{"id":53884,"date":"1990-08-22T14:56:53","date_gmt":"1990-08-22T12:56:53","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=53884"},"modified":"2013-08-03T14:58:39","modified_gmt":"2013-08-03T12:58:39","slug":"bfh-urteil-vom-22-8-1990-i-r-67_88-bstbl-1991-ii-s-250","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-22-8-1990-i-r-67_88-bstbl-1991-ii-s-250\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 22.8.1990    (I R 67\/88) BStBl. 1991 II S. 250"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 22.8.1990 (I R 67\/88) BStBl. 1991 II S. 250<\/strong><\/p>\n<p>Die T\u00e4tigkeit einer Kapitalgesellschaft gilt i.S. des Gewerbesteuerrechts auch dann in vollem Umfang als Gewerbebetrieb, wenn die T\u00e4tigkeit nicht unter eine der sieben Einkunftsarten des \u00a7 2 Abs. 1 EStG f\u00e4llt.<\/p>\n<p>GewStG \u00a7 2, \u00a7 7.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Schleswig-Holsteinisches FG<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), eine GmbH, vermietete s\u00e4mtliche von ihr hergestellten oder angeschafften Wirtschaftsg\u00fcter an die X-KG (KG). Ab 1. Januar 1984 bestand mit der KG ein Immobilien-Leasing-Vertrag. Gleichzeitig wurden s\u00e4mtliche Inventargegenst\u00e4nde an die KG ver\u00e4u\u00dfert. Der Leasing-Vertrag hatte eine Laufzeit von 20 Jahren und r\u00e4umte dem Leasing-Nehmer eine Mietverl\u00e4ngerungsoption von zweimal f\u00fcnf Jahren ein.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) setzte f\u00fcr das Streitjahr unter Ber\u00fccksichtigung eines Gewinns aus Gewerbebetrieb in H\u00f6he von null DM den Gewerbesteuerme\u00dfbetrag auf 23.804 DM fest.<\/p>\n<p>Mit der nach erfolglosem Einspruchsverfahren eingelegten Klage macht die Kl\u00e4gerin geltend, da\u00df sie aufgrund der Vertragsgestaltung ab 1. Januar 1985 auf die Dauer von mindestens 29 Jahren rechtlich und betriebswirtschaftlich keinen Gewinn und Verlust erwirtschafte.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage als unbegr\u00fcndet ab.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin die unrichtige Anwendung des \u00a7 2 Abs. 2 Nr. 2 und der \u00a7\u00a7 7 und 8 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG).<\/p>\n<p>Sie beantragt, das Urteil des FG und den Gewerbesteuerbescheid in Gestalt der Einspruchsentscheidung aufzuheben.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>Die Revision ist nicht begr\u00fcndet; sie war daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -); das FA hat den Gewerbesteuerme\u00dfbetrag zu Recht festgesetzt.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin unterliegt gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 und 2 GewStG in der f\u00fcr das Streitjahr g\u00fcltigen Fassung der Gewerbesteuer. Sie unterh\u00e4lt einen stehenden im Inland betriebenen Gewerbebetrieb (\u00a7 2 Abs. 1 Satz 1 GewStG). Die von der Kl\u00e4gerin bestrittenen Voraussetzungen eines Gewerbebetriebs liegen vor; denn gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 2 Satz 1 GewStG gilt die T\u00e4tigkeit einer Kapitalgesellschaft stets und in vollem Umfang als Gewerbebetrieb.<\/p>\n<p>Unerheblich ist es demgegen\u00fcber, wenn die von der Kl\u00e4gerin betriebene T\u00e4tigkeit nicht unter eine der sieben Einkunftsarten des \u00a7 2 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) f\u00e4llt; denn \u00a7 2 Abs. 2 Satz 1 GewStG qualifiziert die T\u00e4tigkeit einer Kapitalgesellschaft als Gewerbebetrieb, ohne dies von der Voraussetzung abh\u00e4ngig zu machen, da\u00df die T\u00e4tigkeit unter eine der sieben Einkunftsarten f\u00e4llt. Die Vorschrift fingiert f\u00fcr Gewerbesteuerzwecke die T\u00e4tigkeit einer Kapitalgesellschaft als Gewerbebetrieb, soweit die Gesellschaft t\u00e4tig ist (vgl. Beschlu\u00df des Gro\u00dfen Senats des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 25. Juni 1984 GrS 4\/82, BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751 unter C III 3 b, bb, 2).<\/p>\n<p>Das BFH-Urteil vom 3. Oktober 1989 VIII R 184\/85 (BFHE 158, 385, BStBl II 1990, 319) steht dem nicht entgegen. Danach erfa\u00dft \u00a7 2 Abs. 2 Nr. 1 GewStG i.d.F. vor dem Streitjahr keine Verm\u00f6gensmehrungen, die nach den Vorschriften des EStG keine Eink\u00fcnfte im Sinne der sieben Einkunftsarten des \u00a7 2 Abs. 1 EStG sind. Dies ist eine zwangsl\u00e4ufige Folge der Verweisung in \u00a7 7 GewStG auf die einkommensteuerlichen Vorschriften. Der von dem Urteil in BFHE 158, 385, BStBl II 1990, 319 entschiedene Fall betraf eine Personengesellschaft (KG). Aus \u00a7 2 Abs. 2 Nr. 1 GewStG in der vor dem Streitjahr g\u00fcltigen Fassung (im Streitjahr aus \u00a7 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG) ergibt sich lediglich, da\u00df eine gewerblich t\u00e4tige Personengesellschaft, die ohne die Existenz einer derartigen Regelung Eink\u00fcnfte aus mehreren Einkunftsarten h\u00e4tte, nur gewerbliche Eink\u00fcnfte hat. Die Regelung setzt voraus, da\u00df &#8211; anders als bei Kapitalgesellschaften &#8211; die Personengesellschaft mindestens teilweise eine gewerbliche T\u00e4tigkeit aus\u00fcbt (Beschlu\u00df des Gro\u00dfen Senats in BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751).<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin kann sich nicht mit Erfolg auf das BFH-Urteil vom 4. M\u00e4rz 1970 I R 123\/68 (BFHE 98, 259, BStBl II 1970, 470) berufen. Das Urteil betrifft nicht die Gewerbesteuer, sondern die K\u00f6rperschaftsteuer. Es leitet aus \u00a7 16 der K\u00f6rperschaftsteuer-Durchf\u00fchrungsverordnung (KStDV) a.F. (entspricht \u00a7 8 Abs. 2 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes &#8211; KStG &#8211; 1977) ab, da\u00df im Sinne des K\u00f6rperschaftsteuerrechts nur solche Eink\u00fcnfte einer Kapitalgesellschaft als gewerbliche Eink\u00fcnfte zu behandeln sind, die unter die sieben Einkunftsarten des EStG fallen. Der Senat hat bereits in den Urteilen vom 4. Februar 1987 I R 58\/86 (BFHE 149, 109, BStBl II 1988, 215), und vom 25. November 1987 I R 126\/85 (BFHE 151, 544, BStBl II 1988, 220) offengelassen, ob er diese Auffassung weiterhin f\u00fcr zutreffend h\u00e4lt. Jedenfalls wirkt sich der Meinungsstreit im Gewerbesteuerrecht nicht aus. Denn bei ihm geht es gerade darum, ob die Regelung in \u00a7 2 Abs. 2 GewStG betreffend die Kapitalgesellschaften auch f\u00fcr das K\u00f6rperschaftsteuerrecht gilt (vgl. Urteil in BFHE 149, 109, BStBl II 1988, 215). Das Urteil in BFHE 98, 259, BStBl II 1970, 470, auf das sich die Kl\u00e4gerin beruft, hat darauf hingewiesen, da\u00df es f\u00fcr das K\u00f6rperschaftsteuerrecht unerheblich sei, ob \u00a7 2 Abs. 2 Nr. 2 GewStG a.F. (entspricht \u00a7 2 Abs. 2 Satz 1 GewStG in der f\u00fcr das Streitjahr g\u00fcltigen Fassung) f\u00fcr das Gewerbesteuerrecht zu einem anderen Ergebnis f\u00fchre als das KStG; denn im KStG sei keine entsprechende Regelung getroffen. Der Senat verweist im \u00fcbrigen auf die Urteile vom 20. Oktober 1976 I R 148\/74 (BFHE 120, 265, BStBl II 1977, 10), und vom 8. Juni 1977 I R 40\/75 (BFHE 122, 318, BStBl II 1977, 668).<\/p>\n<p>Aus \u00a7 7 GewStG kann nichts anderes hergeleitet werden. Danach ist der nach den Vorschriften des EStG oder KStG zu ermittelnde Gewinn Grundlage des Gewerbeertrags. Liegt ein Gewerbebetrieb aufgrund der Regelung in \u00a7 2 Abs. 2 Satz 1 GewStG vor, hat die Vorschrift des \u00a7 7 GewStG zur Folge, da\u00df der Gewerbeertrag nach denselben Grunds\u00e4tzen zu ermitteln ist wie der Gewinn, der bei den ersten drei Einkunftsarten im Sinne des \u00a7 2 Abs. 1 EStG Bemessungsgrundlage ist (\u00a7 2 Abs. 1 EStG). Aus \u00a7 7 GewStG ergibt sich nicht, da\u00df f\u00fcr die Annahme eines Gewerbebetriebes die Voraussetzungen einer der sieben Einkunftsarten bzw. einer der drei ersten der sieben Einkunftsarten vorliegen m\u00fcssen. Die Vorschrift regelt lediglich die Ermittlungsmethode f\u00fcr den Gewerbeertrag f\u00fcr den Fall, da\u00df ein Gewerbebetrieb vorliegt. Bei einer Kapitalgesellschaft, die aufgrund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet ist, B\u00fccher zu f\u00fchren und regelm\u00e4\u00dfige Abschl\u00fcsse zu machen, bedeutet dies, da\u00df der Gewerbeertrag gem\u00e4\u00df \u00a7 8 Abs. 1 und 2 KStG 1984 i.V.m. \u00a7 5 und \u00a7 4 Abs. 1 EStG im Wege des Bestandvergleichs zu ermitteln ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 22.8.1990 (I R 67\/88) BStBl. 1991 II S. 250 Die T\u00e4tigkeit einer Kapitalgesellschaft gilt i.S. des Gewerbesteuerrechts auch dann in vollem Umfang als Gewerbebetrieb, wenn die T\u00e4tigkeit nicht unter eine der sieben Einkunftsarten des \u00a7 2 Abs. 1 EStG f\u00e4llt. GewStG \u00a7 2, \u00a7 7. 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