{"id":50905,"date":"1991-09-18T16:40:29","date_gmt":"1991-09-18T14:40:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=50905"},"modified":"2013-07-16T16:45:42","modified_gmt":"2013-07-16T14:45:42","slug":"bfh-urteil-vom-18-9-1991-xi-r-8_90-bstbl-1992-ii-s-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-18-9-1991-xi-r-8_90-bstbl-1992-ii-s-34\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 18.9.1991    (XI R 8\/90) BStBl. 1992 II S. 34"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 18.9.1991 (XI R 8\/90) BStBl. 1992 II S. 34<\/strong><\/p>\n<p>Bei zeitlich befristeten Dienstvertr\u00e4gen ist das \u00dcbergangsgeld nach \u00a7 62 Abs. 1 BAT weder nach \u00a7 3 Nrn. 9 und 10 EStG steuerbefreit noch Entsch\u00e4digung i. S. des \u00a7 24 Nr. 1 Buchst. a und b EStG; es kann nach \u00a7 34 Abs. 3 EStG verteilt werden.<\/p>\n<p>EStG \u00a7 3 Nrn. 9, 10, \u00a7 24 Nr. 1 Buchst. a und b, \u00a7 34 Abs. 3; BAT \u00a7 62 Abs. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Nieders\u00e4chsisches FG<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) war vom 1. Juni 1971 bis zum 30. Juni 1983 bei einem Forschungsinstitut (Institut) als wissenschaftlicher Mitarbeiter besch\u00e4ftigt. Dem Anstellungsverh\u00e4ltnis lagen mehrere aufeinanderfolgende, jeweils zeitlich befristete Arbeitsvertr\u00e4ge zugrunde. Mit Schreiben vom 31. Januar 1983 &#8222;k\u00fcndigte&#8220; das Institut das Arbeitsverh\u00e4ltnis zum 30. Juni 1983, weil &#8222;mit Auslauf des gegenw\u00e4rtigen Forschungsprojektes eine Weiterbesch\u00e4ftigung aus Arbeitsmangel nicht m\u00f6glich&#8220; sei.<\/p>\n<p>Aus Anla\u00df seines Ausscheidens erhielt der Kl\u00e4ger ein \u00dcbergangsgeld nach \u00a7 62 Abs. 1 des Bundesangestelltentarifes (BAT) in H\u00f6he von 8.079 DM, das in zwei Teilbetr\u00e4gen im Jahr 1984 ausgezahlt wurde.<\/p>\n<p>Mit Einkommensteuerbescheid vom 20. Februar 1986 unterwarf der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) das \u00dcbergangsgeld der Einkommensteuer.<\/p>\n<p>Nach erfolglosem Vorverfahren gab das Finanzgericht (FG) der Klage statt; das \u00dcbergangsgeld sei gem\u00e4\u00df \u00a7 3 Nr. 9 des Einkommensteuergesetzes (EStG) steuerfrei.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt das FA Verletzung des \u00a7 3 Nr. 9 EStG. Es beantragt sinngem\u00e4\u00df, unter Aufhebung des angefochtenen Urteils die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet; sie f\u00fchrt gem\u00e4\u00df \u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG.<\/p>\n<p>1. Das \u00dcbergangsgeld ist nicht steuerbefreit. \u00a7 3 Nr. 9 EStG verlangt eine vom Arbeitgeber veranla\u00dfte oder gerichtlich ausgesprochene Aufl\u00f6sung des Dienstverh\u00e4ltnisses; \u00a7 3 Nr. 10 EStG beg\u00fcnstigt \u00dcbergangsgelder auf Grund gesetzlicher Vorschriften wegen Entlassung aus einem Dienstverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Beide Tatbest\u00e4nde sind nicht gegeben. Bei einem befristeten Dienstverh\u00e4ltnis beruht dessen Beendigung nicht auf einem Verhalten des Arbeitgebers, sondern auf der fr\u00fcheren Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 16. April 1980 VI R 86\/77, BFHE 130, 168, BStBl II 1980, 393; v. Beckerath in Kirchhof\/S\u00f6hn, Einkommensteuergesetz, \u00a7 3 Rdnr. B 9\/41). Dem steht nicht entgegen, da\u00df der Arbeitgeber der \u00e4u\u00dferen Form nach das Arbeitsverh\u00e4ltnis gek\u00fcndigt hat. Der Sache nach bedeutet die K\u00fcndigung lediglich die Mitteilung, da\u00df das von vornherein befristete Arbeitsverh\u00e4ltnis nicht fortgesetzt wird.<\/p>\n<p>\u00dcbergangsgelder nach dem BAT beruhen nicht auf gesetzlicher Vorschrift; zudem stellt ein im Anschlu\u00df an ein befristetes Dienstverh\u00e4ltnis gezahltes \u00dcbergangsgeld keine Leistung wegen Entlassung aus dem Dienstverh\u00e4ltnis dar (BFH-Urteile vom 8. Oktober 1965 VI 257\/64 U, BFHE 84, 283, BStBl III 1966, 102; vom 1. M\u00e4rz 1974 VI R 47\/71, BFHE 111, 516, BStBl II 1974, 490; v. Beckerath in Kirchhof\/S\u00f6hn, a. a. O., \u00a7 3 Rdnr. B 10\/15).<\/p>\n<p>2. Das \u00dcbergangsgeld ist keine Entsch\u00e4digung i. S. des \u00a7 24 Nr. 1 Buchst. a EStG. Der Begriff der Entsch\u00e4digung verlangt u. a., da\u00df aufgrund einer neuen Rechts- und Billigkeitsgrundlage Ersatz f\u00fcr entgangene oder entgehende Einnahmen gew\u00e4hrt wird (vgl. BFH-Urteil vom 27. Februar 1991 XI R 8\/87, BFHE 164, 243, BStBl II 1991, 703, m. w. N.). Diese Voraussetzung ist nicht erf\u00fcllt. Das \u00dcbergangsgeld wird im Rahmen der vertraglich getroffenen Vereinbarungen gezahlt. Die Zahlung stand dem Grunde nach von vornherein fest.<\/p>\n<p>3. Die Anwendung des \u00a7 24 Nr. 1 Buchst. b EStG scheitert bereits daran, da\u00df dem Kl\u00e4ger das \u00dcbergangsgeld nicht (als Gegenleistung) f\u00fcr die Aufgabe oder Nichtaus\u00fcbung seiner T\u00e4tigkeit gew\u00e4hrt wurde (vgl. BFH-Urteil vom 21. Juni 1990 X R 45\/86, BFH\/NV 1991, 88). Das \u00dcbergangsgeld ist eine in Ausgestaltung der F\u00fcrsorgepflicht des Arbeitgebers geleistete zus\u00e4tzliche Entgeltzahlung, die mit R\u00fccksicht auf die geleisteten Dienste aus besonderem Anla\u00df, n\u00e4mlich wegen des Ausscheidens aus dem Dienstverh\u00e4ltnis, gew\u00e4hrt wird; ferner soll das \u00dcbergangsgeld als \u00dcberbr\u00fcckungshilfe dem ausgeschiedenen Angestellten die Umstellung erleichtern (vgl. Uttlinger\/Breier, Bundesangestelltentarif, 5. Aufl., Stand 1. Februar 1988, \u00a7 62, Erl. 1; ferner BFH-Urteil vom 21. August 1974 VI R 243\/71, BFHE 113, 370, BStBl II 1975, 62).<\/p>\n<p>4. Das \u00dcbergangsgeld kann nach \u00a7 34 Abs. 3 EStG verteilt werden (vgl. BFH-Urteile vom 10. Juni 1983 VI R 106\/79, BFHE 138, 454, BStBl II 1983, 575, und vom 21. Juni 1990 X R 46\/86, BFHE 161, 370, BStBl II 1990, 1020).<\/p>\n<p>Das Urteil in BFHE 113, 370, BStBl II 1975, 62 steht der Anwendung des \u00a7 34 Abs. 3 EStG nicht entgegen. Die einzelnen Formen der \u00dcbergangsgelder, wie sie in \u00a7 62 BAT aufgef\u00fchrt sind, entziehen sich einer einheitlichen Behandlung. Ma\u00dfgebend ist vielmehr die jeweilige Funktion des einzelnen \u00dcbergangsgeldes (vgl. zum \u00dcbergangsgeld gem\u00e4\u00df \u00a7 62 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. b BAT BFH-Urteil in BFH\/NV 1991, 88). W\u00e4hrend das im Streitfall gezahlte \u00dcbergangsgeld in erster Linie bezweckt, mit R\u00fccksicht auf die geleisteten Dienste ein zus\u00e4tzliches Entgelt zu gew\u00e4hren (s. oben unter 3), ist das wegen Erreichens der Altersgrenze gezahlte \u00dcbergangsgeld nach dem genannten Urteil in BFHE 113, 370, BStBl II 1975, 62 in erster Linie Versorgungsbezug. Im \u00fcbrigen behandelt dieses Urteil lediglich die Frage, ob ein Versorgungsbezug i. S. des \u00a7 19 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 EStG 1974 gegeben ist, geht aber auf die Anwendung des \u00a7 34 Abs. 3 EStG (zu Recht) nicht ein.<\/p>\n<p>Bei seiner erneuten Entscheidung hat das FG zu pr\u00fcfen, wie sich die Anwendung des \u00a7 34 Abs. 3 EStG auf die Steuerfestsetzung auswirkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 18.9.1991 (XI R 8\/90) BStBl. 1992 II S. 34 Bei zeitlich befristeten Dienstvertr\u00e4gen ist das \u00dcbergangsgeld nach \u00a7 62 Abs. 1 BAT weder nach \u00a7 3 Nrn. 9 und 10 EStG steuerbefreit noch Entsch\u00e4digung i. 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