{"id":48219,"date":"1997-12-17T11:55:26","date_gmt":"1997-12-17T09:55:26","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=48219"},"modified":"2013-06-14T11:55:56","modified_gmt":"2013-06-14T09:55:56","slug":"bfh-urteil-vom-17-12-1997-iii-r-225_94-bstbl-1998-ii-s-277","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-17-12-1997-iii-r-225_94-bstbl-1998-ii-s-277\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil      vom 17.12.1997 (III R 225\/94) BStBl. 1998 II S. 277"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 17.12.1997 (III R 225\/94) BStBl. 1998 II S. 277<\/strong><\/p>\n<p>Wird ein f\u00fcr einen Betrieb in Berlin (West) angeschafftes bewegliches Wirtschaftsgut vor Ablauf der dreij\u00e4hrigen Verbleibensfrist in eine Betriebsst\u00e4tte im Beitrittsgebiet verbracht und fortan dort eingesetzt, so ist dies investitionszulagensch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>BerlinFG 1990 \u00a7 19 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 Satz 1; InvZulG 1991 \u00a7\u00a7 1 Abs. 2, 2 Satz 1 Nrn. 1 und 2, 11 Abs. 2.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Hamburg (EFG 1994, 958)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) betreibt einen &#8230;- import. Im ersten Halbjahr 1991 (Streitjahr) schaffte sie durch ihre (West-)Berliner Betriebsst\u00e4tte einen Lkw nebst dazugeh\u00f6rigem Ladekran an. Anfang 1992 \u00fcberf\u00fchrte die Kl\u00e4gerin diesen Lkw in ihre neue Zweigniederlassung in Brandenburg.<\/p>\n<p>Die nach \u00a7 19 des Berlinf\u00f6rderungsgesetzes (BerlinFG) 1990 beantragte Investitionszulage in H\u00f6he von 7,5 v. H. der Anschaffungskosten lehnte der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) mit Bescheid vom 22. Oktober 1992 sowie anschlie\u00dfender Einspruchsentscheidung vom 9. M\u00e4rz 1993 ab. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte das FA aus, der Lkw sei nicht drei Jahre nach der Anschaffung in Berlin (West) verblieben.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) gab der hiergegen gerichteten Klage mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 1994, 958 ver\u00f6ffentlichten Urteil statt. Es war der Auffassung, da\u00df neben den \u00fcbrigen Voraussetzungen des \u00a7 19 (insbesondere Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, Abs. 3 Nr. 2 sowie Abs. 4 Nr. 2) BerlinFG 1990 auch die einzig in Streit stehenden Verbleibensvoraussetzungen erf\u00fcllt seien, und begr\u00fcndete dies im wesentlichen wie folgt:<\/p>\n<p>F\u00fcr die Anschaffung des Lkw im ersten Halbjahr 1991 w\u00fcrden die Verbleibensvoraussetzungen des \u00a7 19 Abs. 2 S\u00e4tze 1 und 2 sowie Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 und Satz 4 BerlinFG 1990 durch die Voraussetzungen von \u00a7 2 Satz 1 Nrn. 1 und 2 i. V. m. \u00a7 1 Abs. 2 des Investitionszulagengesetzes (InvZulG) 1991 im Wege der Gesetzesanalogie modifiziert. \u00a7 11 Abs. 2 InvZulG 1991 stehe insoweit nicht entgegen. Der abweichenden Ansicht des FG Berlin in dessen rechtskr\u00e4ftigen &#8211; nicht ver\u00f6ffentlichten &#8211; Urteilen vom 10. Juni 1993 IV 252\/92 und vom 15. Oktober 1992 IV 137\/92 k\u00f6nne nicht gefolgt werden.<\/p>\n<p>Mit seiner hiergegen gerichteten Revision r\u00fcgt das FA eine Verletzung von \u00a7 19 BerlinFG 1990 sowie von \u00a7 11 Abs. 2 InvZulG 1991 und begr\u00fcndet dies u. a. wie folgt: F\u00fcr eine analoge Anwendung des \u00a7 2 InvZulG 1991 sei kein Raum, da keine Gesetzesl\u00fccke bestehe. Mit dem gesetzgeberischen Vorhaben, ein F\u00f6rdergef\u00e4lle zugunsten des Beitrittsgebietes zu schaffen, sei der Wortlaut des \u00a7 11 Abs. 2 InvZulG 1991 durchaus vereinbar. Sei danach die F\u00f6rderung von Investitionen in Berlin (West) vorerst noch gegen\u00fcber dem Beitrittsgebiet an engere Voraussetzungen des Verbleibens gekn\u00fcpft, so sei diese f\u00fcr das Beitrittsgebiet im Verh\u00e4ltnis zu Berlin (West) g\u00fcnstigere Regelung durchaus geeignet gewesen, die Investitionst\u00e4tigkeit besonders im Beitrittsgebiet zu st\u00e4rken bzw. von vornherein dorthin zu lenken. Das FG habe mit seiner Auslegung des \u00a7 11 Abs. 2 InvZulG 1991 gegen dessen Wortlaut die Entscheidung des Gesetzgebers in unzul\u00e4ssiger Weise &#8222;revidiert&#8220;.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Klage unter Aufhebung der Vorentscheidung abzuweisen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin hat keinen Anspruch auf Investitionszulage, weil die sog. Verbleibensvoraussetzungen entgegen der Ansicht des FG nicht eingehalten worden sind.<\/p>\n<p>Nach \u00a7 19 Abs. 2 Satz 1 BerlinFG 1990 wird Investitionszulage nur f\u00fcr solche f\u00fcr das Anlageverm\u00f6gen eines Betriebs in Berlin (West) bestimmte abnutzbare bewegliche Wirtschaftsg\u00fcter gew\u00e4hrt, die mindestens drei Jahre nach ihrer Anschaffung oder Herstellung zu einem solchen Betrieb (einer Betriebsst\u00e4tte) geh\u00f6ren. An dieser sog. Zugeh\u00f6rigkeits- oder r\u00e4umlichen Verbleibensvoraussetzung hat sich f\u00fcr im ersten Halbjahr 1991 im Westteil von Berlin durchgef\u00fchrte Investitionen durch die Einf\u00fchrung des InvZulG 1991 &#8211; im Rahmen des Steuer\u00e4nderungsgesetzes (St\u00c4ndG) 1991 vom 24. Juni 1991 (BGBl I 1991, 1322) &#8211; nichts ge\u00e4ndert. Denn sowohl aus \u00a7 31 Abs. 14 Satz 1 BerlinFG 1990 als auch aus \u00a7 11 Abs. 2 InvZulG 1991, jeweils in der gem\u00e4\u00df dem St\u00c4ndG 1991 g\u00fcltigen Fassung, ergibt sich eindeutig, da\u00df die Zulagenbeg\u00fcnstigung von im ersten Halbjahr 1991 in Berlin (West) begonnenen Investitionen ausschlie\u00dflich nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 19 BerlinFG 1990 zu beurteilen ist.<\/p>\n<p>Dieser Regelungsgehalt des Gesetzes stimmt auch mit seinem Sinn und Zweck \u00fcberein. Der Gesetzgeber hielt es im Rahmen der regionalen Wirtschaftsf\u00f6rderung f\u00fcr erforderlich, dem sog. Beitrittsgebiet einen sp\u00fcrbaren F\u00f6rdervorsprung einzur\u00e4umen; dazu wurde insbesondere der Abbau der Berlinf\u00f6rderung f\u00fcr unumg\u00e4nglich gehalten (vgl. BRDrucks 141\/91, S. 61). Folgte man der Ansicht des FG, so w\u00fcrde der F\u00f6rdervorsprung der Berliner Wirtschaft im Gegenteil untermauert. Es k\u00e4men dann n\u00e4mlich Wirtschaftsg\u00fcter im Beitrittsgebiet zum Einsatz, die schon vor l\u00e4ngerer Zeit &#8211; u. U. schon im Jahre 1988 &#8211; angeschafft worden waren und sich deshalb zum Teil schon amortisiert hatten. Vor allem aber w\u00e4ren diese Wirtschaftsg\u00fcter (bei Anschaffungen im Jahre 1988, 1989 und zum Teil auch noch 1990) mit Zulagens\u00e4tzen zwischen 10 v. H. und 40 v. H. (vgl. \u00a7 19 Abs. 1 Satz 4 BerlinFG i. d. F. vom 10. Dezember 1986, BGBl I, 2415, BStBl I 1987, 4) gef\u00f6rdert gewesen; 1991 betrugen die entsprechenden Zulagens\u00e4tze immerhin noch 7,5 bzw. 15 v. H. (vgl. \u00a7 19 Abs. 4 Satz 1 BerlinFG 1990). Mit solcherma\u00dfen &#8222;beg\u00fcnstigten&#8220; Wirtschaftsg\u00fctern h\u00e4tten dann Wirtschaftsg\u00fcter konkurrieren m\u00fcssen, die erst noch &#8211; in wirtschaftlich schwierigerer Zeit &#8211; angeschafft werden mu\u00dften und lediglich mit 12 v. H. und nach dem 30. Juni 1992 nur noch mit 8 v. H. gef\u00f6rdert wurden (vgl. \u00a7 5 Nr. 2 i. V. m. \u00a7 3 Satz 1 Nr. 2 InvZulG 1991).<\/p>\n<p>Die Anwendung der Behaltevorschriften des BerlinFG stellt so einen gewissen Schutz der Neuinvestoren im Beitrittsgebiet dar und entspricht damit den Vorstellungen des Gesetzgebers. Eventuelle H\u00e4rten im Einzelfall sind hinzunehmen; sie rechtfertigen keine Billigkeitsma\u00dfnahmen aus sachlichen Gr\u00fcnden (vgl. hierzu z. B. das Senatsurteil vom 9. Dezember 1988 III R 72\/86, BFHE 155, 438, BStBl II 1989, 244, Nr. 1 der Entscheidungsgr\u00fcnde am Ende).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 17.12.1997 (III R 225\/94) BStBl. 1998 II S. 277 Wird ein f\u00fcr einen Betrieb in Berlin (West) angeschafftes bewegliches Wirtschaftsgut vor Ablauf der dreij\u00e4hrigen Verbleibensfrist in eine Betriebsst\u00e4tte im Beitrittsgebiet verbracht und fortan dort eingesetzt, so ist dies investitionszulagensch\u00e4dlich. &nbsp; BerlinFG 1990 \u00a7 19 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 Satz 1; InvZulG &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-17-12-1997-iii-r-225_94-bstbl-1998-ii-s-277\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil      vom 17.12.1997 (III R 225\/94) BStBl. 1998 II S. 277<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-48219","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=48219"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48219\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=48219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=48219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=48219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}