{"id":59627,"date":"2013-09-12T10:55:07","date_gmt":"2013-09-12T08:55:07","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=59627"},"modified":"2013-09-12T10:55:07","modified_gmt":"2013-09-12T08:55:07","slug":"ix-s-15-13-anhoerungsruege-rechtliches-gehoer-bei-ruegelosem-verhandeln-anderweitige-einschaetzung-der-prozesslage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-s-15-13-anhoerungsruege-rechtliches-gehoer-bei-ruegelosem-verhandeln-anderweitige-einschaetzung-der-prozesslage\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;S&nbsp;15\/13 &#8211; Anh&ouml;rungsr&uuml;ge: rechtliches Geh&ouml;r bei r&uuml;gelosem Verhandeln; anderweitige Einsch&auml;tzung der Prozesslage"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.7.2013, IX S 15\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Anh&ouml;rungsr&uuml;ge: rechtliches Geh&ouml;r bei r&uuml;gelosem Verhandeln; anderweitige Einsch&auml;tzung der Prozesslage<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Anh&ouml;rungsr&uuml;ge ist unbegr&uuml;ndet und daher durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 S&auml;tze 2, 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Es bleibt dahingestellt, ob die geltend gemachte Geh&ouml;rsverletzung hinreichend i.S. von &sect;&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 FGO dargelegt wurde (vgl. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2009 VI&nbsp;S&nbsp;2\/09, BFH\/NV 2009, 1131; vom 8.&nbsp;April 2010 IX&nbsp;S&nbsp;22\/09, BFH\/NV 2010, 1299). Jedenfalls wurde der Anspruch der Kl&auml;ger, Beschwerdef&uuml;hrer und R&uuml;gef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs im Beschwerdeverfahren IX&nbsp;B&nbsp;153\/12 nicht verletzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r i.S. von Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) und &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO verpflichtet das Gericht im hier ma&szlig;gebenden Zusammenhang, die Ausf&uuml;hrungen der Beteiligten zur Kenntnis zu nehmen, in Erw&auml;gung zu ziehen und sich mit dem entscheidungserheblichen Kern des Vorbringens auseinanderzusetzen. Das Gericht ist aber nicht verpflichtet, der Rechtsansicht eines Beteiligten zu folgen (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 11.&nbsp;Juni 2008&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;2062\/07, Deutsches Verwaltungsblatt 2008, 1056; BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Mai 2011 V&nbsp;B&nbsp;113\/10, BFH\/NV 2011, 1523). Allerdings muss ein &#8211;zumindest fachkundig vertretener&#8211; Beteiligter gerade bei umstrittener Sach- und\/oder Rechtslage grunds&auml;tzlich alle vertretbaren rechtlichen Gesichtspunkte und prozessualen M&ouml;glichkeiten von sich aus in Betracht ziehen und seinen Vortrag darauf einrichten (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 23.&nbsp;August 2011 IX&nbsp;B&nbsp;63\/11, BFH\/NV 2012, 53, unter 3.a; vom 14.&nbsp;Oktober 2009 IX&nbsp;B&nbsp;86\/09, BFH\/NV 2010, 222, m.w.N.).<br \/>Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG und &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO sind daher erst dann verletzt, wenn sich aus den besonderen Umst&auml;nden des Einzelfalls ergibt, dass das Gericht Beteiligtenvorbringen entweder &uuml;berhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw&auml;gung gezogen hat (vgl. st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschluss vom 6.&nbsp;Dezember 2011 IX&nbsp;S&nbsp;19\/11, BFH\/NV 2012, 438).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Solche besonderen Umst&auml;nde sind im Streitfall nicht gegeben. In der Anh&ouml;rungsr&uuml;ge f&uuml;hren die Kl&auml;ger erneut aus, dass das Finanzgericht (FG) im Laufe des Verfahrens wie insbesondere in der m&uuml;ndlichen Verhandlung (18.&nbsp;September 2012) mehrfach Hinweise auf seine Einsch&auml;tzung und auf das weitere (m&ouml;gliche) Vorgehen unterlassen habe und daher das FG-Urteil &uuml;berraschend ergangen sei. Diese Umst&auml;nde habe der erkennende Senat nicht in Erw&auml;gung gezogen und das Bem&uuml;hen der Kl&auml;ger um Aufkl&auml;rung des damaligen Sachverhalts &uuml;bersehen; dadurch habe der Senat den Anspruch der Kl&auml;ger auf rechtliches Geh&ouml;r verletzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ausweislich seines Beschlusses IX&nbsp;B&nbsp;153\/12 ist dies nicht geschehen. Unabh&auml;ngig von einem vorangehenden Bem&uuml;hen der Kl&auml;ger war jedenfalls aufgrund der Ladung erkennbar, dass das FG eine &uuml;ber die angeordnete Vernehmung nur eines Zeugen hinausgehende weitere Beweiserhebung oder weitere Aufkl&auml;rungsma&szlig;nahmen nicht durchzuf&uuml;hren beabsichtigte. Zumindest w&auml;re die M&ouml;glichkeit gegeben gewesen, die f&uuml;r wichtig erachtete Zeugin im Termin zu stellen, was nicht geschehen ist. Des Weiteren wurde ausweislich des Sitzungsprotokolls nach durchgef&uuml;hrter Beweisaufnahme (durch die Vernehmung des einen geladenen Zeugen) &quot;die Sach- und Rechtslage &#8230; er&ouml;rtert&quot;; Beweis- oder Aufkl&auml;rungsantr&auml;ge wurden gleichwohl nicht gestellt oder wiederholt, auf eine vollst&auml;ndige Entbindungserkl&auml;rung f&uuml;r den Zeugen wurde nicht protokollm&auml;&szlig;ig erkennbar hingewirkt.<br \/>Die R&uuml;ge der &#8211;in der m&uuml;ndlichen Verhandlung auch fachkundig vertretenen&#8211; Kl&auml;ger l&auml;uft im Kern darauf hinaus, dass sie einen anderen Eindruck und eine andere Einsch&auml;tzung von der Prozesssituation und deren weiterer Entwicklung gehabt haben und deshalb &#8211;sp&auml;testens nach der Beweisaufnahme&#8211; keine weiteren Schritte unternommen, sondern r&uuml;gelos zur Sache verhandelt haben. Diese anderweitige Einsch&auml;tzung der Prozesslage f&auml;llt jedoch in den Verantwortungsbereich der Kl&auml;ger. Darin kann die Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs durch den erkennenden Senat im Beschwerdeverfahren nicht gesehen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. F&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber die Anh&ouml;rungsr&uuml;ge wird eine Geb&uuml;hr in H&ouml;he von 50&nbsp;EUR erhoben (Nr.&nbsp;6400 des Kostenverzeichnisses, Anlage&nbsp;1 zu &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 des Gerichtskostengesetzes).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.7.2013, IX S 15\/13 Anh&ouml;rungsr&uuml;ge: rechtliches Geh&ouml;r bei r&uuml;gelosem Verhandeln; anderweitige Einsch&auml;tzung der Prozesslage Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Anh&ouml;rungsr&uuml;ge ist unbegr&uuml;ndet und daher durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;133a Abs.&nbsp;4 S&auml;tze 2, 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Es bleibt dahingestellt, ob die geltend gemachte Geh&ouml;rsverletzung hinreichend i.S. von &sect;&nbsp;133a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 FGO dargelegt wurde (vgl. 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