{"id":56828,"date":"2013-08-14T18:48:47","date_gmt":"2013-08-14T16:48:47","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=56828"},"modified":"2013-08-14T18:48:47","modified_gmt":"2013-08-14T16:48:47","slug":"ii-r-13-11-erlass-von-erbschaftsteuer-aus-sachlichen-billigkeitsgruenden-rechtslage-vor-dem-112009-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-13-11-erlass-von-erbschaftsteuer-aus-sachlichen-billigkeitsgruenden-rechtslage-vor-dem-112009-4\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;13\/11 &#8211; Erlass von Erbschaftsteuer aus sachlichen Billigkeitsgr&uuml;nden (Rechtslage vor dem 1.1.2009)"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2013, II R 13\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Erlass von Erbschaftsteuer aus sachlichen Billigkeitsgr&uuml;nden (Rechtslage vor dem 1.1.2009)<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Alleinerbe seines am 2.&nbsp;August 2002 verstorbenen Gro&szlig;- und Adoptivvaters. Zum Nachlass geh&ouml;rte u.a. eine Kommanditbeteiligung des Erblassers an der C-GmbH &#038; Co. KG (C-KG). Die C-KG war Inhaberin eines Erbbaurechts an einem Grundst&uuml;ck mit aufstehender Hotelanlage. Der Erblasser war Eigent&uuml;mer des mit dem Erbbaurecht belasteten Grundst&uuml;cks. Anfang 1993 vermietete der Erblasser der C-KG weitere Grundst&uuml;cksfl&auml;chen zum Zwecke des Betriebs eines Golfplatzes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Anspr&uuml;che des Erblassers gegen&uuml;ber der C-KG auf Erbpachtzinsen f&uuml;r das Hotelgrundst&uuml;ck, auf Zahlung der Pachten f&uuml;r den Golfplatz und auf Provisionen f&uuml;r &uuml;bernommene B&uuml;rgschaften wurden auf einem Verrechnungskonto des Erblassers verbucht. Das Guthaben auf diesem Konto belief sich ausweislich der Bilanz zum 31.&nbsp;Dezember 2001 auf 711.517,46&nbsp;EUR. Nach dem Tod des Erblassers wurde f&uuml;r die C-KG ein Notgesch&auml;ftsf&uuml;hrer bestellt. Das Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen der C-KG wurde am 12.&nbsp;November 2002 er&ouml;ffnet und am 23.&nbsp;Januar 2006 mangels kostendeckender Masse eingestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte mit Bescheid vom 9.&nbsp;Dezember 2003 die Erbschaftsteuer unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung auf 2.601.346&nbsp;EUR fest. Im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung setzte das FA die Erbschaftsteuer mit Bescheid vom 4.&nbsp;Mai 2006 auf 2.711.232&nbsp;EUR fest. Es vertrat dabei u.a. die Auffassung, dass die Forderung des Erblassers gegen&uuml;ber der C-KG als Sonderbetriebsverm&ouml;gen mit dem Nennwert zu erfassen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf den Einspruch des Kl&auml;gers setzte das FA die Erbschaftsteuer wegen ge&auml;nderter Grundbesitzwerte durch Einspruchsentscheidung vom 2.&nbsp;Juni 2008 auf 2.466.796&nbsp;EUR herab und wies den Einspruch im &Uuml;brigen als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Die dagegen erhobene Klage hatte teilweise Erfolg. Das Finanzgericht (FG) gab ihr insoweit statt, als es eine bislang vom FA nicht ber&uuml;cksichtigte B&uuml;rgschaftsverpflichtung als Nachlassverbindlichkeit anerkannte. Im &Uuml;brigen, also insbesondere wegen des Ansatzes der Gesellschafterforderung, wies es die Klage ab. Die vom Bundesfinanzhof (BFH) unter dem Aktenzeichen II&nbsp;R&nbsp;12\/11 entschiedene Revision hatte im Ergebnis keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zeitgleich mit dem Einspruch beantragte der Kl&auml;ger die abweichende Festsetzung der Erbschaftsteuer aus Billigkeitsgr&uuml;nden (&sect;&nbsp;163 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;). Den Antrag lehnte das FA mit Bescheid vom 30.&nbsp;Juni 2010 ab. Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren eingelegte Klage wies das FG ab. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es aus, der Gesetzgeber habe H&auml;rten und Friktionen, die sich aus der Ber&uuml;cksichtigung der Steuerbilanzwerte bei der Bewertung f&uuml;r Zwecke der Erbschaftsteuer ergeben k&ouml;nnten, im Interesse der Steuervereinfachung bewusst in Kauf genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen richtet sich die Revision. Der Kl&auml;ger vertritt die Ansicht, aus dem Gedanken der Steuervereinfachung k&ouml;nne nicht entnommen werden, dass unstreitig zu hohe Wertans&auml;tze uneingeschr&auml;nkt beibehalten werden m&uuml;ssten. Der Gesetzgeber habe vielmehr die tats&auml;chliche Bereicherung des Erben besteuern wollen. Es widerspreche dem Willen des Gesetzgebers, Verm&ouml;genswerte mit fiktiven, im Todeszeitpunkt nicht vorhandenen Betr&auml;gen in Ansatz zu bringen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;, unter Aufhebung des ablehnenden Bescheids vom 30.&nbsp;Juni 2010, der Einspruchsentscheidung vom 19.&nbsp;Juli 2010 und der Vorentscheidung, die Erbschaftsteuer aus Gr&uuml;nden der Billigkeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;163 AO unter Ber&uuml;cksichtigung der Wertlosigkeit der Gesellschafterforderung auf 2.138.517&nbsp;EUR herabzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zutreffend hat das FG einen Anspruch des Kl&auml;gers auf eine abweichende Festsetzung der Erbschaftsteuer aus Billigkeitsgr&uuml;nden verneint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;163 AO k&ouml;nnen Steuern niedriger festgesetzt werden und einzelne Besteuerungsgrundlagen bei der Festsetzung der Steuern unber&uuml;cksichtigt bleiben, wenn die Erhebung der Steuer nach Lage des einzelnen Falles unbillig w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Zweck des &sect;&nbsp;163 AO liegt darin, sachlichen und pers&ouml;nlichen Besonderheiten des Einzelfalles, die der Gesetzgeber in der Besteuerungsnorm nicht ber&uuml;cksichtigt hat, durch eine nicht den Steuerbescheid selbst &auml;ndernde Korrektur des Steuerbetrags insoweit Rechnung zu tragen, als sie die steuerliche Belastung als unbillig erscheinen lassen (BFH-Urteil vom 20.&nbsp;September 2012 IV&nbsp;R&nbsp;29\/10, BFHE 238, 518, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Entscheidung &uuml;ber die abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden ist eine Ermessensentscheidung der Finanzverwaltung (&sect;&nbsp;5 AO), die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 FGO gegebenenfalls i.V.m. &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 FGO nur eingeschr&auml;nkter gerichtlicher Nachpr&uuml;fung unterliegt (Beschluss des Gemeinsamen Senats der Obersten Gerichtsh&ouml;fe des Bundes vom 19.&nbsp;Oktober 1971 GmS-OGB 3\/70, BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603). Stellt das Gericht eine Ermessens&uuml;berschreitung oder einen Ermessensfehler fest, ist es grunds&auml;tzlich auf die Aufhebung der angefochtenen Verwaltungsentscheidung beschr&auml;nkt. Nur wenn der Ermessensspielraum im konkreten Fall derart eingeengt ist, dass nur eine Entscheidung als ermessensgerecht in Betracht kommt (sog. Ermessensreduzierung auf Null), ist es befugt, seine Entscheidung an die Stelle der Ermessensentscheidung der Verwaltungsbeh&ouml;rde zu setzen und eine Verpflichtung zum Erlass auszusprechen (BFH-Urteile vom 6.&nbsp;September 2011 VIII&nbsp;R&nbsp;55\/10, BFH\/NV 2012, 269; in BFHE 238, 518, und vom 6.&nbsp;November 2012 VII&nbsp;R&nbsp;72\/11, BFHE 239, 15, BStBl II 2013, 141).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Sachlich unbillig ist die Festsetzung einer Steuer, wenn sie zwar &auml;u&szlig;erlich dem Gesetz entspricht, aber den Wertungen des Gesetzgebers im konkreten Fall derart zuwiderl&auml;uft, dass die Erhebung der Steuer als unbillig erscheint. So verh&auml;lt es sich, wenn nach dem erkl&auml;rten oder mutma&szlig;lichen Willen des Gesetzgebers angenommen werden kann, dass der Gesetzgeber die im Billigkeitswege zu entscheidende Frage &#8211;wenn er sie als regelungsbed&uuml;rftig erkannt h&auml;tte&#8211; im Sinne der beabsichtigten Billigkeitsma&szlig;nahme entschieden h&auml;tte (st&auml;ndige BFH-Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil in BFHE 238, 518, m.w.N.; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;227 AO Rz&nbsp;40). Eine f&uuml;r den Steuerpflichtigen ung&uuml;nstige Rechtsfolge, die der Gesetzgeber bewusst angeordnet oder in Kauf genommen hat, rechtfertigt dagegen keine Billigkeitsma&szlig;nahme (BFH-Urteile vom 4.&nbsp;Februar 2010 II&nbsp;R&nbsp;25\/08, BFHE 228, 130, BStBl II 2010, 663, und vom 7.&nbsp;Oktober 2010 V&nbsp;R&nbsp;17\/09, BFH\/NV 2011, 865, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ausgehend von diesen Grunds&auml;tzen hat das FA ermessensfehlerfrei angenommen, dass die Erbschaftsteuer nicht wegen sachlicher Unbilligkeit niedriger festzusetzen ist, weil das in der Steuerbilanz ausgewiesene Guthaben auf dem Verrechnungskonto des Erblassers wertlos war. Ein Gesetzes&uuml;berhang liegt insoweit nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;5 Satz 2 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) in der im Streitjahr geltenden Fassung der Bekanntmachung vom 27.&nbsp;Februar 1997 (BGBl I 1997, 378, BStBl I 1997, 298) &#8211;a.F.&#8211; sind die &sect;&sect;&nbsp;95 bis 99, 103, 104 und 109 Abs.&nbsp;1 und 2 und &sect;&nbsp;137 des Bewertungsgesetzes (BewG) in der damaligen Fassung (a.F.) f&uuml;r die Bewertung des Betriebsverm&ouml;gens zu Erbschaftsteuerzwecken entsprechend anzuwenden; ma&szlig;gebend f&uuml;r die Bewertung sind die Verh&auml;ltnisse zur Zeit der Entstehung der Steuer (&sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 ErbStG a.F.). Nach &sect;&nbsp;109 Abs.&nbsp;1 BewG&nbsp;a.F. sind bei bilanzierenden Steuerpflichtigen die zu dem Gewerbebetrieb geh&ouml;renden Wirtschaftsg&uuml;ter mit den Steuerbilanzwerten anzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Mit der &Uuml;bernahme der Steuerbilanzwerte wollte der Gesetzgeber u.a. eine eigene Wertermittlung f&uuml;r Zwecke der Erbschaft- und Schenkungsteuer entbehrlich machen (vgl. BTDrucks 12\/1108 S.&nbsp;72; G&ouml;tz in G&uuml;rsching\/Stenger, Bewertungsrecht, &sect;&nbsp;12 ErbStG bis 2008 Rz&nbsp;72; Viskorf in Viskorf\/Glier\/H&uuml;bner\/ Knobel\/Schuck, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Bewertungsgesetz, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;12 ErbStG Rz&nbsp;38). Der Gesetzgeber hat aus Gr&uuml;nden der Steuervereinfachung ausdr&uuml;cklich in Kauf genommen, dass die nach ertragsteuerrechtlichen Grunds&auml;tzen anzusetzenden Aktiv- und Passivposten der Steuerbilanz auch der H&ouml;he nach f&uuml;r Zwecke der Erbschaft- und Schenkungsteuer &uuml;bernommen werden (BTDrucks&nbsp;12\/1108 S.&nbsp;36). Der durch die &Uuml;bernahme der zutreffenden Steuerbilanzwerte beabsichtigte Vereinfachungszweck schlie&szlig;t es aus, im Einzelfall andere, realit&auml;tsnahe Werte anzusetzen. Anderenfalls m&uuml;sste allein aus erbschaft- und schenkungsteuerlichen Gr&uuml;nden eine vom Gesetzgeber ausdr&uuml;cklich nicht gew&uuml;nschte Bewertung der einzelnen Wirtschaftsg&uuml;ter des Betriebsverm&ouml;gens erfolgen. Selbst dann, wenn ein einzelnes Wirtschaftsgut in der Steuerbilanz zu hoch bewertet worden ist, bedeutet dies nicht automatisch, dass der Wertansatz f&uuml;r das Betriebsverm&ouml;gen insgesamt zu hoch ausf&auml;llt. Einzelnen zu hoch bewerteten Wirtschaftsg&uuml;tern stehen n&auml;mlich in aller Regel in der Steuerbilanz aufgrund von Abschreibungen etc. im Verh&auml;ltnis zum Verkehrswert zu niedrig bewertete Wirtschaftsg&uuml;ter gegen&uuml;ber. Dies alles hat der Gesetzgeber erkannt und aus Vereinfachungsgr&uuml;nden allein auf den zutreffenden Wertansatz in der Steuerbilanz abgestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Aus dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 7.&nbsp;November 2006&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;10\/02 (BVerfGE 117, 1, BStBl II 2007, 192) folgt nichts anderes. Zwar hat das BVerfG aufgrund der Ankn&uuml;pfung an die unterschiedliche Bewertung einzelner Wirtschaftsg&uuml;ter die Unvereinbarkeit der Tarifvorschrift des &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 ErbStG&nbsp;a.F. mit dem Grundgesetz festgestellt, aber deren weitere Anwendung f&uuml;r einen &Uuml;bergangszeitraum zugelassen. Billigkeitsma&szlig;nahmen k&ouml;nnen daher nicht auf die Verfassungswidrigkeit des &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 ErbStG&nbsp;a.F. gest&uuml;tzt werden. Unabh&auml;ngig davon kann es in Einzelf&auml;llen geboten sein, durch eine Billigkeitsentscheidung einen verfassungskonformen Zustand herbeizuf&uuml;hren (vgl. Loose, a.a.O, &sect;&nbsp;227 AO Rz&nbsp;77, m.w.N.). Der Streitfall bietet jedoch keinen Anhaltspunkt daf&uuml;r, dass die Bewertung des Betriebsverm&ouml;gens aufgrund der Ankn&uuml;pfung an die Steuerbilanzwerte insgesamt, also nicht nur in Bezug auf die auf den Kl&auml;ger &uuml;bergegangene Forderung des Erblassers gegen die C-KG, in einem solchen Ausma&szlig; von den tats&auml;chlichen Werten abweicht, dass ausnahmsweise ein Erlass aus sachlichen Billigkeitsgr&uuml;nden geboten erscheint, um einen verfassungskonformen Zustand im Einzelfall herbeizuf&uuml;hren. Das verfassungsm&auml;&szlig;ige &Uuml;berma&szlig;verbot ist erst dann verletzt, wenn die Folgen einer schematisierenden Belastung extrem &uuml;ber das normale Ma&szlig; hinausgehen, das der Schematisierung zugrunde liegt, oder die Folgen auch unter Ber&uuml;cksichtigung der gesetzgeberischen Planvorstellungen durch den gebotenen Anlass nicht mehr gerechtfertigt sind (vgl. BVerfG-Beschluss vom 5.&nbsp;April 1978&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;117\/73, BVerfGE 48, 102, 116, BStBl II 1978, 441; BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Mai 2004 II&nbsp;R&nbsp;45\/01, BFHE 204, 570, BStBl II 2004, 1036, zum &Uuml;berma&szlig;verbot bei der typisierenden Bewertung von Erbbaurechten). Dies trifft hier nicht zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2013, II R 13\/11 Erlass von Erbschaftsteuer aus sachlichen Billigkeitsgr&uuml;nden (Rechtslage vor dem 1.1.2009) Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Alleinerbe seines am 2.&nbsp;August 2002 verstorbenen Gro&szlig;- und Adoptivvaters. Zum Nachlass geh&ouml;rte u.a. eine Kommanditbeteiligung des Erblassers an der C-GmbH &#038; Co. KG (C-KG). 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