{"id":5456,"date":"2012-09-24T00:00:00","date_gmt":"2012-09-23T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=5456"},"modified":"2012-11-23T12:40:23","modified_gmt":"2012-11-23T10:40:23","slug":"vi-b-79-12-par-74-fgo-aussetzung-des-verfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-79-12-par-74-fgo-aussetzung-des-verfahrens\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;79\/12 &#8211; &sect; 74 FGO &#8211; Aussetzung des Verfahrens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 24.9.2012, VI B 79\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">&sect; 74 FGO &#8211; Aussetzung des Verfahrens<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Feststellung eines Verlustvortrags aufgrund vorweggenommener Werbungskosten f&uuml;r eine erstmalige Berufsausbildung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) absolvierte in den Streitjahren 2007 und 2008 eine Ausbildung zum Verkehrsflugzeugf&uuml;hrer. Die daraus entstandenen Kosten machte er in seinen Einkommensteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Streitjahre als vorweggenommene Werbungskosten geltend. Mit Bescheiden vom 27.&nbsp;Mai 2010 und 31.&nbsp;Mai 2010 lehnte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Feststellung eines verbleibenden Verlustvortrags auf den 31.&nbsp;Dezember 2007 und den 31.&nbsp;Dezember 2008 ab. Hiergegen legte der Kl&auml;ger am 16.&nbsp;Juni 2010 jeweils Einspruch ein und beantragte, das Verfahren bis zur Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) &uuml;ber das dort anh&auml;ngige Revisionsverfahren VI&nbsp;R&nbsp;22\/09 ruhen zu lassen. Diesem Antrag entsprach das FA.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem zwei andere Musterverfahren vom BFH entschieden worden waren, beantragte der Kl&auml;ger mit Schriftsatz vom 17.&nbsp;September 2011 die Fortsetzung des Einspruchsverfahrens. Daraufhin teilte ihm das FA mit, dass aufgrund verwaltungsinterner Anweisung die Abstimmung &uuml;ber die Anwendung der BFH-Entscheidungen auf Bundesebene abgewartet werden solle. Am 14.&nbsp;Dezember 2011 erhob der Kl&auml;ger Klage. Die Einspr&uuml;che vom 16.&nbsp;Juni 2010 wurden mit Einspruchsentscheidung vom 26.&nbsp;M&auml;rz 2012 zur&uuml;ckgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 4.&nbsp;April 2012 regte die Berichterstatterin an, das Verfahren ruhen zu lassen, bis der BFH &uuml;ber die anh&auml;ngigen Revisionsverfahren VI&nbsp;R&nbsp;2\/12 und VI&nbsp;R&nbsp;8\/12 entschieden habe. Zugleich gab sie den Beteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme zur m&ouml;glichen Aussetzung des Verfahrens von Amts wegen. Im Gegensatz zum FA stimmte der Kl&auml;ger weder dem Ruhen noch der Aussetzung des Verfahrens zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschluss vom 10.&nbsp;Mai 2012 setzte das Finanzgericht (FG) das Verfahren in entsprechender Anwendung des &sect;&nbsp;74 der Finanzgerichtsordnung (FGO) bis zum Ergehen der Entscheidungen des BFH in den Verfahren VI&nbsp;R&nbsp;2\/12 und VI&nbsp;R&nbsp;8\/12 aus. Denn die genannten Verfahren h&auml;tten u.a. auch die im vorliegenden Rechtsstreit entscheidungserhebliche Frage zum Gegenstand, ob Aufwendungen f&uuml;r die berufliche Erstausbildung als Werbungskosten zu ber&uuml;cksichtigen seien und die &sect;&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;6, 12 Nr.&nbsp;5, 52 Abs.&nbsp;23d und 30a des Einkommensteuergesetzes i.d.F. des Beitreibungsrichtlinie-Umsetzungsgesetzes vom 7.&nbsp;Dezember 2011 mit der Verfassung vereinbar seien. Im Hinblick auf die Entlastungsfunktion des &sect;&nbsp;74 FGO sei deshalb die Aussetzung des vorliegenden Rechtsstreits geboten. Dadurch w&uuml;rden auch die Interessen des Kl&auml;gers gewahrt. Denn eine Entscheidung des Senats k&ouml;nne den Rechtsstreit nicht beenden. Vielmehr sei damit zu rechnen, dass der unterlegene Beteiligte ein Revisionsverfahren anstrenge. Deshalb vermeide die Aussetzung des Verfahrens weitere Kosten f&uuml;r die Beteiligten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen den ihm am 16.&nbsp;Mai 2012 zugegangenen Beschluss erhob der Kl&auml;ger am 25.&nbsp;Mai 2012 Beschwerde zum BFH. Er begehrt die Aufhebung des angegriffenen Beschlusses, da die Voraussetzungen f&uuml;r eine Aussetzung des Verfahrens nach &sect;&nbsp;74 FGO nicht vorl&auml;gen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG beschloss am 13.&nbsp;Juli 2012, dass der Beschwerde nicht abgeholfen werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Das FG hat das Klageverfahren zu Unrecht ausgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;74 FGO kann ein FG die Aussetzung eines bei ihm anh&auml;ngigen Verfahrens anordnen, wenn die Entscheidung des Rechtsstreits ganz oder zum Teil von dem Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverh&auml;ltnisses abh&auml;ngt, das den Gegenstand eines anderen anh&auml;ngigen Rechtsstreits bildet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus kommt nach der Rechtsprechung des BFH eine Aussetzung des Klageverfahrens entsprechend &sect;&nbsp;74 FGO in Betracht, wenn vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) bereits ein nicht als aussichtslos erscheinendes Musterverfahren gegen eine im Streitfall anzuwendende Norm anh&auml;ngig ist, zahlreiche Parallelverfahren vorliegen und keiner der Verfahrensbeteiligten ein besonderes berechtigtes Interesse an einer Entscheidung &uuml;ber die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der umstrittenen gesetzlichen Regelung trotz des beim BVerfG anh&auml;ngigen Verfahrens hat (BFH-Beschluss vom 28.&nbsp;Juni 2010 III&nbsp;B&nbsp;73\/10, BFH\/NV 2010, 1847, m.w.N.). Ein Klageverfahren darf jedoch nicht allein deshalb nach &sect;&nbsp;74 FGO ausgesetzt werden, weil bei dem BFH ein anderer Rechtsstreit anh&auml;ngig ist, der eine vergleichbare Rechtsfrage betrifft oder als Musterverfahren gef&uuml;hrt wird (z.B. BFH-Entscheidungen in BFH\/NV 2010, 1847; vom 6.&nbsp;Mai 2005 XI&nbsp;B&nbsp;181\/04, BFH\/NV 2005, 1607; vom 9.&nbsp;M&auml;rz 2004 X&nbsp;B&nbsp;173\/03, BFH\/NV 2004, 956; vom 28.&nbsp;Januar 2004 I&nbsp;B&nbsp;71\/03&nbsp;u.a., BFH\/NV 2004, 915; vom 31.&nbsp;August 1999 V&nbsp;B&nbsp;20\/98, BFH\/NV 2000, 245; vom 7.&nbsp;Februar 1992 III&nbsp;B&nbsp;24\/91&nbsp;u.a., BFHE 166, 418, BStBl II 1992, 408; vom 8.&nbsp;Juni 1990 III&nbsp;R&nbsp;41\/90, BFHE 161, 1, BStBl II 1990, 944, und vom 21.&nbsp;August 1986 VI&nbsp;B&nbsp;91\/85, BFH\/NV 1987, 43; Th&uuml;rmer in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;74 FGO Rz&nbsp;90; Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;74 FGO Rz&nbsp;14; St&ouml;cker in Beermann\/Gosch, FGO &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;5&nbsp;f.; offen BFH-Entscheidungen vom 1.&nbsp;April 2009 II&nbsp;B&nbsp;20\/09, juris, und vom 15.&nbsp;M&auml;rz 2006 X&nbsp;B&nbsp;8\/06, BFH\/NV 2006, 1140; a.A. Gr&auml;ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;12; Dumke in Schwarz, FGO &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;61). In einem solchen Fall k&ouml;nnen vielmehr beim FG schwebende Parallelverfahren nur gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;251 der Zivilprozessordnung i.V.m. &sect;&nbsp;155 FGO zum Ruhen gebracht werden, wozu es jedoch u.a. der &#8211;im vorliegenden Fall fehlenden&#8211; Zustimmung des Kl&auml;gers bedarf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Danach lagen die Voraussetzungen f&uuml;r eine Aussetzung des Verfahrens nicht vor. Weder hat das FG ein vor dem BVerfG anh&auml;ngiges Musterverfahren gegen eine im Streitfall anzuwendende Norm bezeichnet noch ist ein solches ersichtlich. Allein der Hinweis auf vor dem BFH bereits anh&auml;ngige Verfahren, die die gleiche streitige Rechtsfrage betreffen, reicht f&uuml;r eine Aussetzung nach &sect;&nbsp;74 FGO nicht aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Kostenentscheidung war nicht zu treffen, da es sich um ein unselbst&auml;ndiges Zwischenverfahren handelt (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2010, 1847, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 24.9.2012, VI B 79\/12 &sect; 74 FGO &#8211; Aussetzung des Verfahrens Tatbestand 1&nbsp; I. 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