{"id":50152,"date":"2012-10-24T13:14:28","date_gmt":"2012-10-24T11:14:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=50152"},"modified":"2013-06-23T13:21:18","modified_gmt":"2013-06-23T11:21:18","slug":"ix-r-36-11-par-17-abs-1-satz-1-estg-1-grenze-verfassungsgemaess-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-36-11-par-17-abs-1-satz-1-estg-1-grenze-verfassungsgemaess-6\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;36\/11 &#8211; &sect; 17 Abs. 1 Satz 1 EStG (1 %-Grenze) verfassungsgem&auml;&szlig;"},"content":{"rendered":"<p class=\"ueberschrift\">BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2012, IX R 36\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">\u00a7 17 Abs. 1 Satz 1 EStG (1 %-Grenze) verfassungsgem\u00e4\u00df<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Leits\u00e4tze<\/p>\n<div>\n<p>Die Beteiligungsgrenze von 1 % i.S. von \u00a7 17 Abs. 1 Satz 1 EStG ist verfassungsgem\u00e4\u00df.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.d.F. des Steuersenkungsgesetzes (StSenkG) vom 23.\u00a0Oktober 2000 (BGBl I 2000, 1433).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) ist Gr\u00fcndungsgesellschafter einer im Jahr 1993 errichteten und im Jahr 2000 in eine AG umgewandelten GmbH. Seine Beteiligung bewegte sich bis zu der vorliegend streitbefangenen Anteilsver\u00e4u\u00dferung im August 2003 zwischen 4,9\u00a0% und 7\u00a0%. Aus dieser Ver\u00e4u\u00dferung erzielte der Kl\u00e4ger unstreitig einen Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn von 389.187,50\u00a0EUR, den der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Einkommensteuerbescheid 2003 unter Anwendung des Halbeink\u00fcnfteverfahrens mit 194.593\u00a0EUR als Eink\u00fcnfte i.S. von \u00a7\u00a017 EStG erfasste. Der im M\u00e4rz 2011 ergangene \u00c4nderungsbescheid erfasst diese Eink\u00fcnfte nur noch mit 142.187\u00a0EUR; der Teil des vom Kl\u00e4ger erzielten Gewinns aus der Aktienver\u00e4u\u00dferung, der auf den Zeitraum bis zum 26.\u00a0Oktober 2000, dem Tag der Verk\u00fcndung des Steuersenkungsgesetzes entf\u00e4llt, wird nicht mehr besteuert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) entschied mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 516, ver\u00f6ffentlichten Urteil, der angefochtene Steuerbescheid sei rechtm\u00e4\u00dfig, \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG i.d.F. des StSenkG versto\u00dfe nicht gegen Art.\u00a03 Abs.\u00a01 des Grundgesetzes (GG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des Kl\u00e4gers, mit der er allein geltend macht, dass die Regelung in \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG (&#8222;(1) Zu den Eink\u00fcnften aus Gewerbebetrieb geh\u00f6rt auch der Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, wenn der Ver\u00e4u\u00dferer innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1\u00a0Prozent beteiligt war. &#8230;&#8220;) gegen das Grundgesetz versto\u00dfe und so seine in 2003 angefallenen Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne aus dem Verkauf der Aktien der AG ohne Rechtsgrund versteuert worden seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Erreiche oder \u00fcberschreite der Steuerpflichtige mit einer Kapitalbeteiligung 1\u00a0% des Gesellschaftskapitals, so sei der gesamte Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung von Anteilen zu versteuern, d.h. Gewinne aus Ver\u00e4u\u00dferungen betr\u00e4fen nicht nur die Kapitalbeteiligung, die die Schwelle von 1\u00a0% \u00fcbertreffe, sondern sie erfasse auch die Beteiligungsanteile, die &#8211;separat betrachtet&#8211; &#8222;unter 1\u00a0% liegen&#8220;. Im Gegensatz hierzu blieben Gewinne aus Kapitalbeteiligungen dann steuerfrei, wenn die Kapitalbeteiligung insgesamt 1\u00a0% nicht erreiche. Ein sachlicher Grund f\u00fcr die Einf\u00fchrung der 1\u00a0%-Schwelle sei nicht erkennbar. Sie sei lediglich fiskalisch motiviert. Die Gesetzesbegr\u00fcndung hierzu sei nicht tragf\u00e4hig, sie gehe weitgehend ins Leere.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Verletzung von Art.\u00a03 Abs.\u00a01 GG sei auch darin begr\u00fcndet, dass die 1\u00a0%-Regelung zum 1.\u00a0Januar 2002 in Kraft getreten sei und in dem angefochtenen Steuerbescheid f\u00fcr die Feststellung des Einstandskurses nur die Wertsteigerungen ber\u00fccksichtigt worden seien, die bis zur Verk\u00fcndung am 26.\u00a0Oktober 2000 stattgefunden h\u00e4tten. Wertsteigerungen bis zum 31.\u00a0Dezember 2001 seien aber von der Steuer auszunehmen. Da die Ver\u00e4u\u00dferung von Anteilen generell bis zum 31.\u00a0Dezember 2001 unbesteuert geblieben sei, seien auch die bis zu diesem Zeitpunkt entstandenen Wertsteigerungen aus der Steuerbarkeit auszuklammern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>\ndas Urteil des FG aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2003 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die Einkommensteuer auf 70.012\u00a0EUR herabgesetzt wird,<br \/>\nhilfsweise, den Einkommensteuerbescheid 2003 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die Einkommensteuer auf 85.760\u00a0EUR herabgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>\ndie Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr\u00fcndet und zur\u00fcckzuweisen (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a02 der Finanzgerichtsordnung). Zutreffend hat das FG den angegriffenen Einkommensteuerbescheid f\u00fcr rechtm\u00e4\u00dfig und \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG (1\u00a0%-Grenze) f\u00fcr verfassungsgem\u00e4\u00df erachtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die in \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG in der im Streitjahr geltenden Fassung des StSenkG enthaltene 1\u00a0%-Grenze f\u00fcr die Steuerbarkeit von Gewinnen aus Beteiligungsver\u00e4u\u00dferungen verst\u00f6\u00dft nicht gegen Art.\u00a03 Abs.\u00a01 GG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Art.\u00a03 Abs.\u00a01 GG begrenzt die gesetzgeberische Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers im Bereich des Steuerrechts in einer speziell diesem Regelungsgegenstand Rechnung tragenden Weise (dazu Urteil des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 9.\u00a0Dezember 2008\u00a0\u00a02\u00a0BvL\u00a01\/07, 2\u00a0BvL\u00a02\/07, 2\u00a0BvL\u00a01\/08, 2\u00a0BvL\u00a02\/08, BVerfGE 122, 210, BGBl I 2008, 2888 &#8211;Pendlerpauschale&#8211; C.I.2.a\u00a0ff., m.w.N.). So hat der Gesetzgeber bei der Auswahl des Steuergegenstandes und bei der Bestimmung des Steuersatzes einen weitreichenden Entscheidungsspielraum. Die grunds\u00e4tzliche Freiheit des Gesetzgebers, diejenigen Sachverhalte zu bestimmen, an die das Gesetz dieselben Rechtsfolgen kn\u00fcpft und die es so als rechtlich gleich qualifiziert, wird hier, insbesondere im Bereich des Einkommensteuerrechts, vor allem durch zwei eng miteinander verbundene Leitlinien be-grenzt: durch das Gebot der Ausrichtung der Steuerlast am Prinzip der finanziellen Leistungsf\u00e4higkeit und durch das Gebot der Folgerichtigkeit. Danach muss im Interesse verfassungsrechtlich gebotener steuerlicher Lastengleichheit darauf abgezielt werden, Steuerpflichtige bei gleicher Leistungsf\u00e4higkeit auch gleich hoch zu besteuern (horizontale Steuergerechtigkeit), w\u00e4hrend (in vertikaler Richtung) die Besteuerung h\u00f6herer Einkommen im Vergleich mit der Steuerbelastung niedriger Einkommen angemessen sein muss. Bei der Ausgestaltung des steuerrechtlichen Ausgangstatbestands muss die einmal getroffene Belastungsentscheidung folgerichtig im Sinne der Belastungsgleichheit umgesetzt werden. Ausnahmen von einer solchen folgerichtigen Umsetzung bed\u00fcrfen eines besonderen sachlichen Grundes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Grunds\u00e4tzen bewegt sich die 1\u00a0%-Grenze des \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG im Rahmen der gesetzgeberischen Gestaltungsfreiheit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Die Entscheidung, ob Gewinne aus der Ver\u00e4u\u00dferung von Gegenst\u00e4nden des Privatverm\u00f6gens besteuert werden, ist eine solche politischer Gestaltung und liegt &#8211;wie der Dualismus der Einkunftsarten&#8211; innerhalb des Gestaltungsspielraums, der dem Gesetzgeber bei der Erschlie\u00dfung von Steuerquellen zukommt (vgl. BVerfG-Entscheidungen vom 9.\u00a0Juli 1969\u00a0\u00a02\u00a0BvL\u00a020\/65, BVerfGE 26, 302; allgemein in BVerfGE 122, 210, m.w.N.; in BVerfGE 127, 61, BGBl I 2010, 1296, unter B.II.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Gesetzgeber trifft mit der Einf\u00fchrung der 1\u00a0%-Grenze eine neue Systementscheidung. Entsprechend erkl\u00e4rt er in der Gesetzesbegr\u00fcndung, dass es auf eine Wesentlichkeit nicht mehr ankommt (BTDrucks 14\/3366, S.\u00a0118). Vielmehr kommt \u00a7\u00a017 EStG eine neue Funktion zu, n\u00e4mlich grunds\u00e4tzlich sicherzustellen, dass es nicht durch Ver\u00e4u\u00dferung der Beteiligung m\u00f6glich ist, die Halbeink\u00fcnftebesteuerung auf der Ebene des Anteilseigners, der seine Anteile nicht in einem Betriebsverm\u00f6gen h\u00e4lt, zu vermeiden (BTDrucks 14\/3366, S.\u00a0118). Insoweit erachtet es der Gesetzgeber zur Vermeidung von Steuerumgehungen f\u00fcr geboten, die Grenze f\u00fcr die wesentliche Beteiligung auf mindestens 1\u00a0% zu senken (BTDrucks 14\/2683, S.\u00a0114). Die Wahl dieser Minimalgrenze ist von der Gestaltungsfreiheit und Typisierungsbefugnis des Steuergesetzgebers umfasst. Darauf, dass der Gesetzgeber sein genanntes Ziel &#8211;wie der Kl\u00e4ger meint&#8211; treffsicher und in folgerichtiger Fortf\u00fchrung seiner &#8211;schon mit der Absenkung der Wesentlichkeitsgrenze auf 10\u00a0% sowie der Verl\u00e4ngerung der sog. Spekulationsfristen des \u00a7\u00a023 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG durch das Steuerentlastungsgesetz 1999\/2000\/2002 begonnenen&#8211; Gesetzgebungslinie einer zunehmend weitergehenden Besteuerung privater Wertzuw\u00e4chse auch mit einer ausnahmslosen Gewinnbesteuerung bei Beteiligungsver\u00e4u\u00dferungen h\u00e4tte erreichen k\u00f6nnen, kommt es nicht an. Auch dass ein prozentualer Anteil an einer Kapitalgesellschaft die Leistungsf\u00e4higkeit des Gesellschafters in Abh\u00e4ngigkeit von der Gr\u00f6\u00dfe der Gesellschaft abbildet, macht die prozentuale Beteiligung nicht zum gleichheitswidrigen Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr die Einkommensbesteuerung (vgl. auch Rapp in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, \u00a7\u00a017 Rz\u00a06 und 9; zur Kritik an der 1\u00a0%-Grenze demgegen\u00fcber Gosch in Kirchhof, EStG, 11.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a017 Rz\u00a02). Vielmehr f\u00fcgt sich diese typisierende tatbestandliche Abbildung einer Minimalgrenze f\u00fcr den Steuerzugriff in die bisherige Struktur des \u00a7\u00a017 EStG ein. Es handelt sich im Gesamtkontext des Einkommensteuergesetzes um ein praktikables Kriterium f\u00fcr die Abgrenzung steuerbarer und nichtsteuerbarer Anteilsver\u00e4u\u00dferungen, um eine hinreichend klare Differenzierung f\u00fcr den Gesetzesvollzug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>15<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Nicht zu beanstanden ist auch die steuerliche Erfassung von Wertsteigerung von der Gesetzesverk\u00fcndung bis zum Inkrafttreten der 1\u00a0%-Grenze. Zur r\u00fcckwirkenden Absenkung der Wesentlichkeitsgrenze von 25\u00a0% auf 10\u00a0% bei der Besteuerung privater Ver\u00e4u\u00dferungen von Kapitalanteil hat das BVerfG mit Beschluss vom 7.\u00a0Juli 2010\u00a0\u00a02\u00a0BvR\u00a0748\/05, 2\u00a0BvR\u00a0753\/05, 2\u00a0BvR\u00a01738\/05 (BVerfGE 127, 61) jedoch lediglich entschieden, dass \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a04 i.V.m. \u00a7\u00a052 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG i.d.F. des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 gegen die verfassungsrechtlichen Grunds\u00e4tze des Vertrauensschutzes versto\u00dfe und nichtig sei, soweit in einem Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn Wertsteigerungen steuerlich erfasst werden, die bis zur Verk\u00fcndung des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 entstanden sind und die entweder &#8211;bei einer Ver\u00e4u\u00dferung bis zu diesem Zeitpunkt&#8211; nach der zuvor geltenden Rechtslage steuerfrei realisiert worden sind oder &#8211;bei einer Ver\u00e4u\u00dferung nach Verk\u00fcndung des Gesetzes&#8211; sowohl zum Zeitpunkt der Verk\u00fcndung als auch zum Zeitpunkt der Ver\u00e4u\u00dferung nach der zuvor geltenden Rechtslage steuerfrei h\u00e4tten realisiert werden k\u00f6nnen. Eine Gleichheitswidrigkeit im Hinblick auf Wertsteigerungen zwischen Verk\u00fcndung und Inkrafttreten der neuen Rechtslage hat das BVerfG nicht angenommen. Die Erfassung von Wertsteigerungen von der Verk\u00fcndung bis zum Inkrafttreten der 1\u00a0%-Grenze ist eine solche des Vertrauensschutzes, nicht eine von Art.\u00a03 Abs.\u00a01 GG. Eine Gleichheitswidrigkeit ist insoweit nicht ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2012, IX R 36\/11 \u00a7 17 Abs. 1 Satz 1 EStG (1 %-Grenze) verfassungsgem\u00e4\u00df Leits\u00e4tze Die Beteiligungsgrenze von 1 % i.S. von \u00a7 17 Abs. 1 Satz 1 EStG ist verfassungsgem\u00e4\u00df. Tatbestand 1 I. Streitig ist die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.d.F. des Steuersenkungsgesetzes (StSenkG) vom 23.\u00a0Oktober 2000 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-36-11-par-17-abs-1-satz-1-estg-1-grenze-verfassungsgemaess-6\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;36\/11 &#8211; &sect; 17 Abs. 1 Satz 1 EStG (1 %-Grenze) verfassungsgem&auml;&szlig;<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-50152","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50152"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50152\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}