{"id":59631,"date":"2013-09-12T10:55:19","date_gmt":"2013-09-12T08:55:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=59631"},"modified":"2013-09-12T10:55:19","modified_gmt":"2013-09-12T08:55:19","slug":"iii-r-31-12-nachweis-der-bestellung-eines-einvernehmensanwalts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-31-12-nachweis-der-bestellung-eines-einvernehmensanwalts\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;31\/12 &#8211; Nachweis der Bestellung eines Einvernehmensanwalts"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.7.2013, III R 31\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Nachweis der Bestellung eines Einvernehmensanwalts<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) begehrte Kindergeld f&uuml;r seine Tochter, die in Ungarn bei der von ihm geschiedenen Ehefrau lebte. Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) setzte f&uuml;r die Zeit von Juli 2009 bis April 2010 Kindergeld in H&ouml;he der Differenz zwischen dem deutschen Kindergeld und den ungarischen Familienleistungen fest. F&uuml;r die Zeit danach gew&auml;hrte sie kein Kindergeld. Der dagegen gerichtete Einspruch hatte keinen Erfolg (Einspruchsentscheidung vom 5.&nbsp;Oktober 2010). Im anschlie&szlig;enden Klageverfahren war der Kl&auml;ger durch die in Budapest zugelassene Anw&auml;ltin Dr. A vertreten. Diese hatte darum gebeten, etwaige Zustellungen an den Kl&auml;ger pers&ouml;nlich vorzunehmen. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage, mit welcher der Kl&auml;ger beantragt hatte, die Familienkasse zu verpflichten, Kindergeld ab Mai 2010 zu gew&auml;hren, im Wesentlichen statt. Es verpflichtete die Familienkasse, Kindergeld f&uuml;r die Monate Mai 2010 bis Juli 2010 festzusetzen. Dar&uuml;ber hinaus sprach es die Verpflichtung aus, den Kindergeldantrag des Kl&auml;gers hinsichtlich der Monate August 2010 bis Oktober 2010 unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts neu zu bescheiden. Das FG lie&szlig; im Urteil vom 9.&nbsp;Mai 2012, das dem Kl&auml;ger am 26.&nbsp;Mai 2012 zugestellt wurde, die Revision zum Bundesfinanzhof (BFH) zu. In der Rechtsbehelfsbelehrung wird auf den vor dem BFH geltenden Vertretungszwang hingewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 26.&nbsp;Juni 2012 hat Rechtsanw&auml;ltin Dr. A f&uuml;r den Kl&auml;ger Revision eingelegt. Sie macht geltend, das angefochtene Urteil enthalte keinen Hinweis darauf, weshalb das FG die Familienkasse nicht auch f&uuml;r den Zeitraum November 2010 bis Mai 2011 zu einer Bescheidung verpflichtet habe. Als Einvernehmensanwalt i.S. von &sect;&nbsp;28 Abs.&nbsp;1 des Gesetzes &uuml;ber die T&auml;tigkeit europ&auml;ischer Rechtsanw&auml;lte in Deutschland (EuRAG) vom 9.&nbsp;M&auml;rz 2000 (BGBl I 2000, 182) benannte die Prozessbevollm&auml;chtigte Rechtsanwalt Dr. B. Einen Nachweis des Einvernehmens legte sie nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, den Ablehnungsbescheid vom 11.&nbsp;August 2010 sowie die Einspruchsentscheidung vom 5.&nbsp;Oktober 2010 aufzuheben und die Familienkasse zu verpflichten, ihm Kindergeld f&uuml;r seine Tochter f&uuml;r die Monate November 2010 bis Mai 2011 zu gew&auml;hren. Hilfsweise beantragt er, die Rechtssache an das FG zur Verbescheidung f&uuml;r den genannten Zeitraum unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. 1. Die Familienkasse C der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit ist aufgrund eines Organisationsaktes (Beschluss des Vorstands der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit Nr.&nbsp;21\/2012 vom 18.&nbsp;April 2013 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;11 des Finanzverwaltungsgesetzes, Amtliche Nachrichten der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, Ausgabe Mai 2013, S.&nbsp;6&nbsp;ff., Nr.&nbsp;2.2 der Anlage&nbsp;2) im Wege des gesetzlichen Parteiwechsels in die Beteiligtenstellung der Agentur f&uuml;r Arbeit &#8230; (Familienkasse) eingetreten (s. dazu BFH-Beschluss vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2011 V&nbsp;B&nbsp;17\/10, BFH\/NV 2011, 1105).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist unzul&auml;ssig, weil die in Budapest zugelassene Rechtsanw&auml;ltin Dr. A, die f&uuml;r den Kl&auml;ger aufgetreten ist, nicht postulationsf&auml;hig ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Vor dem BFH muss sich &#8211;wie auch aus der Rechtsmittelbelehrung des angefochtenen Urteils hervorgeht&#8211; nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;4 i.V.m. Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) jeder Beteiligte, sofern es sich nicht um eine juristische Person des &ouml;ffentlichen Rechts oder um eine Beh&ouml;rde handelt, durch einen Steuerberater, Steuerbevollm&auml;chtigten, Rechtsanwalt, Wirtschaftspr&uuml;fer oder vereidigten Buchpr&uuml;fer als Bevollm&auml;chtigten vertreten lassen; zur Vertretung berechtigt sind ferner Gesellschaften i.S. des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 und 3 des Steuerberatungsgesetzes, die durch solche Personen handeln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ebenfalls nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;4 FGO vertretungsbefugt sind europ&auml;ische Rechtsanw&auml;lte, die nach &sect;&nbsp;2 EuRAG im Inland niedergelassen sind. Europ&auml;ische Anw&auml;lte, die nicht in Deutschland niedergelassen sind, aber dort vor&uuml;bergehend die T&auml;tigkeit eines Rechtsanwalts aus&uuml;ben &#8211;dienstleistender europ&auml;ischer Rechtsanwalt i.S. von &sect;&nbsp;25 Abs.&nbsp;1 EuRAG&#8211;, k&ouml;nnen nach &sect;&nbsp;28 Abs.&nbsp;1 EuRAG in gerichtlichen Verfahren nur im Einvernehmen mit einem Rechtsanwalt handeln (Einvernehmensanwalt). Das Einvernehmen ist bei der ersten Handlung gegen&uuml;ber dem Gericht schriftlich nachzuweisen (&sect;&nbsp;29 Abs.&nbsp;1 EuRAG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im Streitfall hat die in Budapest zugelassene Rechtsanw&auml;ltin Dr. A zwar Rechtsanwalt Dr. B als Einvernehmensanwalt benannt. Sie hat das Einvernehmen jedoch entgegen &sect;&nbsp;29 Abs.&nbsp;1 EuRAG nicht nachgewiesen. Dies f&uuml;hrt dazu, dass die Rechtshandlung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;29 Abs.&nbsp;3 EuRAG unwirksam und die Revision unzul&auml;ssig ist (s. BFH-Beschluss vom 30.&nbsp;Dezember 2004 II&nbsp;R&nbsp;2\/04, BFH\/NV 2005, 718; Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 11.&nbsp;Januar 2006&nbsp;&nbsp;7&nbsp;B&nbsp;64\/05, juris, und Beschluss des Bundessozialgerichts vom 15.&nbsp;Juni 2010 B&nbsp;13&nbsp;R&nbsp;172\/10&nbsp;B, Sozialrecht 4-1500 &sect;&nbsp;73 Nr.&nbsp;7). Auf die Bedenken gegen die Postulationsf&auml;higkeit ist im gerichtlichen Schreiben vom 26.&nbsp;M&auml;rz 2013 hingewiesen worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Unabh&auml;ngig hiervon sind Rechtsfehler des FG nicht zu erkennen. Dieses konnte den Kindergeldanspruch nur bis zum Monat der Einspruchsentscheidung &#8211;Oktober 2010&#8211; pr&uuml;fen (s. Senatsurteil vom 22.&nbsp;Dezember 2011 III&nbsp;R&nbsp;70\/09, BFH\/NV 2012, 1446). Es hat zutreffend den Klageantrag entsprechend ausgelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.7.2013, III R 31\/12 Nachweis der Bestellung eines Einvernehmensanwalts Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) begehrte Kindergeld f&uuml;r seine Tochter, die in Ungarn bei der von ihm geschiedenen Ehefrau lebte. 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