{"id":58695,"date":"2013-09-04T16:39:55","date_gmt":"2013-09-04T14:39:55","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=58695"},"modified":"2013-09-04T16:39:55","modified_gmt":"2013-09-04T14:39:55","slug":"ii-r-20-11-prozesszinsen-bei-unwirksamer-steuerfestsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-20-11-prozesszinsen-bei-unwirksamer-steuerfestsetzung\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;20\/11 &#8211; Prozesszinsen bei unwirksamer Steuerfestsetzung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2013, II R 20\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Prozesszinsen bei unwirksamer Steuerfestsetzung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Ein Anspruch auf Prozesszinsen gem&auml;&szlig; &sect; 236 Abs. 1 Satz 1 AO besteht auch dann, wenn durch eine rechtskr&auml;ftige gerichtliche Entscheidung eine unwirksame Steuerfestsetzung aufgehoben wird.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte mit zwei Bescheiden vom 12.&nbsp;November 2007 gegen die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) Schenkungsteuer in H&ouml;he von 2.352&nbsp;EUR f&uuml;r eine Schenkung ihrer Mutter und Erbschaftsteuer in H&ouml;he von 227.225&nbsp;EUR f&uuml;r den Erwerb von Todes wegen nach ihrer am 22.&nbsp;M&auml;rz 2003 verstorbenen Mutter fest. Die Zustellung der Bescheide erfolgte jeweils mit Postzustellungsurkunde. Sie wurden noch am 12.&nbsp;November 2007 einem privaten Zustellunternehmen &uuml;bergeben, dessen Mitarbeiterin die Zustellung am 13.&nbsp;November 2007 durch Einlegen in den zur Wohnung der Kl&auml;gerin geh&ouml;renden Briefkasten bescheinigte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Januar 2008 teilte die Kl&auml;gerin dem FA mit, sie habe zwar Mahnungen, aber keine Bescheide erhalten. Die daraufhin eingelegten Einspr&uuml;che verwarf das FA als unzul&auml;ssig. Dagegen erhob die Kl&auml;gerin Klage. Zuvor zahlte sie die festgesetzte Schenkung- und Erbschaftsteuer. W&auml;hrend des Klageverfahrens setzte das FA die Erbschaftsteuer mit Bescheid vom 9.&nbsp;Oktober 2008 auf 239.746&nbsp;EUR herauf. Den Mehrbetrag entrichtete die Kl&auml;gerin ebenfalls.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Beweisaufnahme durch Ortsbesichtigung, Einvernahme von Zeugen und Beiziehung eines gegen die Zustellerin ergangenen Strafurteils wegen Sachbesch&auml;digung und versuchten Betrugs durch Vernichtung f&ouml;rmlicher Zustellungen hob das Finanzgericht (FG) den Schenkungsteuerbescheid in Gestalt der Einspruchsentscheidung und den im Klageverfahren ergangenen Erbschaftsteuerbescheid mit Urteil vom 16.&nbsp;Dezember 2009 auf. Die Beweisaufnahme, so die Begr&uuml;ndung des Urteils, habe ergeben, dass die beurkundete Ersatzzustellung tats&auml;chlich nicht stattgefunden habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Rechtskraft des Urteils erstattete das FA die von der Kl&auml;gerin gezahlte Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie entstandene S&auml;umniszuschl&auml;ge. Den Antrag auf Festsetzung von Prozesszinsen lehnte das FA mit Bescheid vom 13.&nbsp;April 2010 ab. Seiner Ansicht nach seien die geleisteten Zahlungen auf eine nicht existente Schuld erfolgt. Der nach &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) entstandene Erstattungsanspruch l&ouml;se keine Prozesszinsen aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Verpflichtungsklage hatte Erfolg. Nach Auffassung des FG steht der Kl&auml;gerin ein Anspruch auf Festsetzung von Prozesszinsen zu, denn die festgesetzte und gezahlte Steuer sei durch eine gerichtliche Entscheidung herabgesetzt worden. Ohne Bedeutung sei, auf welchen Gr&uuml;nden die Herabsetzung beruhe. Folglich sei es auch unerheblich, ob die herabgesetzte oder aufgehobene Steuerfestsetzung von vornherein unwirksam gewesen sei. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 941 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen richtet sich die Revision des FA. Seiner Ansicht nach besteht ein Anspruch auf Prozesszinsen nur dann, wenn eine zuvor (wirksam) festgesetzte Steuer aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung aufgehoben oder herabgesetzt werde, nicht jedoch, wenn ein Bescheid allein aus deklaratorischen Gr&uuml;nden zur Beseitigung des Rechtsscheins seiner Wirksamkeit aufgehoben werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zutreffend hat das FG einen Anspruch der Kl&auml;gerin auf Prozesszinsen bejaht und das FA zur Festsetzung der Prozesszinsen verpflichtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG durfte das FA durch sog. Bescheidungsurteil zur Festsetzung der Prozesszinsen dem Grunde nach verpflichten, ohne die H&ouml;he der Prozesszinsen zu beziffern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;101 Satz&nbsp;1 FGO spricht das Gericht die Verpflichtung der Finanzbeh&ouml;rde aus, den begehrten Verwaltungsakt zu erlassen, wenn die Sache spruchreif ist. Spruchreife bedeutet, dass nach der f&uuml;r den Streitfall ma&szlig;geblichen Sach- und Rechtslage der Anspruch auf den Erlass des begehrten Verwaltungsakts besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall zielt das Klagebegehren nach dem Wortlaut des Klageantrags auf die Verpflichtung des FA, Prozesszinsen dem Grunde nach festzusetzen. Im Kern geht es der Kl&auml;gerin darum, das FA zu verpflichten, die Zinsfestsetzung nicht mit dem Hinweis darauf zu versagen, der Erstattungsanspruch sei bereits vor Klageerhebung entstanden. Dies war auch Gegenstand des Einspruchsverfahrens, nicht die Festsetzung von Prozesszinsen in einer bestimmten H&ouml;he.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Kl&auml;gerin steht ein Anspruch auf Prozesszinsen dem Grunde nach zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Anspr&uuml;che aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis werden nur verzinst, soweit dies gesetzlich vorgeschrieben ist (&sect;&nbsp;233 Satz&nbsp;1 AO). Es gibt keinen allgemeinen Rechtsgrundsatz, dass r&uuml;ckst&auml;ndige Staatsleistungen (angemessen) zu verzinsen sind (z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29.&nbsp;April 1997 VII&nbsp;R&nbsp;91\/96, BFHE 182, 253, BStBl II 1997, 476; vom 25.&nbsp;Januar 2007 III&nbsp;R&nbsp;85\/06, BFHE 216, 405, BStBl II 2007, 598; vom 29.&nbsp;August 2012 II&nbsp;R&nbsp;49\/11, BFHE 238, 499, BStBl II 2013, 104).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO entsteht ein Anspruch auf Zahlung von Prozesszinsen, wenn durch eine rechtskr&auml;ftige gerichtliche Entscheidung oder auf Grund einer solchen Entscheidung eine festgesetzte Steuer herabgesetzt oder eine Steuerverg&uuml;tung gew&auml;hrt wird. Dies gilt entsprechend, wenn sich der Rechtsstreit durch Aufhebung oder &Auml;nderung des angefochtenen Verwaltungsakts oder durch Erlass des beantragten Verwaltungsakts erledigt hat (&sect;&nbsp;236 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO). Der Zweck des &sect;&nbsp;236 AO besteht darin, dem Gl&auml;ubiger eines Erstattungsanspruchs f&uuml;r die Vorenthaltung des Kapitals und der damit verbundenen Nutzungsm&ouml;glichkeiten zumindest f&uuml;r die Zeit ab Rechtsh&auml;ngigkeit eine Entsch&auml;digung zu gew&auml;hren (vgl. BFH-Urteile vom 16.&nbsp;November 2000 XI&nbsp;R&nbsp;31\/00, BFHE 196, 1, BStBl II 2002, 119, und in BFHE 216, 405, BStBl II 2007, 598).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Anspruch auf Prozesszinsen setzt nur voraus, dass eine festgesetzte Steuer im gerichtlichen Verfahren herabgesetzt wird. Der Grund, der zur Herabsetzung der festgesetzten Steuer gef&uuml;hrt hat, ist f&uuml;r den Anspruch auf Prozesszinsen ohne Bedeutung (Koenig in Pahlke\/Koenig, Abgabenordnung, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;236 Rz&nbsp;12; Heuermann in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;236 AO Rz&nbsp;15; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanz-gerichtsordnung, &sect;&nbsp;236 AO Rz&nbsp;9; Anwendungserlass zur Abgaben-ordnung &sect;&nbsp;236 AO Nr.&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Der Anspruch auf Prozesszinsen besteht daher auch dann, wenn die festgesetzte Steuer im gerichtlichen Verfahren deshalb herabgesetzt oder der Steuerbescheid deshalb aufgehoben wird, weil eine Steuerschuld mangels wirksamer Bekanntgabe des Bescheids nicht bestand (vgl. Loose in Tipke\/Kruse, a.a.O.; Heuermann in HHSp &sect;&nbsp;236 AO Rz&nbsp;15). Lediglich auf &Uuml;berzahlung von Steuern beruhende Erstattungsanspr&uuml;che, die nicht auf der &Auml;nderung oder Aufhebung einer Steuerfestsetzung, sondern z.B. auf einem erfolgreichen Rechtsstreit gegen einen Abrechnungsbescheid oder auf Billigkeitsma&szlig;nahmen beruhen, werden nach &sect;&nbsp;236 AO nicht verzinst (BFH-Urteil vom 12.&nbsp;Mai 1987 VII&nbsp;R&nbsp;203\/83, BFHE 150, 298, BStBl II 1987, 702).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Auffassung des FA, wonach &sect;&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO eine wirksame Steuerfestsetzung voraussetzt, findet im Wortlaut des Gesetzes keinen Anhaltspunkt, denn dort ist lediglich von der &quot;festgesetzten&quot;, nicht aber von der &quot;wirksam festgesetzten&quot; Steuer die Rede. Eine den Wortlaut des Gesetzes einschr&auml;nkende Auslegung st&uuml;nde auch mit dem Zweck der Norm im Widerspruch. &sect;&nbsp;236 AO begr&uuml;ndet eine Entsch&auml;digung f&uuml;r das vorenthaltene Kapital. Dabei ist unbeachtlich, ob die Steuer aufgrund einer rechtswidrigen oder unwirksamen Steuerfestsetzung gezahlt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Ausgehend von diesen Grunds&auml;tzen hat die Kl&auml;gerin einen Anspruch auf Festsetzung von Prozesszinsen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO ab dem Zeitpunkt der Rechtsh&auml;ngigkeit der urspr&uuml;nglich erhobenen Klage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Schenkungsteuerbescheid und der im Klageverfahren ergangene Erbschaftsteuerbescheid vom 9.&nbsp;Oktober 2008 wurden durch eine gerichtliche Entscheidung aufgehoben. Die bereits gezahlte Erbschaft- und Schenkungsteuer wurde der Kl&auml;gerin erstattet. Der unwirksame Erbschaftsteuerbescheid vom 12.&nbsp;November 2007 hat seinen Rechtsschein mit der Ersetzung (vgl. &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;4 Nr.&nbsp;2 FGO) durch den im Klageverfahren wirksam ergangenen, wenngleich rechtswidrigen Bescheid vom 9.&nbsp;Oktober 2008 verloren; dieser Rechtsschein ist mit der Aufhebung des Erbschaftsteuerbescheids vom 9.&nbsp;Oktober 2008 nicht wieder aufgelebt. Einer ausdr&uuml;cklichen Aufhebung des unwirksamen Bescheids vom 12.&nbsp;November 2007 bedurfte es daher nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2013, II R 20\/11 Prozesszinsen bei unwirksamer Steuerfestsetzung Leits&auml;tze Ein Anspruch auf Prozesszinsen gem&auml;&szlig; &sect; 236 Abs. 1 Satz 1 AO besteht auch dann, wenn durch eine rechtskr&auml;ftige gerichtliche Entscheidung eine unwirksame Steuerfestsetzung aufgehoben wird. Tatbestand 1&nbsp; I. 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