{"id":46548,"date":"1989-06-28T11:20:41","date_gmt":"1989-06-28T09:20:41","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=46548"},"modified":"2013-06-20T11:21:36","modified_gmt":"2013-06-20T09:21:36","slug":"bfh-urteil-vom-28-6-1989-ii-r-82_86-bstbl-1989-ii-s-897","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-28-6-1989-ii-r-82_86-bstbl-1989-ii-s-897\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 28.6.1989 (II R 82\/86) BStBl. 1989 II S. 897"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 28.6.1989 (II R 82\/86) BStBl. 1989 II S. 897<\/strong><\/p>\n<p>Eheleute k\u00f6nnen nach G\u00fctertrennung auch mit erbschaftsteuerrechtlicher Wirkung r\u00fcckwirkend ab dem Tag der Eheschlie\u00dfung &#8211; h\u00f6chstens ab dem Inkrafttreten des GleichberG am 1. Juli 1958 &#8211; Zugewinngemeinschaft vereinbaren.<\/p>\n<p>ErbStG 1974 \u00a7 5 Abs. 1; BGB \u00a7 1371 Abs. 2; GleichberG vom 18. Juni 1957 (BGBl I 1957, 609) Art. 8 II Nr. 4.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnster<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Beteiligten streiten um die H\u00f6he des Erwerbes, der gem\u00e4\u00df \u00a7 5 Abs. 1 des Erbschaftsteuergesetzes (ErbStG) 1974 nicht der Erbschaftsteuer unterliegt.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin ist Alleinerbin ihres 1978 verstorbenen Ehemannes. Die Eheleute hatten 1933 geheiratet und im Laufe der Zeit folgende G\u00fcterrechtsvertr\u00e4ge abgeschlossen:<\/p>\n<p>1. Mit Vertrag vom 28. April 1938 (Vertrag 1) vereinbarten sie G\u00fctertrennung.<\/p>\n<p>2. In einem Vertrag vom 22. September 1961 (Vertrag 2) erkl\u00e4rten die Eheleute, einen jetzt noch g\u00fcltigen Ehevertrag bisher nicht abgeschlossen zu haben. Eine Erkl\u00e4rung nach \u00a7 8 I.3 &#8211; gemeint ist offenbar Art. 8 I Nr. 3 Abs. 2 &#8211; des Gleichberechtigungsgesetzes vom 18. Juni 1957 &#8211; GleichberG &#8211; (BGBl I 1957, 609) habe keiner von ihnen abgegeben und sie lebten zur Zeit im gesetzlichen G\u00fcterstand der Zugewinngemeinschaft. Sie schl\u00f6ssen nunmehr den gesetzlichen G\u00fcterstand aus und vereinbarten G\u00fctertrennung.<\/p>\n<p>3. Mit Vertrag vom 16. April 1964 (Vertrag 3) vereinbarten die Eheleute ab sofort den gesetzlichen G\u00fcterstand der Zugewinngemeinschaft und hoben den Vertrag 2 seinem vollen Umfang nach auf. Aus diesem aufgehobenen Vertrag sollten keine Rechtswirkungen entstehen bzw. verbleiben. F\u00fcr ihre Ehe solle also der gesetzliche G\u00fcterstand &#8222;sowohl f\u00fcr die Vergangenheit als auch f\u00fcr die Zukunft&#8220; ma\u00dfgebend sein.<\/p>\n<p>Das beklagte Finanzamt (FA) setzte die Steuer f\u00fcr den Erbanfall fest und vertrat bei der Berechnung des nach \u00a7 5 Abs. 1 ErbStG 1974 steuerfrei bleibenden Erwerbes die Auffassung, die Zugewinngemeinschaft sei erst mit dem Vertrag 3 am 16. April 1964 begr\u00fcndet worden. Ma\u00dfgebend f\u00fcr die Ermittlung des Zugewinnausgleichs sei daher das Anfangsverm\u00f6gen (\u00a7 1374 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches &#8211; BGB -) der Eheleute zu diesem Zeitpunkt.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin meint dagegen, der Zugewinnausgleich sei nach dem Anfangsverm\u00f6gen am 1. Juli 1958 (Inkrafttreten des GleichberG nach dessen Art. 8 II Nr. 4) zu ermitteln.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) setzte die Steuer herab, weil nach \u00fcbereinstimmender Auffassung der Beteiligten einige im Endverm\u00f6gen enthaltene Grundst\u00fccke anders als im Steuerbescheid geschehen zu bewerten sind. Im \u00fcbrigen wies es die Klage ab.<\/p>\n<p>Mit der vom FG zugelassenen Revision verfolgt die Kl\u00e4gerin weiterhin ihr Klageziel.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG.<\/p>\n<p>Das angefochtene Urteil mu\u00df aufgehoben werden, weil das FG \u00a7 5 Abs. 1 ErbStG 1974 nicht richtig angewendet hat.<\/p>\n<p>Nach Ansicht des FG k\u00f6nnen bei der Ermittlung der fiktiven Ausgleichsforderung als Anfangsverm\u00f6gen i.S. des \u00a7 1374 BGB nur diejenigen Verm\u00f6genswerte zugrunde gelegt werden, welche die Eheleute am 16. April 1964 hatten. Da\u00df diese mit dem Vertrag 3 die Zugewinngemeinschaft r\u00fcckwirkend (ab 1. Juli 1958) vereinbaren wollten, sei unerheblich. \u00a7 5 Abs. 1 ErbStG 1974 nehme nur auf \u00a7 1371 Abs. 2 BGB Bezug; er erfasse damit lediglich die dort geregelten gesetzlichen F\u00e4lle und nicht auch noch zus\u00e4tzlich besondere ehevertragliche Regelungen.<\/p>\n<p>Dieser Auffassung schlie\u00dft sich der Senat nicht an.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgebend f\u00fcr die H\u00f6he der Steuerbefreiung nach \u00a7 5 Abs. 1 ErbStG 1974 ist die Ausgleichsforderung, welche der \u00fcberlebende Ehegatte nach \u00a7 1371 Abs. 2 BGB geltend machen k\u00f6nnte. Diese Vorschrift verweist ihrerseits auf die \u00a7\u00a7 1373 bis 1383 und 1390 BGB. Dabei ist nach in Rechtsprechung und Literatur anerkannter Ansicht \u00a7 1374 BGB u.a. insoweit nachgiebiges Recht, als die Ehepartner den Zeitpunkt f\u00fcr die Berechnung des Anfangsverm\u00f6gens bestimmen k\u00f6nnen (vgl. das Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg vom 25. Februar 1964 1 U 171\/63, Neue Juristische Wochenschrift 1964, 1076 m.w.N.). Diese Bestimmung des Zeitpunktes kann auch darin bestehen, da\u00df Eheleute nach vorangegangener G\u00fctertrennung diese r\u00fcckwirkend beseitigen und statt dessen Zugewinngemeinschaft vereinbaren.<\/p>\n<p>Diese b\u00fcrgerlich-rechtliche Gestaltungsfreiheit mu\u00df auch das Erbschaftsteuerrecht anerkennen, weil \u00a7 5 Abs. 1 ErbStG 1974 mit der Verweisung auf \u00a7 1371 Abs. 2 BGB an die Ermittlung der Ausgleichsforderung nach b\u00fcrgerlichem Recht ankn\u00fcpft. Erbschaftsteuerrechtliche Grenzen sind dieser Gestaltungsfreiheit erst dort gezogen, wo sie einem Ehepartner eine \u00fcberh\u00f6hte Ausgleichsforderung verschafft. Das kann z.B. dadurch geschehen, da\u00df ein Anfangsverm\u00f6gen zu einem vor der Eheschlie\u00dfung liegenden Zeitpunkt zugrunde gelegt wird.<\/p>\n<p>Best\u00e4tigt wird diese Auffassung durch den Abs. 2 des \u00a7 5 ErbStG 1974, der eindeutig auf die (tats\u00e4chlich zustehende) b\u00fcrgerlich-rechtliche Ausgleichsforderung abstellt und daher &#8211; abgesehen von der vorgenannten \u00fcberh\u00f6hten Ausgleichsforderung &#8211; Einschr\u00e4nkungen nicht zul\u00e4\u00dft. Einen Anla\u00df, die Ausgleichsforderungen der Abs. 1 und 2 des \u00a7 5 ErbStG 1974 nach verschiedenen Ma\u00dfst\u00e4ben zu beurteilen, sieht der Senat nicht.<\/p>\n<p>Entsprechend diesen Grunds\u00e4tzen konnten im vorliegenden Fall die Eheleute auch mit erbschaftsteuerrechtlicher Wirkung durch den Vertrag 3 r\u00fcckwirkend ab dem 1. Juli 1958, dem Inkrafttreten des GleichberG, die Zugewinngemeinschaft vereinbaren. Es ist nicht ersichtlich, da\u00df die Kl\u00e4gerin dadurch im Sinne der vorstehenden Ausf\u00fchrungen eine \u00fcberh\u00f6hte Ausgleichsforderung erhielt. Die Eheleute haben im Gegenteil durch den Vertrag 3 nur dasjenige vereinbart, was ohne den vorangegangenen Abschlu\u00df des Vertrages 2 g\u00fcterrechtlich schon kraft Gesetzes gegolten h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das FG hat keine Tatsachen festgestellt, welche die Ermittlung des Anfangsverm\u00f6gens zum 1. Juli 1958 und damit der fiktiven Ausgleichsforderung nach \u00a7 1371 Abs. 2 BGB erm\u00f6glichen. Die nicht spruchreife Sache geht daher zur weiteren Verhandlung und Entscheidung an das FG zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 28.6.1989 (II R 82\/86) BStBl. 1989 II S. 897 Eheleute k\u00f6nnen nach G\u00fctertrennung auch mit erbschaftsteuerrechtlicher Wirkung r\u00fcckwirkend ab dem Tag der Eheschlie\u00dfung &#8211; h\u00f6chstens ab dem Inkrafttreten des GleichberG am 1. 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