{"id":5440,"date":"2012-09-28T00:00:00","date_gmt":"2012-09-27T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=5440"},"modified":"2012-11-23T12:42:54","modified_gmt":"2012-11-23T10:42:54","slug":"iii-b-36-12-rechtsmittel-materielle-richtigkeit-eines-bescheids-wirksamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-36-12-rechtsmittel-materielle-richtigkeit-eines-bescheids-wirksamkeit\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;36\/12 &#8211; Rechtsmittel &#8211; materielle Richtigkeit eines Bescheids &#8211; Wirksamkeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.9.2012, III B 36\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Rechtsmittel &#8211; materielle Richtigkeit eines Bescheids &#8211; Wirksamkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) wurde f&uuml;r ihre Tochter (T) (geboren am 2.&nbsp;Oktober 1987) bis Dezember 2010 laufend Kindergeld gezahlt. Mit Bescheid vom 23.&nbsp;M&auml;rz 2011 hob die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r T ab Januar 2008 auf und forderte den &uuml;berzahlten Betrag zur&uuml;ck. Ein Schreiben der Kl&auml;gerin vom 5.&nbsp;Mai 2011, in dem sie um r&uuml;ckwirkende Wiederaufnahme der Zahlungen bat, wertete die Familienkasse als Einspruch, verwarf diesen jedoch als unzul&auml;ssig. Zuvor hatte die Kl&auml;gerin auf den Hinweis der Verfristung lediglich mitgeteilt, der versp&auml;tete Einspruch habe seinen Grund in ihrer Unachtsamkeit und der Absicht, das Schreiben auch f&uuml;r eine weitere Tochter zu verfassen. Bei Erhebung der Klage gab die Kl&auml;gerin an, der Bescheid vom 23.&nbsp;M&auml;rz 2011 liege ihr zwar nicht vor, sie k&ouml;nne jedoch nicht ausschlie&szlig;en, ihn erhalten zu haben. Bei Vorlage des Ablehnungsbescheids vom 23.&nbsp;M&auml;rz 2011 in einem Er&ouml;rterungstermin bestritt die Kl&auml;gerin schlie&szlig;lich, diesen Bescheid erhalten zu haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage als unbegr&uuml;ndet ab. Das Gericht hatte keine Zweifel, dass der Bescheid vom 23.&nbsp;M&auml;rz 2011 &#8211;wie in der Akte dokumentiert&#8211; von der Familienkasse am Folgetag zur Post aufgegeben worden war. Es war zudem davon &uuml;berzeugt, dass die Kl&auml;gerin diesen Bescheid auch tats&auml;chlich erhalten hatte. Damit kam das FG zu dem Ergebnis, das als Einspruch zu wertende Schreiben der Kl&auml;gerin vom 5.&nbsp;Mai 2011 sei verfristet und der Ablehnungsbescheid deshalb bestandskr&auml;ftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Nichtzulassungsbeschwerde macht die Kl&auml;gerin geltend, das Urteil des FG sei rechts- und ermessensfehlerhaft. Zudem sei die Frage von grunds&auml;tzlicher Bedeutung, welche Rolle die materielle Begr&uuml;ndetheit eines Bescheids spiele.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und wird durch Beschluss verworfen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Kl&auml;gerin hat keinen Zulassungsgrund i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO in der nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO gebotenen Weise dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. In der Rechtsprechung ist gekl&auml;rt, dass der Beweis des Zugangs eines mit einfachem Brief versandten Bescheids auf Indizien gest&uuml;tzt und im Wege der freien Beweisw&uuml;rdigung nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 FGO gef&uuml;hrt werden kann (z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 3.&nbsp;M&auml;rz 1993 II&nbsp;R&nbsp;11\/90, BFH\/NV 1994, 141; vom 14.&nbsp;M&auml;rz 1989 VII&nbsp;R&nbsp;75\/85, BFHE 156, 66, BStBl II 1989, 534; BFH-Beschl&uuml;sse vom 26.&nbsp;Oktober 1998 X&nbsp;B&nbsp;117\/98, BFH\/NV 1999, 450; vom 4.&nbsp;November 2008 I&nbsp;B&nbsp;106\/08, Zeitschrift f&uuml;r Steuern &#038; Recht 2009, R&nbsp;40; Senatsbeschluss vom 15.&nbsp;April 2011 III&nbsp;B&nbsp;200\/10, BFH\/NV 2011, 1291).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit sich die Kl&auml;gerin nach Art einer Revisionsbegr&uuml;ndung gegen die vom FG vorgenommene &#8211;und ihrer Ansicht nach unzutreffende&#8211; Sachverhalts- und Beweisw&uuml;rdigung wendet, macht sie keinen Zulassungsgrund i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO geltend. Die Sachverhalts- und Beweisw&uuml;rdigung sind revisionsrechtlich dem materiellen Recht zuzuordnen (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 22.&nbsp;April 2008 VIII&nbsp;B&nbsp;96\/07, BFH\/NV 2008, 1472; vom 16.&nbsp;April 2008 III&nbsp;B&nbsp;100\/07, BFH\/NV 2008, 1358). Mit Einwendungen gegen die materielle Richtigkeit des Urteils einschlie&szlig;lich der W&uuml;rdigung der tats&auml;chlichen Umst&auml;nde des Einzelfalls kann die Zulassung der Revision grunds&auml;tzlich nicht begr&uuml;ndet werden <br \/><\/br>(z.B. BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;November 2010 VII&nbsp;B&nbsp;60\/10, BFH\/NV 2011, 869).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die von der Kl&auml;gerin ger&uuml;gte fehlerhafte Tatsachen- und Beweisw&uuml;rdigung stellt auch keinen offensichtlichen Rechtsanwendungsfehler von erheblichem Gewicht im Sinne einer willk&uuml;rlichen oder greifbar gesetzwidrigen Entscheidung dar, der zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO die Zulassung der Revision erfordern w&uuml;rde (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 30.&nbsp;M&auml;rz 2007 XI&nbsp;B&nbsp;177\/06, BFH\/NV 2007, 1340; vom 14.&nbsp;Februar 2002 VII&nbsp;B&nbsp;141\/01, BFH\/NV 2002, 798, und vom 28.&nbsp;Juni 2002 III&nbsp;B&nbsp;28\/02, BFH\/NV 2002, 1474, jeweils m.w.N.). Hierf&uuml;r ergibt sich weder aus der Beschwerdebegr&uuml;ndung noch aus den Akten ein Anhaltspunkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) kommt ebenfalls nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In &sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) ist festgelegt, dass ein Verwaltungsakt mit dem bekanntgegebenen Inhalt wirksam wird und dies auch bleibt, solange und soweit er nicht aufgehoben oder durch Zeitablauf oder auf andere Weise erledigt ist. Dies gilt grunds&auml;tzlich auch f&uuml;r rechtswidrige bzw. fehlerhafte Verwaltungsakte mit Ausnahme des nichtigen Verwaltungsakts (&sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;3 AO). Es ist gekl&auml;rt, dass es nach der Entscheidung des Gesetzgebers grunds&auml;tzlich Sache des Steuerpflichtigen ist, seine Rechte durch Einlegung von Rechtsbehelfen bzw. Rechtsmitteln selbst zu wahren (z.B. Senatsbeschluss vom 26.&nbsp;M&auml;rz 2009 III&nbsp;B&nbsp;255\/08, BFH\/NV 2009, 1258, m.w.N.). Dem Betroffenen wird also zugemutet, sich zur Wehr zu setzen, wenn er einen Verwaltungsakt f&uuml;r fehlerhaft h&auml;lt (G&uuml;roff in Beermann\/Gosch, AO &sect;&nbsp;124 Rz&nbsp;12). Die Fristen, innerhalb derer er dies tun muss, um den Eintritt der Bestandskraft zu verhindern, sind gesetzlich geregelt. So muss ein Einspruch innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Verwaltungsakts eingelegt werden (&sect;&nbsp;355 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO). Die materielle Richtigkeit eines Bescheids spielt danach weder bei der Beurteilung der &#8211;den Zugang voraussetzenden&#8211; Bekanntgabe noch bei der daran ankn&uuml;pfenden Berechnung einer Rechtsbehelfs- oder Rechtsmittelfrist eine Rolle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin legt nicht dar, aus welchem Grund gleichwohl eine Entscheidung des BFH dar&uuml;ber erforderlich sei, welche Bedeutung dem Umstand zukommt, dass ein bestandskr&auml;ftiger Bescheid &#8211;wie nach Darstellung der Kl&auml;gerin der Aufhebungsbescheid vom 23.&nbsp;M&auml;rz 2011&#8211; materiell-rechtlich zu Unrecht ergangen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.9.2012, III B 36\/12 Rechtsmittel &#8211; materielle Richtigkeit eines Bescheids &#8211; Wirksamkeit Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) wurde f&uuml;r ihre Tochter (T) (geboren am 2.&nbsp;Oktober 1987) bis Dezember 2010 laufend Kindergeld gezahlt. Mit Bescheid vom 23.&nbsp;M&auml;rz 2011 hob die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r T ab Januar &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-36-12-rechtsmittel-materielle-richtigkeit-eines-bescheids-wirksamkeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;B&nbsp;36\/12 &#8211; Rechtsmittel &#8211; materielle Richtigkeit eines Bescheids &#8211; Wirksamkeit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-5440","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5440","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5440"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5440\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}