{"id":56832,"date":"2013-08-14T18:48:39","date_gmt":"2013-08-14T16:48:39","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=56832"},"modified":"2013-08-14T18:48:39","modified_gmt":"2013-08-14T16:48:39","slug":"v-r-23-12-bedeutung-des-widerrufs-einer-verbindlichen-auskunft-fuer-das-klageverfahren-gegen-eine-steuerfestsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-23-12-bedeutung-des-widerrufs-einer-verbindlichen-auskunft-fuer-das-klageverfahren-gegen-eine-steuerfestsetzung\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;23\/12 &#8211; Bedeutung des Widerrufs einer verbindlichen Auskunft f&uuml;r das Klageverfahren gegen eine Steuerfestsetzung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2013, V R 23\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Bedeutung des Widerrufs einer verbindlichen Auskunft f&uuml;r das Klageverfahren gegen eine Steuerfestsetzung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Widerruft das FA eine verbindliche Auskunft, ist das Klageverfahren gegen eine Steuerfestsetzung, f&uuml;r die die verbindliche Auskunft ohne den Widerruf bindend w&auml;re, bis zum Abschluss des Rechtsbehelfsverfahrens gegen den Widerruf gem&auml;&szlig; &sect; 74 FGO auszusetzen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) erbrachte im Streitzeitraum entgeltliche Leistungen durch die Nutzungs&uuml;berlassung sog. Floating-Tanks. Diese enthielten konzentrierte Salzwasserl&ouml;sungen, so dass beim sog. Floaten die Last des eigenen K&ouml;rpergewichts entfiel und sich Muskeln entspannen konnten. Die Tanks waren schallisoliert, wodurch der &quot;sensorische Input&quot; auf ein Minimum reduziert wurde. Die durchschnittliche Dauer einer Anwendung betrug 50 bis 60 Minuten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Methode wurde zur Entspannung im Wellnessbereich sowie zu therapeutischen Zwecken wie z.B. zur Heilung stressbedingter Erkrankungen und Bluthochdruck, in der Orthop&auml;die, Dermatologie und Sportmedizin eingesetzt. Es handelte sich &#8211;eine medizinische Indikation vorausgesetzt&#8211; um eine physikalische Therapieform.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf Antrag vom 11.&nbsp;Dezember 2007 hatte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) unter dem Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs am 23.&nbsp;Januar 2008 eine verbindliche Auskunft erteilt, nach der die Floating-Leistungen der Kl&auml;gerin dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;9 des Umsatzsteuergesetzes 2005 (UStG) unterliegen. Mit Schreiben vom 26.&nbsp;Januar 2009 widerrief das FA die verbindliche Auskunft. Hiergegen legte die Kl&auml;gerin Einspruch ein, &uuml;ber den das FA noch nicht entschieden hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer Umsatzsteuervoranmeldung I\/2009 meldete die Kl&auml;gerin Ums&auml;tze in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR an und beantragte die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes. Das FA lehnte dies ab und setzte mit Bescheid vom 25.&nbsp;September 2009 die Umsatzsteuer auf die Floating-Leistungen nach dem Regelsteuersatz fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen erhob die Kl&auml;gerin Sprungklage zum Finanzgericht (FG) nach &sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO), der das FA mit Schreiben vom 17.&nbsp;Juli 2009 zustimmte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des FG-Verfahrens &auml;nderte das FA den Umsatzsteuerbescheid I\/2009 durch Bescheid vom 6.&nbsp;Juli 2009, der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;68 FGO Gegenstand des Verfahrens wurde, da die verbindliche Auskunft noch f&uuml;r Januar 2009 Wirkung entfaltet habe und minderte die Umsatzsteuer entsprechend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seinem in &quot;Entscheidungen der Finanzgerichte&quot; 2012, 2323 ver&ouml;ffentlichten Urteil wies das FG die Klage ab, da die Kl&auml;gerin nicht den Nachweis erbracht habe, dass das Floating als medizinische Heilbehandlung genutzt werde und damit ein Heilbad vorliege.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit der Revision. Sie biete Salzwasser-Schwebeb&auml;der in speziellen Kapseln (sog. Floating-Tanks). Dabei handele es sich um einen wannenartigen Beh&auml;lter, in dem der Kunde in einer nat&uuml;rlichen Sole aus Wasser und Salz schwebe. Dies habe positive Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. So werde z.B. die Wirbels&auml;ule entlastet, hoher Blutdruck gesenkt oder Stress reduziert. Hierzu habe sie dem FG zahlreiche Stellungnahmen namhafter Experten vorgelegt. Hieraus ergebe sich, dass ihre Kunden das Floating als medizinische Heilbehandlung nutzten und ein Heilbad i.S. von &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;9 UStG vorliege. Die gegenteilige Auffassung des FG entspreche nicht der bisherigen Rechtsprechung. Sie habe auch Nachweise durch Kundenbefragungen erbracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und den Bescheid zur Festsetzung der Umsatzsteuervorauszahlung I\/2009 vom 6.&nbsp;Juli 2009 dahingehend abzu&auml;ndern, dass die Vorauszahlung auf &#8230;&nbsp;EUR festgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Revisionsverfahrens erging der Umsatzsteuer-Jahressteuerbescheid 2009 vom 5.&nbsp;September 2012.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist aus anderen als den geltend gemachten Gr&uuml;nden begr&uuml;ndet. Das angefochtene Urteil war aufzuheben und die Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das Urteil des FG war aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden aufzuheben, weil der w&auml;hrend des Revisionsverfahrens ergangene Umsatzsteuer&#8211;Jahresbescheid f&uuml;r 2009 vom 5.&nbsp;September 2012 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1 FGO den Umsatzsteuer-Vorauszahlungsbescheid I\/2009, &uuml;ber dessen Rechtm&auml;&szlig;igkeit das FG entschieden hat, ersetzt hat und nunmehr Gegenstand des Verfahrens geworden ist (vgl. z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 3.&nbsp;November 2005 V&nbsp;R&nbsp;63\/02, BFHE 212, 161, BStBl II 2006, 337, unter II.1., und vom 17.&nbsp;Dezember 2008 XI&nbsp;R&nbsp;79\/07, BFHE 224, 156, BStBl II 2009, 434, unter II.1.). Da das FG &uuml;ber einen nicht mehr existenten Bescheid entschieden hat, kann das Urteil keinen Bestand haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch wenn der &Auml;nderungsbescheid den Streitstoff nicht ber&uuml;hrt hat, wie die Kl&auml;gerin mitgeteilt hat, scheidet im Streitfall eine Sachentscheidung des BFH aus, weil das Urteil an einem Verfahrensmangel leidet. Das angefochtene Urteil war daher aufzuheben und die Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Verfahrensfehlerhaft hat das FG das Verfahren &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der angefochtenen Umsatzsteuerfestsetzung nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;74 FGO ausgesetzt, bis &uuml;ber den Einspruch gegen den Widerruf der verbindlichen Auskunft abschlie&szlig;end entschieden ist, denn die Entscheidung &uuml;ber die Wirksamkeit des Widerrufs der am 23.&nbsp;Januar 2008 erteilten Zusage ist vorgreiflich f&uuml;r die Umsatzsteuerfestsetzung f&uuml;r das Streitjahr 2009.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Unterl&auml;sst das FG eine gebotene Aussetzung des Verfahrens nach &sect;&nbsp;74 FGO, liegt darin ein Verfahrensfehler im Sinne eines Versto&szlig;es gegen die Grundordnung des Verfahrens (BFH-Entscheidungen vom 17.&nbsp;Dezember 2003 I&nbsp;R&nbsp;47\/02, BFH\/NV 2004, 771; vom 9.&nbsp;Februar 2005 X&nbsp;R&nbsp;52\/03, BFH\/NV 2005, 1235; vom 16.&nbsp;November 2006 XI&nbsp;B&nbsp;156\/05, BFH\/NV 2007, 401, und vom 31.&nbsp;Mai 2010 X&nbsp;B&nbsp;162\/09, BFH\/NV 2010, 2011, jeweils m.w.N.), der von Amts wegen zu ber&uuml;cksichtigen ist (BFH-Urteile vom 9.&nbsp;September 2010 IV&nbsp;R&nbsp;31\/08, BFH\/NV 2011, 413; vom 14.&nbsp;Februar 2008 IV&nbsp;R&nbsp;44\/05, BFH\/NV 2008, 1156, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Voraussetzung f&uuml;r die Aussetzung des Verfahrens gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;74 FGO ist, dass die Entscheidung des Rechtsstreits ganz oder zum Teil von dem Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverh&auml;ltnisses abh&auml;ngt, das den Gegenstand eines anderen anh&auml;ngigen Rechtsstreits bildet oder von einer Verwaltungsbeh&ouml;rde festzustellen ist. Eine Abh&auml;ngigkeit zwischen zwei anh&auml;ngigen Verfahren in diesem Sinne besteht, wenn der Ausgang des einen (m&ouml;glicherweise auszusetzenden) Rechtsstreits (hier des Verfahrens gegen die Umsatzsteuer-Festsetzung f&uuml;r 2009) von dem anderen (m&ouml;glicherweise vorgreiflichen) Verfahren (hier dem Einspruchsverfahren gegen den Widerruf einer bereits erteilten Zusage in Bezug auf die dem ge&auml;nderten Umsatzsteuerbescheid zugrunde liegende Streitfrage, ob auf die Floating-Leistungen der Kl&auml;gerin der erm&auml;&szlig;igte Umsatzsteuersatz anzuwenden ist) in der Sache beeinflusst werden kann. Diese Voraussetzungen liegen vor. Denn ein Verfahren, in dem &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Widerrufs einer erteilten verbindlichen Auskunft gestritten wird, ist wegen der Bindung an eine erteilte Auskunft &#8211;anders als ein Verfahren &uuml;ber einen erfolglosen Antrag auf Erteilung einer verbindlichen Auskunft (Negativbescheid)&#8211; i.S. des &sect;&nbsp;74 FGO vorgreiflich f&uuml;r das entsprechende Festsetzungsverfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) kann der Steuerpflichtige aus Gr&uuml;nden der Planungs- und Entscheidungssicherheit eine verbindliche Auskunft (Zusage) dar&uuml;ber verlangen, wie ein in der Zukunft liegender Besteuerungstatbestand steuerrechtlich zu beurteilen ist. Nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 der ab dem 8.&nbsp;Dezember 2007 geltenden Verordnung zur Durchf&uuml;hrung von &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 AO (Steuer-Auskunftsverordnung &#8211;StAuskV&#8211;) ist die von der nach &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 und 3 AO zust&auml;ndigen Finanzbeh&ouml;rde erteilte verbindliche Auskunft f&uuml;r die Besteuerung des Antragstellers bindend, wenn der sp&auml;ter verwirklichte Sachverhalt von dem der Auskunft zugrunde gelegten Sachverhalt nicht oder nur unwesentlich abweicht. Die verbindliche Auskunft ist nur dann nicht bindend, wenn sie &#8211;anders als im Streitfall, in dem das FA zugunsten der Kl&auml;gerin zugesagt hat, dass die Floating-Leistungen nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;9 UStG dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz unterl&auml;gen &#8212; zu<strong>un<\/strong>gunsten des Steuerpflichtigen dem geltenden Recht widerspricht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die positive verbindliche Auskunft ist ein Verwaltungsakt und enth&auml;lt die f&uuml;r die betreffende Steuerart verbindliche Feststellung &uuml;ber eine bestimmte steuerrechtliche Behandlung des der Auskunft zugrundeliegenden Sachverhalts (vgl. BFH-Urteil vom 30.&nbsp;April 2009 VI&nbsp;R&nbsp;54\/07, BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996 zur Anrufungsauskunft nach &sect;&nbsp;42e des Einkommensteuergesetzes). Das FA kann die Auskunft, insbesondere sofern sich ihre Rechtswidrigkeit herausstellt, im Besteuerungsverfahren zwar nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 StAuskV ex&nbsp;nunc aufheben oder &auml;ndern (vgl. BFH-Urteile vom 2.&nbsp;September 2009 I&nbsp;R&nbsp;20\/09, BFH\/NV 2010, 391; vom 29.&nbsp;Februar 2012 IX&nbsp;R&nbsp;11\/11, BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651 zu den Kriterien f&uuml;r die Ermessensentscheidung). Die Bindungswirkung der verbindlichen Auskunft entf&auml;llt dann nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 StAuskV ab dem Zeitpunkt, in dem die Rechtsvorschriften, auf denen die Auskunft beruht, aufgehoben oder ge&auml;ndert werden. Liegen diese Voraussetzungen aber nicht vor, bindet die erteilte Auskunft, wenn sie wie &#8211;im Streitfall&#8211; zugunsten des Steuerpflichtigen wirkt, bei identischem Sachverhalt selbst dann, wenn sie dem geltenden Recht widerspricht. Dem FA ist daher in Bezug auf diese positive Feststellung in der Auskunft eine Rechtm&auml;&szlig;igkeitspr&uuml;fung im Rahmen der entsprechenden Steuerfestsetzung verwehrt. Ist aber bei einer verwaltungsaktbezogenen Klage die Pr&uuml;fung der Rechtm&auml;&szlig;igkeit ausgeschlossen, besteht insoweit eine Abh&auml;ngigkeit i.S. des &sect;&nbsp;74 FGO (z.B. BFH-Urteil vom 20.&nbsp;September 1989 X&nbsp;R&nbsp;8\/86, BFHE 158, 205, BStBl II 1990, 177; BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2011 II&nbsp;B&nbsp;152\/10, BFH\/NV 2011, 1008).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2013, V R 23\/12 Bedeutung des Widerrufs einer verbindlichen Auskunft f&uuml;r das Klageverfahren gegen eine Steuerfestsetzung Leits&auml;tze Widerruft das FA eine verbindliche Auskunft, ist das Klageverfahren gegen eine Steuerfestsetzung, f&uuml;r die die verbindliche Auskunft ohne den Widerruf bindend w&auml;re, bis zum Abschluss des Rechtsbehelfsverfahrens gegen den Widerruf gem&auml;&szlig; &sect; 74 FGO auszusetzen. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-23-12-bedeutung-des-widerrufs-einer-verbindlichen-auskunft-fuer-das-klageverfahren-gegen-eine-steuerfestsetzung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;23\/12 &#8211; Bedeutung des Widerrufs einer verbindlichen Auskunft f&uuml;r das Klageverfahren gegen eine Steuerfestsetzung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-56832","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56832","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56832"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56832\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}