{"id":50892,"date":"1990-08-22T15:37:52","date_gmt":"1990-08-22T13:37:52","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=50892"},"modified":"2013-07-16T15:42:31","modified_gmt":"2013-07-16T13:42:31","slug":"bfh-urteil-vom-22-8-1990-iii-r-170_86-bstbl-1991-ii-s-78","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-22-8-1990-iii-r-170_86-bstbl-1991-ii-s-78\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 22.8.1990    (III R 170\/86) BStBl. 1991 II S. 78"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 22.8.1990 (III R 170\/86) BStBl. 1991 II S. 78<\/strong><\/p>\n<p>Der sog. Besucher-\/Kontaktfreibetrag war gem\u00e4\u00df \u00a7 33a Abs. 1 a EStG 1981 auch dann ungek\u00fcrzt in H\u00f6he von 600 DM zu gew\u00e4hren, wenn der Steuerpflichtige seiner &#8211; ganzj\u00e4hrig bestehenden &#8211; Unterhaltsverpflichtung nur zeitweilig nachgekommen ist.<\/p>\n<p>EStG 1981 \u00a7 33 a Abs. 1a.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG K\u00f6ln (EFG 1984, 236)<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>Der nicht verheiratete Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) war w\u00e4hrend des gesamten Streitjahres 1981 zum Unterhalt seiner nichtehelichen Tochter verpflichtet. Die Tochter lebte bei ihrer leiblichen Mutter, der auch das Sorgerecht zustand. Seiner Unterhaltspflicht kam der Kl\u00e4ger jedoch nur in der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1981 nach. In seinem Antrag auf Lohnsteuer-Jahresausgleich f\u00fcr das Streitjahr beantragte er, den Freibetrag gem\u00e4\u00df \u00a7 33a Abs. 1 a des Einkommensteuergesetzes &#8211; EStG &#8211; (sog. Kontakt-\/Besucherfreibetrag) in voller H\u00f6he &#8211; 600 DM &#8211; zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) gew\u00e4hrte lediglich den halben Freibetrag &#8211; 300 DM &#8211; mit der Begr\u00fcndung, der Kl\u00e4ger sei seiner Unterhaltsverpflichtung nur w\u00e4hrend sechs Monaten tats\u00e4chlich nachgekommen.<\/p>\n<p>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) vertrat in seiner in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 1984, 236 ver\u00f6ffentlichten Entscheidung die Ansicht, nach Wortlaut und Gesetzeszweck sei \u00a7 33a Abs. 4 EStG auch auf die Freibetragsregelung des \u00a7 33a Abs. 1 a EStG anzuwenden. Dementsprechend sei der Freibetrag bei einer zeitweisen Verletzung der Unterhaltsverpflichtung nur zeitanteilig zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Mit der vom Senat zugelassenen Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger die Verletzung materiellen Rechts.<\/p>\n<p>Er beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und weitere 300 DM als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung anzuerkennen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Kommt der Steuerpflichtige f\u00fcr einen Veranlagungszeitraum seiner Unterhaltsverpflichtung gegen\u00fcber einem Kind nach, das dem anderen Elternteil zuzuordnen und bei diesem zu ber\u00fccksichtigen ist (\u00a7 32 Abs. 4 bis 7 EStG), so wird auf Antrag ein Betrag von 600 DM im Kalenderjahr vom Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte abgezogen (\u00a7 33a Abs. 1 a EStG 1981).<\/p>\n<p>Die Frage, ob die K\u00fcrzungsbestimmung des \u00a7 33a Abs. 4 EStG im Rahmen des \u00a7 33a Abs. 1 a EStG auch dann anzuwenden ist, wenn ein Steuerpflichtiger seiner ganzj\u00e4hrig bestehenden Unterhaltsverpflichtung nur zeitweise nachkommt, ist im EStG nicht n\u00e4her geregelt. Der Wortlaut des \u00a7 33a Abs. 1 a EStG ist im Hinblick auf die Streitfrage offen und l\u00e4\u00dft beide Auslegungen zu. Die Einkommensteuer-Richtlinien (EStR) bzw. Lohnsteuer-Richtlinien (LStR) nehmen zu der Frage nicht eindeutig Stellung (vgl. Abschn. 190a EStR 1981, Abschn. 67a LStR 1981).<\/p>\n<p>Die FG haben die Streitfrage mit unterschiedlichem Ergebnis entschieden. Anders als die Vorinstanz vertritt z.B. das FG Berlin (vgl. Urteil vom 18. Februar 1983 III 406\/82, EFG 1983, 611) die Meinung, der Besucher-\/Kontaktfreibetrag sei auch dann in voller H\u00f6he zu gew\u00e4hren, wenn der Steuerpflichtige seine Unterhaltspflicht nicht w\u00e4hrend des gesamten Kalenderjahres p\u00fcnktlich und vollst\u00e4ndig erf\u00fcllt. \u00a7 33a Abs. 1 a EStG setze lediglich eine das gesamte Veranlagungsjahr \u00fcber bestehende abstrakte Unterhaltsverpflichtung voraus (a.A. FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 2. M\u00e4rz 1984 6 K 171\/82, EFG 1984, 554).<\/p>\n<p>Auch im Schrifttum hat sich eine einhellige Meinung zur Streitfrage nicht gebildet (gegen eine K\u00fcrzung: Kanzler in Herrmann\/Heuer\/Raupach, Einkommensteuer- und K\u00f6rperschaftsteuergesetz mit Nebengesetzen, Kommentar, 19. Aufl., \u00a7 33a Anm. 167, 176, 391; Borggreve in Littmann\/Bitz\/Meincke, Das Einkommensteuerrecht, \u00a7 33a EStG Anm. 49e; f\u00fcr eine K\u00fcrzung des Freibetrages: Bl\u00fcmich\/Oepen, Einkommensteuergesetz, \u00a7 33a Anm. 200; vgl. auch Schmidt\/Drenseck, Einkommensteuergesetz, 4. Aufl., \u00a7 33a Anm. 3, und Fitsch in Lademann\/S\u00f6ffing\/Brockhoff, Kommentar zum Einkommensteuergesetz, \u00a7 33a Anm. 58).<\/p>\n<p>Der erkennende Senat hat in seinen Entscheidungen vom 4. Februar 1987 III B 151\/86 (BFHE 148, 530, BStBl II 1987, 339) und vom 22. April 1988 III B 73\/87 (BFHE 153, 143, BStBl II 1988, 612) zur Auslegung des \u00a7 33a Abs. 1 a EStG 1981 Stellung genommen und entschieden, da\u00df diese Regelung nicht Unterhaltsleistungen abgilt. Auf der Grundlage dieser Rechtsprechung ist davon auszugehen, da\u00df ein Steuerpflichtiger den Freibetrag nach \u00a7 33a Abs. 1 a EStG 1981 auch dann in voller H\u00f6he beanspruchen kann, wenn er seiner w\u00e4hrend des gesamten Veranlagungszeitraums bestehenden Unterhaltspflicht nur zeitweilig nachgekommen ist.<\/p>\n<p>Der Gesetzgeber wollte durch die Schaffung des \u00a7 33a Abs. 1 a EStG mit dem Steuer\u00e4nderungsgesetz (St\u00c4ndG) 1977 vom 16. August 1977 (BGBl I 1977, 1586, BStBl I 1977, 442) in typisierender Weise die Mehrbelastungen abgelten, die einem Steuerpflichtigen, dem ein Kind nicht zugeordnet ist, bei dauernd getrennter Haushaltsf\u00fchrung der Eltern entstehen. Die insbesondere durch Ausgaben zur Pflege des Eltern-Kind-Verh\u00e4ltnisses verminderte steuerliche Leistungsf\u00e4higkeit sollte durch den Freibetrag angemessen Ber\u00fccksichtigung finden, wenn der Steuerpflichtige seiner Unterhaltsverpflichtung gegen\u00fcber dem Kind nachgekommen ist (vgl. BTDrucks 8\/292, S. 22). Wie der Senat in BFHE 148, 530, 533, BStBl II 1987, 339 ausgef\u00fchrt hat, diente das Merkmal der Erf\u00fcllung der Unterhaltspflicht lediglich als Indiz f\u00fcr das Entstehen der Aufwendungen zur Pflege des Eltern-Kind-Verh\u00e4ltnisses. Diese Auslegung der Vorschrift nach dem Zweck des \u00a7 33a Abs. 1 a EStG 1981 wird best\u00e4tigt durch die Neufassung im Steuersenkungsgesetz (StSenkG) 1986\/88 vom 26. Juni 1985 (BGBl I 1985, 1153, BStBl I 1985, 391). Dort wurde auf das Tatbestandsmerkmal &#8222;Erf\u00fcllung der Unterhaltspflicht&#8220; verzichtet. Dadurch war nicht eine sachliche \u00c4nderung der Anspruchsvoraussetzungen des \u00a7 33a Abs. 1 a EStG beabsichtigt. Vielmehr handelte es sich um eine aus redaktionellen Gr\u00fcnden erfolgte Neufassung, die der Klarstellung des zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen f\u00fchrenden fr\u00fcheren Wortlauts diente (vgl. BTDrucks 10\/2884, S. 105; Oepen, Steuersenkungsgesetz, 1986\/1988, Deutsche Steuer-Zeitung &#8211; DStZ &#8211; 1985, 495, 503).<\/p>\n<p>Der Senat verkennt bei seiner Entscheidung nicht, da\u00df bei einem Steuerpflichtigen, der seiner zivilrechtlichen Unterhaltsverpflichtung nur zeitweilig nachkommt, nicht ausgeschlossen werden kann, da\u00df er auch die Pflege des Eltern-Kind-Verh\u00e4ltnisses vernachl\u00e4ssigt hat und ihm deshalb, zumindest zeitweilig, keine besonderen Aufwendungen daf\u00fcr erwachsen sind (vgl. Bl\u00fcmich\/Oepen, a.a.O., \u00a7 33a Anm. 200). Gleichwohl h\u00e4lt es der Senat f\u00fcr zutreffend, den Freibetrag des \u00a7 33a Abs. 1 a EStG 1981 auch in diesen F\u00e4llen in voller H\u00f6he zu gew\u00e4hren. Dies ergibt sich insbesondere aus der \u00dcberlegung, da\u00df es mit dem typisierenden Charakter der in \u00a7 33a EStG enthaltenen Regelungen (dazu vgl. beispielsweise Urteil des Bundesfinanzhofs vom 11. November 1988 III R 305\/84, BFHE 155, 316, BStBl II 1989, 233) nicht vereinbar w\u00e4re, wenn im Einzelfall jeweils gepr\u00fcft werden m\u00fc\u00dfte, ob ein Steuerpflichtiger seinen Unterhaltsverpflichtungen l\u00fcckenlos nachgekommen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 22.8.1990 (III R 170\/86) BStBl. 1991 II S. 78 Der sog. 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