{"id":59385,"date":"1994-11-15T14:04:45","date_gmt":"1994-11-15T12:04:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=59385"},"modified":"2013-09-18T14:06:31","modified_gmt":"2013-09-18T12:06:31","slug":"bfh-urteil-vom-15-11-1994-viii-r-74_93-bstbl-1995-ii-s-315","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-15-11-1994-viii-r-74_93-bstbl-1995-ii-s-315\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 15.11.1994    (VIII R 74\/93) BStBl. 1995 II S. 315"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 15.11.1994 (VIII R 74\/93) BStBl. 1995 II S. 315<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine im Jahr 1990 bei einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks abgeflossene Aussch\u00fcttung aus dem Reservefonds, die einem ausgeschiedenen Genossen erst im Jahre 1991 zuflie\u00dft, ist nach \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG als Einnahme aus Kapitalverm\u00f6gen steuerbar. \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG ist weder unmittelbar noch entsprechend anwendbar. Ob Bez\u00fcge im Sinne dieser Vorschrift vorliegen, f\u00fcr die Eigenkapital nach \u00a7 30 Abs. 2 Nr. 4 KStG als verwendet gilt, entscheidet sich ausschlie\u00dflich nach der Gliederungsrechnung der aussch\u00fcttenden K\u00f6rperschaft.<\/strong><\/p>\n<p>EStG 1991 \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1; KStG 1991 \u00a7\u00a7 30 Abs. 2 Nr. 4, 54 a Nr. 1, 2 und 7.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG des Landes Brandenburg<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagten (Kl\u00e4ger) wurden als Eheleute zusammen zur Einkommensteuer 1991 veranlagt. Der Kl\u00e4ger war bis Dezember 1990 Mitglied der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) X. Die PGH \u00fcberwies dem Kl\u00e4ger am 19. Dezember 1990 seinen Anteil am Gesamtverm\u00f6gen der PGH aus dem Reservefonds in H\u00f6he von 31.601,37 DM. Der Betrag wurde dem Kl\u00e4ger jedoch erst im Januar 1991 gutgeschrieben.<\/p>\n<p>Im Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 1991 vom 20. Juli 1993 erfa\u00dfte der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) den Auszahlungsbetrag nach Abzug eines Werbungskosten-Pauschbetrages von 200 DM und des Sparerfreibetrages in H\u00f6he von 1.200 DM mit 30.201 DM als Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Mit der in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 1994, 47 ver\u00f6ffentlichten Entscheidung gab das Finanzgericht (FG) Brandenburg der Klage im wesentlichen statt, weil es sich um nicht steuerbare Einnahmen analog \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) 1991 handele.<\/p>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt das FA Verletzung materiellen Rechts.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Klage als unbegr\u00fcndet abzuweisen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger beantragen, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p>Die Revision sei unzul\u00e4ssig, weil sie das FG zu Unrecht wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache zugelassen habe. Im \u00fcbrigen sei sie unbegr\u00fcndet. Ma\u00dfgebend sei die Rechtslage im Zeitpunkt des Zuflusses der Einnahmen im Jahr 1991. Danach handele es sich um eine nicht steuerbare R\u00fcckzahlung von Kapitaleinlagen aus dem EK 04. Dies entspreche auch der Rechtsauffassung des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) in seinem Schreiben vom 25. Juni 1992.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision ist zul\u00e4ssig und begr\u00fcndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Klage abzuweisen (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>1. Der Bundesfinanzhof (BFH) ist an die vom FG ausgesprochene Zulassung der Revision selbst dann gebunden, wenn die Entscheidung rechtsfehlerhaft w\u00e4re (vgl. Urteil des erkennenden Senats vom 11. Dezember 1990 VIII R 14\/87, BFHE 164, 20, BStBl II 1991, 511, 512). Ob der vom FG angegebene Zulassungsgrund tats\u00e4chlich gegeben ist, hat das Revisionsgericht grunds\u00e4tzlich nicht zu \u00fcberpr\u00fcfen (Urteil des erkennenden Senats vom 16. April 1991 VIII R 100\/87, BFHE 165, 31, BStBl II 1992, 234, 235 m. w. N.). Anhaltspunkte f\u00fcr eine offensichtlich gesetzwidrige Zulassung, die das Revisionsgericht ausnahmsweise nicht binden w\u00fcrde, liegen auch nach dem Vortrag der Kl\u00e4ger nicht vor (vgl. BFH-Urteil vom 27. M\u00e4rz 1991 VI R 51\/88, BFHE 164, 75, BStBl II 1991, 575, 576).<\/p>\n<p>2. Das FG ist zutreffend davon ausgegangen, da\u00df der dem Kl\u00e4ger 1991 zugeflossene Betrag in H\u00f6he von 31.601,37 DM als Einnahmen aus Kapitalverm\u00f6gen i. S. von \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG 1991 zu beurteilen ist. Der Senat sieht indessen keine M\u00f6glichkeit, sie unmittelbar oder entsprechend \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG als nicht steuerbare R\u00fcckzahlung von Einlagen zu qualifizieren.<\/p>\n<p>a) Gewinnaussch\u00fcttungen, die PGH-Mitgliedern &#8211; wie im Streitfall &#8211; nach dem 31. Dezember 1990 zugeflossen sind, unterliegen nicht mehr dem Steuerrecht der ehemaligen DDR, sondern dem EStG der Bundesrepublik Deutschland &#8211; Bundesrepublik &#8211; (\u00a7\u00a7 11, 20 EStG). F\u00fcr die Besteuerung von Kapitalertr\u00e4gen beim Anteilseigner gilt \u00a7 11 EStG, sofern der Anteilseigner &#8211; wie im Streitfall &#8211; den Gesellschaftsanteil im Privatverm\u00f6gen h\u00e4lt (D\u00f6tsch\/Eversberg\/Jost\/Witt, Die K\u00f6rperschaftsteuer, Kommentar, \u00a7 20 EStG Rz. 22, und \u00a7 27 KStG Rz. 45 und 68).<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df Art. 8 des Einigungsvertrages i. V. m. Anlage I Kapitel IV Sachgebiet B Abschn. II Nr. 14 Abs. 1 Ziff. 1 trat das EStG 1991 nach Ma\u00dfgabe der weiteren Modifikationen in Nr. 16 in den in Art. 3 des Einigungsvertrages genannten Gebieten zum 1. Januar 1991 in Kraft.<\/p>\n<p>Bei Bank\u00fcberweisungen ist der Wert des \u00fcberwiesenen Betrages dem Empf\u00e4nger gem\u00e4\u00df \u00a7 11 Abs. 1 EStG erst dann zugeflossen, wenn die Gutschrift auf dem Empf\u00e4ngerkonto erfa\u00dft ist (Urteil des erkennenden Senats vom 11. Dezember 1990 VIII R 8\/87, BFHE 165, 27, BStBl II 1992, 232).<\/p>\n<p>Nach den mit zul\u00e4ssigen und begr\u00fcndeten Verfahrensr\u00fcgen nicht angefochtenen Feststellungen des FG ist die Gutschrift auf einem Bankkonto des Kl\u00e4gers erst im Januar 1991 erfolgt.<\/p>\n<p>b) F\u00fcr den Streitfall bedarf es keiner abschlie\u00dfenden Beurteilung, ob die aussch\u00fcttende PGH i. S. des \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG eine Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft oder ein wirtschaftlicher Verein ist. Das FG hat hierzu &#8211; von seinem Rechtsstandpunkt zu Recht &#8211; keine Feststellungen getroffen (vgl. zum Umfang der Feststellungspflichten der Tatsacheninstanz BFH-Urteil vom 22. Dezember 1993 I R 75\/93, BFHE 174, 122, BStBl II 1994, 578, 580).<\/p>\n<p>Die Aufz\u00e4hlung der aussch\u00fcttenden K\u00f6rperschaften in \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG ist nicht abschlie\u00dfend, sondern lediglich beispielhaft. Entscheidend ist die k\u00f6rperschaftliche Struktur der aussch\u00fcttenden Vereinigung und ob die Beteiligung an ihr &#8211; abstrakt gesehen &#8211; das Verm\u00f6gensrecht mitumfa\u00dft, an Gewinnaussch\u00fcttungen und an der Auskehrung des Liquidationsverm\u00f6gens beteiligt zu werden (BFH-Urteile vom 16. Dezember 1992 I R 32\/92, BFHE 170, 354, BStBl II 1993, 399, 401; vom 9. August 1989 I R 4\/84, BFHE 158, 510, BStBl II 1990, 237, 240; herrschende Meinung auch im Schrifttum, vgl. Heinicke in Schmidt, Einkommensteuergesetz, 13. Aufl., \u00a7 20 Anm. 16, Nachweise bei Wassermeyer in Kirchhof\/S\u00f6hn, Einkommensteuergesetz, \u00a7 20 C 8 f. &#8211; Fu\u00dfnote 8 -).<\/p>\n<p>Die PGH war jedenfalls ab dem 1. Juli 1990 unbeschr\u00e4nkt k\u00f6rperschaftsteuerpflichtig nach \u00a7 1 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (K\u00f6StG DDR) i. d. F. des Steueranpassungsgesetzes (StAnpG DDR) vom 22. Juni 1990 (Gesetzblatt &#8211; GBl &#8211; DDR 1990, Sonderdruck 1427; BFH-Urteil in BFHE 174, 122, BStBl II 1994, 578, 579).<\/p>\n<p>c) Die bereits im Dezember 1990 bei der PGH abgeflossenen Betr\u00e4ge aus dem Reservefonds stammen nicht aus Aussch\u00fcttungen einer unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtigen K\u00f6rperschaft, f\u00fcr die Eigenkapital i. S. des \u00a7 30 Abs. 2 Nr. 4 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (KStG) als verwendet gilt. Das FG f\u00fchrt deshalb zutreffend aus, da\u00df die Voraussetzungen des \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG nicht vorgelegen haben und mithin eine unmittelbare Anwendung dieser Vorschrift ausscheidet.<\/p>\n<p>Ob ein bestimmter Kapitalertrag aus einer Aussch\u00fcttung stammt, f\u00fcr die das EK 04 einer unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtigen K\u00f6rperschaft als verwendet gilt, entscheidet sich ausschlie\u00dflich nach der Gliederungsrechnung der aussch\u00fcttenden K\u00f6rperschaft (BFH-Urteile vom 16. M\u00e4rz 1994 I R 70\/92, BFHE 174, 155, BStBl II 1994, 527, 529; vom 19. Mai 1993 I R 34\/92, BFHE 171, 286, BStBl II 1993, 804, 805; vom 23. Oktober 1991 I R 97\/89, BFHE 165, 537, BStBl II 1992, 154, 155; vom 7. November 1990 II R 68\/88, BFHE 162, 337, BStBl II 1991, 177, 179). Dahinter steht der Rechtsgedanke, da\u00df die Bez\u00fcge aufgrund der Verwendungsfiktion des \u00a7 28 Abs. 3 Satz 1 und 2 KStG steuerrechtlich als R\u00fcckzahlung von Eigenkapital behandelt werden (BFHE 174, 155, BStBl II 1994, 527, 529; BFHE 162, 337, BStBl II 1991, 177, 180). Dies wird zus\u00e4tzlich dadurch verdeutlicht, da\u00df die Bestimmungen in \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 (urspr\u00fcnglich Satz 2) und Nr. 2 EStG aufgrund des Art. 2 Nr. 5 des K\u00f6rperschaftsteuerreformgesetzes (KStRG) vom 31. August 1976 (BGBl I 1976, 2597) neu eingef\u00fcgt worden sind, um die Systematik des Anrechnungsverfahrens auf der Ebene des Anteilseigners umzusetzen. Die im Rahmen des zweistufigen Anrechnungsverfahrens vorgesehene Entlastung wird sichergestellt durch die Identit\u00e4t der Bemessungsgrundlagen auf der Stufe der aussch\u00fcttenden K\u00f6rperschaft und derjenigen des Aussch\u00fcttungsempf\u00e4ngers (Herrmann\/Heuer\/Raupach, Einkommensteuer- und K\u00f6rperschaftsteuergesetz mit Nebengesetzen, Kommentar, 20. Aufl., \u00a7 20 EStG, gr\u00fcne Bl\u00e4tter, Bem. II 3).<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df dem durch den Einigungsvertrag eingef\u00fcgten \u00a7 54 a Nr. 7 KStG 1991 war die Gliederung des verwendbaren Eigenkapitals nach \u00a7 30 Abs. 3 KStG erstmals auf den 1. Januar 1991 vorzunehmen.<\/p>\n<p>Als Aussch\u00fcttungszeitpunkt ist der Zeitpunkt des tats\u00e4chlichen Abflusses der f\u00fcr die Gewinnaussch\u00fcttung verwendeten Mittel bei der K\u00f6rperschaft anzunehmen (BFH-Urteile vom 30. Mai 1990 I R 41\/87, BFHE 161, 87, BStBl II 1991, 588, 590; vom 14. M\u00e4rz 1989 I R 105\/88, BFHE 157, 72, BStBl II 1989, 741, 743; vom 31. Oktober 1990 I R 47\/88, BFHE 162, 546, BStBl II 1991, 255, 256). Unbare Zahlungen, die im Wege einer Bank\u00fcberweisung bewirkt werden, flie\u00dfen grunds\u00e4tzlich im Zeitpunkt des Eingangs des \u00dcberweisungsauftrages bei der \u00dcberweisungsbank ab (BFH-Urteil vom 11. August 1987 IX R 163\/83, BFHE 152, 440, BStBl II 1989, 702, 704 m. w. N.). \u00a7 11 Abs. 2 EStG ist jedenfalls analog anwendbar (Herrmann\/Heuer\/Raupach, a. a. O., \u00a7 27 KStG Anm. 30). Eine sog. zeitliche Kongruenz, d. h. eine Identit\u00e4t des Zeitpunktes, zu dem die Kapitalgesellschaft die Aussch\u00fcttungsbelastung herstellen mu\u00df, mit demjenigen der Besteuerung und Abrechnung beim Anteilseigner, ist auch unter der Geltung des Anrechnungsverfahrens nicht erforderlich (BFH-Urteile vom 22. Februar 1989 I R 44\/85, BFHE 156, 177, BStBl II 1989, 475, 476; vom 9. Dezember 1987 I R 260\/83, BFHE 151, 560, BStBl II 1988, 460, 462; Wolff-Diepenbrock in Littmann\/Bitz\/Hellwig, Das Einkommensteuerrecht, 15. Aufl., \u00a7 11 EStG Rz. 174; Glenk in Bl\u00fcmich, Einkommensteuergesetz, 14. Aufl., \u00a7 11 Rz. 81; D\u00f6tsch\/Eversberg\/Jost\/Witt, a. a. O., \u00a7 27 KStG Rz. 45; Wrede in Herrmann\/Heuer\/Raupach, a. a. O., \u00a7 27 KStG Rz. 27, 30).<\/p>\n<p>Der erkennende Senat weicht nicht von der Entscheidung des I. Senats (Urteil in BFHE 174, 122, BStBl II 1994, 578, 579) ab. Soweit der I. Senat dort bemerkt, nach \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG seien Aussch\u00fcttungen der PGH f\u00fcr Wirtschaftsjahre vor 1991, die den Mitgliedern ab dem 1. Januar 1991 zufl\u00f6ssen, nicht steuerpflichtig, sind damit &#8211; wie im dort entschiedenen Streitfall &#8211; Sachverhalte gemeint, bei denen die Aussch\u00fcttung erst im Jahr 1991 erfolgt, die Verrechnung gem\u00e4\u00df \u00a7 54 a Nr. 1 KStG 1991 jedoch abweichend von \u00a7 28 Abs. 3 KStG mit dem Teilbetrag i. S. des \u00a7 30 Abs. 2 Nr. 4 KStG vorzunehmen ist.<\/p>\n<p>d) Ebensowenig kommt eine entsprechende Anwendung des \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG 1991 nach den Grundgedanken dieser Bestimmung in Betracht.<\/p>\n<p>aa) Die f\u00fcr eine Rechtsfortbildung im Wege einer Analogie notwendige planwidrige Regelungsl\u00fccke fehlt in \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG 1991 (vgl. zu den Voraussetzungen BFH-Urteile vom 13. Juli 1989 V R 110-112\/84, BFHE 158, 157, BStBl II 1989, 1036, 1039; in BFHE 174, 122, BStBl II 1994, 578, 579; Tipke\/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 15. Aufl., \u00a7 4 AO 1977 Rz. 113 m. umf. N.).<\/p>\n<p>Der Gesetzgeber hat in der durch den Einigungsvertrag eingef\u00fcgten Bestimmung des \u00a7 54 a KStG 1991 eine eindeutige und abschlie\u00dfende \u00dcbergangsregelung getroffen (vgl. auch zur Begr\u00fcndung BTDrucks 11\/7817, S. 111). Eine vom Wortlaut sowie Sinn und Zweck des \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG abweichende Auslegung l\u00e4\u00dft sich auch mit Hilfe der \u00dcbergangsregelung nicht rechtfertigen.<\/p>\n<p>\u00a7 54 a Nr. 1 und 2 KStG 1991 betreffen die k\u00f6rperschaftsteuerliche Behandlung von einer K\u00f6rperschaft mit Sitz oder Gesch\u00e4ftsleitung im Beitrittsgebiet f\u00fcr 1990 in den Folgejahren beschlossenen und vollzogenen Gewinnaussch\u00fcttung. Derartige erst nach 1990 abflie\u00dfende Aussch\u00fcttungen sind in der zum 1. Januar 1991 vorzunehmenden Eigenkapital-Gliederung als Abgang vom verwendbaren Eigenkapital, und zwar vom Teilbetrag des EK 04 zu erfassen. Die K\u00f6rperschaftsteuer bemi\u00dft sich insoweit gem\u00e4\u00df \u00a7 54 a Nr. 2 KStG 1991 weiterhin nach dem K\u00f6StG DDR. Das Anrechnungsverfahren ist insoweit nicht anzuwenden (vgl. D\u00f6tsch\/Eversberg\/Jost\/Witt, a. a. O., Anhang DDR Rz. 84\/1; Frotscher, K\u00f6rperschaftsteuergesetz, Kommentar, \u00a7 54 a Rz. 4).<\/p>\n<p>bb) Die Besteuerung kn\u00fcpft an den tats\u00e4chlich verwirklichten Sachverhalt und die daf\u00fcr bestehenden Besteuerungsregelungen an (\u00a7 38 der Abgabenordnung &#8211; AO 1977 -; BFH-Urteile vom 22. M\u00e4rz 1990 IV R 23\/88, BFHE 160, 249, BStBl II 1990, 637, 639; vom 21. November 1989 IX R 10\/84, BFHE 159, 68, BStBl II 1990, 213, 215). Da\u00df dementsprechend aus unterschiedlichen Gestaltungen und, wie im Streitfall, verschiedenen Zeitpunkten der Verwirklichung eines Steuertatbestandes auch abweichende steuerliche Belastungen entstehen k\u00f6nnen, berechtigt nicht dazu, steuerrechtliche Bestimmungen zugunsten eines Steuerpflichtigen abweichend vom Wortlaut und von der Systematik eines Regelungswerkes entsprechend anzuwenden.<\/p>\n<p>Der Umbau des DDR-Steuerrechts im Jahr 1990 und seine grunds\u00e4tzliche Fortgeltung \u00fcber den Zeitpunkt des Beitritts der DDR am 3. Oktober 1990 hinaus bis zum 31. Dezember 1990 (vgl. Art. 8 i. V. m. Anlage I des Einigungsvertrages vom 31. August 1990) ist von den Vertragsparteien und dem Gesetzgeber (vgl. Zustimmungsgesetz vom 23. September 1990, BGBl II, 885) bewu\u00dft in Kauf genommen worden, um den ohnehin betr\u00e4chtlichen Umstellungsschwierigkeiten (vgl. Erl\u00e4uterungen zum Einigungsvertrag, BTDrucks 11\/7817, S. 107, 108) sowie dem Prinzip der Jahresbesteuerung (Frotscher, a. a. O., \u00a7 54 a Rz. 1) ausreichend Rechnung zu tragen.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Verfahrensweise bestehen auch von Verfassungs wegen hinreichende sachliche Gr\u00fcnde (vgl. Nichtannahmebeschlu\u00df des Bundesverfassungsgerichts &#8211; BVerfG &#8211; vom 19. Dezember 1991 2 BvR 1591\/90, Steuerrechtsprechung in Karteiform &#8211; StRK -, Einkommensteuergesetz 1990, Allg., Rechtsspruch 130; BFH-Urteil vom 5. M\u00e4rz 1993 VI R 37\/92, BFH\/NV 1993, 533, 534 zum Ausschlu\u00df des Lohnsteuer-Jahresausgleichs f\u00fcr das Jahr 1990 im Beitrittsgebiet; ferner Urteil vom 19. Mai 1993 II R 29\/92, BFHE 171, 351, BStBl II 1993, 630, 631 betreffend Fortgeltung des h\u00f6heren Steuersatzes nach dem DDR-Grunderwerbsteuergesetz bis zum 31. Dezember 1990).<\/p>\n<p>cc) Unbeschadet der Frage, ob die je nach dem Aussch\u00fcttungszeitpunkt unterschiedlichen k\u00f6rperschaftsteuerlichen und einkommensteuerlichen Auswirkungen im Einzelfall oder generell Billigkeitsma\u00dfnahmen (\u00a7 163 AO 1977) \u00fcberhaupt rechtfertigen k\u00f6nnten (D\u00f6tsch\/Eversberg\/Jost\/Witt, a. a. O., Anhang DDR Tz. 84\/1), hat der Senat dar\u00fcber im Hinblick auf die Zweigleisigkeit des Verfahrens nicht im Anfechtungsverfahren gegen die Einkommensteuerfestsetzung zu entscheiden (BFH-Urteile vom 12. Januar 1989 IV R 87\/87, BFHE 155, 487, BStBl II 1990, 261, 262; vom 13. April 1989 IV R 196\/85, BFHE 156, 489, BStBl II 1989, 614, 616 m. w. N.).<\/p>\n<p>Nicht zu \u00fcbersehen ist allerdings, da\u00df die Regelung in \u00a7 54 a Nr. 1 KStG 1991 i. V. m. der ebenfalls durch den Einigungsvertrag eingef\u00fcgten Bestimmung in \u00a7 30 Abs. 3 KStG 1991 eine im Vergleich zur Regelung anl\u00e4\u00dflich des \u00dcbergangs zum k\u00f6rperschaftsteuerlichen Anrechnungsverfahren g\u00fcnstige Besteuerung gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p>Das vor dem 1. Januar 1977 entstandene verwendbare Eigenkapital ist nach \u00a7 27 Abs. 2 KStG als nicht mit K\u00f6rperschaftsteuer belastet zu behandeln. Im Falle einer Aussch\u00fcttung von Altkapital (\u00a7 30 Abs. 1 Nr. 3 KStG) erh\u00f6ht sich die K\u00f6rperschaftsteuer nach \u00a7 27 Abs. 1 KStG (vgl. Wrede in Herrmann\/Heuer\/Raupach, a. a. O., \u00a7 27 KStG Rz. 104). Auch nach Einf\u00fchrung des Anrechnungsverfahrens blieben die Aussch\u00fcttungen von Alteinlagen aus der Zeit vor dem Systemwechsel durch unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtige K\u00f6rperschaften einkommensteuerpflichtig (Herrmann\/Heuer\/Raupach, a. a. O., gr\u00fcne Bl\u00e4tter, Erl\u00e4uterungen zu Abs. 1 Nr. 1 und Ziff. II 1).<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dieser Doppelbelastung f\u00fchrt die Zuordnung des das Nennkapital \u00fcbersteigenden Eigenkapitals zum EK 04 (vgl. \u00a7 30 Abs. 3 i. V. m. \u00a7 43 KStG) im Rahmen des \u00a7 54 a Nr. 1 KStG 1991 lediglich zu einer Einmalbesteuerung (vgl. D\u00f6tsch, a. a. O., Anh. DDR &#8211; 1994 &#8211; Rz. 81).<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich w\u00e4re im Falle des Zuflusses bereits im Jahre 1990 eine Doppelbesteuerung auf der Ebene der PGH einerseits und bei dem ausgeschiedenen Genossenschaftsmitglied andererseits eingetreten (Urteil des FG des Landes Brandenburg vom 22. Juni 1994 2 K 512\/93 K, F, G, EFG 1994, 881; D\u00f6tsch, a. a. O., Anh. DDR Rz. 27).<\/p>\n<p>3. Die Rechtsprechung (BFH-Urteil vom 16. M\u00e4rz 1994 I R 70\/92, BFHE 174, 155, BStBl II 1994, 527, 528 m. w. N.) hat bereits vor der Einf\u00fcgung von Nr. 1 und 2 in \u00a7 20 Abs. 1 EStG die R\u00fcckzahlung von Gesellschaftskapital an einen Gesellschafter aufgrund einer handelsrechtlich wirksamen Kapitalherabsetzung im allgemeinen als einen einkommensteuerlich neutralen Vorgang im Verm\u00f6gensbereich beurteilt und deshalb auch vor Einf\u00fchrung der Nr. 2 in \u00a7 20 Abs. 1 EStG durch das KStRG bereits nicht als Kapitalertrag i. S. von \u00a7 20 EStG erfa\u00dft. Die Voraussetzungen hierf\u00fcr liegen im Streitfall jedoch nicht vor.<\/p>\n<p>4. Danach war das angefochtene Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 15.11.1994 (VIII R 74\/93) BStBl. 1995 II S. 315 Eine im Jahr 1990 bei einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks abgeflossene Aussch\u00fcttung aus dem Reservefonds, die einem ausgeschiedenen Genossen erst im Jahre 1991 zuflie\u00dft, ist nach \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG als Einnahme aus Kapitalverm\u00f6gen steuerbar. \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-15-11-1994-viii-r-74_93-bstbl-1995-ii-s-315\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 15.11.1994    (VIII R 74\/93) BStBl. 1995 II S. 315<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-59385","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59385","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59385"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59385\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59385"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59385"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59385"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}