{"id":52413,"date":"2013-05-13T12:03:19","date_gmt":"2013-05-13T10:03:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=52413"},"modified":"2013-07-03T12:08:38","modified_gmt":"2013-07-03T10:08:38","slug":"viii-b-162-11-pruefung-der-einkuenfteerzielungsabsicht-eines-rechtsanwalts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-162-11-pruefung-der-einkuenfteerzielungsabsicht-eines-rechtsanwalts\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;162\/11 &#8211; Pr&uuml;fung der Eink&uuml;nfteerzielungsabsicht eines Rechtsanwalts"},"content":{"rendered":"<p class=\"ueberschrift\">BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.5.2013, VIII B 162\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Pr\u00fcfung der Eink\u00fcnfteerzielungsabsicht eines Rechtsanwalts<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Die Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) werden als Eheleute zur Einkommensteuer zusammen veranlagt. Der Kl\u00e4ger erzielt Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit in betr\u00e4chtlicher H\u00f6he, au\u00dferdem ist er als Rechtsanwalt t\u00e4tig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>F\u00fcr die Jahre 1983 bis 1994 ergaben sich aus der Rechtsanwaltst\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers Verluste von insgesamt 24.168\u00a0EUR. In einem vorangegangenen Klageverfahren wegen Einkommensteuer 1991 bis 1994 beurteilte das Finanzgericht (FG) die T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers insoweit als Liebhaberei und lie\u00df die Verluste unber\u00fccksichtigt. Das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig, nachdem der Bundesfinanzhof (BFH) die Nichtzulassungsbeschwerde der Kl\u00e4ger als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen hat und die dagegen erhobene Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>In den Streitjahren des vorliegenden Verfahrens ergaben sich f\u00fcr 1995 bis 2001 weiterhin Verluste aus der Rechtsanwaltst\u00e4tigkeit von insgesamt 19.654\u00a0EUR. F\u00fcr die Streitjahre 2002 und 2003 ergaben sich ebenfalls negative Eink\u00fcnfte, im Streitjahr 2004 erzielte der Kl\u00e4ger erstmals einen Gewinn von 18.386\u00a0EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren wies der Kl\u00e4ger unter Vorlage der entsprechenden Einkommensteuerbescheide erfolglos darauf hin, dass er in den Folgejahren 2005 bis 2008 so hohe Gewinne aus der Rechtsanwaltst\u00e4tigkeit erzielt habe, dass sich insgesamt ein positives Ergebnis aus dieser T\u00e4tigkeit ergeben habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FG lie\u00df die f\u00fcr die Streitjahre per Saldo aufgelaufenen Verluste aus der Rechtsanwaltst\u00e4tigkeit unter dem Gesichtspunkt der Liebhaberei unber\u00fccksichtigt und wies die Klage ab. Es hielt auch die vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erlassenen Gewerbesteuermessbescheide f\u00fcr rechtm\u00e4\u00dfig, mit denen das FA einen Teil der als freiberuflich erkl\u00e4rten Eink\u00fcnfte des Kl\u00e4gers als Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb beurteilt hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit der Nichtzulassungsbeschwerde r\u00fcgen die Kl\u00e4ger Verfahrensfehler i.S. des \u00a7\u00a0115 Abs.\u00a02 Nr.\u00a03 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist hinsichtlich der Einkommensteuer 1995 bis 2004 begr\u00fcndet und f\u00fchrt insoweit zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG (\u00a7\u00a0116 Abs.\u00a06 FGO). Hinsichtlich der Gewerbesteuermessbetr\u00e4ge 2003 und 2004 ist die Nichtzulassungsbeschwerde hingegen unbegr\u00fcndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Hinsichtlich der Einkommensteuer 1995 bis 2004 verst\u00f6\u00dft die Vorentscheidung gegen \u00a7\u00a096 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 FGO. Das FG hat seine \u00dcberzeugung nicht auf das Gesamtergebnis des Verfahrens gest\u00fctzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Wie das FG zutreffend anhand der in der Vorentscheidung nachgewiesenen Rechtsprechung des BFH ausgef\u00fchrt hat, erfordert die Pr\u00fcfung der Eink\u00fcnfteerzielungsabsicht eine in die Zukunft gerichtete und langfristige Beurteilung. Verluste k\u00f6nnen nur dann steuerrechtlich nicht anerkannt werden, wenn aufgrund der bekannten Entwicklung des Betriebs eindeutig feststeht, dass der Betrieb von vornherein nicht in der Lage war, nachhaltig Gewinne zu erzielen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Aussch\u00f6pfung des Gesamtergebnisses des Verfahrens (\u00a7\u00a096 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 FGO) h\u00e4tte es erfordert, auch die dem FG zur Kenntnis gebrachten Gewinne des Kl\u00e4gers in den Folgejahren in die Betrachtung einzubeziehen. Es ist kein sachlicher Gesichtspunkt erkennbar, der es rechtfertigt, die gebotene Totalprognose am Ende des Pr\u00fcfungszeitraums enden zu lassen, der von der Finanzverwaltung nach Zweckm\u00e4\u00dfigkeit bestimmt wird und im vorliegenden Zusammenhang eher zuf\u00e4lligen Charakter hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Vorentscheidung ist danach hinsichtlich der Einkommensteuer 1995 bis 2004 aufzuheben. Das Verfahren ist insoweit an das FG zur\u00fcckzuverweisen (\u00a7\u00a0116 Abs.\u00a06 FGO), damit es die Eink\u00fcnfteerzielungsabsicht des Kl\u00e4gers in vollem Umfang neu \u00fcberpr\u00fcfen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Hinsichtlich der Gewerbesteuermessbetr\u00e4ge 2003 und 2004 ist die Nichtzulassungsbeschwerde unbegr\u00fcndet. Ein Verfahrensfehler des FG ist insoweit nicht erkennbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FG hat nicht das rechtliche Geh\u00f6r der Kl\u00e4ger verletzt. Schon in der Einspruchsentscheidung war im Einzelnen dargelegt, weshalb das FA die von der \u2026 GmbH gezahlten Provisionen als Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb und nicht als Honorare f\u00fcr rechtsanwaltliche Beratung beurteilt hat. Dieser Streitpunkt hatte daher f\u00fcr die Kl\u00e4ger keinen \u00fcberraschenden Charakter. Der als Rechtsanwalt sachkundige Kl\u00e4ger konnte damit rechnen, dass das FG insoweit der Auffassung des FA folgen w\u00fcrde. Das FG war nicht verpflichtet, vorab auf seine Rechtsauffassung hinzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im \u00dcbrigen l\u00e4sst das Vorbringen auch nicht erkennen, was genau die Kl\u00e4ger zu diesem Punkt noch h\u00e4tten vortragen wollen und inwieweit dies entscheidungserheblich gewesen w\u00e4re. Das Vorbringen, es &#8222;h\u00e4tte kl\u00e4gerseitig die Einschl\u00e4gigkeit der Urteile hinsichtlich des Vorliegens von Eink\u00fcnften aus selbst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit auch hinsichtlich der Zahlungen der \u2026 nachgewiesen werden k\u00f6nnen, d.h. die Nichtgewerblichkeit der gesamten Leistung oder ggf. auch von Teilbetr\u00e4gen h\u00e4tte festgestellt werden k\u00f6nnen&#8220;, ist unsubstantiiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.5.2013, VIII B 162\/11 Pr\u00fcfung der Eink\u00fcnfteerzielungsabsicht eines Rechtsanwalts Tatbestand 1 I. Die Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) werden als Eheleute zur Einkommensteuer zusammen veranlagt. 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