{"id":54791,"date":"1991-09-12T17:19:01","date_gmt":"1991-09-12T15:19:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=54791"},"modified":"2013-08-02T17:26:07","modified_gmt":"2013-08-02T15:26:07","slug":"bfh-urteil-vom-12-9-1991-iv-r-8_90-bstbl-1992-ii-s-347","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-12-9-1991-iv-r-8_90-bstbl-1992-ii-s-347\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 12.9.1991    (IV R 8\/90) BStBl. 1992 II S. 347"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 12.9.1991 (IV R 8\/90) BStBl. 1992 II S. 347<\/strong><\/p>\n<p>Ein Fabrikationsgrundst\u00fcck ist regelm\u00e4\u00dfig wesentliche Betriebsgrundlage der Betriebsgesellschaft im Rahmen einer Betriebsaufspaltung (Anschlu\u00df an BFHE 158, 245, BStBl II 1989, 1014). Davon ist jedenfalls dann auszugehen, wenn ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang zwischen Errichtung des Betriebsgeb\u00e4udes, der Vermietung und der Aufnahme des Betriebs in diesem Geb\u00e4ude besteht.<\/p>\n<p>EStG \u00a7 15 Abs. 1 Nr. 1.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG D\u00fcsseldorf<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagten (Kl\u00e4ger) betreiben seit 1965 ein l\u00fcftungstechnisches Unternehmen, zun\u00e4chst in Gesellschaft b\u00fcrgerlichen Rechts, ab dem 1. Januar 1978 in Form einer GmbH; sie waren bzw. sind zu je 50 v. H. an den Unternehmen beteiligt.<\/p>\n<p>Mit Kaufvertrag vom 28. Juli 1977 erwarben sie je zur H\u00e4lfte das unbebaute Grundst\u00fcck A-Stra\u00dfe 91 in B, das sie mit einer Betriebshalle mit B\u00fcro- und Sozialr\u00e4umen bebauten. Die Baukosten beliefen sich auf 417.560 DM. Tag der Bauabnahme war der 21. M\u00e4rz 1978. Ab dem 1. April 1978 vermieteten sie die Halle an die GmbH, die ihr Unternehmen bis dahin in anderweitig gemieteten R\u00e4umen betrieben hatte. Die Mietzahlungen der GmbH erkl\u00e4rten sie als Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung.<\/p>\n<p>Anl\u00e4\u00dflich einer Au\u00dfenpr\u00fcfung kam der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) zu dem Ergebnis, die Eink\u00fcnfte aus der Vermietung der Betriebshalle seien &#8211; wegen Vorliegens einer sog. unechten Betriebsaufspaltung &#8211; als gewerblich anzusehen. Das FA \u00e4nderte dementsprechend den Gewinnfeststellungsbescheid 1980 und erlie\u00df erstmalig einen Gewinnfeststellungsbescheid f\u00fcr 1981, einen Gewerbesteuerme\u00dfbescheid f\u00fcr 1980 sowie Bescheide zur Feststellung des Einheitswerts des Betriebsverm\u00f6gens auf den 1. Januar 1978, 1979, 1980 und 1981.<\/p>\n<p>Hiergegen erhoben die Kl\u00e4ger nach erfolglosem Einspruch Klage zum Finanzgericht (FG). Sie machten geltend, sie h\u00e4tten das Grundst\u00fcck, das verkehrsg\u00fcnstig in der N\u00e4he der Autobahn nach verschiedenen Gro\u00dfst\u00e4dten liege, als private Verm\u00f6gensanlage erworben. Sie h\u00e4tten die Halle urspr\u00fcnglich an fremde Unternehmen vermieten wollen, jedoch wegen eines Konjunkturabschwungs keinen Mieter gefunden. Nur deshalb h\u00e4tten sie sich entschlossen, die Halle an die GmbH zu vermieten.<\/p>\n<p>Das FG gab der Klage mit der Begr\u00fcndung statt, da\u00df die in Rede stehende Halle nicht f\u00fcr die Erfordernisse der GmbH hergerichtet worden sei (Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 12. November 1985 VIII R 342\/82, BFHE 145, 396, BStBl II 1986, 299; vom 25. Oktober 1988 VIII R 339\/82, BFHE 154, 539, Finanz-Rundschau &#8211; FR &#8211; 1989, 18).<\/p>\n<p>Hiergegen wendet sich die vom FG zugelassene Revision des FA, mit der Versto\u00df gegen materielles Recht ger\u00fcgt wird.<strong><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Klageabweisung (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>1. Die Grundst\u00fccksvermietung durch die Kl\u00e4ger stellt sich als gewerbliche T\u00e4tigkeit dar, die im Rahmen einer Betriebsaufspaltung entfaltet wird.<\/p>\n<p>Nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung ist eine derartige Betriebsaufspaltung anzunehmen, wenn einer Kapitalgesellschaft wesentliche Grundlagen ihres Betriebs \u00fcberlassen werden (sachliche Verflechtung) und die hinter dem Besitzunternehmen stehenden Personen ihren Willen auch in der Betriebsgesellschaft durchsetzen k\u00f6nnen (personelle Verflechtung &#8211; vgl. BFH-Beschlu\u00df vom 8. November 1971 GrS 2\/71, BFHE 103, 440, BStBl II 1972, 63).<\/p>\n<p>An der personellen Verflechtung k\u00f6nnen im Streitfall keine Zweifel bestehen, weil die Kl\u00e4ger jeweils zur H\u00e4lfte am Betriebs- wie am Besitzunternehmen beteiligt waren.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Auffassung des FG handelt es sich bei dem der GmbH \u00fcberlassenen Grundst\u00fcck auch um eine wesentliche Betriebsgrundlage f\u00fcr das Betriebsunternehmen.<\/p>\n<p>Ein Grundst\u00fcck ist unabh\u00e4ngig von seiner baulichen Gestaltung im Rahmen einer Betriebsaufspaltung f\u00fcr das Betriebsunternehmen eine wesentliche Betriebsgrundlage, wenn der Betrieb derart von der Verbindung mit dem Grundst\u00fcck abh\u00e4ngig ist, da\u00df er an anderer Stelle nicht in der bisherigen Weise fortgef\u00fchrt werden kann, was insbesondere f\u00fcr ein Hotel, ein Restaurant, aber auch f\u00fcr ein von seiner Lage abh\u00e4ngiges Einzelhandelsgesch\u00e4ft angenommen worden ist (BFH-Urteile vom 24. August 1989 IV R 135\/86, BFHE 158, 245, BStBl II 1989, 1014, m. w. N.; vom 7. August 1990 VIII R 110\/87, BFH\/NV 1991, 93).<\/p>\n<p>Grundst\u00fccke, die der Fabrikation dienen, geh\u00f6ren nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung regelm\u00e4\u00dfig im Rahmen einer Betriebsaufspaltung zu den wesentlichen Betriebsgrundlagen (z. B. BFH-Urteile vom 12. M\u00e4rz 1970 I R 108\/66, BFHE 98, 441, BStBl II 1970, 439; vom 26. Juni 1975 IV R 59\/73, BFHE 116, 160, BStBl II 1975, 700; vom 15. Mai 1975 IV R 89\/73, BFHE 116, 277, BStBl II 1975, 781; vom 24. Februar 1981 VIII R 159\/78, BFHE 132, 472, BStBl II 1981, 379). Denn bei Fabrikgrundst\u00fccken sind die Geb\u00e4ude durch ihre Gliederung oder sonstige Bauart in der Regel dauernd f\u00fcr den Betrieb eingerichtet oder nach Lage, Gr\u00f6\u00dfe und Grundri\u00df auf den Betrieb zugeschnitten (Urteile in BFHE 158, 245, BStBl II 1989, 1014, unter 7.; vom 1. Februar 1990 IV R 91\/89, BFH\/NV 1990, 562; vom 10. April 1991 XI R 22\/89, nicht ver\u00f6ffentlicht; \u00e4hnlich Abschn. 137 Abs. 5 Nr. 1 Satz 6 der Einkommensteuer-Richtlinien &#8211; EStR &#8211; 1987 und Abschn. 137 Abs. 5 Nr. 1 EStR 1990).<\/p>\n<p>Im Streitfall hat das FG die sachliche Verflechtung mit der Begr\u00fcndung verneint, da\u00df die in Rede stehende Halle nicht f\u00fcr die Erfordernisse der GmbH hergerichtet worden sei. Diese Auffassung ist mit den vorstehend dargestellten Grunds\u00e4tzen nicht vereinbar. Besteht ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang zwischen der Errichtung des Betriebsgeb\u00e4udes, der Vermietung und der Aufnahme des Betriebs in diesem Geb\u00e4ude, ist regelm\u00e4\u00dfig davon auszugehen, da\u00df das Geb\u00e4ude durch seine Gliederung oder sonstige Bauart dauernd f\u00fcr den Betrieb eingerichtet oder nach Lage, Gr\u00f6\u00dfe und Grundri\u00df auf den Betrieb zugeschnitten ist. Der VIII. Senat hat auf Anfrage dieser Auffassung zugestimmt.<\/p>\n<p>Vorliegend ist ein solcher enger zeitlicher Zusammenhang gegeben. Das streitige Grundst\u00fcck war mit Kaufvertrag vom 28. Juli 1977 erworben worden. Tag der Bauabnahme war der 21. M\u00e4rz 1978. Ab dem 1. April 1978 vermieteten die Kl\u00e4ger das Geb\u00e4ude an die GmbH, die auch ohne erkennbare Verz\u00f6gerung den Betrieb dort aufnahm.<\/p>\n<p>2. Die Kl\u00e4ger k\u00f6nnen auch mit dem im finanzgerichtlichen Verfahren &#8222;hilfsweise&#8220; gestellten Antrag, den Gewerbeertrag nach \u00a7 9 Nr. 1 Satz 2 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) zu k\u00fcrzen (erweiterte K\u00fcrzung f\u00fcr Grundbesitz bei Grundst\u00fccksunternehmen) keinen Erfolg haben. Infolge ihrer Verflechtung mit der Betriebsgesellschaft ist in der Verpachtung durch die Besitzgesellschaft eine gewerbliche T\u00e4tigkeit zu sehen (st\u00e4ndige Rechtsprechung, BFH-Urteile vom 29. M\u00e4rz 1973 I R 174\/72, BFHE 109, 456, BStBl II 1973, 686; vom 28. Juni 1973 IV R 97\/72, BFHE 109, 459, BStBl II 1973, 688; vom 11. Dezember 1974 I R 260\/72, BFHE 114, 433, BStBl II 1975, 266).<\/p>\n<p>3. Schlie\u00dflich kann den Kl\u00e4gern auch nicht in der Auffassung gefolgt werden, die Erhebung der Gewerbesteuer versto\u00dfe gegen zwingendes Recht der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften (EG). Die Kl\u00e4ger sind der Meinung, es f\u00fchre zu einer Wettbewerbsverzerrung, wenn die Bundesrepublik Deutschland als einziges Land der EG Gewerbesteuer erhebe. Die Wettbewerbsbedingungen in den einzelnen L\u00e4ndern sind indessen nicht von der Zahl der Steuerarten, sondern &#8211; neben vielfachen anderen Faktoren &#8211; von der steuerlichen Gesamtbelastung abh\u00e4ngig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 12.9.1991 (IV R 8\/90) BStBl. 1992 II S. 347 Ein Fabrikationsgrundst\u00fcck ist regelm\u00e4\u00dfig wesentliche Betriebsgrundlage der Betriebsgesellschaft im Rahmen einer Betriebsaufspaltung (Anschlu\u00df an BFHE 158, 245, BStBl II 1989, 1014). 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