{"id":50896,"date":"1990-09-28T15:54:06","date_gmt":"1990-09-28T13:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=50896"},"modified":"2013-07-16T15:56:14","modified_gmt":"2013-07-16T13:56:14","slug":"bfh-urteil-vom-28-9-1990vi-r-157_89-bstbl-1991-ii-s-86","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-28-9-1990vi-r-157_89-bstbl-1991-ii-s-86\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom    28.9.1990(VI R 157\/89) BStBl. 1991 II S. 86"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 28.9.1990(VI R 157\/89) BStBl. 1991 II S. 86<\/strong><\/p>\n<p>Der Arbeitslohn eines im Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) eingesetzten Berufskraftfahrers ist gem\u00e4\u00df \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 steuerfrei, soweit er auf die Fahrtzeiten in der DDR entf\u00e4llt.<\/p>\n<p>EStG 1987 \u00a7 3 Nr. 63, \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG M\u00fcnster<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger), ein nichtselbst\u00e4ndig t\u00e4tiger Berufskraftfahrer, f\u00fchrte im Streitjahr 1987 72 Fahrten mit Lastkraftwagen zwecks G\u00fcterbef\u00f6rderungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland (Bundesrepublik) und Berlin (West) durch. Der auf die Transitstrecke in der DDR entfallende Arbeitslohn pro Fahrt betrug 135 DM.<\/p>\n<p>In seiner Einkommensteuererkl\u00e4rung 1987 beantragte der Kl\u00e4ger, den auf die Fahrten innerhalb der DDR entfallenden Arbeitslohn in H\u00f6he von 9.720 DM (72 x 135 DM) gem\u00e4\u00df \u00a7 3 Nr. 63 des Einkommensteuergesetzes (EStG 1987) steuerfrei zu belassen.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) lehnte dies &#8211; auch im Einspruchsverfahren &#8211; ab.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt. Es f\u00fchrte im wesentlichen aus:<\/p>\n<p>Soweit der Arbeitslohn auf die Fahrtzeiten in der DDR entfalle, sei er gem\u00e4\u00df \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 steuerfrei zu belassen. Nach dieser Bestimmung seien Eink\u00fcnfte der in \u00a7 49 EStG bezeichneten Art einkommensteuerfrei, wenn sie in der DDR oder in Berlin (Ost) bezogen worden seien. Ma\u00dfgebend sei, ob die betreffenden Eink\u00fcnfte dann, wenn sie in der Bundesrepublik erzielt worden w\u00e4ren, bei einem hier beschr\u00e4nkt Steuerpflichtigen zu den inl\u00e4ndischen Eink\u00fcnften i.S. des \u00a7 49 EStG geh\u00f6rten. Das sei bei den Eink\u00fcnften aus einem privaten Dienstverh\u00e4ltnis nach \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG der Fall, wenn die Arbeit im Inland ausge\u00fcbt werde (&#8222;Arbeitsortprinzip&#8220;).<\/p>\n<p>Da \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 eine doppelte Besteuerung habe vermeiden und damit ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) habe ersetzen sollen, sei diese Vorschrift i.V.m. \u00a7 49 EStG nach den f\u00fcr DBA geltenden Regeln auszulegen (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 21. August 1985 VI R 12\/82, BFHE 144, 556, BStBl II 1986, 64).<\/p>\n<p>Es komme f\u00fcr die Anwendung dieser Befreiungsvorschrift weder darauf an, wo der Arbeitslohn ausbezahlt, noch darauf, ob der Arbeitslohn in der DDR tats\u00e4chlich besteuert worden sei. Ma\u00dfgeblich sei allein, wo die nichtselbst\u00e4ndige Arbeit i.S. des \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG ausge\u00fcbt worden sei (Urteil in BFHE 144, 556, BStBl II 1986, 64).<\/p>\n<p>Eine nichtselbst\u00e4ndige Arbeit werde dort ausge\u00fcbt, wo sich der Arbeitnehmer physisch aufhalte und die Berufst\u00e4tigkeit pers\u00f6nlich entfalte (vgl. BFH-Urteil vom 12. November 1986 I R 268\/83, BFHE 148, 453, BStBl II 1987, 372).<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger habe seine Berufst\u00e4tigkeit w\u00e4hrend der Fahrten durch die DDR dort ausge\u00fcbt. Dabei sei unerheblich, da\u00df ein konkreter wirtschaftlicher Bezug der Arbeit zum Staatsgebiet der DDR gefehlt habe. Ebensowenig komme es darauf an, da\u00df die auf die Transitstrecke entfallende Arbeitszeit des Kl\u00e4gers jeweils relativ geringf\u00fcgig gewesen sei. Denn dem Erfordernis des &#8222;Aus\u00fcbens&#8220; gen\u00fcgten bereits einzelne Handlungen (Urteil in BFHE 144, 556, BStBl II 1986, 64).<\/p>\n<p>Mit seiner auf Zulassung der Revision gerichteten Beschwerde hatte das FA zum einen geltend gemacht, da\u00df der Frage nach der Anwendung des \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 grunds\u00e4tzliche Bedeutung zukomme. Zum anderen hatte das FA die Abweichung der Vorentscheidung von den BFH-Urteilen vom 18. Juli 1980 VI R 97\/77 (BFHE 131, 339, BStBl II 1981, 16), und vom 27. M\u00e4rz 1981 VI R 207\/78 (BFHE 133, 64, BStBl II 1981, 530) ger\u00fcgt, weil das FG die auf die nach seiner Auffassung steuerfreien Einnahmen entfallenden anteiligen Werbungskosten und Arbeitnehmerbeitr\u00e4ge zur gesetzlichen Sozialversicherung zum Abzug zugelassen habe.<\/p>\n<p>Das FG lie\u00df die Revision zu &#8222;gem\u00e4\u00df \u00a7 115 Abs. 2 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) wegen Abweichung von den BFH-Urteilen in BFHE 131, 339, BStBl II 1981, 16, und in BFHE 133, 64, BStBl II 1981, 530; der weitergehenden Beschwerde (werde) nicht abgeholfen.&#8220;<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung materiellen Rechts und tr\u00e4gt im wesentlichen vor:<\/p>\n<p>Es sei zun\u00e4chst unerheblich, da\u00df sich die Zulassung der Revision durch das FG nur auf einzelne Elemente des prozessualen Anspruchs beziehe. Da \u00fcber diese Punkte nicht durch Teil- oder Grundurteil entschieden werden k\u00f6nne, sei die Vorentscheidung im ganzen revisionsrechtlich \u00fcberpr\u00fcfbar.<\/p>\n<p>Die Auslegung des \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 durch das FG sei rechtsfehlerhaft, da sie weder dessen Wortlaut noch dessen Sinn und Zweck entspreche. Voraussetzung f\u00fcr die Inanspruchnahme der Steuerbefreiung nach \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 sei das Beziehen von Arbeitslohn in der DDR. Hieran fehle es im Streitfall, weil eine gebietsbezogene T\u00e4tigkeit in der DDR oder in Berlin (Ost) nicht vorgelegen habe und das Gebiet der DDR lediglich zum Zweck des Transits nach Berlin (West) ber\u00fchrt worden sei.<\/p>\n<p>Die Auffassung des FG f\u00fchre dazu, da\u00df der auf die Fahrtzeiten in der DDR entfallende Arbeitslohn \u00fcberhaupt nicht besteuert werde. Dies widerspreche dem Sinn und Zweck des \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987, der eine doppelte Besteuerung habe vermeiden und damit ein DBA habe ersetzen sollen.<\/p>\n<p>\u00dcberdies habe das FG die auf die nach seiner Auffassung steuerfreien Einnahmen entfallenden anteiligen Werbungskosten und Sonderausgaben im Widerspruch zur st\u00e4ndigen Rechtsprechung des BFH (vgl. die Urteile in BFHE 131, 339, BStBl II 1981, 16, und in BFHE 133, 64, BStBl II 1981, 530) zum Abzug zugelassen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Einkommensteuer 1987 auf 2.802 DM festzusetzen.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>Die Revision f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Revision ist uneingeschr\u00e4nkt zul\u00e4ssig. Die Zulassung der Revision kann nicht auf einzelne Rechtsfragen beschr\u00e4nkt werden (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 10. M\u00e4rz 1981 VIII R 195\/77, BFHE 133, 189, BStBl II 1981, 470). Eine derartige Beschr\u00e4nkung ist vielmehr nur hinsichtlich solcher Teile des Streitstoffes zul\u00e4ssig, \u00fcber die in einem besonderen Verfahrensabschnitt durch Teil- oder Zwischenurteil entschieden werden k\u00f6nnte (vgl. Gr\u00e4ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 2. Aufl., \u00a7 115 Anm. 44).<\/p>\n<p>Im vorliegenden Fall bilden die Fragen nach der anteiligen K\u00fcrzung der Werbungskosten und der Sonderausgaben unselbst\u00e4ndige Elemente des Streitgegenstandes und sind daher einer gesonderten Entscheidung durch ein Zwischen- oder Teilurteil (vgl. \u00a7\u00a7 97 bis 99 FGO) nicht zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Die vom FG vorgenommene Beschr\u00e4nkung der Zulassung der Revision ist mithin unzul\u00e4ssig und wirkungslos. Die Zulassung ist als unbeschr\u00e4nkte zu werten (vgl. Gr\u00e4ber\/Ruban, a.a.O., \u00a7 115 Anm. 44 am Ende, m.w.N.).<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>1. Das FG hat zutreffend angenommen, da\u00df der auf die T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers in der DDR entfallende Arbeitslohn nach \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 steuerfrei ist.<\/p>\n<p>a) Nach dieser Vorschrift sind Eink\u00fcnfte der in \u00a7 49 EStG bezeichneten Art steuerfrei, wenn sie in der DDR oder in Berlin (Ost) bezogen worden sind. Dabei ist ma\u00dfgebend, ob die betreffenden Eink\u00fcnfte dann, wenn sie in der Bundesrepublik erzielt worden w\u00e4ren, bei einem hier beschr\u00e4nkt Steuerpflichtigen zu den inl\u00e4ndischen Eink\u00fcnften i.S. des \u00a7 49 EStG geh\u00f6ren w\u00fcrden (Senatsurteile in BFHE 144, 556, BStBl II 1986, 64; in BFHE 133, 64, BStBl II 1981, 530, und vom 21. Januar 1983 VI R 87\/79, BFHE 137, 352, BStBl II 1983, 224). Dies trifft bei den Eink\u00fcnften aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit aus einem privaten Dienstverh\u00e4ltnis nach \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG zu, wenn die Arbeit im Inland ausge\u00fcbt oder verwertet wird.<\/p>\n<p>\u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 ist nach den f\u00fcr DBA geltenden Regeln auszulegen. Dies folgt daraus, da\u00df der Gesetzgeber mit der genannten Bestimmung beabsichtigt hat, eine doppelte Besteuerung auszuschlie\u00dfen und ein DBA zu ersetzen (Urteile in BFHE 133, 64, BStBl II 1981, 530; in BFHE 137, 352, BStBl II 1983, 224, und in BFHE 144, 556, BStBl II 1986, 64; v. Bornhaupt, Betriebs-Berater &#8211; BB -, Beilage 16\/85 zu Heft 35\/36\/1985, S. 7).<\/p>\n<p>Demgem\u00e4\u00df kommt es f\u00fcr die Steuerfreiheit des Arbeitslohns nicht darauf an, wo dieser ausgezahlt wird (Urteile in BFHE 133, 64, BStBl II 1981, 530, und in BFHE 144, 556, BStBl II 1986, 64). Ebensowenig spielt eine Rolle, ob die T\u00e4tigkeit in der DDR oder in Berlin (Ost) eine gewisse Mindestzeit gedauert hat. Denn dem Begriff des &#8222;Aus\u00fcbens&#8220; i.S. des \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG gen\u00fcgen selbst einzelne Handlungen (Senatsurteil in BFHE 144, 556, BStBl II 1986, 64, m.w.N.). Dementsprechend hat es der Senat f\u00fcr die Anwendung des \u00a7 3 Nr. 63 EStG a.F. nicht als sch\u00e4dlich angesehen, da\u00df die Dienstreisen des dortigen Kl\u00e4gers in der Regel lediglich einen Tag oder noch weniger Zeit in Anspruch genommen haben (zur vergleichbaren Rechtslage bei Art. 7 Abs. 1 DBA-Italien 1925 vgl. z.B. die BFH-Urteile vom 20. Oktober 1982 I R 104\/79, BFHE 137, 29, BStBl II 1983, 402, und vom 29. Januar 1986 I R 22\/85, BFHE 146, 132, BStBl II 1986, 479).<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist es f\u00fcr die Anwendung des \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 (im Unterschied zur ge\u00e4nderten Rechtslage ab dem 1. Januar 1989; vgl. dazu \u00a7 3 Nr. 63 EStG i.d.F. des Steuerreformgesetzes 1990) ohne Belang, ob die auf die T\u00e4tigkeit in der DDR entfallenden Eink\u00fcnfte vom dortigen Fiskus besteuert wurden (vgl. Senatsurteile in BFHE 133, 64, BStBl II 1981, 530; in BFHE 137, 352, BStBl II 1983, 224; in BFHE 144, 556, BStBl II 1986, 64). Denn durch \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 sollte bereits die &#8222;virtuelle&#8220; Doppelbesteuerung vermieden werden (vgl. auch die Begr\u00fcndung des Regierungsentwurfs, BTDrucks 7\/1470, S. 243).<\/p>\n<p>Allein ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Anwendung des \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 ist daher, wo die nichtselbst\u00e4ndige Arbeit i.S. des \u00a7 49 EStG ausge\u00fcbt oder verwertet wurde.<\/p>\n<p>b) Im Streitfall \u00fcbte der Kl\u00e4ger seine nichtselbst\u00e4ndige Arbeit insoweit in der DDR aus, als er die Bundesrepublik bzw. Berlin (West) verlassen hatte und sich mit seinem Fahrzeug zum Zwecke der G\u00fcterbef\u00f6rderung (einschlie\u00dflich der Grenzabfertigung) auf dem Territorium der DDR bzw. von Berlin (Ost) befand. Wie das FG zu Recht bemerkt hat, wird eine nichtselbst\u00e4ndige Arbeit i.S. von \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG grunds\u00e4tzlich dort ausge\u00fcbt, &#8222;wo sich die t\u00e4tige Person physisch aufh\u00e4lt und die Berufst\u00e4tigkeit pers\u00f6nlich entfaltet&#8220; (so schon Urteil des Reichsfinanzhofs &#8211; RFH &#8211; vom 29. Januar 1935 I A 244\/32, RStBl 1935, 759; vgl. ferner BFH-Urteil in BFHE 148, 453, BStBl II 1987, 372).<\/p>\n<p>Die T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers bestand in dem F\u00fchren eines LKW zum Zwecke der G\u00fcterbef\u00f6rderung. Seine (regelm\u00e4\u00dfige) Arbeitsst\u00e4tte befand sich mithin in seinem Fahrzeug. Die Orte und Gebiete, wo der Kl\u00e4ger seine Arbeit i.S. des \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG aus\u00fcbte, lagen demzufolge zwangsl\u00e4ufig dort, wo er sich mit seinem Fahrzeug gerade aufhielt bzw. fortbewegte (zum vergleichbaren Fall eines Berufskraftfahrers, der G\u00fcter nach Italien bef\u00f6rderte, vgl. Urteil in BFHE 146, 132, BStBl II 1986, 479; vgl. ferner Urteil vom 14. Dezember 1988 I R 148\/87, BFHE 155, 374, BStBl II 1989, 319, betreffend den Piloten einer Luftverkehrsgesellschaft; beide zu Art. 11 Nr. 1 i.V.m. Art. 7 Abs. 1 Satz 1 DBA-Italien 1925; vgl. ferner Urteil vom 12. November 1986 I R 38\/83, BFHE 148, 289, BStBl II 1987, 377, betreffend einen Seemann, der sich mit seinem Schiff in ausl\u00e4ndische Hoheitsgew\u00e4sser begeben hatte).<\/p>\n<p>An diesem Ergebnis vermag entgegen der Auffassung des FA auch nichts der Umstand zu \u00e4ndern, da\u00df die Zielorte der von dem Kl\u00e4ger durchgef\u00fchrten Transporte nicht innerhalb des Staatsgebiets der DDR, sondern in Berlin (West) bzw. &#8211; bei den R\u00fcckfahrten von dort &#8211; in der Bundesrepublik lagen (vgl. auch v. Bornhaupt, BB 1987, 1639, 1640, zu 2. a). Die von dem Kl\u00e4ger f\u00fcr seine Arbeitgeberin auf dem Staatsgebiet der DDR erbrachten Bef\u00f6rderungsleistungen, die im Hinblick auf die geographische Lage der Transitstrecke im Hoheitsgebiet der DDR nur dort erfolgen konnten, lassen sich nicht deshalb ins Inland verlagern, weil der jeweilige Endpunkt des Transports im Inland lag. Zu Unrecht hat das FA in diesem Zusammenhang die Auffassung vertreten, \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 i.V.m. \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG verlange eine besondere Gebietsbezogenheit der Eink\u00fcnfte in dem Sinne, da\u00df es sich bei der Bef\u00f6rderungst\u00e4tigkeit innerhalb der DDR nicht um blo\u00dfe Transitfahrten handeln d\u00fcrfe. Nach den f\u00fcr die Auslegung von DBA geltenden Grunds\u00e4tzen erfordert das &#8222;Arbeitsortprinzip&#8220; grunds\u00e4tzlich keine Verwurzelung der Arbeitseink\u00fcnfte mit der Wirtschaft des Quellenstaates. Dementsprechend hat der BFH zu Art. 7 DBA-Italien ausgesprochen, da\u00df ein Verkehrspilot seine nichtselbst\u00e4ndige Arbeit auch dann in Italien aus\u00fcbe, wenn er italienisches Hoheitsgebiet lediglich \u00fcberfliege (Urteil in BFHE 155, 374, BStBl II 1989, 319).<\/p>\n<p>Dieselben Grunds\u00e4tze gelten im Rahmen der \u00a7\u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987, 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG. Die vom FA vorgenommene Einschr\u00e4nkung des Begriffs &#8222;Aus\u00fcbung&#8220; i.S. des \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG findet im Gesetz keine St\u00fctze (vgl. auch Urteil in BFHE 137, 352, BStBl II 1983, 224, 225).<\/p>\n<p>2. Die H\u00f6he des auf die T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers innerhalb der DDR entfallenden Bruttoarbeitslohns hat das FG entsprechend den Angaben des Kl\u00e4gers und anhand einer von ihm vorgelegten Bescheinigung seiner Arbeitgeberin gesch\u00e4tzt. Hieran ist der Senat gem\u00e4\u00df \u00a7 118 Abs. 2 FGO gebunden; die Beteiligten haben Einwendungen gegen diese Sch\u00e4tzung nicht erhoben.<\/p>\n<p>3. Zu Recht hat das FA darauf hingewiesen, da\u00df die mit den nach \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 steuerfreien Einnahmen in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Werbungskosten und Vorsorgeaufwendungen nicht abgezogen werden k\u00f6nnen (vgl. \u00a7 3c EStG, \u00a7 10 Abs. 2 Nr. 2 EStG 1987). Der Senat verweist insoweit zur Vermeidung von Wiederholungen insbesondere auf seine Urteile in BFHE 131, 339, BStBl II 1981, 16, und in BFHE 133, 64, BStBl II 1981, 530.<\/p>\n<p>a) Das FG hat Feststellungen dar\u00fcber, ob und inwieweit die geltend gemachten Werbungskosten mit dem gem\u00e4\u00df \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 steuerfreien Arbeitslohn in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang standen (\u00a7 3c EStG), nicht getroffen. Die Vorentscheidung ist daher aufzuheben. Das FG wird die entsprechenden Feststellungen nachzuholen haben, um den nach \u00a7 3c EStG vom Abzug ausgeschlossenen Teil der Werbungskosten zu ermitteln.<\/p>\n<p>b) Desweiteren wird das FG die bislang unterlassene K\u00fcrzung der bei den Vorsorgeaufwendungen geltend gemachten Arbeitnehmeranteile zur gesetzlichen Sozialversicherung gem\u00e4\u00df \u00a7 10 Abs. 2 Nr. 2 EStG 1987 vorzunehmen haben. Der K\u00fcrzungsbetrag bemi\u00dft sich nach dem Verh\u00e4ltnis der in der DDR erzielten Einnahmen zum gesamten (sozialversicherungsrechtlichen) Jahresbruttoarbeitslohn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 28.9.1990(VI R 157\/89) BStBl. 1991 II S. 86 Der Arbeitslohn eines im Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) eingesetzten Berufskraftfahrers ist gem\u00e4\u00df \u00a7 3 Nr. 63 EStG 1987 steuerfrei, soweit er auf die Fahrtzeiten in der DDR entf\u00e4llt. EStG 1987 \u00a7 3 Nr. 63, \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4. 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