{"id":48212,"date":"1998-01-16T12:38:34","date_gmt":"1998-01-16T10:38:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=48212"},"modified":"2013-06-14T12:39:25","modified_gmt":"2013-06-14T10:39:25","slug":"bfh-urteil-vom-16-1-1998-vi-r-130_95-bstbl-1998-ii-s-262","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-16-1-1998-vi-r-130_95-bstbl-1998-ii-s-262\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom    16.1.1998 (VI R 130\/95) BStBl. 1998 II S. 262"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 16.1.1998 (VI R 130\/95) BStBl. 1998 II S. 262<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Der steuerliche Kinderlastenausgleich im Jahr 1992 f\u00fcr Steuerpflichtige mit einem Kind ist mit dem GG vereinbar.<\/p>\n<p>EStG i.d.F. des St\u00c4ndG 1992 \u00a7 32 Abs. 6 Satz 1; BKGG i.d.F. des St\u00c4ndG 1992 \u00a7 10 Abs. 1 Satz 1; GG Art. 3 Abs. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Hessisches FG<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>Mit seinem Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 1992 wandte sich der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) u. a. gegen die H\u00f6he des (halben) Kinderfreibetrages f\u00fcr ein Kind von 2.052 DM. Die Klage, die der Kl\u00e4ger auch wegen des seiner Meinung nach zu niedrigen Kinderfreibetrages erhoben hatte, wies das Finanzgericht (FG) ab. Es entschied, der Kinderlastenausgleich sei im Jahre 1992 ausreichend hoch gewesen.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger die Verfassungswidrigkeit des \u00a7 32 Abs. 6 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in der f\u00fcr das Streitjahr 1992 g\u00fcltigen Fassung. Er regt eine Vorlage an das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) gem\u00e4\u00df Art. 100 des Grundgesetzes (GG) an und beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 1992 vom 3. September 1993 dahin zu \u00e4ndern, da\u00df bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens ein halber Kinderfreibetrag von 6.300 DM gew\u00e4hrt werde.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Der vom FA ber\u00fccksichtigte (halbe) Kinderfreibetrag von 2.052 DM stimmt mit der gesetzlichen Regelung in \u00a7 32 Abs. 6 Satz 1 i. V. m. \u00a7 52 Abs. 1 EStG i. d. F. des Gesetzes zur Entlastung der Familien und zur Verbesserung der Rahmenbedingungen f\u00fcr Investitionen und Arbeitspl\u00e4tze (Steuer\u00e4nderungsgesetz 1992 &#8211; St\u00c4ndG 1992 -) vom 25. Februar 1992 (BGBl I, 297, BStBl I, 146) \u00fcberein. Diese Vorschrift ist nach zutreffender Auffassung der Vorinstanz i. V. m. \u00a7 10 Abs. 1 Satz 1 des Bundeskindergeldgesetzes (BKGG) i. d. F. des Art. 25 St\u00c4ndG 1992, wonach das Kindergeld f\u00fcr das erste Kind 70 DM betr\u00e4gt, verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/p>\n<p>Nach der Rechtsprechung des BVerfG mu\u00df der Gesetzgeber den Unterhaltsaufwand f\u00fcr Kinder des Steuerpflichtigen in dem Umfang als besteuerbares Einkommen au\u00dfer Betracht lassen, in dem die Unterhaltsaufwendungen zur Gew\u00e4hrleistung des Existenzminimums der Kinder erforderlich sind; anderenfalls l\u00e4ge ein Versto\u00df gegen Art. 3 Abs. 1 GG vor, weil Steuerpflichtige mit Kindern gegen\u00fcber Kinderlosen benachteiligt w\u00fcrden (Beschl\u00fcsse vom 29. Mai 1990 1 BvL 20\/84, 1 BvL 26\/84, 1 BvL 4\/86, BVerfGE 82, 60, BStBl II 1990, 653; vom 14. Juni 1994 1 BvR 1022\/88, BVerfGE 91, 93, BStBl II 1994, 909). Bei der Beurteilung, ob der Gesetzgeber diesen Anforderungen gerecht wird, m\u00fcssen die steuerlichen Kinderfreibetr\u00e4ge und das Kindergeld in ihrem Zusammenwirken ber\u00fccksichtigt werden. Das in einen fiktiven Kinderfreibetrag umzurechnende Kindergeld und der im Einkommensteuerrecht vorgesehene Kinderfreibetrag sind dem Betrag des Existenzminimums gegen\u00fcberzustellen (BVerfG in BVerfGE 82, 60, BStBl II 1990, 653).<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Methode, wie die vom Gesetzgeber steuerfrei zu belassenden Unterhaltsaufwendungen f\u00fcr das Existenzminimum von Kindern zu berechnen sind, bestehen noch Unsicherheiten. Das BVerfG hat noch nicht entschieden, auf welche Weise der f\u00fcr das Existenzminimum ma\u00dfgebliche Wohnbedarfswert zu ermitteln ist (vgl. Beschlu\u00df in BVerfGE 91, 93, BStBl II 1994, 909, 916; Beschlu\u00df der 3. Kammer des 1. Senats des BVerfG vom 13. Dezember 1996 1 BvR 1474\/88, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1997, 251). Es hat auch noch nicht eindeutig festgelegt, mit welchem Steuersatz das tats\u00e4chlich gezahlte Kindergeld in einen fiktiven Kinderfreibetrag umzurechnen ist. Auf diese Unsicherheiten kommt es jedoch im Streitfall nicht an. Denn das BVerfG hat eine Verfassungswidrigkeit jedenfalls dann nicht angenommen, wenn der fiktive Kinderfreibetrag bei einer Umrechnung des tats\u00e4chlich gezahlten Kindergeldes mit einem Steuersatz von 45 v. H. die Richtwerte des durchschnittlichen Sozialhilfebedarfs um weniger als 15 v. H. unterschritten hat (BVerfGE 91, 93, BStBl II 1994, 909, 916 f.).<\/p>\n<p>Bei Anwendung dieser Grunds\u00e4tze ist der steuerliche Kinderlastenausgleich im Jahre 1992 bei einem Kind verfassungsgem\u00e4\u00df. Der fiktive Kinderfreibetrag betrug f\u00fcr das Streitjahr 1992 bei einem Kind und einer Umrechnung mit einem Steuersatz von 45 v. H. 5.971 DM (840 x 100 : 45 = 1.867 DM zuz\u00fcglich 4.104 DM gesetzlicher Kinderfreibetrag). Der durchschnittliche Sozialhilfebedarf eines Kindes in den alten Bundesl\u00e4ndern ist mit 6.816 DM anzusetzen (vgl. BT-Drucks 12\/6224, 4). Die sich danach ergebende Unterdeckung von 845 DM liegt mit 12,39 v. H. im Rahmen des Einsch\u00e4tzungsspielraums, den das BVerfG dem Gesetzgeber zugebilligt hat.<\/p>\n<p>Die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Kinderlastenausgleichs f\u00fcr das Jahr 1992 bei einem Kind wird auch nicht dadurch in Frage gestellt, da\u00df bei sog. Zahlv\u00e4tern, wie dem Kl\u00e4ger, der Anspruch auf das Kindergeld im konkreten Fall der Mutter zusteht. Denn dies ist bei der Bemessung der H\u00f6he des Unterhalts, den der Vater nach zivilrechtlichen Grunds\u00e4tzen zahlen mu\u00df, zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 16.1.1998 (VI R 130\/95) BStBl. 1998 II S. 262 Der steuerliche Kinderlastenausgleich im Jahr 1992 f\u00fcr Steuerpflichtige mit einem Kind ist mit dem GG vereinbar. EStG i.d.F. des St\u00c4ndG 1992 \u00a7 32 Abs. 6 Satz 1; BKGG i.d.F. des St\u00c4ndG 1992 \u00a7 10 Abs. 1 Satz 1; GG Art. 3 Abs. 1. 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