleichenden Wirtschaftsg\u00fcter im wesentlichen \u00fcbereinstimmen (BFHE 150, 453, BStBl II 1987, 769, m. w. N.). Ist es nicht m\u00f6glich, den gemeinen Wert aus Verk\u00e4ufen abzuleiten, so mu\u00df er gesch\u00e4tzt werden (z.B. BFH-Urteil vom 24. Januar 1975 III R 4\/73, BFHE 115, 58, BStBl II 1975, 374). Das FG ist von diesen Grunds\u00e4tzen ausgegangen.<\/p>\n<p>cc) Allerdings kann die Sch\u00e4tzung des FG &#8211; obwohl grunds\u00e4tzlich Tatsachenw\u00fcrdigung &#8211; revisionsrechtlich keinen Bestand haben. Eine Bindung besteht nach \u00a7 118 Abs. 2 FGO nur dann, wenn die Tatsachenw\u00fcrdigung keinen Rechtsirrtum enth\u00e4lt, nicht gegen Denkgesetze und Erfahrungss\u00e4tze verst\u00f6\u00dft und nicht auf einem Verfahrensmangel beruht (st\u00e4ndige Rechtsprechung, BFH-Urteile vom 1. Dezember 1967 III 19\/65, BFHE 91, 254, BStBl II 1968, 332; vom 27. Juni 1980 VI R 147\/77, BFHE 131, 53, BStBl II 1980, 651).<\/p>\n<p>Das FG hat bei der Sch\u00e4tzung des gemeinen Werts die vom DRK als Empf\u00e4nger bescheinigten Werte mit der Begr\u00fcndung als eigene \u00fcbernommen, diese Organisation habe &#8222;Erfahrungen auf diesem Gebiet&#8220;. Tats\u00e4chliche Feststellungen, die diese Annahme rechtfertigten, hat das FG nicht getroffen.<\/p>\n<p>Eine Bindung an die W\u00fcrdigung des FG entf\u00e4llt au\u00dferdem deshalb, weil der vom FG \u00fcbernommene Sch\u00e4tzungsma\u00dfstab offensichtlich unzutreffend ist. Das FG hat in Anlehnung an die Empf\u00e4ngerbescheinigung alle Kleidungsst\u00fccke eines bestimmten Warentyps (Mantel, Anorak, Blusen, Herrenhemden, Schuhe etc.) mit einem bestimmten Wert angesetzt. Die Annahme, gebrauchte Kleidung einer bestimmten Warengattung habe &#8211; selbst eine vergleichbare Nutzungsdauer unterstellt &#8211; ohne R\u00fccksicht auf deren Neuwert einen gleichen Gebrauchtwarenmarktwert, ist offensichtlich fehlerhaft; denn Faktoren, wie Material, Verarbeitung, Design, Marke etc., die sich im Kaufpreis niederschlagen, bleiben wertbestimmend auch dann, wenn die Gegenst\u00e4nde gebraucht weiterver\u00e4u\u00dfert werden.<\/p>\n<p>Der gemeine Wert von Kleidungsst\u00fccken wird durch den Gebrauch und &#8211; davon unabh\u00e4ngig &#8211; durch blo\u00dfen Zeitablauf gemindert. Kleidungsst\u00fccke sind Gegenst\u00e4nde, deren Wert besonders von der \u00c4nderung des modischen Geschmacks entscheidend mitbestimmt wird; sie sind nach kurzer Zeit auch als neue Wirtschaftsg\u00fcter nur noch schwer, als gebrauchte nur ausnahmsweise verk\u00e4uflich. Da\u00df Wirtschaftsg\u00fcter, weil sie nicht verbraucht sind, noch einen Nutzungswert haben k\u00f6nnen, verschafft ihnen noch keinen Marktwert im Sinne eines gemeinen Werts.<\/p>\n<p>2. Da das FG von anderen Grunds\u00e4tzen ausgegangen ist, war das Urteil aufzuheben. Die Sache ist spruchreif.<\/p>\n<p>a) Entgegen der Auffassung des FG war das FA nicht nach den Grunds\u00e4tzen von Treu und Glauben verpflichtet, die Empf\u00e4ngerangabe \u00fcber den Wert der Sachspenden wie in den Vorjahren zu ber\u00fccksichtigen. Das FA ist bei der Veranlagung an eine Rechtsauffassung, die es bei vorhergehenden Veranlagungen zugrunde gelegt hat, grunds\u00e4tzlich nicht gebunden, und zwar selbst dann nicht, wenn der Steuerpflichtige im Vertrauen darauf disponiert hat (BFH-Entscheidungen vom 10. November 1982 I R 142\/79, BFHE 137, 202, BStBl II 1983, 280; vom 6. Februar 1985 II R 178\/82, BFH\/NV 1985, 62). Dies gilt grunds\u00e4tzlich in gleicher Weise f\u00fcr die Pr\u00fcfung und W\u00fcrdigung des f\u00fcr die Besteuerung erheblichen Sachverhalts, und zwar auch dann, wenn das FA \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum den Angaben und Nachweisen des Steuerpflichtigen folgend eine f\u00fcr ihn g\u00fcnstige Auffassung vertreten hat (z.B. BFH-Urteil vom 29. September 1988 V R 53\/83, BFHE 154, 395, 400, BStBl II 1988, 1.022, 1.024). Im \u00fcbrigen sind die Angaben in den vorgelegten Spendenbescheinigungen so allgemein gehalten, da\u00df die Kl\u00e4ger nicht darauf vertrauen durften, das FA werde eine Pr\u00fcfung des Sachverhalts auf Dauer unterlassen.<\/p>\n<p>b) Nach den tats\u00e4chlichen Feststellungen des FG sind die hingegebenen Waren nicht mehr vorhanden. Deren wertbildende Faktoren wie Anschaffungspreis, Zustand und Qualit\u00e4t k\u00f6nnen daher nicht mehr ermittelt werden. Neben dem Neuwert und dem Zeitraum zwischen Anschaffung und Weitergabe als Spende ist jedoch der Erhaltungszustand ein wesentlicher Faktor f\u00fcr die Ermittlung des gemeinen Werts.<\/p>\n<p>Lassen sich die f\u00fcr die Sch\u00e4tzung erheblichen Tatsachen nicht mit der f\u00fcr eine Sch\u00e4tzung notwendigen, aber auch hinreichenden gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Wahrscheinlichkeit (z.B. BFH-Urteil vom 13. M\u00e4rz 1985 I R 7\/81, BFHE 145, 502, BStBl II 1986, 318; Gr\u00e4ber\/von Groll, Finanzgerichtsordnung, 2. Aufl., \u00a7 96 Anm. 18 f., m. w. N.; Tipke\/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 13. Aufl., \u00a7 162 AO 1977 Anm. 2 und 6) feststellen, so ist nach den Grunds\u00e4tzen der objektiven Beweislast (Feststellungslast) dar\u00fcber zu befinden, wer den Nachteil der Unaufgekl\u00e4rtheit des Sachverhalts zu tragen hat (BFH-Urteil vom 5. M\u00e4rz 1980 II R 148\/76, BFHE 130, 179, BStBl II 1980, 402). Eine gesetzlich festgelegte Regel \u00fcber die Verteilung der Feststellungslast f\u00fcr den Steuerproze\u00df fehlt (BFH-Urteil vom 13. Dezember 1978 I R 39\/78, BFHE 127, 330, 341, BStBl II 1979, 482, 487). Im Regelfall tr\u00e4gt der Steuerpflichtige die Feststellungslast f\u00fcr die Tatsachen, die den Steueranspruch mindern. Dar\u00fcber hinaus ist die Beweisn\u00e4he zu ber\u00fccksichtigen (BFH-Urteile vom 7. Juli 1983 VII R 43\/80, BFHE 138, 527, BStBl II 1983, 760; vom 19. Juni 1985 I R 109\/82, BFH\/NV 1986, 249).<\/p>\n<p>Da nur den Kl\u00e4gern die Beweisf\u00fchrung zur Kl\u00e4rung der f\u00fcr die Sch\u00e4tzung des gemeinen Werts erheblichen Angaben m\u00f6glich ist, geht die Unaufkl\u00e4rbarkeit des Sachverhalts zu Lasten der Kl\u00e4ger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 23.5.1989 (X R 17\/85) BStBl. 1989 II S. 879 Gebrauchte Wirtschaftsg\u00fcter k\u00f6nnen Gegenstand einer Sachspende sein, deren H\u00f6he sich nach dem gemeinen Wert des zugewendeten Wirtschaftsguts richtet. 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