{"id":55776,"date":"2013-08-07T16:35:23","date_gmt":"2013-08-07T14:35:23","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=55776"},"modified":"2013-08-07T16:35:23","modified_gmt":"2013-08-07T14:35:23","slug":"x-r-6-11-keine-billigkeitsmassnahme-bei-einer-auf-einem-kirchensteuer-erstattungsueberhang-beruhenden-steuernachzahlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-6-11-keine-billigkeitsmassnahme-bei-einer-auf-einem-kirchensteuer-erstattungsueberhang-beruhenden-steuernachzahlung\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;6\/11 &#8211; Keine Billigkeitsma&szlig;nahme bei einer auf einem Kirchensteuer-Erstattungs&uuml;berhang beruhenden Steuernachzahlung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2013, X R 6\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Billigkeitsma&szlig;nahme bei einer auf einem Kirchensteuer-Erstattungs&uuml;berhang beruhenden Steuernachzahlung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) werden zur Einkommensteuer zusammenveranlagt. Beide geh&ouml;ren der Landeskirche in A an. In den Streitjahren 2000 und 2001 bezog der Kl&auml;ger u.a. Eink&uuml;nfte aus der &Uuml;berlassung von Aktienoptionen, die der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) als Arbeitslohn in H&ouml;he von 1.008.523&nbsp;DM (2000) und 2.647.525&nbsp;DM (2001) besteuerte. Das FA berechnete die anteilige Einkommensteuer f&uuml;r diese Eink&uuml;nfte nach der F&uuml;nftelregelung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;34 des Einkommensteuergesetzes in der in den Streitjahren geltenden Fassung (EStG). Dabei ber&uuml;cksichtigte es Kirchensteuer in H&ouml;he von 34.288&nbsp;DM (2000) und 97.144&nbsp;DM (2001) als Sonderausgaben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 8.&nbsp;Juli 2002 stellte der Steuerberater der Kl&auml;ger beim Oberkirchenrat den Antrag auf Erlass der auf die au&szlig;erordentlichen Eink&uuml;nfte entfallenden Kirchensteuer. Diesem Antrag wurde durch Bescheid vom 11.&nbsp;Juli 2002 in H&ouml;he von 8.685,83&nbsp;EUR (2000) und 22.944,22&nbsp;EUR (2001) entsprochen und den Kl&auml;gern Kirchensteuer in H&ouml;he von insgesamt 31.630,05&nbsp;EUR erstattet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Jahr 2002 erkl&auml;rten die Kl&auml;ger, sie h&auml;tten in diesem Jahr Kirchensteuer in H&ouml;he von 630&nbsp;EUR gezahlt und ihnen sei Kirchensteuer in H&ouml;he von 31.630&nbsp;EUR erstattet worden. Sie wiesen indes nicht darauf hin, dass ihnen zus&auml;tzlich durch den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2001 Kirchensteuer in H&ouml;he von 4.395,63&nbsp;EUR erstattet worden war. Das FA errechnete eine Kirchensteuer-Gesamterstattung von 36.025&nbsp;EUR. Da eine vollst&auml;ndige Verrechnung der erstatteten Kirchensteuer mit der gezahlten Kirchensteuer nicht erfolgen konnte, kam es zu einem sog. &quot;Erstattungs&uuml;berhang&quot; in H&ouml;he von 35.395&nbsp;EUR, von dem 31.630&nbsp;EUR auf dem Erlass des Oberkirchenrats beruhten. Dem Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 11.&nbsp;Juli 2002 (BStBl I 2002, 667) entsprechend k&uuml;rzte das FA gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) in den &Auml;nderungsbescheiden f&uuml;r 2000 und 2001 vom 23.&nbsp;April 2004 die als Sonderausgaben ber&uuml;cksichtigte Kirchensteuer um 8.055,83&nbsp;EUR (2000) und 27.339,80&nbsp;EUR (2001), was zu einer Nachzahlung von Einkommensteuer, Solidarit&auml;tszuschlag und Kirchensteuer in H&ouml;he von insgesamt 65.994,83&nbsp;EUR f&uuml;hrte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem das FA nicht bereit war, diese Steuerfestsetzungen zu &auml;ndern, stellten die Kl&auml;ger den Antrag, die Steuernachzahlungsbetr&auml;ge wegen sachlicher Unbilligkeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 AO zu erlassen. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrten sie aus, aufgrund der zeitlichen Abl&auml;ufe &#8211;das BMF-Schreiben stamme ebenso wie die Erlassbescheide des Oberkirchenrats vom 11.&nbsp;Juli 2002&#8211; h&auml;tte ihr Steuerberater nicht wissen k&ouml;nnen, dass nach der Verwaltungsauffassung ein Fall des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO gegeben sei. Vielmehr habe er davon ausgehen k&ouml;nnen, dass sich das FA der &Auml;u&szlig;erung der Oberfinanzdirektion B (OFD) gegen&uuml;ber den ihr nachgeordneten Beh&ouml;rden in der Niederschrift zur Einkommensteuer-Dienstbesprechung I\/99, S.&nbsp;35 ff., unter TOP&nbsp;10 (nicht ver&ouml;ffentlicht) &#8211;Niederschrift&#8211; entsprechend verhalten w&uuml;rde. Diese Niederschrift sehe vor, dass bei der Erstattung von Kirchensteuer aus Praktikabilit&auml;tsgr&uuml;nden am Grundsatz der Verrechnung im Erstattungsjahr festgehalten werde. Ergebe sich durch die Verrechnung der Erstattung mit den in diesem Jahr geleisteten Zahlungen ein Negativsaldo (Erstattung ist h&ouml;her als die geleisteten Kirchensteuerzahlungen), wirke sich das bei fortbestehender Kirchensteuerpflicht zugunsten des Steuerpflichtigen aus, weil der Negativsaldo unber&uuml;cksichtigt bleibe. Die vom Bundesfinanzhof (BFH) in seinem Urteil vom 26.&nbsp;Juni 1996 X&nbsp;R&nbsp;73\/94 (BFHE 181, 144, BStBl II 1996, 646) gemachte Einschr&auml;nkung, dass dieses Verfahren nur zul&auml;ssig sei, solange sich dadurch keine ungerechtfertigten Vorteile erg&auml;ben, habe die Finanzverwaltung erst mit dem BMF-Schreiben in BStBl I 2002, 667 nachvollzogen. Zum Zeitpunkt der &Auml;nderung der Verwaltungs&uuml;bung sei der vorliegende Sachverhalt jedoch bereits abgeschlossen gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte den Erlassantrag ab und wies auch den Einspruch der Kl&auml;ger zur&uuml;ck, da weder ein Fall der pers&ouml;nlichen noch der sachlichen Billigkeit vorliege. Nachteile, welche schon im Besteuerungszweck enthalten seien und die der Gesetzgeber bei der Ausgestaltung des gesetzlichen Tatbestandes bewusst in Kauf genommen habe, k&ouml;nnten einen Erlass aus sachlichen Billigkeitsgr&uuml;nden nicht rechtfertigen. Das Argument, ein Erlass sei aus Gr&uuml;nden des Vertrauensschutzes geboten, k&ouml;nne ebenfalls nicht &uuml;berzeugen. Die mit BMF-Schreiben in BStBl I 2002, 667 getroffene Regelung sei f&uuml;r das FA bindend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren betonten die Kl&auml;ger, sie h&auml;tten bei der Stellung des Erlassantrages am 8.&nbsp;Juli 2002 darauf vertraut, das FA werde aufgrund der in der Niederschrift enthaltenen Weisung der OFD im Falle eines Kirchensteuer-Erstattungs&uuml;berhangs von &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO keinen Gebrauch machen. Zum Beweis hierf&uuml;r wurde ihr Steuerberater vernommen. Dieser sagte aus, er habe die Kenntnis der entsprechenden Verwaltungshandhabung nicht aus einer schriftlichen Ver&ouml;ffentlichung der OFD gewonnen, sie sei ihm aber als tats&auml;chliche Verwaltungspraxis aus seiner fr&uuml;heren T&auml;tigkeit bei der Finanzverwaltung, aus Gespr&auml;chen mit Kollegen sowie aus mehreren eigenen &auml;hnlichen, wenn auch betragsm&auml;&szlig;ig &quot;kleineren&quot; F&auml;llen bekannt gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat der Klage mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 1402 ver&ouml;ffentlichten Urteil zum Teil stattgegeben. Das FA sei ermessensfehlerhaft davon ausgegangen, dass die Kl&auml;ger trotz einer f&uuml;r sie g&uuml;nstigen Weisung der OFD keinen Anspruch auf einen Billigkeitserlass gehabt h&auml;tten. Die Kl&auml;ger k&ouml;nnten jedoch nur den Erlass des Betrages beanspruchen, der die erstattete Kirchensteuer &uuml;bersteige. Den weitergehenden Erlassantrag der Kl&auml;ger habe das FA in rechtlich nicht zu beanstandender Weise abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Seine Revision begr&uuml;ndet das FA damit, dass das Urteil sowohl auf Verfahrensfehlern beruhe als auch gegen die von der Rechtsprechung aufgestellten Grunds&auml;tze zum Vertrauensschutz versto&szlig;e. Das FG habe im Streitfall zu Unrecht das Vorliegen vertrauensbegr&uuml;ndender Umst&auml;nde unterstellt und Vertrauensschutz gew&auml;hrt, obwohl die Kenntnis der vertrauensbegr&uuml;ndenden Umst&auml;nde nicht vorhanden gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger haben weder einen Antrag gestellt noch zum Vorbringen des FA Stellung genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Das angefochtene Urteil wird aufgehoben und die Klage abgewiesen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FA hat zutreffend entschieden, dass den Kl&auml;gern aus Billigkeitsgr&uuml;nden kein Teilerlass ihrer Steuerschuld zu gew&auml;hren sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;163 AO k&ouml;nnen Steuern niedriger festgesetzt werden und einzelne Besteuerungsgrundlagen, die die Steuern erh&ouml;hen, k&ouml;nnen bei der Festsetzung der Steuern unber&uuml;cksichtigt bleiben, wenn die Erhebung der Steuer nach Lage des einzelnen Falles unbillig w&auml;re. Nach &sect;&nbsp;227 AO k&ouml;nnen Anspr&uuml;che aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis ganz oder zum Teil erlassen werden, wenn deren Einziehung nach Lage des einzelnen Falles unbillig w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Zweck der &sect;&sect;&nbsp;163, 227 AO liegt darin, sachlichen und pers&ouml;nlichen Besonderheiten des Einzelfalles, die der Gesetzgeber in der Besteuerungsnorm nicht ber&uuml;cksichtigt hat, durch eine nicht den Steuerbescheid selbst &auml;ndernde Korrektur des Steuerbetrages insoweit Rechnung zu tragen, als sie die steuerliche Belastung als unbillig erscheinen lassen (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 26.&nbsp;Mai 1994 IV&nbsp;R&nbsp;51\/93, BFHE 174, 482, BStBl II 1994, 833, unter 1. der Gr&uuml;nde; vom 4.&nbsp;Juli 1972 VII&nbsp;R&nbsp;103\/69, BFHE 106, 268, BStBl II 1972, 806, und vom 20.&nbsp;September 2012 IV&nbsp;R&nbsp;29\/10, BFHE 238, 518). Sachlich unbillig ist die Festsetzung einer Steuer, wenn sie zwar &auml;u&szlig;erlich dem Gesetz entspricht, aber den Wertungen des Gesetzgebers im konkreten Fall derart zuwiderl&auml;uft, dass die Erhebung der Steuer als unbillig erscheint. So verh&auml;lt es sich, wenn nach dem erkl&auml;rten oder mutma&szlig;lichen Willen des Gesetzgebers angenommen werden kann, dass der Gesetzgeber die im Billigkeitswege zu entscheidende Frage &#8211;wenn er sie als regelungsbed&uuml;rftig erkannt h&auml;tte&#8211; im Sinne der beabsichtigten Billigkeitsma&szlig;nahme entschieden h&auml;tte (st&auml;ndige BFH-Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil in BFHE 174, 482, BStBl II 1994, 833, unter 2. der Gr&uuml;nde, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 12.&nbsp;September 2007 X&nbsp;B&nbsp;18\/03, BFH\/NV 2008, 102, unter II.5.b der Gr&uuml;nde, m.w.N.). Eine f&uuml;r den Steuerpflichtigen ung&uuml;nstige Rechtsfolge, die der Gesetzgeber bewusst angeordnet oder in Kauf genommen hat, rechtfertigt dagegen keine Billigkeitsma&szlig;nahme (BFH-Urteile vom 7.&nbsp;Oktober 2010 V&nbsp;R&nbsp;17\/09, BFH\/NV 2011, 865, unter II.2. der Gr&uuml;nde; vom 4.&nbsp;Februar 2010 II&nbsp;R&nbsp;25\/08, BFHE 228, 130, BStBl II 2010, 663, jeweils m.w.N.). Die Billigkeitspr&uuml;fung muss sich je nach Fallgestaltung nicht nur auf allgemeine Rechtsgrunds&auml;tze und verfassungsm&auml;&szlig;ige Wertungen erstrecken; sie verlangt vielmehr eine Gesamtbeurteilung aller Normen, die f&uuml;r die Verwirklichung des in Frage stehenden Steueranspruchs im konkreten Fall ma&szlig;geblich sind (Senatsurteil vom 26.&nbsp;Oktober 1994 X&nbsp;R&nbsp;104\/92, BFHE 176, 3, BStBl II 1995, 297, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Erlassentscheidung ist eine Ermessensentscheidung der Finanzverwaltung (&sect;&nbsp;5 AO), die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;121 FGO grunds&auml;tzlich nur eingeschr&auml;nkter gerichtlicher Nachpr&uuml;fung unterliegt (Beschluss des Gemeinsamen Senats der Obersten Gerichtsh&ouml;fe des Bundes vom 19.&nbsp;Oktober 1971 GmS-OGB&nbsp;3\/70, BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603). Stellt das Gericht eine Ermessens&uuml;berschreitung oder einen Ermessensfehler fest, ist es grunds&auml;tzlich auf die Aufhebung der angefochtenen Verwaltungsentscheidung beschr&auml;nkt. Nur wenn der Ermessensspielraum im konkreten Fall derart eingeengt ist, dass nur eine Entscheidung als ermessensgerecht in Betracht kommt (sog. Ermessensreduzierung auf Null), ist es befugt, seine Entscheidung an die Stelle der Ermessensentscheidung der Verwaltungsbeh&ouml;rde zu setzen und eine Verpflichtung zum Erlass auszusprechen (BFH-Urteile vom 6.&nbsp;September 2011 VIII&nbsp;R&nbsp;55\/10, BFH\/NV 2012, 269, m.w.N.; in BFHE 176, 3, BStBl II 1995, 297, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Ma&szlig;st&auml;be hat das FA im Streitfall das Vorliegen der Voraussetzungen f&uuml;r eine Billigkeitsma&szlig;nahme ermessensgerecht verneint, so dass das FG die Klage h&auml;tte abweisen m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Besteuerung der Kl&auml;ger verst&ouml;&szlig;t nicht gegen die materiell-rechtlichen Wertungen des Einkommensteuerrechts, wie das FG zu Recht ausgef&uuml;hrt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG betr&auml;gt die f&uuml;r au&szlig;erordentliche Eink&uuml;nfte anzusetzende Einkommensteuer das F&uuml;nffache des Unterschiedsbetrages zwischen der Einkommensteuer f&uuml;r das um diese Eink&uuml;nfte verminderte zu versteuernde Einkommen (verbleibendes zu versteuerndes Einkommen) und der Einkommensteuer f&uuml;r das verbleibende zu versteuernde Einkommen zuz&uuml;glich eines F&uuml;nftels dieser Eink&uuml;nfte. Der aus dieser Art der Berechnung resultierende Vorteil ist umso gr&ouml;&szlig;er, je geringer die nicht beg&uuml;nstigten Eink&uuml;nfte sind (s.a. BFH-Urteil vom 22.&nbsp;September 2009 IX&nbsp;R&nbsp;93\/07, BFHE 226, 510, BStBl II 2010, 1032). Eine Erh&ouml;hung der nicht beg&uuml;nstigten Eink&uuml;nfte oder der Wegfall oder die Minderung von Abzugsbetr&auml;gen oder &#8211;wie im Streitfall&#8211; von Sonderausgaben bewirkt dementsprechend eine Minderung dieser Beg&uuml;nstigung und damit einen starken Anstieg der Steuerprogression (vgl. BFH-Urteile vom 28.&nbsp;April 2010 III&nbsp;R&nbsp;86\/07, BFHE 230, 294, BStBl II 2011, 259, und vom 19.&nbsp;April 2012 III&nbsp;R&nbsp;50\/08, BFH\/NV 2012, 1429).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Obwohl die Steuernachzahlungen im Streitfall die erstatteten Kirchensteuerbetr&auml;ge bei weitem &uuml;bersteigen, f&uuml;hrt dies bei den Kl&auml;gern nicht zu einer untragbaren oder unbilligen Belastung. Zum einen ist die Besteuerung der au&szlig;erordentlichen Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG trotz R&uuml;cktrags der erstatteten Kirchensteuer f&uuml;r die Kl&auml;ger vorteilhafter als eine Besteuerung s&auml;mtlicher Eink&uuml;nfte mit dem normalen Steuertarif (s.a. BFH-Urteil in BFHE 230, 294, BStBl II 2011, 259). Zum anderen wurde durch die &Auml;nderungsbescheide vom 23.&nbsp;April 2004 genau die Einkommensteuer festgesetzt, die sich auch ergeben h&auml;tte, wenn die Kirchensteuer von Beginn an um die Erlassbetr&auml;ge erm&auml;&szlig;igt gewesen w&auml;re. Dass die Kl&auml;ger eine geringere Steuerbelastung gehabt h&auml;tten, wenn sie den Erlassantrag nicht gestellt h&auml;tten, kann keine Unbilligkeit begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Da f&uuml;r die Beurteilung, ob eine Ermessensentscheidung rechtm&auml;&szlig;ig war, die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der letzten Verwaltungsentscheidung ma&szlig;gebend ist (hier die Einspruchsentscheidung vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2006), kommt dem Umstand keine Bedeutung zu, dass ab 2012 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;4b des Einkommensteuergesetzes in der Fassung des Steuervereinfachungsgesetzes 2011 vom 1.&nbsp;November 2011 (BGBl I 2011, 2131) ein Erstattungs&uuml;berhang bei der Kirchensteuer nicht (mehr) in das Jahr der Zahlung zur&uuml;ckgetragen wird, sondern im Jahr der Erstattung dem Gesamtbetrag der Eink&uuml;nfte hinzuzurechnen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das FA hat es zu Recht abgelehnt, den Kl&auml;gern aus Billigkeitsgr&uuml;nden aufgrund von Vertrauensschutz die Steuern zu erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Die Verdr&auml;ngung gesetzten Rechts durch den Grundsatz von Treu und Glauben kann nur in besonders liegenden F&auml;llen in Betracht kommen, in denen das Vertrauen des Steuerpflichtigen in ein bestimmtes Verhalten der Verwaltung nach allgemeinem Rechtsgef&uuml;hl in einem so hohen Ma&szlig; schutzw&uuml;rdig ist, dass demgegen&uuml;ber die Grunds&auml;tze der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung zur&uuml;cktreten m&uuml;ssen (z.B. BFH-Urteile vom 5.&nbsp;Februar 1980 VII&nbsp;R&nbsp;101\/77, BFHE 130, 90, 95; vom 31.&nbsp;Oktober 1990 I&nbsp;R&nbsp;3\/86, BFHE 163, 478, BStBl II 1991, 610). In diesem Zusammenhang verlangt der Grundsatz von Treu und Glauben einen Vertrauenstatbestand, aufgrund dessen der Steuerpflichtige disponiert hat (BFH-Urteile vom 26.&nbsp;April 1995 XI&nbsp;R&nbsp;81\/93, BFHE 178, 4, BStBl II 1995, 754; vom 10.&nbsp;April 1991 XI&nbsp;R&nbsp;25\/89, BFH\/NV 1991, 720; in BFHE 163, 478, BStBl II 1991, 610, m.w.N.). Der Vertrauenstatbestand besteht in einer bestimmten Position oder einem bestimmten Verhalten des einen Teils, aufgrund dessen der andere bei objektiver Beurteilung annehmen konnte, jener werde an seiner Position oder seinem Verhalten konsequent und auf Dauer festhalten (z.B. BFH-Urteil in BFHE 163, 478, BStBl II 1991, 610; in BFHE 178, 4, BStBl II 1995, 754). Ein sch&uuml;tzenswertes nachhaltiges Vertrauen in den Fortbestand der fr&uuml;heren Rechtsauffassung ist demzufolge nur dann und solange gegeben, als der Steuerpflichtige nicht mit einer &Auml;nderung rechnen oder ihm zumindest Zweifel h&auml;tten kommen m&uuml;ssen (BFH-Urteil vom 23.&nbsp;Februar 1979 III&nbsp;R&nbsp;16\/78, BFHE 127, 476, BStBl II 1979, 455).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Im Streitfall fehlt es an einem diesen Grunds&auml;tzen entsprechenden Vertrauenstatbestand, auf den die Kl&auml;ger sich h&auml;tten st&uuml;tzen k&ouml;nnen und der urs&auml;chlich f&uuml;r ihre Disposition &#8211;die Beantragung des Teilerlasses der Kirchensteuer 2000 und 2001&#8211; war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(a) Das Vertrauen der Kl&auml;ger konnte sich nicht aus der OFD-Niederschrift ergeben, da der Steuerberater der Kl&auml;ger in der m&uuml;ndlichen Verhandlung ausgesagt hat, dass er den konkreten Wortlaut der Niederschrift nicht gekannt habe. Damit ist es unerheblich, ob die Niederschrift als Billigkeits- oder &Uuml;bergangsma&szlig;nahme zu verstehen war oder ob sie nicht vielmehr angesichts ihres ausdr&uuml;cklichen Wortlauts als Praktikabilit&auml;tsma&szlig;nahme angesehen werden musste.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(b) Der Vertrauenstatbestand, auf den die Kl&auml;ger ihre Disposition gr&uuml;ndeten, war eine (regional begrenzte) Verwaltungspraxis, die jedoch mit einer seit dem Jahr 1996 bestehenden BFH-Rechtsprechung nicht &uuml;bereinstimmte. Bereits mit Urteil in BFHE 181, 144, BStBl II 1996, 646 hatte der erkennende Senat die Auffassung abgelehnt, wonach erstattete Sonderausgaben stets nur mit gleichartigen Sonderausgaben im Jahr der Erstattung verrechnet werden k&ouml;nnten, sofern der R&uuml;ckforderungsanspruch nicht schon im Zahlungsjahr feststehe. Dadurch w&uuml;rden ungerechtfertigte Steuervorteile entstehen, falls gleichartige Sonderausgaben im Erstattungsjahr nicht anfielen. Der Steuerpflichtige w&uuml;rde steuerlich entlastet, obwohl er wegen der Erstattung der Kirchensteuer wirtschaftlich nicht endg&uuml;ltig belastet sei. Es sei nicht vertretbar, den Sonderausgabenabzug lediglich dann zu versagen, wenn bereits im Zahlungszeitpunkt abgesehen werden k&ouml;nne, dass die Aufwendungen in einem sp&auml;teren Veranlagungsjahr zur&uuml;ckgezahlt w&uuml;rden. In Fortf&uuml;hrung dieses Urteils entschied der erkennende Senat bereits zwei Jahre sp&auml;ter, dass in dem Fall, in dem im Jahr der Erstattung an den Steuerpflichtigen eine Kompensation mit gleichartigen Aufwendungen nicht m&ouml;glich sei, der Sonderausgabenabzug des Jahres der Verausgabung um die nachtr&auml;gliche Erstattung gemindert werden m&uuml;sse. Ein bereits bestandskr&auml;ftiger Bescheid sei nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO zu &auml;ndern (Senatsurteil vom 28.&nbsp;Mai 1998 X&nbsp;R&nbsp;7\/96, BFHE 186, 521, BStBl II 1999, 95).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein berechtigtes Vertrauen auf einen Fortbestand der Verwaltungspraxis in dem OFD-Bezirk konnte sich bei den Kl&auml;gern infolgedessen wegen entgegenstehender gefestigter BFH-Rechtsprechung nicht bilden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(c) Selbst wenn den Kl&auml;gern dahingehend gefolgt w&uuml;rde, dass im Zeitpunkt der Antragsstellung des Kirchensteuererlasses am 8.&nbsp;Juli 2002 die Rechtslage trotz der BFH-Rechtsprechung noch nicht gekl&auml;rt gewesen sei, weil zu diesem Zeitpunkt das BMF-Schreiben vom 11.&nbsp;Juli 2002 noch nicht im Bundessteuerblatt ver&ouml;ffentlicht worden war, w&uuml;rde dennoch eine ausreichende Vertrauensbasis f&uuml;r eine Disposition der Kl&auml;ger fehlen, die eine Billigkeitsma&szlig;nahme h&auml;tte rechtfertigen k&ouml;nnen. Der BFH hat bereits mehrfach entschieden, dass bei einer noch nicht gekl&auml;rten Rechtslage kein entsprechender Vertrauenstatbestand vorliegt (vgl. z.B. Urteile vom 18.&nbsp;Februar 1982 IV&nbsp;R&nbsp;85\/79, BFHE 135, 311, BStBl II 1982, 397; vom 10.&nbsp;Juni 2008 VIII&nbsp;R&nbsp;79\/05, BFHE 222, 320, BStBl II 2008, 863, und vom 14.&nbsp;Juli 2009 VIII&nbsp;R&nbsp;10\/07, BFH\/NV 2009, 1815, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(d) Ein Vertrauenstatbestand konnte sich auch nicht dadurch bilden, dass im OFD-Bezirk die Steuerbescheide des Zahlungsjahres bei einem Kirchensteuer-Erstattungs&uuml;berhang jahrelang von der Finanzverwaltung nicht ge&auml;ndert wurden, da ein &quot;Verwaltungsunterlassen&quot; keine Grundlage f&uuml;r eine Billigkeitsma&szlig;nahme sein kann (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2011, 865).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Ebenso zu Recht hat das FA entschieden, dass die Kl&auml;ger die abweichende Festsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden auch nicht unter Hinweis darauf erreichen k&ouml;nnen, dass im OFD-Bezirk bei anderen Steuerpflichtigen selbst nach Ver&ouml;ffentlichung des BMF-Schreibens in BStBl I 2002, 667 ein Kirchensteuer&uuml;berhang im Erstattungsjahr nicht in das Zahlungsjahr zur&uuml;ckgetragen worden sei. Unabh&auml;ngig davon, dass diese Verfahrensweise nicht belegt ist, vermittelt nach st&auml;ndiger BFH-Rechtsprechung bereits Art.&nbsp;3 des Grundgesetzes keinen Anspruch auf Anwendung einer rechtswidrigen Verwaltungspraxis (z.B. Entscheidungen vom 26.&nbsp;September 2007 V&nbsp;B&nbsp;8\/06, BFHE 219, 245, BStBl II 2008, 405; vom 13.&nbsp;Februar 2007 II&nbsp;B&nbsp;32\/06, BFH\/NV 2007, 966; vom 11.&nbsp;Januar 2006 II&nbsp;R&nbsp;12\/04, BStBl II 2006, 615, m.w.N.; vom 18.&nbsp;Juli 2002 V&nbsp;B&nbsp;112\/01, BFHE 199, 77, BStBl II 2003, 675). Umso weniger kann ein rechtswidriges Verwaltungshandeln die Grundlage f&uuml;r eine Billigkeitsma&szlig;nahme bilden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Da die Revision des FA bereits mit der Sachr&uuml;ge Erfolg hat, kommt es auf die erhobenen Verfahrensr&uuml;gen nicht mehr an (vgl. Senatsurteil vom 19.&nbsp;Oktober 2011 X&nbsp;R&nbsp;65\/09, BFHE 235, 304, BStBl II 2012, 345).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2013, X R 6\/11 Keine Billigkeitsma&szlig;nahme bei einer auf einem Kirchensteuer-Erstattungs&uuml;berhang beruhenden Steuernachzahlung Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) werden zur Einkommensteuer zusammenveranlagt. Beide geh&ouml;ren der Landeskirche in A an. In den Streitjahren 2000 und 2001 bezog der Kl&auml;ger u.a. Eink&uuml;nfte aus der &Uuml;berlassung von Aktienoptionen, die der Beklagte und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-6-11-keine-billigkeitsmassnahme-bei-einer-auf-einem-kirchensteuer-erstattungsueberhang-beruhenden-steuernachzahlung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;6\/11 &#8211; Keine Billigkeitsma&szlig;nahme bei einer auf einem Kirchensteuer-Erstattungs&uuml;berhang beruhenden Steuernachzahlung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-55776","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55776","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55776"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55776\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55776"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55776"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55776"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}