{"id":50863,"date":"1990-02-20T16:39:59","date_gmt":"1990-02-20T14:39:59","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=50863"},"modified":"2013-07-16T16:44:27","modified_gmt":"2013-07-16T14:44:27","slug":"bfh-urteil-vom-20-2-1990-vii-r-172_84-bstbl-1990-ii-s-760","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-20-2-1990-vii-r-172_84-bstbl-1990-ii-s-760\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 20.2.1990    (VII R 172\/84) BStBl. 1990 II S. 760"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 20.2.1990 (VII R 172\/84) BStBl. 1990 II S. 760<\/strong><\/p>\n<p>1. Die Auslegung der Anlage zu \u00a7 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG richtet sich allein nach zolltariflichen Vorschriften und Begriffen.<\/p>\n<p>2. Ein tierisches oder pflanzliches D\u00fcngemittel, das mit auch nur geringf\u00fcgigen Mengen anderer Stoffe (z.B. Gips) vermischt worden ist, fiel nicht unter die Nr. 38 der Anlage zu \u00a7 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG 1967.<\/p>\n<p>UStG 1967 Anlage zu \u00a7 12 Abs. 2 Nr. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG D\u00fcsseldorf (EFG 1984, 525)<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) mischte aus verschiedenen Komponenten ein D\u00fcngemittel, das er in der eigenen Pilzzucht verwendete, aber auch an andere Pilzz\u00fcchter verkaufte. Mit Bescheid vom 21. April 1975 \u00e4nderte der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) den urspr\u00fcnglichen vorl\u00e4ufigen Umsatzsteuerbescheid 1972; er unterwarf dabei die Lieferungen des D\u00fcngemittels an andere Pilzz\u00fcchter dem Steuersatz von 11 v.H. mit der Begr\u00fcndung, die Ware falle nicht unter Nr. 38 der Anlage 1 zu \u00a7 12 Abs. 2 Nr. 1 des Umsatzsteuergesetzes (Mehrwertsteuer) &#8211; UStG 1967 -, weil der Kl\u00e4ger durch die Beimischung von Gips und Kalk das Dunggemisch im Sinne der genannten Bestimmung chemisch bearbeitet habe.<\/p>\n<p>Nach erfolglosem Einspruch gab das Finanzgericht (FG) der Klage statt (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211; EFG &#8211; 1984, 525).<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision des FA ist zulassungsfrei gegeben, da es sich bei der Vorentscheidung um ein Urteil in Zolltarifsachen handelt (\u00a7 116 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -; vgl. auch Beschlu\u00df des Senats vom 20. Februar 1990 VII R 125\/89, BFHE 159, 573, BStBl II 1990, 546).<\/p>\n<p>Die Revision ist auch begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage.<\/p>\n<p>Nach \u00a7 12 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Nr. 38 der Anlage 1 UStG 1967 i.d.F. des Finanzanpassungsgesetzes (FAnpG) vom 30. August 1971 unterliegen &#8222;nat\u00fcrliche tierische und pflanzliche D\u00fcngemittel (ausgenommen Guano), auch untereinander gemischt, jedoch nicht chemisch bearbeitet (aus Nr. 31.01 des Zolltarifs)&#8220; dem erm\u00e4\u00dfigten Steuersatz. Diese Vorschrift verweist auf den Zolltarif. Der Senat braucht nicht zu entscheiden, ob damit das Gesetz &#8211; im Sinne einer gleitenden oder dynamischen Verweisung &#8211; an den jeweils geltenden Zolltarif ankn\u00fcpft &#8211; dann w\u00e4re im Streitfall der Gemeinsame Zolltarif (GZT) 1972 ma\u00dfgebend &#8211; oder ob sich die Verweisung auf den bei Inkrafttreten des UStG 1967 geltenden Deutschen Zolltarif (DZT) 1966 bezieht (vgl. auch Senatsurteil vom 29. Oktober 1986 VII R 110\/82, BFHE 148, 90, 91). Denn jedenfalls stimmt der Wortlaut der jeweiligen Tarifnr. 31.01 der beiden Tarife \u00fcberein (&#8222;Guano und andere nat\u00fcrliche tierische oder pflanzliche D\u00fcngemittel, auch untereinander gemischt, jedoch nicht chemisch bearbeitet&#8220;).<\/p>\n<p>Die ausdr\u00fcckliche Verweisung der Anlage auf den Zolltarif hat wesentliche Bedeutung f\u00fcr die Auslegung. Sie macht deutlich, da\u00df es bei der Auslegung der einzelnen Regelungen der Anlage allein auf die zolltariflichen Vorschriften und Begriffe ankommt. Damit scheidet eine Auslegung aus, die sich an den normkonzipierenden Grunds\u00e4tzen des Gesetzgebers des UStG orientiert, die f\u00fcr die Aufstellung des Katalogs der Anlage ma\u00dfgebend waren. Nicht gew\u00fcnschte Konsequenzen des strengen Zolltarifrechts mu\u00df der Gesetzgeber erforderlichenfalls durch Einf\u00fcgung einer ausdr\u00fccklichen Ausnahme in die betreffenden Bestimmungen der Anlage vermeiden.<\/p>\n<p>Nach ihrem Wortlaut umfa\u00dft die Tarifnr. 31.01 &#8211; au\u00dfer dem Guano, das aber nach Nr. 38 der Anlage 1 UStG 1967 hier keine Rolle spielt &#8211; nur nat\u00fcrliche tierische oder pflanzliche D\u00fcngemittel. Diese k\u00f6nnen zwar &#8222;untereinander&#8220; gemischt sein. Nach dem Wortlaut der Tarifnr. 31.01 ist aber eindeutig, da\u00df sie eine Ware nicht umfa\u00dft, der andere Stoffe, die nicht nat\u00fcrliche D\u00fcngemittel sind, zugemischt worden sind. Eine solche Ware liegt aber hier nach den Feststellungen des FG vor. Dem D\u00fcngemittelgemisch ist Gips zugemischt worden, der selbst kein nat\u00fcrliches D\u00fcngemittel ist, sondern ein nichtd\u00fcngender anorganischer Stoff (vgl. z.B. Vorschrift 1 Buchst. c zu Kap. 31 GZT). Auf die streitbefangene Ware ist daher der erm\u00e4\u00dfigte Steuersatz nicht anzuwenden.<\/p>\n<p>Zu Unrecht bezieht sich das FG f\u00fcr seine andere Auffassung auf ATV 3 b. Diese Bestimmung findet nur Anwendung, wenn zwei oder mehrere Tarifnummern in Betracht kommen, d.h. die Waren von diesen erfa\u00dft werden. Diese Voraussetzung ist hier nicht gegeben. Die streitbefangene Ware wird, wie sich aus den Ausf\u00fchrungen im Vorabsatz ergibt, durch die Tarifnr. 31.01 gerade nicht erfa\u00dft.<\/p>\n<p>Der Auffassung des Senats kann auch nicht mit Erfolg entgegengehalten werden, dem D\u00fcngemittelgemisch sei Gips nur in geringen Mengen (15 kg pro Tonne) beigemischt worden und durch diese Beigabe sei kein D\u00fcngemittel anderer Verkehrsg\u00e4ngigkeit entstanden. Die Verkehrsg\u00e4ngigkeit ist kein Kriterium, das bei der Auslegung der &#8211; wie ausgef\u00fchrt allein ma\u00dfgebenden &#8211; zolltariflichen Bestimmungen herangezogen werden kann. Grunds\u00e4tzlich kommt es auch nicht auf die Menge eines beigemischten Stoffes an, wenn eine Tarifnummer auf Waren ohne einen Anteil dieses Stoffes abgestellt ist. Allenfalls k\u00f6nnten handels\u00fcbliche Verunreinigungen aus anderen Stoffen unbeachtet gelassen werden (Urteil des Senats vom 12. Mai 1987 VII R 110\/84, BFHE 150, 230, 232; vgl. auch Urteil des Senats vom 26. Juli 1983 VII R 18\/82, BFHE 139, 106, 108). Im vorliegenden Fall handelt es sich aber um eine gewollte Beimischung von Gips, die trotz ihrer geringen Menge die Ware von einer Tarifierung nach Tarifnr. 31.01 GZT oder DZT ausschlie\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 20.2.1990 (VII R 172\/84) BStBl. 1990 II S. 760 1. 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