{"id":56829,"date":"2013-08-14T18:48:45","date_gmt":"2013-08-14T16:48:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=56829"},"modified":"2013-08-14T18:48:45","modified_gmt":"2013-08-14T16:48:45","slug":"ix-r-36-12-umbau-als-erweiterung-is-von-par-255-abs-2-satz-1-hgb-umbau-eines-flachdachs-zu-einem-satteldach-abgrenzung-zwischen-nachtraeglichen-herstellungskosten-und-erhaltungsaufwendungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-36-12-umbau-als-erweiterung-is-von-par-255-abs-2-satz-1-hgb-umbau-eines-flachdachs-zu-einem-satteldach-abgrenzung-zwischen-nachtraeglichen-herstellungskosten-und-erhaltungsaufwendungen\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;36\/12 &#8211; Umbau als Erweiterung i.S. von &sect; 255 Abs. 2 Satz 1 HGB &#8211; Umbau eines Flachdachs zu einem Satteldach &#8211; Abgrenzung zwischen nachtr&auml;glichen Herstellungskosten und Erhaltungsaufwendungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.5.2013, IX R 36\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Umbau als Erweiterung i.S. von &sect; 255 Abs. 2 Satz 1 HGB &#8211; Umbau eines Flachdachs zu einem Satteldach &#8211; Abgrenzung zwischen nachtr&auml;glichen Herstellungskosten und Erhaltungsaufwendungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Unter dem Gesichtspunkt der Erweiterung sind (nachtr&auml;gliche) Herstellungskosten &#8211;neben Anbau und Aufstockung&#8211; auch gegeben, wenn nach Fertigstellung des Geb&auml;udes seine nutzbare Fl&auml;che &#8211;wenn auch nur geringf&uuml;gig&#8211; vergr&ouml;&szlig;ert wird (hier: Satteldach statt Flachdach). Auf die tats&auml;chliche Nutzung sowie auf den etwa noch erforderlichen finanziellen Aufwand f&uuml;r eine Fertigstellung zu Wohnzwecken kommt es nicht an.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die &quot;nutzbare Fl&auml;che&quot; umfasst nicht nur die (reine) Wohnfl&auml;che (einer Wohnung\/eines Geb&auml;udes) i.S. des &sect; 2 Abs. 1, Abs. 2, &sect; 4 WoFlV, sondern auch die zur Wohnung\/zum Geb&auml;ude geh&ouml;renden Grundfl&auml;chen der Zubeh&ouml;rr&auml;ume sowie die den Anforderungen des Bauordnungsrechts nicht gen&uuml;genden R&auml;ume (&sect; 2 Abs. 3 Nrn. 1, 2 WoFlV).<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten dar&uuml;ber, ob Aufwendungen f&uuml;r den Umbau eines Flachdachs zu einem Satteldach als Herstellungskosten oder als Erhaltungsaufwendungen bei den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die verheirateten Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wurden f&uuml;r die Jahre 2006 und 2007 (Streitjahre) zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Sie sind Eigent&uuml;mer des im Jahr 1972 errichteten, nicht unterkellerten und von ihnen 1996 erworbenen Einfamilienhauses (EFH). Hieraus erkl&auml;rten sie in den Streitjahren Verluste aus Vermietung und Verpachtung.<br \/>Bei diesem Objekt wurde im Jahr 2006 ein undichtes Flachdach durch ein Satteldach (mit einem Kniestock von 1,3&nbsp;m und einer Dachneigung von 27&deg; auf vorhandener Holzbalkendecke) ersetzt. In 2007 wurden weitere Sanierungs- und W&auml;rmed&auml;mmma&szlig;nahmen, die z.T. auch mit der Dachsanierung zusammenhingen, durchgef&uuml;hrt. Aus einer Aktennotiz beim zust&auml;ndigen Landratsamt ergibt sich, dass eine sp&auml;tere Nutzung des Dachgeschosses als Wohnraum genehmigt werden k&ouml;nnte. Eine Genehmigung zur Wohnnutzung wurde bisher aber weder beantragt noch erteilt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Dachgeschoss ist weder verputzt noch ausgebaut; es fehlen Brand- und W&auml;rmeschutz sowie die Anschl&uuml;sse f&uuml;r Strom, Wasser und eine Heizung. Ein Betreten ist derzeit nur &uuml;ber eine Einschubleiter in der Garage m&ouml;glich; von deren (nicht ausgebautem) Spitzboden, der als Abstellraum genutzt wird, f&uuml;hrt ein ca. 1&nbsp;qm gro&szlig;er Mauerdurchbruch in das (neue) Dachgeschoss des EFH. Dieses besitzt an der S&uuml;dwestseite ein sog. Zwerchhaus mit zwei Fenstert&uuml;ren sowie ein Fenster an der S&uuml;dostseite. Durch die Errichtung einer Innen- bzw. Au&szlig;entreppe k&ouml;nnte nach Auskunft des Landratsamts die nach der Bauordnung erforderliche Anzahl von Rettungswegen geschaffen werden. Anfragen des Gerichts beim Landratsamt bzw. bei der Gemeinde ergaben, dass un&uuml;berwindbare bauplanungsrechtliche Hindernisse f&uuml;r eine Wohnnutzung des Dachgeschosses derzeit nicht bestehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 2006 machten die Kl&auml;ger u.a. die f&uuml;r die Errichtung des Satteldachs angefallenen Aufwendungen als Erhaltungsaufwendungen bei den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung geltend. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte den erkl&auml;rten Verlust aus der Vermietung des EFH unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung zun&auml;chst erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Durchf&uuml;hrung einer Ortsbesichtigung wurde unter Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung bei der ge&auml;nderten Einkommensteuerfestsetzung f&uuml;r 2006 nur noch ein Verlust aus der Vermietung des EFH in H&ouml;he von 10.455&nbsp;EUR angesetzt. Dabei wurden die f&uuml;r die Errichtung des Satteldachs angefallenen Aufwendungen in H&ouml;he von 31.782,72&nbsp;EUR als Herstellungskosten und im Wege der Absetzung f&uuml;r Abnutzung (AfA) mit j&auml;hrlich 2&nbsp;% ber&uuml;cksichtigt. Die &uuml;brigen Aufwendungen in H&ouml;he von 8.402&nbsp;EUR wurden als sofort abzugsf&auml;higer Erhaltungsaufwand behandelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Von den im Streitjahr 2007 geltend gemachten Erhaltungsaufwendungen f&uuml;r Sanierungs- und W&auml;rmed&auml;mmma&szlig;nahmen behandelte das FA einen Betrag von 8.142&nbsp;EUR als nachtr&auml;gliche Herstellungskosten und in H&ouml;he von 12.464&nbsp;EUR als Erhaltungsaufwand. Entsprechend wurde statt des erkl&auml;rten Verlustes von 22.595&nbsp;EUR nur noch ein Verlust von 15.251&nbsp;EUR ber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die eingelegten Einspr&uuml;che wie auch die Klage blieben ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) vertrat die Auffassung (Urteil in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 2003), dass nach Ma&szlig;gabe der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung die Aufwendungen f&uuml;r die Dacherneuerung als Herstellungskosten zu beurteilen und daher nur &uuml;ber die AfA abzugsf&auml;hig seien. Es sei schon fraglich, ob durch die Bauma&szlig;nahmen bereits von einem ausbau-f&auml;higen Dachgeschoss gesprochen werden k&ouml;nne. Dennoch sei nach Ansicht des Senats durch die Bauma&szlig;nahme eine Erweiterung sowie wesentliche Verbesserung i.S. von &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;2 des Handelsgesetzbuchs (HGB) eingetreten. Nach dem Gutachten und den Erl&auml;uterungen des Sachverst&auml;ndigen seien zwar die statischen Anforderungen an eine Nutzung des Dachgeschosses als Wohn- und Aufenthaltsraum nicht erf&uuml;llt. Eine Speichernutzung sei aber denkbar und m&ouml;glich, da insofern geringere Traglasten notwendig seien. Somit sei durch die Errichtung des Satteldachs die Nutzungsm&ouml;glichkeit des Objekts erweitert worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung materiellen Rechts (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;, &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;2 HGB). Nach der Rechtsprechung seien vorliegend keine Herstellungskosten weder als Ausbau noch als erhebliche Verbesserung gegeben. Der durch das Satteldach entstandene Raum sei nicht ausgebaut und auch nicht ausbauf&auml;hig. Die Feststellungen des Sachverst&auml;ndigen w&uuml;rden belegen, dass eine Nutzung des (bisher) nicht erschlossenen Dachgeschosses auch nach Herstellung eines Zugangs aus statischen Gr&uuml;nden nicht m&ouml;glich sei. Es bestehe kein Zugang (au&szlig;er &uuml;ber eine Einschubleiter in der Garage); der Mauerdurchbruch k&ouml;nne nicht als Zugangsm&ouml;glichkeit angesehen werden. Technisch sei allenfalls eine Au&szlig;entreppe denkbar; diese L&ouml;sung sei aber optisch absurd, auch liege keine Zustimmung der Nachbarn vor. Zudem sei die Statik nicht ausreichend, selbst eine Nutzung als Lagerraum sei nach Aussage des Sachverst&auml;ndigen grenzwertig. Es komme nicht darauf an, ob f&uuml;r den evtl. m&ouml;glichen Ausbau des Dachgeschosses zu Wohnzwecken noch weitere Bauma&szlig;nahmen erforderlich werden. &Uuml;berdies sei eine Dachraumnutzung nur unter erheblichem zus&auml;tzlichem Aufwand (ca. 40.000&nbsp;EUR) m&ouml;glich. Das FG habe im &Uuml;brigen die Tatsache nicht gew&uuml;rdigt, dass seit Ende der Bauma&szlig;nahmen keine Nutzung des Dachraums stattgefunden habe; es bestehe weder eine theoretische noch eine praktische Nutzungsm&ouml;glichkeit. Die Kl&auml;ger h&auml;tten lediglich wegen beh&ouml;rdlicher Auflagen ein schadhaftes durch ein dichtes Dach ersetzt und keinen neuen, tats&auml;chlich nutzbaren Raum geschaffen. Die Ma&szlig;nahmen h&auml;tten nur dem Erhalt des Geb&auml;udes gedient; derartige Aufwendungen seien &quot;schlichtweg Erhaltungsaufwand&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das FG-Urteil und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2006 vom 28.&nbsp;M&auml;rz 2008 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 13.&nbsp;November 2009 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2007 vom 22.&nbsp;Oktober 2008 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 13.&nbsp;November 2009 dahin zu &auml;ndern, dass die Einkommensteuer f&uuml;r 2007 auf 56.248&nbsp;EUR festgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Das FG hat die strittigen Aufwendungen zu Recht als Herstellungskosten behandelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Aufwendungen, die durch die Absicht veranlasst sind, Eink&uuml;nfte aus Vermietung und Verpachtung zu erzielen (&sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;1 EStG), sind dann nicht als Werbungskosten (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 EStG) sofort abziehbar, wenn es sich um Herstellungskosten handelt. Welche Aufwendungen zu den Herstellungskosten z&auml;hlen, bestimmt sich nach &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 HGB (z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.&nbsp;September 2009 IX&nbsp;R&nbsp;21\/08, BFH\/NV 2010, 846; vom 14.&nbsp;Juli 2004 IX&nbsp;R&nbsp;52\/02, BFHE 206, 441, BStBl II 2004, 949, m.w.N.). Danach sind Herstellungskosten Aufwendungen, die durch den Verbrauch von G&uuml;tern und die Inanspruchnahme von Diensten f&uuml;r die Herstellung eines Verm&ouml;gensgegenstandes, seine Erweiterung oder f&uuml;r eine &uuml;ber seinen urspr&uuml;nglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen. Dabei sind Aufwendungen f&uuml;r die Erweiterung eines Geb&auml;udes stets als Herstellungskosten zu beurteilen, auch wenn die Erweiterung nur geringf&uuml;gig ist (vgl. BFH-Urteile vom 13.&nbsp;Oktober 1998 IX&nbsp;R&nbsp;80\/95, BFH\/NV 1999, 605; vom 9.&nbsp;Mai 1995 IX&nbsp;R&nbsp;88\/90, BFHE 178, 32, BStBl II 1996, 628, und IX&nbsp;R&nbsp;2\/94, BFHE 178, 42, BStBl II 1996, 637).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Unter dem Gesichtspunkt der Erweiterung sind (nachtr&auml;gliche) Herstellungskosten &#8211;neben Anbau und Aufstockung auch&#8211; gegeben, wenn nach Fertigstellung bisher nicht vorhandene Bestandteile in das Geb&auml;ude eingef&uuml;gt (Substanzmehrung) werden bzw. seine nutzbare Fl&auml;che vergr&ouml;&szlig;ert wird und dies eine &quot;Erweiterung der Nutzungsm&ouml;glichkeit des Geb&auml;udes&quot; zur Folge hat (vgl. BFH-Urteile vom 17.&nbsp;Juni 1997 IX&nbsp;R&nbsp;30\/95, BFHE 183, 470, BStBl II 1997, 802; vom 27.&nbsp;September 2001 X&nbsp;R&nbsp;55\/98, BFH\/NV 2002, 627, unter II.1.b; in BFHE 206, 441, BStBl II 2004, 949, m.w.N.); auf die tats&auml;chliche (Nicht-)Nutzung kommt es &#8211;entgegen der Ansicht der Kl&auml;ger&#8211; nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dabei umfasst die &quot;nutzbare Fl&auml;che&quot; i.S. der vorgenannten Rechtsprechung nicht nur die (reine) Wohnfl&auml;che (einer Wohnung\/eines Geb&auml;udes) i.S. des &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;2, &sect;&nbsp;4 der Wohnfl&auml;chenverordnung (WoFlV), sondern auch die zur Wohnung\/ zum Geb&auml;ude geh&ouml;renden Grundfl&auml;chen der Zubeh&ouml;rr&auml;ume sowie die den Anforderungen des Bauordnungsrechts nicht gen&uuml;genden R&auml;ume (i.S. des &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Nrn.&nbsp;1 und 2 WoFlV). Denn die f&uuml;r die Berechnung der Wohnfl&auml;che anzuwendende WoFlV ist f&uuml;r die Auslegung des &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 HGB nicht ma&szlig;gebend, ebenso nicht eine Vergr&ouml;&szlig;erung des umbauten Raums (vgl. BFH-Urteile vom 13.&nbsp;Dezember 1984 VIII&nbsp;R&nbsp;273\/81, BFHE 143, 238, BStBl II 1985, 394; vom 19.&nbsp;Juli 1985 III&nbsp;R&nbsp;170\/80, BFH\/NV 1986, 24; vom 3.&nbsp;Dezember 2002 IX&nbsp;R&nbsp;64\/99, BFHE 201, 148, BStBl II 2003, 590).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) So wurde eine Erweiterung u.a. angenommen (s.a. Bl&uuml;mich\/ Ehmcke, &sect;&nbsp;6 EStG Rz&nbsp;390 &quot;Einzelf&auml;lle&quot;), wenn ein Flachdach durch ein Satteldach (BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Juni 1991 IX&nbsp;R&nbsp;1\/87, BFHE 165, 355, BStBl II 1992, 73) oder durch ein Spitzgiebeldach ersetzt (BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Dezember 1995 IX&nbsp;R&nbsp;88\/93, BFH\/NV 1996, 537), wenn ein Kelleranbau unter der vergr&ouml;&szlig;erten Terrasse errichtet (BFH-Urteil in BFHE 178, 32, BStBl II 1996, 628), wenn auf einer Dachterrasse ein ganzj&auml;hrig nutzbarer Wintergarten errichtet wurde (BFH-Urteil in BFH\/NV 1999, 605), oder wenn durch Einbau einer Dachgaube (BFH-Urteil in BFHE 201, 148, BStBl II 2003, 590) oder durch ein neues Treppenhaus als Vorbau (BFH-Beschluss vom 24.&nbsp;September 2009 IV&nbsp;B&nbsp;126\/08, BFH\/NV 2010, 37) die nutzbare Fl&auml;che vergr&ouml;&szlig;ert wurde oder wenn an dem Geb&auml;ude Balkone angebaut und das Dachgeschoss mit neuen Gauben ausgebaut wurde (BFH-Urteil vom 22.&nbsp;Dezember 2011 III&nbsp;R&nbsp;37\/09, BFHE 236, 179, BStBl II 2013, 182).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ob die Kosten der (jeweiligen) Bauma&szlig;nahmen als (nachtr&auml;gliche) Herstellungskosten oder Erhaltungsaufwendungen zu beurteilen sind, hat das FG als Tatsacheninstanz anhand der gesamten Umst&auml;nde des Einzelfalls zu pr&uuml;fen (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2010, 846, unter II.1.c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Diesen Ma&szlig;st&auml;ben entspricht die Vorentscheidung. Das FG hat die (streitigen) Aufwendungen f&uuml;r die Dacherneuerung ohne Rechtsfehler als Herstellungskosten gewertet, weil die Bauma&szlig;nahmen zu einer Erweiterung des Wohngeb&auml;udes i.S. des &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alt. HGB gef&uuml;hrt haben. So kann dahinstehen, ob auch eine &#8211;vom FG weiter angenommene&#8211; wesentliche Verbesserung i.S. des &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1&nbsp;&nbsp;3.&nbsp;Alt. HGB gegeben ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Trotz der insoweit bestehenden statischen Unw&auml;gbarkeiten (Standsicherheit mit Lastenaufnahme und Lastenabtragung) ist das FG aufgrund seiner &#8211;insoweit nicht angegriffenen und damit den Senat bindenden&#8211; tats&auml;chlichen Feststellungen (vgl. &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) zu dem Ergebnis gelangt, dass durch den Dachumbau eine Erweiterung des Geb&auml;udes eingetreten ist. Dabei hat es das Gutachten und die Erl&auml;uterungen des Sachverst&auml;ndigen dazu zugrunde gelegt, wonach die Anforderungen an die Nutzung des Dachgeschosses als Wohn- und Aufenthaltsraum zwar nicht erf&uuml;llt seien, eine Nutzung als Speicher\/Abstellraum aber wegen geringerer Traglasten denkbar und &#8211;entgegen der Revision&#8211; m&ouml;glich sei. Der vorhandene Mauerdurchbruch reiche als Zugang f&uuml;r diese Nutzung aus. Damit sei auch die Nutzungsm&ouml;glichkeit des Geb&auml;udes erweitert worden, zumal das Haus nicht unterkellert sei und die (bisherige) Wohnfl&auml;che lediglich 70&nbsp;qm betrage. Auch komme es weder darauf an, warum das Satteldach (statt des nicht genehmigten Pultdachs) errichtet wurde, noch darauf, mit welchem finanziellen Aufwand die Nutzung zu Wohnzwecken erreicht werden k&ouml;nnte, noch darauf, dass eine m&ouml;gliche Dachnutzung seit der Bauma&szlig;nahme nicht erfolgt sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Diese W&uuml;rdigung des FG auf der Basis des Sachverst&auml;ndigen-Gutachtens und den dazu gegebenen Erl&auml;uterungen sowie unter Ber&uuml;cksichtigung der tats&auml;chlichen Gegebenheiten des Streitfalles ist m&ouml;glich und verst&ouml;&szlig;t nicht gegen Denkgesetze und Erfahrungss&auml;tze. Sie ist daher revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Hinzu kommt f&uuml;r den Streitfall, dass die &quot;nutzbare Fl&auml;che&quot; i.S. der BFH-Rechtsprechung (s. oben unter II.1.a und b: BFH-Urteile in BFHE 165, 355, BStBl II 1992, 73, und in BFHE 178, 32, BStBl II 1996, 628) auch die zum Geb&auml;ude geh&ouml;renden Grundfl&auml;chen der Abstell- und Bodenr&auml;ume (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Nrn.&nbsp;1b und 1d WoFlV) wie auch solcher R&auml;ume umfasst, die den baurechtlichen Anforderungen &#8211;wie hier&#8211; nicht gen&uuml;gen (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 WoFlV).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.5.2013, IX R 36\/12 Umbau als Erweiterung i.S. von &sect; 255 Abs. 2 Satz 1 HGB &#8211; Umbau eines Flachdachs zu einem Satteldach &#8211; Abgrenzung zwischen nachtr&auml;glichen Herstellungskosten und Erhaltungsaufwendungen Leits&auml;tze 1. Unter dem Gesichtspunkt der Erweiterung sind (nachtr&auml;gliche) Herstellungskosten &#8211;neben Anbau und Aufstockung&#8211; auch gegeben, wenn nach Fertigstellung des Geb&auml;udes seine &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-36-12-umbau-als-erweiterung-is-von-par-255-abs-2-satz-1-hgb-umbau-eines-flachdachs-zu-einem-satteldach-abgrenzung-zwischen-nachtraeglichen-herstellungskosten-und-erhaltungsaufwendungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;36\/12 &#8211; Umbau als Erweiterung i.S. von &sect; 255 Abs. 2 Satz 1 HGB &#8211; Umbau eines Flachdachs zu einem Satteldach &#8211; Abgrenzung zwischen nachtr&auml;glichen Herstellungskosten und Erhaltungsaufwendungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-56829","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56829"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56829\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}