{"id":48612,"date":"1998-01-27T11:44:47","date_gmt":"1998-01-27T09:44:47","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=48612"},"modified":"2013-06-17T11:45:24","modified_gmt":"2013-06-17T09:45:24","slug":"bfh-urteil-vom-27-1-1998-viii-r-47_96-bstbl-1998-ii-s-498","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-27-1-1998-viii-r-47_96-bstbl-1998-ii-s-498\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil      vom 27.1.1998 (VIII R 47\/96) BStBl. 1998 II S. 498"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 27.1.1998 (VIII R 47\/96) BStBl. 1998 II S. 498<\/strong><\/p>\n<p>Steuernachforderungen sind bis zum 31. Dezember 1995 auch dann gem\u00e4\u00df \u00a7 233a AO 1977 zu verzinsen, wenn sie sich aus der nachtr\u00e4glichen Erh\u00f6hung eines Kaufpreises ergeben und die r\u00fcckwirkend entstandene Steuerschuld zu einer \u00c4nderung der Steuerfestsetzung nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO 1977 f\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AO 1977 \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, \u00a7 233a Abs. 1 und 5.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnchen (EFG 1996, 906)<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) hatte seine im Privatverm\u00f6gen gehaltene wesentliche Beteiligung mit Wirkung zum 1. Januar 1989 um 3.222.000 DM ver\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Der Kaufpreis wurde 1992 aufgrund der im Kaufvertrag getroffenen Vereinbarungen um 2.134.963,63 DM erh\u00f6ht. Der K\u00e4ufer zahlte den Erh\u00f6hungsbetrag im Oktober 1992 an den Kl\u00e4ger.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) \u00e4nderte daraufhin den Einkommensteuerbescheid 1989 nach \u00a7 175 Abs. 1 Nr. 2 der Abgabenordnung (AO 1977) und erh\u00f6hte die Einkommensteuer um 597.692 DM. Damit verbunden setzte er f\u00fcr die Zeit vom 1. April 1991 bis zur F\u00e4lligkeit der Steuernachforderung Zinsen nach \u00a7 233a AO 1977 in H\u00f6he von (62.748 DM .\/. Erstattungszinsen von 411 DM =) 62.337 DM fest. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) gab der gegen den Zinsbescheid gerichteten Klage statt (Entscheidungen der Finanzgerichte 1996, 906).<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt das FA Verletzung materiellen Rechts (\u00a7 233a AO 1977).<\/p>\n<p>Das Bundesministerium der Finanzen ist dem Verfahren beigetreten (\u00a7 122 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Es vertritt die Ansicht, da\u00df mit der materiell-rechtlichen R\u00fcckwirkung der Kaufpreiserh\u00f6hung auf den Ver\u00e4u\u00dferungszeitpunkt auch der Steueranspruch in diesem Zeitpunkt entstanden sei und \u00a7 233a AO 1977 ausschlie\u00dflich und ohne Differenzierung nach dem \u00c4nderungsgrund auf die Entstehung der Steuerschuld abstelle. Der Gesetzgeber habe sich bewu\u00dft f\u00fcr eine m\u00f6glichst einfache Zinsberechnung &#8211; nach der jeweiligen Sollstellung &#8211; entschieden, um aufwendige Feststellungen im Festsetzungsverfahren \u00fcber den Umfang der auf dem r\u00fcckwirkenden Ereignis beruhenden Mehr- oder Mindersteuern zu vermeiden.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 1 FGO).<\/p>\n<p>Der erkennende Senat hat in seinem Beschlu\u00df vom 27. September 1994 VIII B 21\/94 (BFHE 175, 516, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1995, 128) ausgef\u00fchrt, da\u00df es ernstlich zweifelhaft sei, ob bei einer nachtr\u00e4glichen Erh\u00f6hung des Kaufpreises f\u00fcr eine wesentliche Beteiligung der Unterschiedsbetrag zwischen der urspr\u00fcnglichen und der r\u00fcckwirkend entstehenden Steuerschuld auch r\u00fcckwirkend nach \u00a7 233a AO 1977 zu verzinsen sei. Der I. Senat des Bundesfinanzhofs hat eine r\u00fcckwirkende Verzinsung bei r\u00fcckwirkender Steuerfestsetzung bejaht (Urteil vom <span style=\"color: #000000; font-family: Arial; font-size: small;\">2. Juli 1997 I R 25\/96, BFHE 183, 33, BStBl II 1997, 714). Der erkennende Senat schlie\u00dft sich diesem Urteil im Ergebnis an. Zwar hat der Gesetzgeber mit dem Jahressteuergesetz 1997 in \u00a7 233a AO 1977 einen Abs. 2 a eingef\u00fcgt, der bestimmt, da\u00df im Falle der Steuerfestsetzung aufgrund eines r\u00fcckwirkenden Ereignisses der Zinslauf abweichend von Abs. 2 Satz 1 erst 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres beginnt, in dem das r\u00fcckwirkende Ereignis eingetreten oder der Verlust entstanden ist. Er hat aber gleichzeitig in Art. 97 \u00a7 15 des Einf\u00fchrungsgesetzes zur Abgabenordnung (EGAO 1977) einen Abs. 8 angef\u00fcgt. Danach gilt \u00a7 233a Abs. 2 a AO 1977 in allen F\u00e4llen, in denen der Verlust nach dem 31. Dezember 1995 entstanden oder das r\u00fcckwirkende Ereignis nach dem 31. Dezember 1995 eingetreten ist. Damit hat der Gesetzgeber klargestellt, da\u00df die Verzinsung f\u00fcr den vorausgehenden Zeitraum &#8211; und damit auch f\u00fcr den Streitfall &#8211; ausschlie\u00dflich nach dem Sollprinzip vorzunehmen ist.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 27.1.1998 (VIII R 47\/96) BStBl. 1998 II S. 498 Steuernachforderungen sind bis zum 31. 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