{"id":54567,"date":"2013-07-24T16:15:42","date_gmt":"2013-07-24T14:15:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=54567"},"modified":"2013-07-24T16:15:42","modified_gmt":"2013-07-24T14:15:42","slug":"x-b-233-12-verfassungsmaessigkeit-des-typisierenden-zinssatzes-von-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-233-12-verfassungsmaessigkeit-des-typisierenden-zinssatzes-von-6-2\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;233\/12 &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des typisierenden Zinssatzes von 6%"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.5.2013, X B 233\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des typisierenden Zinssatzes von 6%<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) sind der Auffassung, die Rechtsfrage, ob der durch &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) auf 0,5&nbsp;% pro Monat festgelegte gesetzliche Zinssatz f&uuml;r Zinszahlungszeitr&auml;ume ab 2009 den verfassungsrechtlichen Anforderungen an eine Typisierung standhalte, sei von grunds&auml;tzlicher Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es bestehen bereits Zweifel, ob die Begr&uuml;ndung der von den Kl&auml;gern erhobenen Nichtzulassungsbeschwerde die gesetzlichen Darlegungsanforderungen des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) erf&uuml;llt. Denn sie setzt sich sowohl mit den vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) entwickelten allgemeinen Anforderungen an gesetzliche Typisierungen als auch mit der bisher ergangenen Rechtsprechung zur Zul&auml;ssigkeit der in &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO getroffenen Typisierung allenfalls oberfl&auml;chlich auseinander.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Letztlich kann dies aber offenbleiben, da die Beschwerde jedenfalls unbegr&uuml;ndet ist. Die von den Kl&auml;gern aufgeworfene Rechtsfrage ist nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, so dass sie nicht zur Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO f&uuml;hren kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das BVerfG hat &#8211;bezogen auf die Zinszahlungszeitr&auml;ume 2003 bis 2006&#8211; zu der gesetzlichen Typisierung ausgef&uuml;hrt (Beschluss vom 3.&nbsp;September 2009&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;2539\/07, BFH\/NV 2009, 2115, unter III.1.b&nbsp;bb): &quot;Indem der Gesetzgeber im Interesse der Praktikabilit&auml;t und der Verwaltungsvereinfachung den auszugleichenden Zinsvorteil und -nachteil typisierend auf 0,5&nbsp;% pro Monat festgesetzt hat, ist dies jedenfalls rechtsstaatlich unbedenklich und stellt insbesondere keinen Versto&szlig; gegen das aus dem Rechtsstaatsprinzip folgende &Uuml;berma&szlig;verbot dar. Nach der Absicht des Gesetzgebers soll der konkrete Zinsvorteil oder -nachteil f&uuml;r den Einzelfall nicht ermittelt werden m&uuml;ssen. Eine Anpassung an den jeweiligen Marktzinssatz oder an den Basiszinssatz nach &sect;&nbsp;247 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) w&uuml;rde wegen dessen Schwankungen auch zu erheblichen praktischen Schwierigkeiten f&uuml;hren, da im Einzelnen f&uuml;r die Vergangenheit festgestellt werden m&uuml;sste, welche Zinss&auml;tze f&uuml;r den jeweiligen Zinszeitraum zugrunde zu legen w&auml;ren (vgl. BTDrucks 8\/1410, S.&nbsp;13). In vielen F&auml;llen ist eine solche Ermittlung gar nicht m&ouml;glich, weil es von subjektiven Entscheidungen des Steuerpflichtigen abh&auml;ngt, in welcher Weise er Steuernachzahlungen finanziert oder das noch nicht zu Steuerzahlungen ben&ouml;tigte Kapital verwendet. Zudem ist auch bei der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitspr&uuml;fung zu ber&uuml;cksichtigen, dass der hohe Zinssatz des &sect;&nbsp;233a in Verbindung mit &sect;&nbsp;238 AO gleicherma&szlig;en zugunsten wie zulasten des Steuerpflichtigen wirkt.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die vom BVerfG herangezogenen Erw&auml;gungen gelten gleicherma&szlig;en auch f&uuml;r Zinszahlungszeitr&auml;ume ab 2009. Auch hier w&auml;re eine Ermittlung der jeweiligen Marktzinss&auml;tze mit erheblichen praktischen Schwierigkeiten verbunden; der gesetzliche Zinssatz gilt weiterhin sowohl zugunsten als auch zulasten des Steuerpflichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Soweit der Kl&auml;ger meint, f&uuml;r den Vergleich mit dem gesetzlichen Zinssatz des &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO sei ausschlie&szlig;lich der jeweils aktuelle Zinssatz f&uuml;r Festgeldanlagen heranzuziehen, trifft dies nicht zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bereits das BVerfG hat in der oben zitierten Entscheidung ausgef&uuml;hrt, es sei von subjektiven Entscheidungen des Steuerpflichtigen abh&auml;ngig, in welcher Weise er Steuernachzahlungen finanziere oder das noch nicht zu Steuerzahlungen ben&ouml;tigte Kapital verwende. Daraus folgt, dass sowohl der Anlagezinssatz (Verwendung von Kapital) als auch der Darlehenszinssatz (Finanzierung von Steuernachzahlungen) f&uuml;r einen Vergleich mit dem Zinssatz des &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO geeignet sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In diesem Zusammenhang weist das Finanzgericht zutreffend darauf hin, dass auch in den Jahren ab 2009 die gesetzlichen Verzugszinsen nach &sect;&nbsp;288 Abs.&nbsp;1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211; (f&uuml;nf Prozentpunkte &uuml;ber dem Basiszinssatz) und &sect;&nbsp;288 Abs.&nbsp;2 BGB (acht Prozentpunkte &uuml;ber dem Basiszinssatz) sowie die bank&uuml;blichen Sollzinsen f&uuml;r Dispositionskredite &uuml;ber bzw. jedenfalls nicht wesentlich unter dem in &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO genannten Zinssatz von 0,5&nbsp;% pro Monat (6&nbsp;% pro Jahr) lagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nnen die von den Kl&auml;gern &#8211;ohne Quellenangabe&#8211; genannten Zinss&auml;tze, mit denen sie die fehlende Realit&auml;tsn&auml;he des im Rahmen der Vollverzinsung von Anspr&uuml;chen aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis anzuwendenden gesetzlichen Zinssatzes belegen wollen, vom Senat nicht nachvollzogen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit die Kl&auml;ger behaupten, der Kapitalmarktzins habe in den Jahren 2009 bis 2011 um den Wert von 1&nbsp;% geschwankt, verwechseln sie m&ouml;glicherweise den Kapitalmarktzins mit dem Geldmarktzins. Die f&uuml;r den Kapitalmarktzins ma&szlig;gebenden Umlaufrenditen inl&auml;ndischer Inhaberschuldverschreibungen haben in diesem Zeitraum jedenfalls zwischen 1,9&nbsp;% und 3,5&nbsp;% gelegen (Quelle: Deutsche Bundesbank, Zeitreihe BBK01.WU0017).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Unzutreffend ist auch die Behauptung, bei der Einf&uuml;hrung des &sect;&nbsp;233a AO (durch das Steuerreformgesetz 1990 vom 25.&nbsp;Juli 1988, BGBl I 1988, 1093) habe der Zinssatz f&uuml;r Monatsgelder bei 9&nbsp;% gelegen. Tats&auml;chlich lag der Durchschnittszinssatz f&uuml;r Festgelder mit einer Laufzeit von einem Monat im Juli 1988 bei 2,89&nbsp;% (Quelle: Deutsche Bundesbank, Zeitreihe BBK01.SU0061); die Umlaufrendite inl&auml;ndischer Inhaberschuldverschreibungen lag zu diesem Zeitpunkt bei 6,3&nbsp;% (Quelle: Deutsche Bundesbank, Zeitreihe BBK01.WU0017).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Von einer Darstellung des Sachverhalts sowie einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.5.2013, X B 233\/12 Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des typisierenden Zinssatzes von 6% Gr&uuml;nde 1&nbsp; 1. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) sind der Auffassung, die Rechtsfrage, ob der durch &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) auf 0,5&nbsp;% pro Monat festgelegte gesetzliche Zinssatz f&uuml;r Zinszahlungszeitr&auml;ume ab 2009 den verfassungsrechtlichen Anforderungen an eine Typisierung standhalte, sei von &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-233-12-verfassungsmaessigkeit-des-typisierenden-zinssatzes-von-6-2\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;233\/12 &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des typisierenden Zinssatzes von 6%<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-54567","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54567","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54567"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54567\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}