{"id":49945,"date":"1991-08-08T13:37:53","date_gmt":"1991-08-08T11:37:53","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=49945"},"modified":"2013-06-23T13:41:22","modified_gmt":"2013-06-23T11:41:22","slug":"bfh-urteil-vom-8-8-1991-v-r-106_88-bstbl-1992-ii-s-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-8-8-1991-v-r-106_88-bstbl-1992-ii-s-12\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 8.8.1991    (V R 106\/88) BStBl. 1992 II S. 12"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 8.8.1991 (V R 106\/88) BStBl. 1992 II S. 12<\/strong><\/p>\n<p>Werden nachtr\u00e4glich steuerpflichtige Ums\u00e4tze und Vorsteuerbetr\u00e4ge bekannt und trifft den Unternehmer ein grobes Verschulden an dem nachtr\u00e4glichen Bekanntwerden, k\u00f6nnen die Vorsteuerbetr\u00e4ge gem\u00e4\u00df \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 nur abgezogen werden, soweit die Lieferungen und sonstigen Leistungen, auf denen die Vorsteuerbetr\u00e4ge beruhen, zur Ausf\u00fchrung der nachtr\u00e4glich bekanntgewordenen Ums\u00e4tze verwendet worden sind.<\/p>\n<p>AO 1977 \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2; UStG 1980 \u00a7 15 Abs. 1 Nr. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Hamburg (EFG 1989, 40)<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin), eine wegen Verm\u00f6genslosigkeit von Amts wegen am 7. M\u00e4rz 1988 im Handelsregister gel\u00f6schte GmbH, befa\u00dfte sich mit Import und Export von Waren aller Art, vor allem Teppichen, Kommissionsgesch\u00e4ften, Verwaltungen und Vertretungen sowie allen Gesch\u00e4ften, die dem vorstehenden Gesch\u00e4ftszweck im weitesten Sinn zu dienen geeignet waren. Sie war in den Streitjahren 1980 und 1981 von der Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldungen befreit. Nachdem sie f\u00fcr diese Jahre trotz wiederholter Aufforderungen durch das damals zust\u00e4ndige Finanzamt keine Steuererkl\u00e4rungen abgegeben hatte, sch\u00e4tzte dieses Finanzamt die steuerpflichtigen Ums\u00e4tze und die Vorsteuerbetr\u00e4ge f\u00fcr 1980 und 1981 in den bestandskr\u00e4ftig gewordenen Bescheiden vom 3. November 1983 jeweils auf 0 DM.<\/p>\n<p>Nach den 1984 abgegebenen Steuererkl\u00e4rungen erzielte die Kl\u00e4gerin 1980 und 1981 folgende Erl\u00f6se und steuerpflichtige Ums\u00e4tze:<\/p>\n<table width=\"445\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"53%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"center\">1980<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"center\">1981<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"center\">&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"center\">&#8212;&#8212;-<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"center\">DM<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"center\">DM<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">Erl\u00f6se aus eigenen Waren<\/td>\n<td width=\"24%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"23%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">abz\u00fcglich Skonto<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"right\">2.714.691,94<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"right\">1.666.161,38<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"24%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"23%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">Erl\u00f6se aus Konsignationswaren<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"right\">266.406,65<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"right\">255.289,63<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">Kostenerstattungen f\u00fcr<\/td>\n<td width=\"24%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"23%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">Konsignationswaren<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"right\">1.351.601,14<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"right\">1.132.914,05<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"right\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"right\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"right\">4.332.699,73<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"right\">3.054.365,06<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"right\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"right\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"24%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"23%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">steuerpflichtige Ums\u00e4tze zu 13 v.H.<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"right\">694.026,00<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"right\">55.310,00<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"24%\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"23%\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"53%\">Umsatzsteuer<\/td>\n<td width=\"24%\">\n<p align=\"right\">90.223,38<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"right\">7.190,30<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Kl\u00e4gerin machte Vorsteuerbetr\u00e4ge von 135.803,24 DM f\u00fcr 1980 und von 51.146,67 DM f\u00fcr 1981 geltend.<\/p>\n<p>Das Finanzamt setzte daraufhin mit \u00c4nderungsbescheiden vom 29. August 1985 die Umsatzsteuer f\u00fcr 1980 auf 68.223 DM und f\u00fcr 1981 auf 5.571 DM fest, wobei es lediglich Vorsteuerbetr\u00e4ge in H\u00f6he von 22.000 DM bzw. 1.000 DM ber\u00fccksichtigte. Die \u00c4nderung der Bescheide war auf \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO 1977) gest\u00fctzt.<\/p>\n<p>Auf die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage verpflichtete das Finanzgericht (FG) den im Wege der Funktionsnachfolge an die Stelle des Finanzamts getretenen Beklagten und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) unter Aufhebung der Bescheide vom 29. August 1985 und der Einspruchsentscheidung vom 18. April 1986 dazu, unter \u00c4nderung der Bescheide vom 3. November 1983 die Umsatzsteuer f\u00fcr 1980 auf .\/. 45.579,86 DM und die Umsatzsteuer f\u00fcr 1981 auf .\/. 43.956,37 DM festzusetzen (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211; EFG &#8211; 1989, 40). Zwar treffe die Kl\u00e4gerin, so f\u00fchrt das FG zur Begr\u00fcndung aus, ein grobes Verschulden daran, da\u00df die H\u00f6he der Vorsteuerbetr\u00e4ge erst nachtr\u00e4glich bekanntgeworden sei. Die Vorsteuerbetr\u00e4ge seien jedoch nach \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 in voller H\u00f6he zu ber\u00fccksichtigen. Unerheblich sei, da\u00df die Kl\u00e4gerin zum Teil nichtsteuerbare Ums\u00e4tze ausgef\u00fchrt habe.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt das FA Verletzung des \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977, soweit es nicht zur Festsetzung der Umsatzsteuer 1980 und 1981 auf jeweils 0 DM verpflichtet wurde. Der von \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 geforderte Zusammenhang bestehe nur zwischen den steuerpflichtigen Ums\u00e4tzen und den hierauf entfallenden Vorsteuerbetr\u00e4gen. Diese Vorsteuerbetr\u00e4ge seien jedoch bis zur H\u00f6he der Umsatzsteuer nach \u00a7 177 AO 1977 zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Vorentscheidung insoweit aufzuheben, als es nicht zur Festsetzung von Umsatzsteuer 1980 und 1981 auf jeweils 0 DM verpflichtet wurde.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt im Umfang der Anfechtung zur Aufhebung der Vorentscheidung und insoweit zur Abweisung der Klage (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>1. Die Kl\u00e4gerin blieb trotz ihrer L\u00f6schung f\u00e4hig, Beteiligte im finanzgerichtlichen Verfahren zu sein. Unber\u00fchrt blieb auch die erteilte Proze\u00dfvollmacht (Senatsbeschlu\u00df vom 22. Januar 1988 V B 95\/86, BFH\/NV 1988, 648).<\/p>\n<p>2. F\u00fcr eine \u00c4nderung der Umsatzsteuerbescheide vom 3. November 1983 zugunsten der Kl\u00e4gerin besteht keine Rechtsgrundlage. Sie wird durch \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977 nicht gerechtfertigt.<\/p>\n<p>a) Eine \u00c4nderung nach \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 AO 1977 kommt nur in Betracht, wenn den Steuerpflichtigen kein grobes Verschulden daran trifft, da\u00df die (zu einer niedrigeren Steuer f\u00fchrenden) Tatsachen oder Beweismittel erst nachtr\u00e4glich bekanntwerden. Das FG hat grobes Verschulden bejaht, ohne da\u00df dies revisionsrechtlich zu beanstanden w\u00e4re (vgl. zum Begriff des groben Verschuldens und zum Umfang der \u00dcberpr\u00fcfung im revisionsgerichtlichen Verfahren etwa Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 21. April 1988 IV R 215\/85, BFHE 153, 485, BStBl II 1988, 863, und vom 13. September 1990 V R 110\/85, BFHE 162, 488, BStBl II 1991, 124). Ein grobes Verschulden kann insbesondere dann vorliegen, wenn der Steuerpflichtige seiner Erkl\u00e4rungspflicht \u00fcberhaupt nicht nachkommt (BFH-Urteile vom 28. M\u00e4rz 1985 IV R 159\/82, BFHE 144, 521, BStBl II 1986, 120, und vom 9. M\u00e4rz 1990 VI R 19\/85, BFH\/NV 1990, 619). Die Kl\u00e4gerin hat insoweit auch keine Einwendungen gegen die Vorentscheidung erhoben.<\/p>\n<p>b) Nach \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 ist das Verschulden unbeachtlich, wenn die Tatsachen oder Beweismittel, die zu einer niedrigeren Steuer f\u00fchren, in einem unmittelbaren oder mittelbaren Zusammenhang mit Tatsachen oder Beweismitteln stehen, die zu einer h\u00f6heren Steuer f\u00fchren.<\/p>\n<p>Diese Voraussetzungen liegen jedenfalls in H\u00f6he der Vorsteuerbetr\u00e4ge, die \u00fcber die nach \u00a7 16 Abs. 1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) 1980 berechnete Umsatzsteuer hinausgehen, nicht vor.<\/p>\n<p>Soweit die Kl\u00e4gerin nichtsteuerbare Ums\u00e4tze ausf\u00fchrte, steht dies dem Vorsteuerabzug nicht bereits materiell-rechtlich entgegen (vgl. \u00a7 15 Abs. 2 UStG 1980). Denn nach der Vorschrift ist vom Vorsteuerabzug nur die Steuer f\u00fcr bezogene Leistungen ausgeschlossen, die zur Ausf\u00fchrung steuerfreier Ums\u00e4tze verwendet werden.<\/p>\n<p>Die Anwendung des \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 ist auch nicht etwa deshalb ausgeschlossen, weil nur eine Gesamtw\u00fcrdigung von Umsatzsteuer und Vorsteuerbetr\u00e4gen daf\u00fcr entscheidend w\u00e4re, ob die nachtr\u00e4glich bekanntgewordenen Tatsachen zu einer h\u00f6heren Steuer i. S. des \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977 oder zu einer niedrigeren Steuer i. S. des \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977 f\u00fchren. Im Fall einer vorausgegangenen Sch\u00e4tzung sind die Tatsachen, die zu einer Erh\u00f6hung der Umsatzsteuer (\u00a7 16 Abs. 1 UStG 1980) f\u00fchren, nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977 zu ber\u00fccksichtigen, w\u00e4hrend Tatsachen, die h\u00f6here Vorsteuern begr\u00fcnden, nach \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977 zu beurteilen sind. Anders verh\u00e4lt es sich bei einer vorangegangenen Gewinnsch\u00e4tzung. Hier kommt es darauf an, ob sich aus einer Gesamtw\u00fcrdigung der Tatsachen eine h\u00f6here oder niedrigere Steuer ergibt (BFH-Urteil in BFHE 144, 521, BStBl II 1986, 120).<\/p>\n<p>\u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 ist dar\u00fcber hinaus auch insoweit anwendbar, als die steuermindernden Tatsachen oder Beweismittel \u00fcber die steuerliche Auswirkung der steuererh\u00f6henden Tatsachen oder Beweismittel hinausgehen (BFH-Urteil vom 2. August 1983 VIII R 190\/80, BFHE 139, 123, BStBl II 1984, 4).<\/p>\n<p>Der in \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 geforderte Zusammenhang besteht jedoch nur zwischen den nachtr\u00e4glich bekanntgewordenen steuerpflichtigen Ums\u00e4tzen und den vorsteuerbelasteten Lieferungen und sonstigen Leistungen an den Unternehmer, die zur Ausf\u00fchrung dieser Ums\u00e4tze verwendet wurden.<\/p>\n<p>Ein Zusammenhang zwischen steuererh\u00f6henden und steuermindernden Tatsachen i. S. dieser Vorschrift ist gegeben, wenn der steuererh\u00f6hende Vorgang nicht ohne den steuermindernden Vorgang denkbar ist (BFH-Urteil vom 21. Februar 1991 V R 25\/87, BFHE 164, 1, BStBl II 1991, 496, m. w. N.). Ein rein zeitliches Zusammentreffen von steuererh\u00f6henden und steuermindernden Tatsachen reicht nicht aus (BFH-Urteil in BFHE 144, 521, BStBl II 1986, 120). Entscheidend ist der Sachzusammenhang.<\/p>\n<p>Dieser Sachzusammenhang kann auch zwischen nachtr\u00e4glich bekanntgewordenen h\u00f6heren steuerpflichtigen Ums\u00e4tzen und h\u00f6heren Vorsteuerbetr\u00e4gen bestehen. Nach der Systematik des UStG ist der &#8222;Zusammenhang&#8220; zwischen nachtr\u00e4glich bekanntgewordenen Vorsteuerbetr\u00e4gen und nachtr\u00e4glich bekanntgewordenen Ums\u00e4tzen jedoch nur im Rahmen des \u00a7 15 Abs. 2 und 4 UStG 1980 gegeben. Die Vorschrift verkn\u00fcpft die Abziehbarkeit von Vorsteuerbetr\u00e4gen mit den vom Unternehmer ausgef\u00fchrten Ums\u00e4tzen dahingehend, da\u00df die Steuer f\u00fcr bezogene Leistungen vom Vorsteuerabzug ausgeschlossen ist, wenn diese Leistungen zur Ausf\u00fchrung steuerfreier Ums\u00e4tze verwendet werden.<\/p>\n<p>Soweit also nachtr\u00e4glich steuerpflichtige Ums\u00e4tze der Kl\u00e4gerin bekanntgeworden sind (h\u00f6here Steuer), k\u00f6nnen gem\u00e4\u00df \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 AO 1977 auch (nachtr\u00e4glich bekanntgewordene) der Kl\u00e4gerin in Rechnung gestellte Steuern f\u00fcr Leistungsbez\u00fcge als abziehbare Vorsteuerbetr\u00e4ge (niedrigere Steuer) ber\u00fccksichtigt werden, wenn diese Leistungsbez\u00fcge den ausgef\u00fchrten steuerpflichtigen Ums\u00e4tzen wirtschaftlich zuzurechnen sind (vgl. \u00a7 15 Abs. 2 und 4 UStG 1980).<\/p>\n<p>Soweit die nachtr\u00e4glich bekanntgewordenen Vorsteuerbetr\u00e4ge aber auf Leistungsbez\u00fcgen beruhen, die die Kl\u00e4gerin zur Ausf\u00fchrung nichtsteuerbarer Ums\u00e4tze verwendet hat, greift \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 nicht zugunsten der Kl\u00e4gerin ein. Dies ist z. B. der Fall bei Waren, die die Kl\u00e4gerin zum Verkauf ins Ausland gebracht hat. Zwar steht nach dem Wortlaut von \u00a7 15 Abs. 2 und 4 UStG 1980 die Verwendung eines vorsteuerbelasteten Leistungsbezugs zur Ausf\u00fchrung nichtsteuerbarer Ums\u00e4tze dem Vorsteuerabzug nicht entgegen. Nichtsteuerbare Ums\u00e4tze f\u00fchren aber nicht zu einer &#8222;h\u00f6heren Steuer&#8220; i. S. von \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977, so da\u00df abziehbare Vorsteuerbetr\u00e4ge (als niedrigere Steuer) nicht mit einer &#8222;h\u00f6heren Steuer&#8220; in &#8222;Zusammenhang&#8220; i. S. von Nummer 2 Satz 2 dieser Vorschrift stehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Verschulden der Kl\u00e4gerin in bezug auf das nachtr\u00e4gliche Bekanntwerden der den nichtsteuerbaren Ums\u00e4tzen zuzurechnenden Vorsteuerbetr\u00e4ge ist somit beachtlich.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt f\u00fcr die Vorsteuerbetr\u00e4ge, die mit steuerfreien, nach \u00a7 15 Abs. 3 UStG 1980 aber nicht vorsteuerabzugsch\u00e4dlichen Ums\u00e4tzen, insbesondere also mit Ausfuhrlieferungen zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>c) Eine \u00c4nderung der Bescheide vom 3. November 1983 zugunsten der Kl\u00e4gerin kommt danach nicht in Betracht.<\/p>\n<p>Aus den vom FG in Bezug genommenen Gewinn- und Verlustrechnungen ergibt sich, da\u00df in beiden Jahren die &#8222;Umsatzerl\u00f6se&#8220; die vorsteuerbelasteten Aufwendungen deutlich \u00fcberstiegen. Es mu\u00df deshalb davon ausgegangen werden, da\u00df auch die steuerpflichtigen Ums\u00e4tze die damit zusammenh\u00e4ngenden vorsteuerbelasteten Aufwendungen der Streitjahre, die nach \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen, \u00fcberstiegen. Die ber\u00fccksichtigungsf\u00e4higen Vorsteuerbetr\u00e4ge sind somit niedriger als die nach \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977 erhobene Umsatzsteuer, so da\u00df es zu der von der Kl\u00e4gerin begehrten Erstattung nicht kommen kann.<\/p>\n<p>3. Die Teilaufhebung der Vorentscheidung f\u00fchrt dazu, da\u00df die urspr\u00fcnglichen Sch\u00e4tzungsbescheide vom 3. November 1983 unver\u00e4ndert bleiben. Die in der Vorentscheidung ausgesprochene Aufhebung der Bescheide vom 29. August 1985 und der Einspruchsentscheidung vom 18. April 1986 bleibt bestehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 8.8.1991 (V R 106\/88) BStBl. 1992 II S. 12 Werden nachtr\u00e4glich steuerpflichtige Ums\u00e4tze und Vorsteuerbetr\u00e4ge bekannt und trifft den Unternehmer ein grobes Verschulden an dem nachtr\u00e4glichen Bekanntwerden, k\u00f6nnen die Vorsteuerbetr\u00e4ge gem\u00e4\u00df \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AO 1977 nur abgezogen werden, soweit die Lieferungen und sonstigen Leistungen, auf denen die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-8-8-1991-v-r-106_88-bstbl-1992-ii-s-12\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 8.8.1991    (V R 106\/88) BStBl. 1992 II S. 12<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-49945","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49945","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49945"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49945\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49945"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49945"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49945"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}