{"id":5689,"date":"2012-07-18T00:00:00","date_gmt":"2012-07-17T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=5689"},"modified":"2012-11-23T13:20:12","modified_gmt":"2012-11-23T11:20:12","slug":"v-b-99-11-zu-den-anforderungen-an-die-sachaufklaerungsruege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-99-11-zu-den-anforderungen-an-die-sachaufklaerungsruege\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;99\/11 &#8211; Zu den Anforderungen an die Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.7.2012, V B 99\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Zu den Anforderungen an die Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) macht einen Versto&szlig; gegen die Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) mit der Begr&uuml;ndung geltend, das Finanzgericht (FG) habe auch ohne entsprechenden Beweisantritt von Amts wegen den Sachverhalt weiter aufkl&auml;ren m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Au&szlig;erdem habe das FG es pflichtwidrig unterlassen, einen entsprechenden Hinweis zu geben, worauf es seine Entscheidung st&uuml;tzen werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hilfsweise sei die Revision gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO zuzulassen, weil das Urteil des FG objektiv willk&uuml;rlich sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;gerin hat keinen Verfahrensfehler dargelegt, der vorliegt und auf dem das Urteil des FG beruhen kann (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Da die Sachaufkl&auml;rungspflicht dazu dient, die Spruchreife der Klage herbeizuf&uuml;hren, hat das FG nur das aufzukl&auml;ren, was aus seiner materiell-rechtlichen Sicht entscheidungserheblich ist (Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 5.&nbsp;August 2011 III&nbsp;B&nbsp;144\/10, BFH\/NV 2011, 1915, Leitsatz 2, unter II.2.b; vom 28.&nbsp;Juni 2011 IX&nbsp;B&nbsp;11\/11, BFH\/NV 2011, 1891). Um einen Sachaufkl&auml;rungsmangel hinreichend darzulegen, h&auml;tte die von einem Prozessbevollm&auml;chtigten vertretene Kl&auml;gerin vortragen m&uuml;ssen, welche konkreten Tatsachen das FG h&auml;tte aufkl&auml;ren und welche genau bezeichneten Beweise es von Amts wegen h&auml;tte erheben m&uuml;ssen, warum sie nicht von sich aus entsprechende Beweisantr&auml;ge gestellt hat und warum sich die Beweiserhebung dem FG auch ohne besonderen Antrag als erforderlich h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen, inwieweit die als unterlassen ger&uuml;gte Beweisaufnahme &#8211;auf der Grundlage der materiell-rechtlichen Auffassung des FG&#8211; zu einer anderen Entscheidung h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschluss vom 29.&nbsp;Januar 2010 III&nbsp;B&nbsp;50\/09, BFH\/NV 2010, 919). Diese Anforderungen erf&uuml;llt die Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge ist auch nicht geeignet, Beweisantr&auml;ge oder Fragen zu ersetzen, die ein fachkundig vertretener Beteiligter selbst in zumutbarer Weise in der m&uuml;ndlichen Verhandlung beim FG h&auml;tte stellen k&ouml;nnen (BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;April 2012 I&nbsp;B&nbsp;123\/11, nicht ver&ouml;ffentlicht &#8211;n.v.&#8211;, Leitsatz&nbsp;2). Ein umsichtiger Prozessvertreter muss vielmehr stets gew&auml;rtigen, dass das Gericht die Beweismittel abweichend w&uuml;rdigt und ist deshalb gehalten, vorsorglich alle von ihm f&uuml;r zweckm&auml;&szlig;ig erachteten Beweisantr&auml;ge zu stellen und ihre Ablehnung gegebenenfalls rechtzeitig zu r&uuml;gen (BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;April 2012 I&nbsp;B&nbsp;123\/11, n.v., unter II.4.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Beschwerdebegr&uuml;ndung, es sei nie Gegenstand richterlicher Sachaufkl&auml;rung gewesen, ob von der in der schriftlichen Vereinbarung vom 6.&nbsp;Juni 2002 vereinbarten F&auml;lligkeit abgewichen wurde, ist bereits unschl&uuml;ssig, da sie im Widerspruch zu den Feststellungen des Protokolls steht (zur Beweiskraft des Protokolls vgl. &sect;&nbsp;94 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;165 der Zivilprozessordnung, sowie BFH-Beschluss vom 5.&nbsp;Oktober 2010 IX&nbsp;S&nbsp;7\/10, BFH\/NV 2011, 57). Ausweislich der Sitzungsniederschrift der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 29.&nbsp;September 2011 hat der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin in der m&uuml;ndlichen Verhandlung erkl&auml;rt, dass der Pachtzins im Jahr 2005 zwar herabgesetzt, die F&auml;lligkeit hiervon aber nicht ber&uuml;hrt worden sei. Danach ist die Frage einer &Auml;nderung der F&auml;lligkeit im Jahre 2005 Gegenstand der m&uuml;ndlichen Verhandlung gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO) umfasst zwar auch die Er&ouml;rterung der Streitsache in rechtlicher Hinsicht (&sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;1 FGO). Eine umfassende Er&ouml;rterung ist allerdings nicht erforderlich. Insbesondere verlangt der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r nicht, dass das Gericht den Beteiligten die einzelnen f&uuml;r die Entscheidung erheblichen Gesichtspunkte, Schlussfolgerungen oder das Ergebnis einer Gesamtw&uuml;rdigung im Voraus anzudeuten oder mitzuteilen hat (BFH-Beschluss vom 14.&nbsp;Oktober 2009 IX&nbsp;B&nbsp;86\/09, BFH\/NV 2010, 222, Leitsatz&nbsp;3, unter 2.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Es liegt auch kein zur Zulassung der Revision f&uuml;hrender schwerwiegender Fehler i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Alternative FGO vor. Das ist nur dann der Fall, wenn das FG-Urteil aufgrund evidenter Rechtsanwendungsfehler als willk&uuml;rlich oder greifbar gesetzwidrig anzusehen ist, mithin unter keinem Gesichtspunkt rechtlich vertretbar ist und sich deshalb der Schluss aufdr&auml;ngt, dass es auf sachfremden Erw&auml;gungen beruht; eine blo&szlig; fehlerhafte Rechtsanwendung reicht nicht (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2008 IX&nbsp;B&nbsp;36\/07, BFH\/NV 2008, 1149, Leitsatz&nbsp;5, unter 3.b; vom 1.&nbsp;September 2008 IV&nbsp;B&nbsp;4\/08, BFH\/NV 2009, 35, Leitsatz&nbsp;2, unter II.2.). Hierf&uuml;r bieten weder der Vortrag der Kl&auml;gerin noch die Akten irgendwelche Anhaltspunkte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.7.2012, V B 99\/11 Zu den Anforderungen an die Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) macht einen Versto&szlig; gegen die Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) mit der Begr&uuml;ndung geltend, das Finanzgericht (FG) habe auch ohne entsprechenden Beweisantritt von Amts wegen den Sachverhalt weiter aufkl&auml;ren m&uuml;ssen. 2&nbsp; Au&szlig;erdem habe das &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-99-11-zu-den-anforderungen-an-die-sachaufklaerungsruege\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;99\/11 &#8211; Zu den Anforderungen an die Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-5689","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5689","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5689"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5689\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}