{"id":59623,"date":"2013-09-12T10:55:23","date_gmt":"2013-09-12T08:55:23","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=59623"},"modified":"2013-09-12T10:55:23","modified_gmt":"2013-09-12T08:55:23","slug":"vi-r-37-12-werbungskosten-bei-beruflich-veranlassten-krankheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-37-12-werbungskosten-bei-beruflich-veranlassten-krankheiten\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;37\/12 &#8211; Werbungskosten bei beruflich veranlassten Krankheiten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.7.2013, VI R 37\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Werbungskosten bei beruflich veranlassten Krankheiten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Aufwendungen zur Wiederherstellung der Gesundheit k&ouml;nnen dann betrieblich oder beruflich veranlasst sein, wenn es sich um eine typische Berufskrankheit handelt oder der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Beruf eindeutig feststeht.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob Aufwendungen f&uuml;r krankengymnastische Behandlungen einer als Geigerin t&auml;tigen Berufsmusikerin als Werbungskosten zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger), zusammenveranlagte Eheleute, machten mit ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr (2009) Werbungskosten der als Orchestermusikerin nichtselbstst&auml;ndig t&auml;tigen Kl&auml;gerin in H&ouml;he von 2.516,65&nbsp;EUR geltend, n&auml;mlich Aufwendungen f&uuml;r Krankengymnastik und f&uuml;r eine Bewegungsschulung (Dispokinese).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;), ber&uuml;cksichtigte zun&auml;chst die Kosten f&uuml;r Dispokinese (1.075&nbsp;EUR) als Werbungskosten und die f&uuml;r Krankengymnastik als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung nach &sect;&nbsp;33 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Nachdem die Kl&auml;gerin sich dagegen mit Einspruch gewandt hatte, &auml;nderte das FA die Einkommensteuerfestsetzung zum Nachteil der Kl&auml;gerin, indem es die Kosten f&uuml;r Dispokinese nicht mehr als Werbungskosten ber&uuml;cksichtigte, die Einkommensteuer dementsprechend erh&ouml;hte und im &Uuml;brigen den Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckwies.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der dagegen gerichteten Klage begehrten die Kl&auml;ger weiter den Abzug dieser Aufwendungen als Werbungskosten, weil die Kl&auml;gerin durch akute Einschr&auml;nkungen im Schulterbereich ihrer Erwerbst&auml;tigkeit als Berufsmusikerin nicht habe nachgehen k&ouml;nnen. Die Dispokinese sei eine Fortbildungsma&szlig;nahme, sie diene der ganzheitlich orientierten Schulung zur Verbesserung der Haltung, Atmung und Bewegung sowie der Erfahrungs- und Bewusstseinsdenkprozesse und der Spiel- und Ausdrucksf&auml;higkeit professioneller Musiker. Musiker erlernten so zahlreiche &Uuml;bungen, um bei Auftritten bessere Leistungen zu erbringen. Diese Ma&szlig;nahmen dienten insoweit der Erhaltung und Sicherung der Einnahmen, sie seien Werbungskosten, keine Krankheitskosten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat die Klage aus den in Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2013, 261 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden abgewiesen. Die Aufwendungen der Kl&auml;gerin dienten der F&ouml;rderung und Erhaltung der Gesundheit, seien mithin keine Werbungskosten, sondern au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger r&uuml;gen mit der Revision die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie beantragen sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des Hessischen FG vom 13.&nbsp;Dezember 2011&nbsp;&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;2569\/10 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid des FA i.d.F. der Einspruchsentscheidung vom 10.&nbsp;September 2010 dahingehend abzu&auml;ndern, dass weitere Werbungskosten in H&ouml;he von 1.876&nbsp;EUR ber&uuml;cksichtigt werden und die Einkommensteuer dementsprechend herabgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz 1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die bisherigen Feststellungen des FG tragen nicht dessen Entscheidung, dass die Aufwendungen der Kl&auml;gerin f&uuml;r die Dispokinese keine Werbungskosten sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Werbungskosten, n&auml;mlich Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen i.S. des &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG, liegen vor, wenn sie durch den Beruf oder durch die Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen veranlasst sind. Sie sind beruflich veranlasst, wenn ein objektiver Zusammenhang mit dem Beruf besteht und die Aufwendungen subjektiv zur F&ouml;rderung des Berufs get&auml;tigt werden. Auch Aufwendungen f&uuml;r berufsbezogene Fortbildungsma&szlig;nahmen k&ouml;nnen als Werbungskosten abziehbar sein, wenn die Aufwendungen in einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Veranlassungszusammenhang mit den einkommensteuerbaren Einnahmen stehen. Diese Voraussetzungen k&ouml;nnen sogar bei Aufwendungen f&uuml;r berufsbezogene Bildungsma&szlig;nahmen erf&uuml;llt sein, die zur Erlangung eines k&uuml;nftigen Berufs get&auml;tigt werden (zuletzt Senatsurteile vom 9.&nbsp;Februar 2012 VI&nbsp;R&nbsp;42\/11, BFHE 236, 439, BStBl II 2013, 236; vom 27.&nbsp;Oktober 2011 VI&nbsp;R&nbsp;52\/10, BFHE 235, 444, BStBl II 2012, 825). Dies gilt erst recht bei Aufwendungen f&uuml;r einen schon gegenw&auml;rtig ausge&uuml;bten Beruf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gemessen daran ist nicht ersichtlich, auf Grundlage welcher gesicherten Erkenntnisse das FA und das FG die Dispokinese nicht als beruflich veranlasste Fortbildungsma&szlig;nahme beurteilen konnten. Die Kl&auml;gerin hatte schon im Rahmen ihrer Einkommensteuerveranlagung geltend gemacht, dass die Aufwendungen daf&uuml;r Fortbildungsma&szlig;nahmen seien. Im finanzgerichtlichen Verfahren hat die Kl&auml;gerin dies ebenfalls vorgebracht, es auch nicht bei der schlichten Behauptung belassen, sondern umfassend zu Sinn, Zweck und Ziel der Dispokinese vorgetragen und erg&auml;nzend auch eine Beweiserhebung durch Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens angeregt. Das FG hat indessen den Sachverhalt dahingehend nicht weiter ermittelt und auch kein Sachverst&auml;ndigengutachten eingeholt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ungeachtet der Frage, ob die in ihrer einkommensteuerrechtlichen Ber&uuml;cksichtigung streitigen Aufwendungen als Fortbildungsma&szlig;nahmen zu Werbungskosten f&uuml;hren k&ouml;nnen, entspricht es auch der st&auml;ndigen und unver&auml;ndert fortgeltenden Rechtsprechung des erkennenden Senats, dass Aufwendungen zur Verminderung oder Behebung gesundheitlicher St&ouml;rungen, die typischerweise mit der betreffenden Berufst&auml;tigkeit verbunden sind, Werbungskosten sein k&ouml;nnen, wenn es sich um typische Berufskrankheiten handelt oder der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Beruf eindeutig feststeht (vgl. Senatsentscheidungen vom 17.&nbsp;Juli 1992 VI&nbsp;R&nbsp;96\/88, BFH\/NV 1993, 19; vom 23.&nbsp;Oktober 1992 VI&nbsp;R&nbsp;31\/92, BFHE 169, 350, BStBl II 1993, 193; vom 9.&nbsp;Februar 1962 VI 10\/61 U, BFHE 74, 632, BStBl III 1962, 235; vom 22.&nbsp;April 2003 VI&nbsp;B&nbsp;275\/00, BFH\/NV 2003, 1052). Diese Rechtsgrunds&auml;tze hat etwa das S&auml;chsische FG in einem Urteil vom 26.&nbsp;Oktober 2010&nbsp;&nbsp;5&nbsp;K&nbsp;435\/06 (juris, mit umfassenden Nachweisen zur Senatsrechtsprechung) in einem vergleichbaren Fall angewandt, in dem eine Geigerin ebenfalls Aufwendungen f&uuml;r berufliche Gymnastik als Werbungskosten mit der Begr&uuml;ndung geltend gemacht hatte, dass bei ihr eine musikerspezifische Erkrankung vorgelegen habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Angesichts dieser vorgenannten Rechtsgrunds&auml;tze wird das FG im zweiten Rechtsgang gegebenenfalls durch Einholung eines entsprechenden Sachverst&auml;ndigengutachtens zu pr&uuml;fen haben, ob die von der Kl&auml;gerin in Anspruch genommene Unterrichtung in Dispokinese als Fortbildungsma&szlig;nahme zu ber&uuml;cksichtigen ist. Gegebenenfalls wird auch zu pr&uuml;fen sein, ob ein Werbungskostenabzug unter dem Gesichtspunkt der typischen Berufskrankheit oder eines eindeutig feststehenden Zusammenhangs zwischen Erkrankung und Beruf in Betracht kommt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.7.2013, VI R 37\/12 Werbungskosten bei beruflich veranlassten Krankheiten Leits&auml;tze Aufwendungen zur Wiederherstellung der Gesundheit k&ouml;nnen dann betrieblich oder beruflich veranlasst sein, wenn es sich um eine typische Berufskrankheit handelt oder der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Beruf eindeutig feststeht. Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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