{"id":50873,"date":"1990-07-05T15:27:57","date_gmt":"1990-07-05T13:27:57","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=50873"},"modified":"2013-07-15T15:28:51","modified_gmt":"2013-07-15T13:28:51","slug":"bfh-beschluss-vom-5-7-1990-iii-b-35_89-bstbl-1990-ii-s-782","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-5-7-1990-iii-b-35_89-bstbl-1990-ii-s-782\/","title":{"rendered":"BFH-Beschlu\u00df vom    5.7.1990 (III B 35\/89) BStBl. 1990 II S. 782"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschlu\u00df vom 5.7.1990 (III B 35\/89) BStBl. 1990 II S. 782<\/strong><\/p>\n<p>Aufwendungen f\u00fcr den Besuch eines Angeh\u00f6rigen aus der DDR und Berlin (Ost) k\u00f6nnen nach den noch bestehenden Verwaltungsanweisungen gem\u00e4\u00df \u00a7 33a Abs. 1 EStG ohne Einzelnachweis mit 10 DM pro Tag ber\u00fccksichtigt werden. Es sind keine Gr\u00fcnde ersichtlich, die es rechtfertigen w\u00fcrden, diesen Pauschbetrag ab 1986 &#8211; entsprechend der Erh\u00f6hung des Abzugsh\u00f6chstbetrages in \u00a7 33a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG von 3.600 DM auf 4.500 DM &#8211; von Gerichts wegen zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>EStG 1986 \u00a7 33a Abs. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Hessisches FG (EFG 1989, 290) <strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>In der Sache ist streitig, ob Aufwendungen f\u00fcr den Besuch eines Angeh\u00f6rigen aus der DDR auch nach der Erh\u00f6hung des Abzugsh\u00f6chstbetrages in \u00a7 33a Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) von 3.600 DM auf 4.500 DM ohne Einzelnachweis nur mit 10 DM pro Tag ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) begehrte in der Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr 1986 (Streitjahr) u.a. den Abzug von 375 DM gem\u00e4\u00df \u00a7 33a Abs. 1 EStG f\u00fcr Aufwendungen im Zusammenhang mit Besuchen von Verwandten aus der DDR an 30 Tagen. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211; FA -) anerkannte &#8211; auch im Einspruchsverfahren &#8211; nur 300 DM (= 10 DM pro Tag).<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) wies die dagegen erhobene Klage ab. Sein Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 1989, 290 ver\u00f6ffentlicht.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die vom Kl\u00e4ger erhobene Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision ist jedenfalls unbegr\u00fcndet (siehe insoweit den Beschlu\u00df des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 11. Februar 1987 II B 140\/86, BFHE 148, 494, BStBl II 1987, 344).<\/p>\n<p>Die streitige Rechtsfrage hat keine grunds\u00e4tzliche Bedeutung (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Die Entscheidung des FG entspricht vielmehr anerkannten, gefestigten Rechtsprechungsgrunds\u00e4tzen des BFH.<\/p>\n<p>1. Der vom FA im Streitfall entsprechend Tz. 4.4 der gleichlautenden L\u00e4ndererlasse vom 1. April 1985 (BStBl I 1985, 202) gew\u00e4hrte Pauschbetrag ist vergleichbar anderen, vor allem im Werbungskostenbereich anzutreffenden, von der Finanzverwaltung zugelassenen Pauschalabz\u00fcgen. Sie hat der BFH in st\u00e4ndiger Rechtsprechung als Sch\u00e4tzungen eines schwer zu ermittelnden Aufwandes angesehen, die einerseits der Beweiserleichterung des Steuerpflichtigen dienten und andererseits der Verwaltungsvereinfachung bei der Bew\u00e4ltigung von Massenverfahren. Derartige Verwaltungsanweisungen sind daher grunds\u00e4tzlich auch von den FG zu beachten (siehe dazu aus j\u00fcngerer Zeit das Urteil des BFH vom 11. Dezember 1987 VI R 147\/85, BFHE 152, 333, BStBl II 1988, 445, betreffend den Abzug von Verpflegungsmehraufwendungen; vgl. auch das Urteil des BFH vom 6. November 1987 III R 164\/85, BFHE 152, 81, BStBl II 1988, 423, betreffend die sog. L\u00e4ndergruppeneinteilung zu \u00a7 33a Abs. 2 Satz 3 i.V.m. Abs. 1 Satz 4 EStG; davor insbesondere das Urteil des BFH vom 9. Dezember 1983 VI R 196\/81, BFHE 140, 230, BStBl II 1984, 309, betreffend die Pauschbetr\u00e4ge f\u00fcr Paketsendungen in die DDR, sowie die Anmerkung in H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211; HFR &#8211; 1983, 416).<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger hat keine Gr\u00fcnde vorgetragen, die es rechtfertigen w\u00fcrden, bei dem hier zu beurteilenden Pauschbetrag ausnahmsweise eine Bindung der FG zu verneinen. Solche Gr\u00fcnde sind auch f\u00fcr den Senat nicht ersichtlich.<\/p>\n<p>Insbesondere ist nicht erkennbar, da\u00df der Pauschbetrag seiner H\u00f6he nach an den Abzugsh\u00f6chstbetrag in \u00a7 33a Abs. 1 EStG in den Fassungen vor 1986 gekoppelt gewesen w\u00e4re, wovon offensichtlich der Kl\u00e4ger ausgeht. Aufwendungen f\u00fcr den Besuch eines Angeh\u00f6rigen aus der DDR konnten nach entsprechenden Verwaltungsanweisungen urspr\u00fcnglich bei einem Besuchsaufenthalt von 28 Tagen ohne Einzelnachweis in H\u00f6he von 100 DM und bei einem k\u00fcrzeren Aufenthalt entsprechend niedriger als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung abgesetzt werden (siehe z.B. Verf\u00fcgung der Oberfinanzdirektion &#8211; OFD &#8211; Frankfurt S 2285 A &#8211; 1 &#8211; St II 20 vom 27. Februar 1981, Steuererlasse in Karteiform &#8211; StEK -, Einkommensteuergesetz, \u00a7 33a Abs. 1 Nr. 72). Mit Schreiben des Bundesministers f\u00fcr Finanzen (BMF) vom 7. Juli 1983 IV B 3 &#8211; S 2285 &#8211; 38\/82 (StEK, Einkommensteuergesetz, \u00a7 33a Abs. 1 Nr. 86, Deutsches Steuerrecht &#8211; DStR &#8211; 1983, 546), dessen Inhalt die obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder in gleichlautende Erlasse \u00fcbernahmen, wurde ein Tagessatz von 10 DM pro Besucher eingef\u00fchrt. Dieser Tagessatz sollte &#8211; ohne zeitliche Begrenzung &#8211; in allen noch nicht rechtskr\u00e4ftig abgeschlossenen F\u00e4llen angewendet werden. An dem Tagessatz von 10 DM wurde in den gleichlautenden Erlassen der obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder vom 1. April 1985 (BStBl I 1985, 202) festgehalten. Allerdings sollten dar\u00fcber hinaus besondere Zuwendungen anl\u00e4\u00dflich eines Besuches an die unterst\u00fctzte Person, insbesondere f\u00fcr die Anschaffung und Hingabe von Kleidung, k\u00fcnftig ausdr\u00fccklich auch neben dem Tagessatz Ber\u00fccksichtigung finden k\u00f6nnen (siehe Tz. 4.4, letzter Satz der Erlasse).<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber nahm der Abzugsh\u00f6chstbetrag in \u00a7 33a Abs. 1 EStG folgende Entwicklung:<\/p>\n<p>Er hatte in der Zeit zwischen 1962 und 1974 1.200 DM betragen. Durch das Einkommensteuerreformgesetz (EStRG) vom 5. August 1974 (BGBl I 1974, 1769, BStBl I 1974, 530) wurde er ab dem Veranlagungszeitraum 1975 auf 3.000 DM angehoben. Das Steuer\u00e4nderungsgesetz (St\u00c4ndG) 1979 vom 30. November 1978 (BGBl I 1978, 1849, BStBl I 1978, 479) brachte mit Wirkung ab 1979 eine nochmalige Erh\u00f6hung um 600 DM auf 3.600 DM. Durch das Steuersenkungsgesetz (StSenkG) 1986\/1988 vom 26. Juni 1985 (BGBl I 1985, 1153, BStBl I 1985, 391) schlie\u00dflich erfolgte die ab dem Streitjahr (1986) geltende Anhebung auf 4.500 DM.<\/p>\n<p>Ein Vergleich des streitigen Tagessatzes mit diesen gesetzlichen Regelungen zeigt, da\u00df er (im Juli 1983) zu einer Zeit &#8211; von umgerechnet 3,57 DM (= 100 DM : 28) &#8211; auf 10 DM angehoben wurde, als der Abzugsh\u00f6chstbetrag nach \u00a7 33a Abs. 1 EStG schon mehrere Jahre lang (seit 1979) 3.600 DM betragen hatte. Gegen eine automatische Koppelung des Tagessatzes an den jeweiligen H\u00f6chstbetrag in \u00a7 33a Abs. 1 EStG spricht auch &#8211; worauf das FG zutreffend hingewiesen hat &#8211; der Umstand, da\u00df neben dem Tagessatz nach Auffassung der Finanzverwaltung auch noch der Abzug anderer Aufwendungen m\u00f6glich sein soll. Best\u00fcnde n\u00e4mlich eine feste Bindung an den H\u00f6chstbetrag, dann w\u00e4re f\u00fcr einen solchen zus\u00e4tzlichen Abzug &#8211; jedenfalls bei l\u00e4ngeren Aufenthalten &#8211; wegen des gem\u00e4\u00df \u00a7 33a Abs. 4 Satz 1 EStG lediglich zeitanteilig zu gew\u00e4hrenden Unterhaltsfreibetrages kein Platz mehr.<\/p>\n<p>2. Weiter entspricht es der Rechtsprechung des BFH, da\u00df ein Steuerpflichtiger, der h\u00f6here Aufwendungen geltend macht, als sie eine Pauschbetragsregelung ber\u00fccksichtigt, diese individuell nachweisen oder glaubhaft machen mu\u00df (siehe z.B. das Urteil in BFHE 140, 230, BStBl II 1984, 309). Das kann aber nicht dadurch geschehen, da\u00df lediglich auf andere &#8211; wiederum nur auf allgemeine Ermittlungen oder Erfahrungen beruhende &#8211; Werte oder Betr\u00e4ge verwiesen wird. So hat es der BFH z.B. abgelehnt, da\u00df ein zur Fortbewegung auf die Benutzung eines PKW angewiesener Steuerpflichtiger &#8211; im Rahmen des \u00a7 33 EStG &#8211; seine tats\u00e4chlichen Kfz-Kosten durch Berufung auf die sog. ADAC-Tabellen nachweisen k\u00f6nnte (Urteil vom 27. Juni 1980 VI R 147\/77, BFHE 131, 53, BStBl II 1980, 651). Nicht anders ist es zu beurteilen, wenn sich der Kl\u00e4ger im Streitfall auf die Sachbezugsverordnung oder das Bundessozialhilfegesetz beruft.<\/p>\n<p>3. Im \u00fcbrigen ergeht die Entscheidung gem\u00e4\u00df Art. 1 Nr. 6 des Gesetzes zur Entlastung des Bundesfinanzhofs i.d.F. des Gesetzes zur \u00c4nderung des Gesetzes zur Entlastung des Bundesfinanzhofs vom 22. Dezember 1989 (BGBl I 1989, 2404) ohne Angabe von Gr\u00fcnden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschlu\u00df vom 5.7.1990 (III B 35\/89) BStBl. 1990 II S. 782 Aufwendungen f\u00fcr den Besuch eines Angeh\u00f6rigen aus der DDR und Berlin (Ost) k\u00f6nnen nach den noch bestehenden Verwaltungsanweisungen gem\u00e4\u00df \u00a7 33a Abs. 1 EStG ohne Einzelnachweis mit 10 DM pro Tag ber\u00fccksichtigt werden. 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