{"id":46569,"date":"1989-06-27T11:30:34","date_gmt":"1989-06-27T09:30:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=46569"},"modified":"2013-06-20T11:31:23","modified_gmt":"2013-06-20T09:31:23","slug":"bfh-urteil-vom-27-6-1989-vii-r-100_86-bstbl-1989-ii-s-952","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-27-6-1989-vii-r-100_86-bstbl-1989-ii-s-952\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 27.6.1989 (VII R 100\/86) BStBl. 1989 II S. 952"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 27.6.1989 (VII R 100\/86) BStBl. 1989 II S. 952<\/strong><\/p>\n<p>Die Gesellschafter einer GbR haften nicht nur f\u00fcr die Umsatzsteuerschulden der Gesellschaft, sondern auch f\u00fcr die damit zusammenh\u00e4ngenden S\u00e4umnis- und Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge (Anschlu\u00df an BFH, Urteil vom 23. Oktober 1985 VII R 187\/82, BFHE 145, 13, BStBl II 1986, 156).<\/p>\n<p>AO 1977 \u00a7 191; BGB \u00a7 427.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnster<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) war zusammen mit L Gesellschafter einer gewerblich t\u00e4tigen Gesellschaft b\u00fcrgerlichen Rechts (GbR). Das Gewerbe der GbR wurde zum 22. Dezember 1980 bei den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden abgemeldet.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) nahm den Kl\u00e4ger, ebenso wie den Mitgesellschafter L, wegen r\u00fcckst\u00e4ndiger Umsatzsteuer 1978 bis 1980 in H\u00f6he von 32.950,05 DM zuz\u00fcglich Versp\u00e4tungszuschl\u00e4gen (5.239 DM) und S\u00e4umniszuschl\u00e4gen (12.762 DM) durch Haftungsbescheid vom 14. August 1984 in Form der Einspruchsentscheidung vom 13. M\u00e4rz 1985 in seiner Eigenschaft als Gesellschafter in Haftung. Der Haftungsbescheid wurde auf \u00a7 191 der Abgabenordnung (AO 1977) i.V.m. \u00a7\u00a7 718, 421, 427 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches (BGB) gest\u00fctzt.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) wies die mit dem Ziel der Aufhebung des Haftungsbescheids erhobene Klage ab. Es f\u00fchrte unter Hinweis auf das Senatsurteil vom 23. Oktober 1985 VII R 187\/82 (BFHE 145, 13, BStBl II 1986, 156) aus, da\u00df sich die Haftung eines Gesellschafters f\u00fcr Umsatzsteuerschulden einer GbR aus \u00a7 191 Abs. 1 AO 1977 i.V.m. \u00a7\u00a7 421, 427 BGB ergebe. Entgegen der Auffassung des Kl\u00e4gers komme es nach dem Haftungsbegriff i.S. des \u00a7 191 Abs. 1 AO 1977 lediglich darauf an, da\u00df die Gesellschafter kraft Gesetzes f\u00fcr die Steuerschuld der GbR einzustehen h\u00e4tten. Das sei hier der Fall. F\u00fcr die steuerlichen Nebenleistungen &#8211; hier: S\u00e4umniszuschl\u00e4ge und Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge &#8211; gelte dies f\u00fcr die Haftung sinngem\u00e4\u00df, obwohl \u00a7 191 Abs. 1 AO 1977 sich seinem Wortlaut nach nur auf Steuern, also nicht ausdr\u00fccklich auch auf steuerliche Nebenleistungen beziehe. Die Vorschrift sei jedoch auf die Nebenleistungen analog anwendbar.<\/p>\n<p>Mit der Revision verfolgt der Kl\u00e4ger sein Klagebegehren weiter. Er r\u00fcgt unrichtige Anwendung von \u00a7 191 AO 1977 i.V.m. \u00a7 427 BGB.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger vertritt unter Hinweis auf das Urteil des FG M\u00fcnchen vom 20. Juni 1985 XIII 29\/84 AO 1, 2 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211; EFG &#8211; 1985, 537) die Auffassung, da\u00df eine GbR keine Zivilrechtsf\u00e4higkeit besitze, und demgem\u00e4\u00df eine zivilrechtliche Schuldnerschaft der Gesellschaft nicht m\u00f6glich sei und auch eine zivilrechtliche Haftung der Gesellschafter ausscheiden m\u00fcsse. Es entstehe nur eine echte Schuldnerschaft, bezogen auf die Gesamtheit der Gesellschafter.<\/p>\n<p>Bereits der Gesetzgeber der Reichsabgabenordnung (AO) 1919\/1931 sei davon ausgegangen, da\u00df es Gesellschaftsschulden der GbR nicht gebe, sondern lediglich Gesellschafterschulden. Deshalb h\u00e4tten die \u00a7\u00a7 93 AO 1919 und 113 AO 1931 auf die sinngem\u00e4\u00dfe Anwendung der Vorschriften des b\u00fcrgerlichen Rechts abgestellt.<\/p>\n<p>Eine entsprechende Regelung enthalte \u00a7 191 AO 1977 nicht, weil &#8211; wie der Bundesfinanzhof (BFH) in dem genannten Urteil in BFHE 145, 13, BStBl II 1986, 156 ausgef\u00fchrt habe &#8211; der Gesetzgeber unterstellt habe, da\u00df sich die Haftung der Gesellschafter kraft Gesetzes bei Gesellschaftern einer GbR unmittelbar aus \u00a7 427 BGB ergebe. Dieser Auffassung k\u00f6nne jedoch nicht zugestimmt werden.<\/p>\n<p>\u00a7 427 BGB stelle keine Haftungsnorm dar. Die Vorschrift setze vielmehr voraus, da\u00df sich mehrere Schuldner durch Vertrag zu einer teilbaren Leistung verpflichtet h\u00e4tten. Liege diese Voraussetzung vor, so hafteten die Schuldner im Zweifel als Gesamtschuldner. Es gehe also in \u00a7 427 BGB nicht um die Frage, ob die Schuldner hafteten, sondern wie sie hafteten, wenn sie aufgrund eines gemeinschaftlich abgeschlossenen Vertrages in Anspruch genommen w\u00fcrden. Die Anwendung des \u00a7 427 BGB setze also einen anderen Haftungstatbestand als den aufgrund gesetzlicher Schuldnerschaft voraus. Dieser Standpunkt sei auch in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Haftung der GbR-Gesellschafter im Fall der ungerechtfertigten Bereicherung der Gesellschaft (\u00a7 812 BGB) zu entnehmen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Das FG ist zutreffend von der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des angefochtenen Haftungsbescheids ausgegangen. Es ist der Auffassung, das FA habe den Kl\u00e4ger f\u00fcr die Umsatzsteuerschulden einschlie\u00dflich der Nebenleistungen der GbR als Gesamtschuldner zusammen mit L nach \u00a7 191 Abs. 1 AO 1977 i.V.m. \u00a7\u00a7 421, 427 BGB zu Recht als Haftenden in Anspruch genommen. Aus dem Auftreten der in der GbR gemeinschaftlich verbundenen Gesellschafter im Rechtsverkehr entstehe kraft Steuerrechts die Umsatzsteuerschuld als &#8222;teilbare&#8220; Schuld der GbR, f\u00fcr die die Gesellschafter einzustehen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Dagegen wendet sich die Revision ohne Erfolg. Die angefochtene Entscheidung befindet sich sowohl hinsichtlich der eigentlichen Umsatzsteuerschuld als auch der damit zusammenh\u00e4ngenden Nebenleistungen im Einklang mit der Rechtsprechung des Senats.<\/p>\n<p>1. Danach kann gem\u00e4\u00df \u00a7 191 Abs. 1 AO 1977 durch Haftungsbescheid in Anspruch genommen werden, wer kraft Gesetzes f\u00fcr eine Steuer haftet. Diese Vorschrift umfa\u00dft auch die Haftungsanspr\u00fcche nach zivilem Recht, so da\u00df insoweit gegen\u00fcber der fr\u00fcheren Regelung in \u00a7 113 AO 1931 keine \u00c4nderung eingetreten ist. F\u00fcr den Haftungsbegriff in \u00a7 191 Abs. 1 AO 1977 kommt es lediglich darauf an, da\u00df die Gesellschafter kraft Gesetzes f\u00fcr die Steuerschuld der GbR einzustehen haben. Die Haftung des Gesellschafters einer GbR als Gesamtschuldner f\u00fcr Steuerschulden der GbR ergibt sich aus dem Rechtsgedanken der \u00a7\u00a7 421, 427 BGB (Senatsurteil in BFHE 145, 13, BStBl II 1986, 156; Senatsbeschlu\u00df vom 4. Februar 1986 VII B 87\/83, BFH\/NV 1986, 380). Dieser Rechtsauffassung wird im Schrifttum \u00fcberwiegend &#8211; zumindest im Ergebnis &#8211; gefolgt (Tipke\/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 13. Aufl., vor \u00a7 69 AO 1977 Tz. 19 ff.; v. Wallis in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, Kommentar zur Abgabenordnung und Finanzgerichtsordnung, 9. Aufl., Stand Juni 1988, vor \u00a7 69 AO 1977 Tz. 39; Halaczinsky in Koch, Abgabenordnung, 3. Aufl., 1986, \u00a7 191 Rdnr. 3; K\u00fchn\/Kutter\/Hofmann, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 15. Aufl., 1987, vor \u00a7 69 mit \u00a7 77 AO 1977 Anm. II 2 a; Tiedtke, Die Haftung der Gesellschafter f\u00fcr die Umsatzsteuerschuld der Gesellschaft des b\u00fcrgerlichen Rechts, Deutsches Steuerrecht &#8211; DStR &#8211; 1986, 415; ders., Haftung der Gesellschafter f\u00fcr die Umsatz- und Grunderwerbsteuerschuld einer Gesellschaft des b\u00fcrgerlichen Rechts, Betriebs-Berater &#8211; BB &#8211; 1987, 1745; Buciek, Die Haftung der BGB-Gesellschafter f\u00fcr Steuerschulden der Gesellschaft, Deutsche Steuer-Zeitung &#8211; DStZ &#8211; 1986, 370; Hundt-E\u00dfwein, Besteht wirklich ein steuerliches Haftungsvakuum bei der BGB-Gesellschaft?, Neue Juristische Wochenschrift &#8211; NJW &#8211; 1987, 1804; a.A.: Prei\u00dfer, Steuerliches Haftungsvakuum bei der BGB-Gesellschaft, NJW 1986, 3188; Schneider, Zur Haftung der Gesellschafter einer Gesellschaft des b\u00fcrgerlichen Rechts f\u00fcr Umsatzsteuerschulden, Zeitschrift f\u00fcr Z\u00f6lle + Verbrauchsteuern &#8211; ZfZ &#8211; 1986, 362).<\/p>\n<p>2. An dieser Rechtsprechung h\u00e4lt der Senat auch nach erneuter \u00dcberpr\u00fcfung fest.<\/p>\n<p>a) Die Revision ist der Auffassung, eine Haftung des Gesellschafters einer GbR komme schon deshalb nicht in Betracht, weil in \u00a7 191 AO 1977 &#8211; anders als in \u00a7 113 AO 1931 &#8211; nicht auf die sinngem\u00e4\u00dfe Anwendung der b\u00fcrgerlich-rechtlichen Vorschriften verwiesen wird. Dazu hat der Senat in seinem Urteil in BFHE 145, 13, 15, BStBl II 1986, 156 entschieden, da\u00df gleichwohl eine \u00c4nderung der Rechtslage nicht eingetreten ist. Schon unter der Geltung des \u00a7 113 AO 1931, der dem \u00a7 93 AO 1919 entsprach, und nach Einf\u00fchrung des \u00a7 191 AO 1977 war und ist anerkannt, da\u00df der Gesellschafter einer GbR f\u00fcr die Umsatzsteuerschuld der Gesellschaft haftet. Die Gesellschaft ist Unternehmerin (\u00a7 2 des Umsatzsteuergesetzes &#8211; UStG -) und Steuerschuldnerin (\u00a7 13 Abs. 2 UStG). Sie ist umsatzsteuerlich also ein (steuerrechtsf\u00e4higes) Rechtssubjekt (so schon Reichsfinanzhof &#8211; RFH &#8211; im Urteil vom 8. Mai 1936 V A 192\/35, RStBl 1936, 598). Tiedtke (a.a.O.) weist deshalb zu Recht darauf hin, da\u00df der Verweis auf die sinngem\u00e4\u00dfe Anwendung der zivilrechtlichen Vorschriften lediglich den Sinn gehabt habe, der unterschiedlichen Rechtslage hinsichtlich der Rechtsf\u00e4higkeit einer GbR im Steuerrecht und Zivilrecht Rechnung zu tragen. Nach damaligen Vorstellungen war die Gesellschaft zivilrechtlich &#8211; anders als im Steuerrecht &#8211; nicht rechtsf\u00e4hig, weshalb es streng genommen keine Schuld der Gesellschaft geben konnte. Schuldner oder Gl\u00e4ubiger einer GbR konnten nur die Gesellschafter selbst sein. Da aber dennoch auch zivilrechtlich ein Unterschied zwischen Gesellschaftsschuld und Gesellschafterschuld gemacht wurde und zwischen Gesellschaftsschuld und Gesellschafterschuld, z.B. f\u00fcr die Vollstreckung, streng getrennt wurde, war die Verweisung auf die sinngem\u00e4\u00dfe Anwendung der zivilrechtlichen Vorschriften nicht erforderlich. Dementsprechend ist es auch unerheblich, da\u00df \u00a7 191 AO 1977 nicht mehr auf die sinngem\u00e4\u00dfe Anwendung der zivilrechtlichen Vorschriften abstellt.<\/p>\n<p>b) Mit dem Einwand, die GbR besitze zivilrechtlich keine Rechtsf\u00e4higkeit, weshalb sowohl eine zivilrechtliche Schuldnerschaft der GbR als auch die Haftung ihrer Gesellschafter ausgeschlossen sei, verkennt die Revision weiterhin den Haftungsbegriff des \u00a7 191 AO 1977 und die Bedeutung des \u00a7 427 BGB. In \u00a7 191 Abs. 1 AO 1977 ist lediglich bestimmt, da\u00df jemand durch Haftungsbescheid in Anspruch genommen werden kann, wenn er kraft Gesetzes f\u00fcr eine Steuerschuld haftet. Die Haftungsanspr\u00fcche k\u00f6nnen sich sowohl aus dem Steuerrecht als auch aus dem Zivilrecht ergeben (Senatsurteil vom 31. Mai 1983 VII R 7\/81, BFHE 138, 416, 418, BStBl II 1983, 545). Daraus folgt jedoch nicht, da\u00df die Haftung nach zivilrechtlichen Grunds\u00e4tzen eine zivilrechtliche Schuldnerschaft voraussetzt. Die Vorschrift des \u00a7 191 Abs. 1 AO 1977 soll ihrem Sinn und Zweck nach eine Inanspruchnahme des Haftungsschuldners durch Verwaltungsakt auch dann erm\u00f6glichen, wenn Inhalt oder Natur des gesetzlichen Haftungsanspruchs ohne diese Regelung zu einer anderen Art der Geltendmachung des Haftungsanspruchs, etwa durch Zivilklage, f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>c) Unter welchen Voraussetzungen die Gesellschafter einer GbR mit ihrem Privatverm\u00f6gen f\u00fcr Verbindlichkeiten, die im Namen der Gesellschaft begr\u00fcndet worden sind, einzustehen haben, ist im Gesetz nicht ausdr\u00fccklich geregelt. Eine dem \u00a7 128 des Handelsgesetzbuches (HGB) entsprechende Vorschrift, da\u00df die Gesellschafter unmittelbar pers\u00f6nlich f\u00fcr Verbindlichkeiten der Gesellschaft haften, kennt das b\u00fcrgerliche Recht nicht. Der Rechtsgedanke des \u00a7 128 HGB kann nicht allgemein auf die GbR \u00fcbertragen werden, weil es &#8211; anders als bei den Personenhandelsgesellschaften &#8211; keine typische GbR mit einer f\u00fcr alle denkbaren Ausgestaltungen einer solchen Gesellschaft typischen Interessenlage gibt (BGH-Urteil vom 30. April 1979 II ZR 137\/78, NJW 1979, 1821; Oberlandesgericht &#8211; OLG &#8211; Hamm, Urteil vom 7. Dezember 1984 20 U 151\/84, NJW 1985, 1846; Ulmer in M\u00fcnchener Kommentar zum B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch, 2. Aufl., Bd. 3, \u00a7 714 Rdnr. 27, 28).<\/p>\n<p>Auch der erkennende Senat geht, was der Kl\u00e4ger verkennt, davon aus, da\u00df die in Zusammenhang mit der Gesellschafterhaftung wiederholt angef\u00fchrte Vorschrift des \u00a7 427 BGB nichts \u00fcber die Begr\u00fcndung der Verpflichtung aussagt, sondern lediglich f\u00fcr den Fall einer bereits bestehenden Verpflichtung einer Mehrzahl von Schuldnern als Auslegungsregel die Entstehung von Gesamtschulden vorsieht (Ulmer, a.a.O., \u00a7 714 Rdnr. 23; Flume, Allgemeiner Teil des b\u00fcrgerlichen Rechts, 1. Bd., 1. Teil, Die Personengesellschaft, \u00a7 16 IV 1, S. 314, 315). Die Haftung des Gesellschafters einer GbR f\u00fcr Steuerschulden der Gesellschaft ergibt sich &#8211; ohne da\u00df es einer haftungsbegr\u00fcndenden Analogie bed\u00fcrfte &#8211; unmittelbar aus den gleichen Grunds\u00e4tzen, die f\u00fcr die entsprechende zivilrechtliche Haftung der Gesellschafter ma\u00dfgebend sind, n\u00e4mlich aus gemeinsamer Tatbestandsverwirklichung. Dabei braucht der Senat nicht abschlie\u00dfend zu der Frage Stellung zu nehmen, ob die gesamth\u00e4nderische Haftung stets bei unternehmerischer Bet\u00e4tigung der GbR zu bejahen ist (vgl. Karsten Schmidt, Gesellschaftsrecht, 1986, S. 1343 ff.), oder ob der Zugriff auf das private Verm\u00f6gen der Gesellschafter schon aus dem Wesen der Gesamthand (so Flume, a.a.O., \u00a7 16 IV 3, S. 326 f.) herzuleiten ist oder ob die Gesellschafter oder ihre Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer beim Handeln namens der Gesellschaft im Zweifel nicht nur eine Haftung (Schuld) der Gesamthand, sondern daneben auch eine solche der Gesellschafter pers\u00f6nlich begr\u00fcnden (&#8222;Theorie der Doppelverpflichtung&#8220;, so Ulmer, a.a.O., \u00a7 714 Rdnr. 24, mit Darstellung des Meinungsstandes). Alle Auffassungen kommen in den hier ma\u00dfgebenden F\u00e4llen der Gesellschafterhaftung f\u00fcr gesetzliche Gesamthandsschulden zu einer gesamtschuldnerischen Haftung des Gesellschafters pers\u00f6nlich (Flume, a.a.O., \u00a7 16 IV 6, S. 339 ff.; Ulmer, a.a.O., \u00a7 714 Rdnr. 45; Karsten Schmidt, a.a.O., S. 1343 ff.).<\/p>\n<p>Der Senat befindet sich mit seiner Beurteilung im Ergebnis in \u00dcbereinstimmung mit der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung in Zivilsachen zur Gesellschafterhaftung bei gesetzlichen Schuldverh\u00e4ltnissen (vgl. Reichsgericht &#8211; RG -, Urteil vom 19. Dezember 1907 VI. 178\/07, RGZ 67, 260; BGH-Urteile vom 15. Oktober 1973 II ZR 149\/71, BGHZ 61, 338; vom 16. M\u00e4rz 1983 VIII ZR 346\/81, NJW 1983, 1905, und vom 12. November 1984 II ZR 96\/84, NJW 1985, 1828), der er sich schon mit seinem Urteil in BFHE 145, 13, BStBl II 1986, 156 angeschlossen hatte. Die Haftung des Gesellschafters einer GbR als Gesamtschuldner resultiert aus der gemeinsamen Tatbestandsverwirklichung, insbesondere aus dem gemeinsam gewollten Eingehen rechtsgesch\u00e4ftlicher Verpflichtungen. Die Gesellschafter werden dem Zugriff der Gl\u00e4ubiger der Gesellschaft ausgesetzt, weil sie als Partner im Rechtsverkehr den Kontakt mit Dritten suchen (Tipke\/Kruse, a.a.O., vor \u00a7 69 AO 1977 Tz. 19). Auch im Steuerrecht handelt es sich, wie in den zivilrechtlich entschiedenen F\u00e4llen der Bereicherungs- und Deliktshaftung, um gesetzliche Schuldverh\u00e4ltnisse, deren Besonderheit nur darin besteht, da\u00df sie \u00f6ffentlich-rechtlicher Natur sind. Entsteht der bereicherungsrechtliche Anspruch kraft Gesetzes, wenn Verm\u00f6gensverschiebungen vom Gl\u00e4ubiger an die Gesamtheit der Gesellschafter der GbR rechtsgrundlos erfolgt sind (\u00a7 812 Abs. 1 Satz 1 BGB), so handelt es sich im Steuerrecht ebenso um Verbindlichkeiten, die &#8211; wie die Umsatzsteuer (\u00a7 13 Abs. 1 UStG) &#8211; kraft Gesetzes entstehen. Bereicherungsrechtliche Anspr\u00fcche haben in der Regel einen rechtsgesch\u00e4ftlichen Hintergrund; ein solcher ist auch in den F\u00e4llen der vorliegenden Art gegeben. Denn die Umsatzsteuerschuld entsteht aufgrund einer Leistung oder Lieferung &#8211; von den Erg\u00e4nzungstatbest\u00e4nden des \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 und des Abs. 1 Nr. 2 UStG abgesehen -, die in und zur Erf\u00fcllung eines Rechtsgesch\u00e4fts erbracht werden (Tipke\/Kruse, a.a.O., vor \u00a7 69 AO 1977 Tz. 19). Auch die hinter dem Leistungsaustausch stehenden Rechtsgesch\u00e4fte sind von den Gesellschaftern der GbR gemeinschaftlich (mit-)begr\u00fcndet worden, denn die unternehmerisch t\u00e4tige GbR dient der gemeinschaftlichen Teilnahme am Rechtsverkehr. Somit liegt auch steuerrechtlich eine gemeinsame Verwirklichung des haftungsbegr\u00fcndenden (steuerlichen) Tatbestandes vor. Der f\u00fcr die Entscheidung des BGH in BGHZ 61, 338 ausschlaggebende Grundgedanke, der sachliche Zusammenhang des bereicherungsrechtlichen Anspruchs mit einem Rechtsgesch\u00e4ft (vgl. dazu Anmerkung von Reinhardt in Juristenzeitung &#8211; JZ &#8211; 1974, 768, 769), ist gleicherweise steuerrechtlich relevant.<\/p>\n<p>Nach alledem k\u00f6nnte es sich nur noch darum handeln, ob ausnahmsweise nach den Umst\u00e4nden des Einzelfalles eine Beschr\u00e4nkung der Haftung von Gesellschaftern einer unternehmerisch t\u00e4tigen GbR f\u00fcr Steuerschulden der GbR in Betracht kommt. Die zivilrechtliche Rechtsprechung kennt F\u00e4lle verdeckter Haftungsbeschr\u00e4nkungen (vgl. dazu Karsten Schmidt, a.a.O., S. 1346 f., mit Nachweisen). F\u00fcr die Steuerhaftung scheidet diese M\u00f6glichkeit aus. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df der Gesetzgeber bei der Neuregelung der Haftungsvorschriften der AO 1977 keine Einschr\u00e4nkung der Gesellschafterhaftung gegen\u00fcber dem bisherigen Rechtszustand beabsichtigt hat.<\/p>\n<p>Die von der Revision vertretene Rechtsauffassung w\u00fcrde dazu f\u00fchren, da\u00df mangels einer ausdr\u00fccklichen Vorschrift in der AO 1977, die der fr\u00fcheren Vorschrift des \u00a7 113 AO entspr\u00e4che, eine Steuerhaftung der Gesellschafter einer GbR grunds\u00e4tzlich zu verneinen w\u00e4re. Dies w\u00fcrde bedeuten, da\u00df die Gesellschafter einer GbR, sofern diese (partiell) Steuersubjekt ist, haftungsrechtlich wie Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft oder Mitglieder einer anderen juristischen Person zu behandeln w\u00e4ren. Es liegt auf der Hand, da\u00df ein solches Ergebnis mit dem Wesen einer Personengesellschaft und deshalb mit Grundprinzipien der Rechtsordnung in Widerspruch st\u00fcnde.<\/p>\n<p>3. Das FG hat zu Recht die Haftung des Kl\u00e4gers auch f\u00fcr die S\u00e4umniszuschl\u00e4ge und Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge bejaht. Der Senat hat in seinem Urteil vom 24. Februar 1987 VII R 4\/84 (BFHE 149, 125, BStBl II 1987, 363) entschieden, da\u00df die gem\u00e4\u00df \u00a7 191 Abs. 1 AO 1977 durch Haftungsbescheid geltend zu machende Haftung die steuerlichen Nebenleistungen mitumfa\u00dft. An dieser Rechtsprechung h\u00e4lt der Senat nach erneuter \u00dcberpr\u00fcfung ebenfalls fest. In \u00a7 191 AO 1977 werden ausschlie\u00dflich die verfahrensrechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr den Erla\u00df von Haftungs- und Duldungsbescheiden und die Form dieser Bescheide geregelt. Die materiell-rechtlichen Haftungsvoraussetzungen sind nicht dieser Norm, sondern den steuerlichen oder zivilrechtlichen Vorschriften zu entnehmen. Die Verfahrensvorschrift des \u00a7 191 AO 1977 ist hinsichtlich der Inanspruchnahme des Haftungsschuldners f\u00fcr steuerliche Nebenleistungen auch au\u00dferhalb der F\u00e4lle der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerhaftung nach \u00a7 69 AO 1977 sinngem\u00e4\u00df anzuwenden. Da in der Haftung des Gesellschafters einer GbR f\u00fcr Steuerschulden der Gesellschaft ebenso wie in der Haftung der Gesellschafter anderer Personengesellschaften nach \u00a7 128 HGB &#8211; zumindest steuerrechtlich &#8211; s\u00e4mtliche auf Zahlung gerichteten Verbindlichkeiten der Gesellschaft ohne R\u00fccksicht auf ihren steuerlichen Entstehungsgrund einzubeziehen sind, hat das FA seinen Haftungsanspruch im Streitfall zutreffend auch auf die steuerlichen Nebenleistungen erstreckt und diesen Anspruch durch Haftungsbescheid geltend gemacht. Die dazu vom FG getroffenen Feststellungen sind nicht zu beanstanden. Die Revision konnte somit unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt Erfolg haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 27.6.1989 (VII R 100\/86) BStBl. 1989 II S. 952 Die Gesellschafter einer GbR haften nicht nur f\u00fcr die Umsatzsteuerschulden der Gesellschaft, sondern auch f\u00fcr die damit zusammenh\u00e4ngenden S\u00e4umnis- und Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge (Anschlu\u00df an BFH, Urteil vom 23. Oktober 1985 VII R 187\/82, BFHE 145, 13, BStBl II 1986, 156). AO 1977 \u00a7 191; BGB &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-27-6-1989-vii-r-100_86-bstbl-1989-ii-s-952\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 27.6.1989 (VII R 100\/86) BStBl. 1989 II S. 952<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-46569","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/46569","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=46569"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/46569\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=46569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=46569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=46569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}