{"id":48930,"date":"1998-07-15T15:27:56","date_gmt":"1998-07-15T13:27:56","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=48930"},"modified":"2013-06-18T15:30:00","modified_gmt":"2013-06-18T13:30:00","slug":"bfh-urteil-vom-15-7-1998-i-r-24_96-bstbl-1998-ii-s-728","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-15-7-1998-i-r-24_96-bstbl-1998-ii-s-728\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom    15.7.1998 (I R 24\/96) BStBl. 1998 II S. 728"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 15.7.1998 (I R 24\/96) BStBl. 1998 II S. 728<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Die Verpflichtung einer Bank zur Leistung einer Sparpr\u00e4mie, die am Ende der Laufzeit eines Sparvertrages gutgeschrieben wird, ist als zus\u00e4tzliche Verzinsung f\u00fcr das angesparte Kapital anzusehen, f\u00fcr die eine R\u00fcckstellung gebildet werden kann. Die r\u00fcckzustellenden Betr\u00e4ge sind nach der Zinsstaffelmethode zu ermitteln und \u00fcberdies auf die Laufzeit des Sparvertrages abzuzinsen.<\/p>\n<p>EStG \u00a7 5 Abs. 1 und 6, \u00a7 6 Abs. 1 Nrn. 2 und 3; HGB \u00a7 249 Abs. 1, \u00a7 253.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnster (EFG 1996, 578)<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), eine \u00f6ffentlich-rechtliche Sparkasse, schlie\u00dft mit ihren Kunden unter anderem Pr\u00e4miensparvertr\u00e4ge in den Sonderformen des S-Pr\u00e4miensparvertrages sowie des verm\u00f6genswirksamen Sparvertrages mit S-Pr\u00e4mie ab. Der Sparer wird hierdurch verpflichtet, f\u00fcr die Dauer von sechs Jahren monatlich gleichbleibende Sparbeitr\u00e4ge zu leisten, w\u00e4hrend die Kl\u00e4gerin verpflichtet wird, neben dem jeweils g\u00fcltigen Zinssatz f\u00fcr Spareinlagen mit gesetzlicher K\u00fcndigungsfrist, am Ende der siebenj\u00e4hrigen Gesamtlaufzeit des Vertrages eine unverzinsliche Pr\u00e4mie zu zahlen. Diese betrug bei Vertr\u00e4gen, die seit Einf\u00fchrung dieser Sparform durch Beschlu\u00df des Vorstandes der Kl\u00e4gerin vom 15. Dezember 1981 bis zum 4. Juni 1990 abgeschlossen worden sind, 16 %, bei danach abgeschlossenen Sparvertr\u00e4gen 14 % der Summe der eingezahlten Sparbeitr\u00e4ge. Die S-Pr\u00e4miensparvertr\u00e4ge sind nicht, die verm\u00f6genswirksamen Sparvertr\u00e4ge mit S-Pr\u00e4mie sind nur eingeschr\u00e4nkt k\u00fcndbar. Werden die vereinbarten Sparbeitr\u00e4ge nicht mehr erbracht, ist der Sparvertrag zu unterbrechen. Der Sparer erh\u00e4lt dann auf die bis zu diesem Zeitpunkt erbrachten Sparbeitr\u00e4ge am Ende der Festlegungsfrist die Sparpr\u00e4mie. Verf\u00fcgt der Sparer vorzeitig \u00fcber die Sparbeitr\u00e4ge, verf\u00e4llt der Pr\u00e4mienanspruch.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin bildete in ihrer Handels- und Steuerbilanz f\u00fcr die Verpflichtung zur Zahlung der S-Pr\u00e4mien eine entsprechende R\u00fcckstellung. Diese R\u00fcckstellung ermittelte sie mit dem Betrag, der kapital- und zeitanteilig auf die abgelaufene Festlegungsfrist entf\u00e4llt (sog. zinszahlproportionale Verteilung nach der Zinsstaffelmethode). Zwischenzinsen sind nicht ber\u00fccksichtigt worden.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) vertrat nach Durchf\u00fchrung einer Au\u00dfenpr\u00fcfung unter Bezugnahme auf das Schreiben des Bundesministers der Finanzen (BMF) vom 18. November 1991 IV B 2 &#8211; S 2137- 58\/91 (Der Betrieb &#8211; DB &#8211; 1992, 67; siehe auch Oberfinanzdirektion Frankfurt a. M., Verf\u00fcgung vom 23. M\u00e4rz 1995 S 2175 A &#8211; 4 &#8211; St II 20, Betriebs-Berater &#8211; BB &#8211; 1995, 1346) die Auffassung, die R\u00fcckstellung f\u00fcr die S-Pr\u00e4mien sei &#8211; neben einer zwischen den Beteiligten unstreitigen K\u00fcrzung von 60.000 DM wegen eines sog. Fluktuationsabschlags &#8211; um einen Abzinsungsbetrag zu k\u00fcrzen. Die S-Pr\u00e4mie sei neben der laufenden Verzinsung als Entgelt f\u00fcr die \u00dcberlassung des Sparkapitals anzusehen. Da eine Geldleistungsverpflichtung vorliege, die erst am Ende der Vertragslaufzeit f\u00e4llig werde, sei die ausgewiesene Verpflichtung abzuzinsen. Die Abzinsung sei aus Gr\u00fcnden des Vertrauensschutzes erstmals zum 31. Dezember 1991 vorzunehmen. Ihr sei ein Zinssatz von 5,5 % zugrunde zu legen.<\/p>\n<p>Die gegen die ge\u00e4nderten K\u00f6rperschaftsteuerbescheide erhobene Sprungklage blieb erfolglos. Das Urteil des Finanzgerichts (FG) ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 1996, 578 wiedergegeben.<\/p>\n<p>Ihre Revision st\u00fctzt die Kl\u00e4gerin auf Verletzung materiellen Rechts.<\/p>\n<p>Sie beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und das zu versteuernde Einkommen und die K\u00f6rperschaftsteuer 1991 unter Ber\u00fccksichtigung einer R\u00fcckstellung f\u00fcr ungewisse Verbindlichkeiten zur Zahlung der S-Pr\u00e4mien festzusetzen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet. Das FG hat die R\u00fcckstellungen f\u00fcr die von der Kl\u00e4gerin zu erbringenden Sparpr\u00e4mien zu Recht mit den ratierlich angesammelten und sodann abgezinsten Betr\u00e4gen angesetzt.<\/p>\n<p>1. Eine abzugsf\u00e4hige Schuld kann sich auch aufgrund eines schwebenden Dauerschuldverh\u00e4ltnisses ergeben (vgl. z. B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 6. Dezember 1989 II R 11\/87, BFHE 159, 218, BStBl Il 1990, 150, m. w. N.; vom 20. Januar 1993 I R 115\/91, BFHE 170, 234, BStBl II 1993, 373). Voraussetzung daf\u00fcr ist, da\u00df der wertm\u00e4\u00dfige Ausgleich zwischen Anspruch und Verbindlichkeit bei der einzelnen Vertragspartei deshalb nicht (mehr) gegeben ist, weil ihr Anspruch z. T. schon erf\u00fcllt ist, ohne da\u00df sie bis zum Stichtag auch schon ihre Leistung in einem entsprechenden Umfang erbracht h\u00e4tte. So verh\u00e4lt es sich im Streitfall.<\/p>\n<p>2. Aus den schwebenden Sparvertr\u00e4gen bestand ein Erf\u00fcllungsr\u00fcckstand der Kl\u00e4gerin (BFH-Urteile vom 24. August 1983 I R 16\/79, BFHE 140, 167, BStBl II 1984, 273; vom 8. Oktober 1987 IV R 18\/86, BFHE 151, 153, 159, BStBl II 1988, 57).<\/p>\n<p>Ein Erf\u00fcllungsr\u00fcckstand liegt bei Dauerschuldverh\u00e4ltnissen vor, wenn der Verpflichtete sich mit seinen Leistungen gegen\u00fcber seinem Vertragspartner im R\u00fcckstand befindet, also weniger geleistet hat, als er nach dem Vertrag f\u00fcr die bis dahin vom Vertragspartner erbrachte Leistung insgesamt zu leisten hatte (BFH in BFHE 151, 153, BStBl II 1987, 57, 60). Der Begriff des Erf\u00fcllungsr\u00fcckstandes kn\u00fcpft eng an den schuldrechtlich gebotenen Zeitpunkt der Erf\u00fcllung an (BFH-Urteile vom 26. Mai 1976 I R 80\/74, BFHE 119, 261, BStBl II 1976, 622; vom 12. August 1982 IV R 184\/79, BFHE 136, 280, BStBl II 1982, 696; in BFHE 151, 153, BStBl II 1988, 57, 60; Heu\u00dfner, BB 1988, 2417, 2424). Dabei ist die Frage eines Erf\u00fcllungsr\u00fcckstandes zwar grunds\u00e4tzlich nach dem rechtlichen, insbesondere schuldrechtlichen Verh\u00e4ltnis von Leistung und Gegenleistung zu beurteilen (BFH in BFHE 119, 261, BStBl II 1976, 622; in BFHE 136, 280, BStBl II 1982, 696, und in BFHE 151, 153, BStBl II 1988, 57, 60). Der VIII. Senat des BFH hat dar\u00fcber hinaus auch eine an den wirtschaftlichen Gegebenheiten orientierte Betrachtung gen\u00fcgen lassen (BFH-Urteil vom 3. Dezember 1991 VIII R 88\/87, BFHE 167, 322, BStBl II 1993, 89), allerdings vorausgesetzt, mit der zuk\u00fcnftigen Zahlung wird nicht nur an Vergangenes angekn\u00fcpft, sondern Vergangenes abgegolten (Senatsurteil in BFHE 170, 234, BStBl II 1993, 373).<\/p>\n<p>Davon ausgehend hat das FG zutreffend angenommen, da\u00df eine R\u00fcckstellung (\u00a7 5 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes, \u00a7 249 Abs. 1 des Handelsgesetzbuches &#8211; HGB -) f\u00fcr die Verpflichtung zur Zahlung der S-Pr\u00e4mie nur insoweit in Betracht kommen kann, als die k\u00fcnftige Pr\u00e4mienzahlung auf den am jeweiligen Bilanzstichtag abgelaufenen Teil der gesamten Festlegungsfrist entf\u00e4llt. Denn nur insoweit liegt ein Erf\u00fcllungsr\u00fcckstand vor: Bei der S-Pr\u00e4mie handelt es sich um die Zusatzverg\u00fctung f\u00fcr die gesamte Laufzeit des jeweiligen Sparvertrages, der wirtschaftlich gesehen Zinscharakter zukommt (vgl. z. B. Gabler, Bank-Lexikon, 11. Aufl., Stichwort &#8222;Bonus&#8220;: Zinszuschlag, Stichwort &#8222;Pr\u00e4miensparen&#8220;: Sonderzinsverg\u00fctung; B\u00fcschgen, Das kleine Bank-Lexikon, 2. Aufl., Stichworte &#8222;Bonussparen&#8220; und &#8222;Sparplan&#8220;). Sie stellt die Gegenleistung daf\u00fcr dar, da\u00df der jeweilige Sparer die von ihm aufgebrachten Sparbeitr\u00e4ge der Kl\u00e4gerin w\u00e4hrend der gesamten siebenj\u00e4hrigen Festlegungsfrist \u00fcberl\u00e4\u00dft. Folglich wird die S-Pr\u00e4mie zum jeweiligen Bilanzstichtag immer nur anteilig durch den zur\u00fcckliegenden Zeitraum wirtschaftlich verursacht. Dies erfordert es, die k\u00fcnftig zu leistenden Pr\u00e4mien kapital- und zinsanteilig nach Ma\u00dfgabe der Zinsstaffelmethode zu verteilen, und zwar durch Bildung einer entsprechenden R\u00fcckstellung. Nach dem vom FG festgestellten Sachverhalt stehen die zu erbringenden Pr\u00e4mienleistungen der Kl\u00e4gerin im Bilanzzeitpunkt noch nicht fest, sie sind noch ungewi\u00df. Die Verwaltungspraxis tr\u00e4gt dem Rechnung (ebenso Heu\u00dfner, BB 1988, 2417, 2427; siehe auch BFH-Urteil vom 27. Juni 1990 II R 179\/87, BFHE 160, 573, BStBl II 1990, 878 zur bewertungsrechtlichen Lage); ihr ist zwischenzeitlich auch die Kl\u00e4gerin gefolgt.<\/p>\n<p>3. Mit welchem Wert Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde und Schulden in der Steuerbilanz anzusetzen sind, bestimmt sich grunds\u00e4tzlich nach den Vorschriften \u00fcber die Bewertung in \u00a7 6 EStG i. V. m. \u00a7 5 Abs. 6 EStG. Nur soweit die Regelungen des \u00a7 6 EStG l\u00fcckenhaft sind, greifen nach dem Ma\u00dfgeblichkeitsprinzip des \u00a7 5 Abs. 1 EStG erg\u00e4nzend die als Grunds\u00e4tze ordnungsm\u00e4\u00dfiger Bilanzierung (GoB) zu beurteilenden Bewertungsgrunds\u00e4tze des Handelsrechts (\u00a7\u00a7 252 ff. HGB; vgl. BFH-Urteil vom 12. M\u00e4rz 1964 IV 456\/61 U, BFHE 80, 138, BStBl III 1964, 525).<\/p>\n<p>a) \u00a7 6 EStG enth\u00e4lt zwar keine ausdr\u00fcckliche Regelung \u00fcber die Bewertung von R\u00fcckstellungen. Es besteht allerdings Einigkeit dar\u00fcber, da\u00df die einkommensteuerrechtlichen Vorschriften \u00fcber die Bewertung von Verbindlichkeiten (\u00a7 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG) sinngem\u00e4\u00df f\u00fcr den Ansatz von R\u00fcckstellungen wegen ungewisser Verbindlichkeiten anzuwenden sind. Denn beide Passivposten unterscheiden sich nur hinsichtlich der Gewi\u00dfheit \u00fcber Grund und\/oder H\u00f6he der Schuld (BFH-Urteile vom 17. Februar 1993 X R 60\/89, BFHE 170, 397, BStBl II 1993, 437; vom 8. Juli 1992 XI R 50\/89, BFHE 168, 329, BStBl II 1992, 910; vom 12. Dezember 1990 I R 18\/89, BFHE 163, 157, BStBl Il 1991, 485). Steuerrechtlich ist deshalb bei der Bewertung der R\u00fcckstellung ebenso wie beim Ansatz der Verbindlichkeit von den Anschaffungskosten oder dem niedrigeren Teilwert auszugehen (vgl. \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 3 i. V. m. Nr. 2 EStG). \u00a7 6 EStG enth\u00e4lt allerdings auch keine Regelung dar\u00fcber, wie die Anschaffungskosten von Verbindlichkeiten festzustellen sind. Nach der neueren Rechtsprechung des BFH ist deshalb &#8211; insoweit &#8211; R\u00fcckgriff auf die handelsrechtlichen GoB zu nehmen. Danach ist bei Geldschulden (nicht anders als bei Geldforderungen) grunds\u00e4tzlich der Nennbetrag (R\u00fcckzahlungsbetrag) einer Verbindlichkeit als Anschaffungskosten anzusetzen (vgl. \u00a7 253 Abs. 1 HGB; siehe BFH-Urteile vom 4. M\u00e4rz 1976 IV R 78\/72, BFHE 121, 318, BStBl II 1977, 380; vom 31. Januar 1980 IV R 126\/76, BFHE 130, 372, BStBl II 1980, 491, 493; vom 7. Juli 1983 IV R 47\/80, BFHE 139, 154, BStBl II 1983, 753; in BFHE 163, 146, 155, BStBl II 1991, 479).<\/p>\n<p>b) Die Bewertung mit dem R\u00fcckzahlungsbetrag ist auch dann ma\u00dfgeblich, wenn eine empfangene Geldleistung erst nach l\u00e4ngerer Zeit unverzinslich in gleicher H\u00f6he zur\u00fcckzugew\u00e4hren ist (BFH-Urteil in BFHE 163, 146, 155, BStBl II 1991, 479; Clemm\/Nonnenmacher in Beck&#8217;scher Bilanzkommentar, 3. Aufl., \u00a7 253 HGB Rz. 161). Eine Abzinsung ist grunds\u00e4tzlich ausgeschlossen. Anderenfalls w\u00fcrde die bis zum Zeitpunkt der Erf\u00fcllung der Verbindlichkeit erzielte Zinsersparnis des Schuldners bereits im Zeitpunkt der Bilanzierung der Verbindlichkeit als Gewinn ausgewiesen, obwohl dieser erst in der Folgezeit realisiert wird (Knobbe-Keuk, Bilanz- und Unternehmenssteuerrecht, 9. Aufl., \u00a7 5 IX l.; Moxter in Festschrift f\u00fcr L. Schmidt, 1993, 195, 204 f.). Eine Abzinsung ist steuerrechtlich deshalb nur dann erforderlich, wenn im R\u00fcckzahlungsbetrag ein (verdeckter) Zinsanteil enthalten ist (BFH-Urteile vom 25. Februar 1975 VIII R 19\/70, BFHE 115, 514, BStBl II 1975, 647; in BFHE 139, 154, BStBl II 1983, 753; in BFHE 149, 55, BStBl II 1987, 845; Moxter, a. a. O., 195, 205 f.). Handelsrechtlich gilt nichts anderes. Gem\u00e4\u00df \u00a7 253 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 2 HGB in der ab 1. Januar 1985 geltenden Fassung d\u00fcrfen R\u00fcckstellungen nur abgezinst werden, soweit die ihnen zugrundeliegenden Verbindlichkeiten einen Zinsanteil enthalten. Durch die Einf\u00fcgung des zweiten Halbsatzes in \u00a7 253 Abs. 1 Satz 2 HGB mit Gesetz vom 24. Juni 1994 (BGBl I 1994, 1630) ist gegen\u00fcber dem zuvor geltenden Rechtszustand keine \u00c4nderung eingetreten; die Neuregelung hat lediglich klarstellende Bedeutung (BTDrucks 12\/7646, 2; vgl. Karrenbrock, DB 1994, 1941; Kropp\/Weisang, DB 1995, 2485).<\/p>\n<p>Ein verdeckter Zinsanteil setzt allerdings das Bestehen eines verdeckten Kreditgesch\u00e4fts voraus. Zwischen der Begr\u00fcndung der Verbindlichkeit und ihrer F\u00e4lligkeit mu\u00df ein gr\u00f6\u00dferer Zeitraum liegen. Es ist dann &#8211; auch ohne ausdr\u00fcckliche entsprechende Vereinbarung zwischen den Vertragsparteien und selbst wenn die Verbindlichkeit tats\u00e4chlich als unverzinslich deklariert wurde &#8211; aufgrund allgemeiner Erfahrungss\u00e4tze anzunehmen, da\u00df die Verbindlichkeiten einen Zinsanteil enthalten, der seinen Veranlassungsgrund in dem (verdeckten) Kreditgesch\u00e4ft hat (vgl. BFH-Urteile in BFHE 115, 514, BStBl II 1975, 647; in BFHE 139, 154, BStBl II 1983, 753; vom 11. Dezember 1986 IV R 222\/84, BFHE 149, 149, BStBl II 1987, 553; Groh, BB 1988, 1919; Werndl in Kirchhof\/S\u00f6hn, Einkommensteuergesetz, \u00a7 6 Rdnr. D 120 &#8222;Abzinsung&#8220; und D 22 ff.; Lambrecht, ebd., \u00a7 5 Rdnr. D 224 f.; siehe auch K\u00fcting\/Kessler, Deutsches Steuerrecht &#8211; DStR &#8211; 1997, 1665, 1672 f.). Diese Annahme bezieht ihre Rechtfertigung aus dem allgemeinen Grundsatz, da\u00df ein einheitliches Gesamtentgelt, das f\u00fcr zwei Leistungen &#8211; die Kreditgew\u00e4hrung infolge Stundung einerseits, die daf\u00fcr zu zahlende Verzinsung andererseits &#8211; gew\u00e4hrt wird, unabh\u00e4ngig von den Motiven und Gestaltungsabsichten der Beteiligten stets beiden Leistungen zuzurechnen ist. Beide Leistungen sind nach dem Einzelbewertungsgrundsatz zu bewerten.<\/p>\n<p>c) Bezogen auf den Streitfall hat dies zur Folge, da\u00df die R\u00fcckstellungsbetr\u00e4ge abzuzinsen sind. Bei den den Sparern versprochenen S-Pr\u00e4mien handelt es sich um (verdeckte) Kreditgesch\u00e4fte. Zwischen der Begr\u00fcndung der Verbindlichkeiten und deren F\u00e4lligkeit besteht mit sieben Jahren ein gr\u00f6\u00dferer Zeitraum. Es entspricht bank\u00fcblicher Gesch\u00e4ftspraxis, Kreditgesch\u00e4fte zu verzinsen. Ein diesen Gegebenheiten entgegenstehender Wille ist nicht erkennbar. Zwar wird die jeweilige Pr\u00e4mie am Ende der Sparlaufzeit verabredungsgem\u00e4\u00df in einem einheitlichen Betrag geleistet. Da sie der Sache nach eine Verzinsung der Kreditsumme darstellt, mu\u00df sie jedoch wirtschaftlich gesehen &#8211; mit der Folge von Zinseszinsen &#8211; den einzelnen Zinsperioden zugeordnet werden (vgl. auch mit Hinweis auf das Bonussparen Schmidt\/Glanegger, Einkommensteuergesetz, 17. Aufl., \u00a7 6 Rz. 396). Ein Sachaufkl\u00e4rungsmangel des FG liegt darin &#8211; entgegen der Annahme der Kl\u00e4gerin &#8211; nicht. Auch da\u00df die R\u00fcckstellung nur in zeitanteiliger Verteilung nach der Zinsstaffelmethode zugelassen worden ist, widerspricht dem nicht. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgef\u00fchrt hat, tr\u00e4gt die ratierliche Ansammlung allein dem jeweiligen Erf\u00fcllungsr\u00fcckstand Rechnung. Der ungeachtet dessen bestehende Zinsanteil wird hierdurch noch nicht ber\u00fccksichtigt. Erst durch die zus\u00e4tzliche Abzinsung wird vielmehr dem Umstand Rechnung getragen, da\u00df die S-Pr\u00e4mien nicht zeitnah in j\u00e4hrlichen Teilbetr\u00e4gen, sondern in einer Summe nach Ablauf der siebenj\u00e4hrigen Festlegungsfrist auszuzahlen sind (vgl. \u00e4hnlich f\u00fcr Jubil\u00e4umszuwendungen: BFH- Urteil in BFHE 149, 55, BStBl II 1987, 845). Da es allein auf die wirtschaftlichen Gegebenheiten ankommt, erweist es sich schlie\u00dflich als unbeachtlich, da\u00df zivilrechtlich die Vereinbarung von Zinseszinsen nach Ma\u00dfgabe von \u00a7 248 Abs. 1 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches verboten ist.<\/p>\n<p>d) Widerspr\u00fcche zu der bisherigen BFH-Rechtsprechung, insbesondere zu den Urteilen vom 27. November 1968 I 162\/64 (BFHE 94, 383, BStBl II 1969, 247), und vom 19. Februar 1975 I R 28\/73 (BFHE 115, 218, BStBl II 1975, 480) bestehen nicht. In diesen Entscheidungen hat der BFH es zwar abgelehnt, bei der j\u00e4hrlichen Zuf\u00fchrung von gesch\u00e4tzten Betr\u00e4gen zu einer R\u00fcckstellung f\u00fcr sp\u00e4tere Sachleistungen (Rekultivierungskosten u. \u00e4.) Zwischenzinsen zu ber\u00fccksichtigen. Auf die Bewertung von R\u00fcckstellungen f\u00fcr Geldleistungen sind diese Grunds\u00e4tze jedoch nicht zu \u00fcbertragen (BFH-Urteil vom 7. Juli 1983 IV R 47\/80, BFHE 139, 154, BStBl II 1983, 753). Im \u00fcbrigen ging es in diesen Urteilen um die Bewertung von im Bewertungszeitpunkt noch ungewissen drohenden Verbindlichkeiten, wohingegen im Streitfall die H\u00f6he der auszuzahlenden Pr\u00e4mien als fixe Endbetr\u00e4ge bekannt sind. Gleicherma\u00dfen wird nicht von den Urteilen des BFH vom 12. Dezember 1990 I R 153\/86 (BFHE 163, 146, BStBl II 1991, 479) und I R 18\/89 (BFHE 163, 157, BStBl II 1991, 485) abgewichen. Soweit der BFH in diesen Entscheidungen Zwischenzinsen bei zur\u00fcckzuzahlenden Einlagen bzw. Abschlu\u00dfgeb\u00fchren von Bausparkassen verneint hat, wurde ma\u00dfgeblich darauf abgestellt, da\u00df sich ausnahmsweise Auszahlungsbetrag und R\u00fcckzahlungsbetrag deckten; f\u00fcr den Regelfall wurde auch hier eine Verzinslichkeit bejaht. Der Sachverhalt, der im Streitfall zu beurteilen ist, ist damit nicht vergleichbar.<\/p>\n<p>4. Der Senat war nicht gehalten, im Hinblick auf die Rechtsfrage nach der Bewertung der von der Kl\u00e4gerin anzusetzenden R\u00fcckstellung eine Vorentscheidung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften (EuGH) einzuholen (Art. 177 Abs. 1 Buchst. b und Abs. 2 des Vertrages zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft). Allerdings hat der EuGH nunmehr seine Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Auslegung des Gemeinschaftsrechts auch f\u00fcr den Fall bejaht, da\u00df dieses den fraglichen Sachverhalt nicht unmittelbar regelt, aber der nationale Gesetzgeber bei der Umsetzung der Bestimmungen einer Richtlinie in nationales Recht beschlossen hat, rein innerstaatliche Sachverhalte und Sachverhalte, die unter die Richtlinie fallen, gleichzubehandeln, und seine innerstaatlichen Rechtsvorschriften deshalb an das Gemeinschaftsrecht angepa\u00dft hat (EuGH-Urteil vom 17. Juli 1997 Rs. C 28\/95, Leur-Bloem, Finanz-Rundschau &#8211; FR &#8211; 1997, 685). Die Frage, ob gleiches bei einer Verweisung des nationalen Gesetzgebers auf nationales, aber auf Richtlinien beruhendes Recht zu gelten hat, ist damit ausdr\u00fccklich noch nicht beantwortet. Im Streitfall kann indes unentschieden bleiben, ob es sich auch bei der in \u00a7 5 Abs. 1 EStG angeordneten Ma\u00dfgeblichkeit der GoB f\u00fcr die Steuerbilanz um eine derartige mittelbare gesetzliche Anordnung handelt, die den Senat zur Vorlage an den EuGH verpflichten w\u00fcrde (so Dautzenberg, FR 1997, 690 ff.; de Weerth, Internationales Steuerrecht &#8211; IStR &#8211; 1997, 543, sowie Rainer, ebd., 544, m. w. N.; vgl. auch BFH-Urteil vom 21. Oktober 1993 IV R 87\/92, BFHE 172, 462, BStBl II 1994, 176, unter II. der Entscheidungsgr\u00fcnde; anders wohl Weber-Grellet, DStR 1997, 1446, 1447 unter 7.). Um einen derartigen Zusammenhang handelt es sich im Streitfall jedenfalls nicht. Die &#8211; tats\u00e4chliche &#8211; Frage danach, ob ein Kreditgesch\u00e4ft einen (verdeckten) Zinsanteil enth\u00e4lt, und ob deshalb der ma\u00dfgebliche Erf\u00fcllungsbetrag auf den Barwert abzuzinsen ist, bestimmt sich eigenst\u00e4ndig nach steuerrechtlichen Bewertungsma\u00dfst\u00e4ben (\u00a7\u00a7 5 Abs. 6, 6 EStG), auch wenn diese im Ergebnis mit handelsrechtlichen Grunds\u00e4tzen \u00fcbereinstimmen (vgl. Ahmann in Festschrift f\u00fcr L. Schmidt, 1993, 269, 285; Meyer-Arndt, BB 1993, 1623, 1627; a. A. Sch\u00f6n in Festschrift f\u00fcr Flick, 1997, 573, 583; Herlinghaus, IStR 1997, 529, 538). Ebenso unterliegt es keinem Zweifel, da\u00df es eine Frage allein des nationalen Rechts ist, ob eine Verweisung auf Gemeinschaftsrecht au\u00dferhalb dessen unmittelbaren Anwendungsbereich vorliegt und wie weit diese reicht (zutreffend Rainer, a. a. O.).<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon bedarf es einer Vorabentscheidung des EuGH dann nicht, wenn und soweit der Inhalt der in Betracht kommenden gemeinschaftsrechtlichen Regelungen derart offenkundig ist, da\u00df f\u00fcr einen vern\u00fcnftigen Zweifel an der Entscheidung der gestellten Frage kein Raum bleibt (EuGH-Urteil vom 6. Oktober 1982 Rs. 283\/81, EuGHE 1982, 3415, 3430; Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 27. August 1991 2 BvR 276\/90, DB 1991, 2230). Nach Auffassung des Senats kann nicht zweifelhaft sein, da\u00df durch die deutsche handelsrechtliche Regelung in \u00a7 253 HGB, soweit diese eine Abzinsung von R\u00fcckstellungsbetr\u00e4gen zul\u00e4\u00dft, Art. 42 der Vierten Richtlinie des Rates vom 25. Juli 1978 (EWG-RL 78\/660), wonach R\u00fcckstellungen nur in H\u00f6he des notwendigen Betrages anzusetzen sind, zutreffend umsetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 15.7.1998 (I R 24\/96) BStBl. 1998 II S. 728 Die Verpflichtung einer Bank zur Leistung einer Sparpr\u00e4mie, die am Ende der Laufzeit eines Sparvertrages gutgeschrieben wird, ist als zus\u00e4tzliche Verzinsung f\u00fcr das angesparte Kapital anzusehen, f\u00fcr die eine R\u00fcckstellung gebildet werden kann. 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