{"id":53972,"date":"1991-08-28T18:09:40","date_gmt":"1991-08-28T16:09:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=53972"},"modified":"2013-08-02T18:23:06","modified_gmt":"2013-08-02T16:23:06","slug":"bfh-zwischenurteil-vom-28-8-1991-i-r-37_91-bstbl-1992-ii-s-282","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-zwischenurteil-vom-28-8-1991-i-r-37_91-bstbl-1992-ii-s-282\/","title":{"rendered":"BFH-Zwischenurteil vom    28.8.1991 (I R 37\/91) BStBl. 1992 II S. 282"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Zwischenurteil vom 28.8.1991 (I R 37\/91) BStBl. 1992 II S. 282<\/strong><\/p>\n<p>Die Revision kann auch dann zul\u00e4ssig sein, wenn auf dem Briefbogen des Schreibens, mit dem sie eingelegt wurde, eine Wirtschaftspr\u00fcfungs- und Steuerberatungsgesellschaft angef\u00fchrt ist.<\/p>\n<p>BFHEntlG Art. 1 Nr. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: Nieders\u00e4chsisches FG<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>Die die K\u00f6rperschaftsteuer der Jahre 1976 bis 1980 betreffende Klage der Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) wurde vom Finanzgericht (FG) als unbegr\u00fcndet abgewiesen. Das Urteil des FG wurde der Kl\u00e4gerin am 14. M\u00e4rz 1991 zugestellt. Mit einem beim FG am 9. April 1991 eingegangenen Schriftsatz wurde gegen das Urteil Revision eingelegt.<\/p>\n<p>Der Schriftsatz tr\u00e4gt im Briefkopf die Bezeichnung: &#8222;X-Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft und Steuerberatungsgesellschaft&#8220;. In ihm werden als Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigte genannt: &#8222;Steuerberater Dipl.-Kfm. H und Rechtsanwalt Wirtschaftspr\u00fcfer Steuerberater G im Hause X &#8230;.&#8220;. Der Schriftsatz ist in der Wir-Form gehalten (&#8222;Im Auftrag und in Vollmacht der Revisionskl\u00e4gerin legen wir &#8230;.&#8220;) und von H und G unterschrieben. Den Unterschriften ist kein Firmenzusatz vorangesetzt. Unter den Unterschriften sind Vor- und Zuname der Unterzeichnenden maschinenschriftlich wiederholt. H und G geh\u00f6ren nicht zu den Personen, die in der Fu\u00dfleiste des Briefbogens als Vorstandsmitglieder der X ausgewiesen sind. Die beigef\u00fcgte Vollmacht ist auf H und G je einzeln pers\u00f6nlich ausgestellt.<\/p>\n<p>Mit dem beim Bundesfinanzhof (BFH) am 13. Mai 1991 eingegangenen Schriftsatz wurde beantragt, die Revisionsbegr\u00fcndungsfrist um einen Monat zu verl\u00e4ngern. Der Schriftsatz entspricht in seinem Aufbau grunds\u00e4tzlich dem beim FG am 9. April 1991 eingegangenen Schriftsatz, lediglich \u00fcber den Unterschriften findet sich der Zusatz: &#8222;X-Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft und Steuerberatungsgesellschaft&#8220;. Nach der vom Vorsitzenden des erkennenden Senats unterzeichneten Verf\u00fcgung vom 14. Mai 1991 wurde die Frist zur Begr\u00fcndung der Revision bis zum &#8222;20. 6. 1991&#8220; verl\u00e4ngert. Auf der den Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigten zugegangenen Ausfertigung hei\u00dft es, da\u00df die Frist zur Begr\u00fcndung der Revision bis zum 26. Juni 1991 verl\u00e4ngert wird. Dies ergibt sich aus der von der Kl\u00e4gerin vorgelegten Ablichtung der Ausfertigung. Der die Revisionsbegr\u00fcndung enthaltende Schriftsatz ging am 25. Juni 1991 beim BFH ein. Er entspricht im Aufbau dem Schriftsatz, mit dem die Verl\u00e4ngerung der Revisionsbegr\u00fcndungsfrist beantragt wurde.<\/p>\n<p>Mit Schreiben des Vorsitzenden des erkennenden Senats vom 8. Juli 1991 wurde die Kl\u00e4gerin darauf hingewiesen, da\u00df die Revisionsbegr\u00fcndung versp\u00e4tet eingegangen sei. Mit einem am 17. Juni 1991 beim BFH eingegangenen Schriftsatz macht die Kl\u00e4gerin geltend, da\u00df die Frist zur Begr\u00fcndung der Revision nach dem Schreiben des Vorsitzenden des erkennenden Senats bis zum 26. Juni 1991 verl\u00e4ngert worden sei. In einem nach dem Eingang dieses Schriftsatzes mit der Gesch\u00e4ftsstelle des erkennenden Senats gef\u00fchrten Telefongespr\u00e4ch wurden die Kl\u00e4gervertreter auf die Abweichung zwischen der Verf\u00fcgung des Vorsitzenden des erkennenden Senats und der Ausfertigung hingewiesen. Mit einem am 19. Juli 1991 beim BFH eingegangenen Schriftsatz beantragt die Kl\u00e4gerin wegen der Vers\u00e4umung der Revisionsbegr\u00fcndungsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>Die Revision ist zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Die Revision wurde wirksam eingelegt.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin war bei der Einlegung der Revision ordnungsgem\u00e4\u00df durch einen Angeh\u00f6rigen der in Art. 1 Nr. 1 des Gesetzes zur Entlastung des Bundesfinanzhofs (BFHEntlG) vom 8. Juli 1975 (BGBl I 1975, 1861, BStBl I 1975, 932) i. d. F. des Gesetzes vom 22. Dezember 1989 (BGBl I 1989, 2204, BStBl I 1990, 8) aufgef\u00fchrten Berufsgruppen vertreten. Ein Vertreter war Steuerberater; der andere Rechtsanwalt, Steuerberater und Wirtschaftspr\u00fcfer.<\/p>\n<p>Eine von einer Steuerberatungsgesellschaft bzw. Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft eingelegte Revision ist unzul\u00e4ssig (vgl. BFH-Beschlu\u00df vom 9. November 1988 II R 20\/86, BFHE 155, 23, BStBl II 1989, 109, m. w. N.).<\/p>\n<p>Im Streitfall wurde die Revision nicht von einer Steuerberatungs- bzw. Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft eingelegt. Dem steht nicht entgegen, da\u00df sie auf einem Briefbogen eingelegt wurde, in dessen Kopf eine Wirtschaftspr\u00fcfungs- und Steuerberatungsgesellschaft angef\u00fchrt ist. Entscheidend ist, da\u00df H und G in dem Schreiben als Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigte bezeichnet wurden, sich die Wir-Form des Schriftsatzes auf H und G bezieht und H und G den Schriftsatz unterzeichnet haben.<\/p>\n<p>Dem steht die bisherige Rechtsprechung des BFH nicht entgegen. Soweit diese Revisionen als unzul\u00e4ssig ansah, waren dabei Umst\u00e4nde gegeben, die im Streitfall nicht vorliegen.<\/p>\n<p>Die Unterschriften waren mit dem Zusatz &#8230;. Gesellschaft versehen (BFH-Beschl\u00fcsse vom 25. Mai 1990 X B 162\/89, BFH\/NV 1991, 259; vom 3. April 1991 X R 166\/90, BFH\/NV 1991, 471; vom 10. Januar 1989 V B 158\/88, BFH\/NV 1990, 792; vom 6. November 1987 V B 129\/87, BFH\/NV 1988, 321; vom 19. August 1987 VIII R 18\/87, BFH\/NV 1988, 253; vom 26. September 1986 IV R 69\/86, BFH\/NV 1988, 178; vom 4. Dezember 1985 II B 67\/85, BFH\/NV 1988, 107; vom 24. Juni 1986 VII R 29\/85, BFH\/NV 1987, 181; vom 30. April 1986 VIII R 199-201\/85, BFH\/NV 1986, 691, und vom 18. Februar 1986 IV B 15\/86, BFH\/NV 1986, 627).<\/p>\n<p>Die Schrifts\u00e4tze wurden von einer Person unterzeichnet, die Vorstandsmitglied bzw. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gesellschaft ist, die im Briefkopf genannt ist (BFH-Beschl\u00fcsse in BFH\/NV 1990, 792; vom 19. M\u00e4rz 1990 VIII R 64\/89, BFH\/NV 1990, 795; vom 21. Dezember 1988 VIII R 173\/84, BFH\/NV 1989, 449; vom 23. Dezember 1988 III B 121\/88, BFH\/NV 1989, 534; vom 18. Januar 1989 II B 206\/88, BFH\/NV 1989, 798; vom 2. M\u00e4rz 1988 X B 101\/87, BFH\/NV 1988, 588; vom 8. August 1986 VIII R 64\/85, BFH\/NV 1987, 182; vom 20. Januar 1987 VI R 28\/86, BFH\/NV 1987, 387; in BFH\/NV 1987, 181; vom 25. Juni 1985 VIII R 82\/84, BFH\/NV 1986, 38; vom 26. Juni 1986 VIII B 57\/85, BFH\/NV 1986, 756, und vom 11. Dezember 1985 I R 167\/85, BFH\/NV 1986, 420).<\/p>\n<p>Die Verwendung der Wir-Form wurde als Begr\u00fcndung f\u00fcr die Unzul\u00e4ssigkeit in F\u00e4llen angef\u00fchrt, in denen entweder nicht mehrere nat\u00fcrliche Personen als Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigte in Betracht kamen bzw. in denen die Unterzeichner auch gesetzliche Vertreter der im Briefkopf genannten Gesellschaft waren (BFH-Beschl\u00fcsse vom 16. November 1989 V B 51\/89, BFH\/NV 1990, 254; in BFH\/NV 1987, 387; vom 29. November 1985 III R 161\/85, BFH\/NV 1987, 113; in BFH\/NV 1986, 420, und in BFHE 155, 23, BStBl II 1989, 109).<\/p>\n<p>Der Streitfall ist mit dem Sachverhalt vergleichbar, aufgrund dessen der Beschlu\u00df des BFH vom 13. M\u00e4rz 1986 IV R 118\/84 (BFH\/NV 1986, 466) die Revision zulie\u00df. Die Verwendung des Briefkopfs einer Steuerberatungsgesellschaft mbH stand der Zulassung der Revision nicht entgegen, weil nicht die GmbH, sondern eine nat\u00fcrliche Person als Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigte genannt wurde. Die Wir-Form konnte auf mehrere Kl\u00e4ger bezogen werden; im vorliegenden Streitfall kann die Wir-Form darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, da\u00df die Kl\u00e4gerin von mehreren Personen vertreten wird.<\/p>\n<p>Der Senat weicht mit seiner Entscheidung nicht von dem BFH-Beschlu\u00df in BFHE 155, 23, BStBl II 1989, 109 ab; denn in dem dort entschiedenen Fall bestand nicht die Besonderheit, da\u00df nat\u00fcrliche Personen als Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigte bezeichnet wurden.<\/p>\n<p>Die Revision wurde innerhalb der hierf\u00fcr ma\u00dfgebenden Frist begr\u00fcndet. Die der Kl\u00e4gerin bzw. ihren Vertretern zugegangene Ausfertigung der Verf\u00fcgung betreffend die Fristverl\u00e4ngerung weicht in einem wesentlichen Punkt von der Urschrift ab, womit die Zustellung der Verf\u00fcgung grunds\u00e4tzlich nicht wirksam w\u00e4re (vgl. Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211; BGH &#8211; vom 20. April 1967 VII ZR 280\/64, Monatsschrift f\u00fcr Deutsches Recht &#8211; MDR &#8211; 1967, 834). Nach der Rechtsprechung ist jedoch bei der Entscheidung \u00fcber Fristverl\u00e4ngerungsantr\u00e4ge bei Abweichungen der Fristverl\u00e4ngerung lt. Ausfertigung von der tats\u00e4chlichen Fristverl\u00e4ngerung in der Urschrift zugunsten des Antragstellers davon auszugehen, da\u00df die Frist lt. Ausfertigung ma\u00dfgebend ist (BGH-Urteil vom 27. M\u00e4rz 1963 VIII ZR 186\/61, MDR 1963, 588, und Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 16. Januar 1979 6 AZR 683\/76, Betriebs-Berater 1979, 1772). Da nach der Ausfertigung der Verf\u00fcgung die Frist entgegen der Urschrift nicht am 20. Juni 1991, sondern am 26. Juni 1991 ablief, war der 26. Juni 1991 ma\u00dfgebend. Der Schriftsatz, mit dem die Kl\u00e4gerin die Revision begr\u00fcndete, ist am 25. Juni 1991 beim BFH eingegangen.<\/p>\n<p>Die Revision ist wirksam begr\u00fcndet. Art. 1 Nr. 1 BFHEntlG gilt zwar auch f\u00fcr die Revisionsbegr\u00fcndungsschrift (vgl. BFH-Beschlu\u00df vom 28. Juli 1982 V R 64\/82, BFHE 136, 199, BStBl II 1982, 641). Die Revisionsbegr\u00fcndungsschrift erf\u00fcllt die Voraussetzungen des Art. 1 Nr. 1 BFHEntlG. Dem steht nicht entgegen, da\u00df sie insoweit von dem Schriftsatz, mit dem die Revision eingelegt wurde, abweicht, als \u00fcber den Unterschriften der Zusatz angebracht ist: &#8222;X-Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft und Steuerberatungsgesellschaft&#8220;. Entscheidend ist n\u00e4mlich, da\u00df in der Revisionsbegr\u00fcndungsschrift H und G als Proze\u00dfbevollm\u00e4chtigte bezeichnet wurden und H und G nicht Vorstandsmitglieder der Gesellschaft waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Zwischenurteil vom 28.8.1991 (I R 37\/91) BStBl. 1992 II S. 282 Die Revision kann auch dann zul\u00e4ssig sein, wenn auf dem Briefbogen des Schreibens, mit dem sie eingelegt wurde, eine Wirtschaftspr\u00fcfungs- und Steuerberatungsgesellschaft angef\u00fchrt ist. BFHEntlG Art. 1 Nr. 1. 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