{"id":59956,"date":"2013-09-18T15:59:19","date_gmt":"2013-09-18T13:59:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=59956"},"modified":"2013-09-18T15:59:19","modified_gmt":"2013-09-18T13:59:19","slug":"ix-r-36-11-par-17-abs-1-satz-1-estg-1-grenze-verfassungsgemaess-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-36-11-par-17-abs-1-satz-1-estg-1-grenze-verfassungsgemaess-7\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;36\/11 &#8211; &sect; 17 Abs. 1 Satz 1 EStG (1 %-Grenze) verfassungsgem&auml;&szlig;"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2012, IX R 36\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">&sect; 17 Abs. 1 Satz 1 EStG (1 %-Grenze) verfassungsgem&auml;&szlig;<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die Beteiligungsgrenze von 1 % i.S. von &sect; 17 Abs. 1 Satz 1 EStG ist verfassungsgem&auml;&szlig;. <\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.d.F. des Steuersenkungsgesetzes (StSenkG) vom 23.&nbsp;Oktober 2000 (BGBl I 2000, 1433).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Gr&uuml;ndungsgesellschafter einer im Jahr 1993 errichteten und im Jahr 2000 in eine AG umgewandelten GmbH. Seine Beteiligung bewegte sich bis zu der vorliegend streitbefangenen Anteilsver&auml;u&szlig;erung im August 2003 zwischen 4,9&nbsp;% und 7&nbsp;%. Aus dieser Ver&auml;u&szlig;erung erzielte der Kl&auml;ger unstreitig einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn von 389.187,50&nbsp;EUR, den der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Einkommensteuerbescheid 2003 unter Anwendung des Halbeink&uuml;nfteverfahrens mit 194.593&nbsp;EUR als Eink&uuml;nfte i.S. von &sect;&nbsp;17 EStG erfasste. Der im M&auml;rz 2011 ergangene &Auml;nderungsbescheid erfasst diese Eink&uuml;nfte nur noch mit 142.187&nbsp;EUR; der Teil des vom Kl&auml;ger erzielten Gewinns aus der Aktienver&auml;u&szlig;erung, der auf den Zeitraum bis zum 26.&nbsp;Oktober 2000, dem Tag der Verk&uuml;ndung des Steuersenkungsgesetzes entf&auml;llt, wird nicht mehr besteuert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) entschied mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 516, ver&ouml;ffentlichten Urteil, der angefochtene Steuerbescheid sei rechtm&auml;&szlig;ig, &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des StSenkG versto&szlig;e nicht gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des Kl&auml;gers, mit der er allein geltend macht, dass die Regelung in &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG (&quot;(1) Zu den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb geh&ouml;rt auch der Gewinn aus der Ver&auml;u&szlig;erung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, wenn der Ver&auml;u&szlig;erer innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1&nbsp;Prozent beteiligt war. &#8230;&quot;) gegen das Grundgesetz versto&szlig;e und so seine in 2003 angefallenen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinne aus dem Verkauf der Aktien der AG ohne Rechtsgrund versteuert worden seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Erreiche oder &uuml;berschreite der Steuerpflichtige mit einer Kapitalbeteiligung 1&nbsp;% des Gesellschaftskapitals, so sei der gesamte Gewinn aus der Ver&auml;u&szlig;erung von Anteilen zu versteuern, d.h. Gewinne aus Ver&auml;u&szlig;erungen betr&auml;fen nicht nur die Kapitalbeteiligung, die die Schwelle von 1&nbsp;% &uuml;bertreffe, sondern sie erfasse auch die Beteiligungsanteile, die &#8211;separat betrachtet&#8211; &quot;unter 1&nbsp;% liegen&quot;. Im Gegensatz hierzu blieben Gewinne aus Kapitalbeteiligungen dann steuerfrei, wenn die Kapitalbeteiligung insgesamt 1&nbsp;% nicht erreiche. Ein sachlicher Grund f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der 1&nbsp;%-Schwelle sei nicht erkennbar. Sie sei lediglich fiskalisch motiviert. Die Gesetzesbegr&uuml;ndung hierzu sei nicht tragf&auml;hig, sie gehe weitgehend ins Leere.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Verletzung von Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG sei auch darin begr&uuml;ndet, dass die 1&nbsp;%-Regelung zum 1.&nbsp;Januar 2002 in Kraft getreten sei und in dem angefochtenen Steuerbescheid f&uuml;r die Feststellung des Einstandskurses nur die Wertsteigerungen ber&uuml;cksichtigt worden seien, die bis zur Verk&uuml;ndung am 26.&nbsp;Oktober 2000 stattgefunden h&auml;tten. Wertsteigerungen bis zum 31.&nbsp;Dezember 2001 seien aber von der Steuer auszunehmen. Da die Ver&auml;u&szlig;erung von Anteilen generell bis zum 31.&nbsp;Dezember 2001 unbesteuert geblieben sei, seien auch die bis zu diesem Zeitpunkt entstandenen Wertsteigerungen aus der Steuerbarkeit auszuklammern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2003 dahingehend zu &auml;ndern, dass die Einkommensteuer auf 70.012&nbsp;EUR herabgesetzt wird,<br \/>hilfsweise, den Einkommensteuerbescheid 2003 dahingehend zu &auml;ndern, dass die Einkommensteuer auf 85.760&nbsp;EUR herabgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung). Zutreffend hat das FG den angegriffenen Einkommensteuerbescheid f&uuml;r rechtm&auml;&szlig;ig und &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG (1&nbsp;%-Grenze) f&uuml;r verfassungsgem&auml;&szlig; erachtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die in &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG in der im Streitjahr geltenden Fassung des StSenkG enthaltene 1&nbsp;%-Grenze f&uuml;r die Steuerbarkeit von Gewinnen aus Beteiligungsver&auml;u&szlig;erungen verst&ouml;&szlig;t nicht gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG begrenzt die gesetzgeberische Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers im Bereich des Steuerrechts in einer speziell diesem Regelungsgegenstand Rechnung tragenden Weise (dazu Urteil des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 9.&nbsp;Dezember 2008&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;1\/07, 2&nbsp;BvL&nbsp;2\/07, 2&nbsp;BvL&nbsp;1\/08, 2&nbsp;BvL&nbsp;2\/08, BVerfGE 122, 210, BGBl I 2008, 2888 &#8211;Pendlerpauschale&#8211; C.I.2.a&nbsp;ff., m.w.N.). So hat der Gesetzgeber bei der Auswahl des Steuergegenstandes und bei der Bestimmung des Steuersatzes einen weitreichenden Entscheidungsspielraum. Die grunds&auml;tzliche Freiheit des Gesetzgebers, diejenigen Sachverhalte zu bestimmen, an die das Gesetz dieselben Rechtsfolgen kn&uuml;pft und die es so als rechtlich gleich qualifiziert, wird hier, insbesondere im Bereich des Einkommensteuerrechts, vor allem durch zwei eng miteinander verbundene Leitlinien be-grenzt: durch das Gebot der Ausrichtung der Steuerlast am Prinzip der finanziellen Leistungsf&auml;higkeit und durch das Gebot der Folgerichtigkeit. Danach muss im Interesse verfassungsrechtlich gebotener steuerlicher Lastengleichheit darauf abgezielt werden, Steuerpflichtige bei gleicher Leistungsf&auml;higkeit auch gleich hoch zu besteuern (horizontale Steuergerechtigkeit), w&auml;hrend (in vertikaler Richtung) die Besteuerung h&ouml;herer Einkommen im Vergleich mit der Steuerbelastung niedriger Einkommen angemessen sein muss. Bei der Ausgestaltung des steuerrechtlichen Ausgangstatbestands muss die einmal getroffene Belastungsentscheidung folgerichtig im Sinne der Belastungsgleichheit umgesetzt werden. Ausnahmen von einer solchen folgerichtigen Umsetzung bed&uuml;rfen eines besonderen sachlichen Grundes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Grunds&auml;tzen bewegt sich die 1&nbsp;%-Grenze des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG im Rahmen der gesetzgeberischen Gestaltungsfreiheit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Entscheidung, ob Gewinne aus der Ver&auml;u&szlig;erung von Gegenst&auml;nden des Privatverm&ouml;gens besteuert werden, ist eine solche politischer Gestaltung und liegt &#8211;wie der Dualismus der Einkunftsarten&#8211; innerhalb des Gestaltungsspielraums, der dem Gesetzgeber bei der Erschlie&szlig;ung von Steuerquellen zukommt (vgl. BVerfG-Entscheidungen vom 9.&nbsp;Juli 1969&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;20\/65, BVerfGE 26, 302; allgemein in BVerfGE 122, 210, m.w.N.; in BVerfGE 127, 61, BGBl I 2010, 1296, unter B.II.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Gesetzgeber trifft mit der Einf&uuml;hrung der 1&nbsp;%-Grenze eine neue Systementscheidung. Entsprechend erkl&auml;rt er in der Gesetzesbegr&uuml;ndung, dass es auf eine Wesentlichkeit nicht mehr ankommt (BTDrucks 14\/3366, S.&nbsp;118). Vielmehr kommt &sect;&nbsp;17 EStG eine neue Funktion zu, n&auml;mlich grunds&auml;tzlich sicherzustellen, dass es nicht durch Ver&auml;u&szlig;erung der Beteiligung m&ouml;glich ist, die Halbeink&uuml;nftebesteuerung auf der Ebene des Anteilseigners, der seine Anteile nicht in einem Betriebsverm&ouml;gen h&auml;lt, zu vermeiden (BTDrucks 14\/3366, S.&nbsp;118). Insoweit erachtet es der Gesetzgeber zur Vermeidung von Steuerumgehungen f&uuml;r geboten, die Grenze f&uuml;r die wesentliche Beteiligung auf mindestens 1&nbsp;% zu senken (BTDrucks 14\/2683, S.&nbsp;114). Die Wahl dieser Minimalgrenze ist von der Gestaltungsfreiheit und Typisierungsbefugnis des Steuergesetzgebers umfasst. Darauf, dass der Gesetzgeber sein genanntes Ziel &#8211;wie der Kl&auml;ger meint&#8211; treffsicher und in folgerichtiger Fortf&uuml;hrung seiner &#8211;schon mit der Absenkung der Wesentlichkeitsgrenze auf 10&nbsp;% sowie der Verl&auml;ngerung der sog. Spekulationsfristen des &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG durch das Steuerentlastungsgesetz 1999\/2000\/2002 begonnenen&#8211; Gesetzgebungslinie einer zunehmend weitergehenden Besteuerung privater Wertzuw&auml;chse auch mit einer ausnahmslosen Gewinnbesteuerung bei Beteiligungsver&auml;u&szlig;erungen h&auml;tte erreichen k&ouml;nnen, kommt es nicht an. Auch dass ein prozentualer Anteil an einer Kapitalgesellschaft die Leistungsf&auml;higkeit des Gesellschafters in Abh&auml;ngigkeit von der Gr&ouml;&szlig;e der Gesellschaft abbildet, macht die prozentuale Beteiligung nicht zum gleichheitswidrigen Ankn&uuml;pfungspunkt f&uuml;r die Einkommensbesteuerung (vgl. auch Rapp in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;6 und 9; zur Kritik an der 1&nbsp;%-Grenze demgegen&uuml;ber Gosch in Kirchhof, EStG, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;17 Rz&nbsp;2). Vielmehr f&uuml;gt sich diese typisierende tatbestandliche Abbildung einer Minimalgrenze f&uuml;r den Steuerzugriff in die bisherige Struktur des &sect;&nbsp;17 EStG ein. Es handelt sich im Gesamtkontext des Einkommensteuergesetzes um ein praktikables Kriterium f&uuml;r die Abgrenzung steuerbarer und nichtsteuerbarer Anteilsver&auml;u&szlig;erungen, um eine hinreichend klare Differenzierung f&uuml;r den Gesetzesvollzug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nicht zu beanstanden ist auch die steuerliche Erfassung von Wertsteigerung von der Gesetzesverk&uuml;ndung bis zum Inkrafttreten der 1&nbsp;%-Grenze. Zur r&uuml;ckwirkenden Absenkung der Wesentlichkeitsgrenze von 25&nbsp;% auf 10&nbsp;% bei der Besteuerung privater Ver&auml;u&szlig;erungen von Kapitalanteil hat das BVerfG mit Beschluss vom 7.&nbsp;Juli 2010&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;748\/05, 2&nbsp;BvR&nbsp;753\/05, 2&nbsp;BvR&nbsp;1738\/05 (BVerfGE 127, 61) jedoch lediglich entschieden, dass &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 i.V.m. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 gegen die verfassungsrechtlichen Grunds&auml;tze des Vertrauensschutzes versto&szlig;e und nichtig sei, soweit in einem Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn Wertsteigerungen steuerlich erfasst werden, die bis zur Verk&uuml;ndung des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 entstanden sind und die entweder &#8211;bei einer Ver&auml;u&szlig;erung bis zu diesem Zeitpunkt&#8211; nach der zuvor geltenden Rechtslage steuerfrei realisiert worden sind oder &#8211;bei einer Ver&auml;u&szlig;erung nach Verk&uuml;ndung des Gesetzes&#8211; sowohl zum Zeitpunkt der Verk&uuml;ndung als auch zum Zeitpunkt der Ver&auml;u&szlig;erung nach der zuvor geltenden Rechtslage steuerfrei h&auml;tten realisiert werden k&ouml;nnen. Eine Gleichheitswidrigkeit im Hinblick auf Wertsteigerungen zwischen Verk&uuml;ndung und Inkrafttreten der neuen Rechtslage hat das BVerfG nicht angenommen. Die Erfassung von Wertsteigerungen von der Verk&uuml;ndung bis zum Inkrafttreten der 1&nbsp;%-Grenze ist eine solche des Vertrauensschutzes, nicht eine von Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG. Eine Gleichheitswidrigkeit ist insoweit nicht ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2012, IX R 36\/11 &sect; 17 Abs. 1 Satz 1 EStG (1 %-Grenze) verfassungsgem&auml;&szlig; Leits&auml;tze Die Beteiligungsgrenze von 1 % i.S. von &sect; 17 Abs. 1 Satz 1 EStG ist verfassungsgem&auml;&szlig;. Tatbestand 1&nbsp; I. Streitig ist die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.d.F. des Steuersenkungsgesetzes (StSenkG) vom 23.&nbsp;Oktober 2000 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-36-11-par-17-abs-1-satz-1-estg-1-grenze-verfassungsgemaess-7\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;36\/11 &#8211; &sect; 17 Abs. 1 Satz 1 EStG (1 %-Grenze) verfassungsgem&auml;&szlig;<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-59956","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59956"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59956\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}