{"id":59998,"date":"2013-09-18T16:02:32","date_gmt":"2013-09-18T14:02:32","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=59998"},"modified":"2013-09-18T16:02:32","modified_gmt":"2013-09-18T14:02:32","slug":"ii-r-10-11-pflicht-des-testamentsvollstreckers-zur-abgabe-einer-erbschaftsteuererklaerung-zivilrechtliche-stellung-des-testamentsvollstreckers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-10-11-pflicht-des-testamentsvollstreckers-zur-abgabe-einer-erbschaftsteuererklaerung-zivilrechtliche-stellung-des-testamentsvollstreckers\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;10\/11 &#8211; Pflicht des Testamentsvollstreckers zur Abgabe einer Erbschaftsteuererkl&auml;rung &#8211; Zivilrechtliche Stellung des Testamentsvollstreckers"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.6.2013, II R 10\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Pflicht des Testamentsvollstreckers zur Abgabe einer Erbschaftsteuererkl&auml;rung &#8211; Zivilrechtliche Stellung des Testamentsvollstreckers<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Ein Testamentsvollstrecker ist nach &sect; 31 Abs. 5 Satz 1 ErbStG zur Abgabe einer Erbschaftsteuererkl&auml;rung f&uuml;r einen Erwerber nur verpflichtet, wenn sich die Testamentsvollstreckung auf den Gegenstand des Erwerbs bezieht und das FA die Abgabe der Erkl&auml;rung vom Testamentsvollstrecker verlangt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) wurde im notariell beurkundeten Erbvertrag ihrer Gro&szlig;eltern vom 21.&nbsp;November 1975 von dem l&auml;nger lebenden Gro&szlig;elternteil als Nachverm&auml;chtnisnehmerin hinsichtlich der Miteigentumsanteile von je 1\/2 an einem Grundst&uuml;ck nach dem Ableben der jeweiligen Vorverm&auml;chtnisnehmerinnen A und C eingesetzt. Die Gro&szlig;eltern der Kl&auml;gerin ordneten eine Testamentsvollstreckung f&uuml;r ihren Nachlass an. Das Amt des Testamentsvollstreckers sollte u.a. die Aufgabe umfassen, f&uuml;r die Ausf&uuml;hrung der Verm&auml;chtnisse zu sorgen und die vermachten Gegenst&auml;nde auch nach der Verm&auml;chtniserf&uuml;llung f&uuml;r die im Erbvertrag bestimmte Dauer der Testamentsvollstreckung weiter zu verwalten. Das sollte insbesondere auch f&uuml;r die vermachten Miteigentumsanteile an Grundst&uuml;cken gelten. Die Testamentsvollstreckung sollte f&uuml;r die Dauer von drei&szlig;ig Jahren seit dem Eintritt des Erbfalls gelten. Nach dem Ableben des zuletzt verstorbenen Gro&szlig;elternteils im Mai 1990 nahm der Testamentsvollstrecker seine T&auml;tigkeit auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die am 1.&nbsp;Oktober 2008 verstorbene Vorverm&auml;chtnisnehmerin C wurde von ihrer Schwester S alleine beerbt. S machte im Rahmen ihrer Erbschaftsteuererkl&auml;rung das zugunsten der Kl&auml;gerin angeordnete Nachverm&auml;chtnis hinsichtlich des Miteigentumsanteils der C an dem Grundst&uuml;ck als Nachlassverbindlichkeit geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte daraufhin, ohne von der Kl&auml;gerin oder dem Testamentsvollstrecker eine Erbschaftsteuererkl&auml;rung anzufordern, wegen des Nachverm&auml;chtnisses mit Bescheid vom 30.&nbsp;April 2009 gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin Erbschaftsteuer in H&ouml;he von 21.804&nbsp;EUR fest. Der Besteuerung legte das FA nicht das Verh&auml;ltnis der Kl&auml;gerin zu dem zuletzt verstorbenen Gro&szlig;elternteil, sondern ihr Verh&auml;ltnis zu der Vorverm&auml;chtnisnehmerin C zugrunde. Der Erbschaftsteuerbescheid war an die Kl&auml;gerin gerichtet und wurde ihr auch bekannt gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Antrag der Kl&auml;gerin vom 29.&nbsp;Juni 2009, den Erbschaftsteuerbescheid dem Testamentsvollstrecker erneut bekannt zu geben, lehnte das FA ab. Den weiteren Antrag der Kl&auml;gerin vom 12.&nbsp;August 2009, den nach ihrer Ansicht wegen fehlerhafter Bekanntgabe unwirksamen Erbschaftsteuerbescheid vom 30.&nbsp;April 2009 aufzuheben und der Besteuerung ihr Verh&auml;ltnis zum zuletzt verstorbenen Gro&szlig;elternteil zugrunde zu legen, lehnte das FA im Bescheid vom 24.&nbsp;August 2009 ebenfalls ab. Der Einspruch blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage, mit der die Kl&auml;gerin die Feststellung der Nichtigkeit des Erbschaftsteuerbescheids vom 30.&nbsp;April 2009 begehrte, wurde als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen, weil der Steuerbescheid der Kl&auml;gerin wirksam bekannt gegeben worden sei. Das Urteil des Finanzgerichts (FG) ist ver&ouml;ffentlicht in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 1081.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung der &sect;&sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, 31 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;, die Vorentscheidung und die Einspruchsentscheidung aufzuheben und festzustellen, dass der Erbschaftsteuerbescheid vom 30.&nbsp;April 2009 unwirksam ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht entschieden, dass der Erbschaftsteuerbescheid der Kl&auml;gerin wirksam bekannt gegeben wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;155 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) ist ein Steuerbescheid demjenigen Beteiligten bekanntzugeben, f&uuml;r den er bestimmt ist oder der von ihm betroffen ist. Der Steuerbescheid ist f&uuml;r den Steuerschuldner bestimmt, gegen den sich die Steuerfestsetzung richtet. Er wird in dem Zeitpunkt wirksam, in dem er dem Steuerschuldner bekannt gegeben wird (&sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO). Steuerschuldner der Erbschaftsteuer ist grunds&auml;tzlich der Erwerber (&sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG). Ein Erbschaftsteuerbescheid wird daher regelm&auml;&szlig;ig mit der Bekanntgabe an den Erwerber (Steuerschuldner) wirksam.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Abweichend von &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO ist in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;5 ErbStG der Steuerbescheid dem Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter bekanntzugeben (&sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG). Mit dieser Bekanntgabe wird der Steuerbescheid gegen&uuml;ber dem Steuerschuldner i.S. von &sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO wirksam (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 14.&nbsp;November 1990 II&nbsp;R&nbsp;58\/86, BFHE 162, 385, BStBl II 1991, 52).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Bekanntgabe eines Erbschaftsteuerbescheids an den Testamentsvollstrecker setzt einen Fall des &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;5 ErbStG voraus. Nach &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 ErbStG ist, wenn ein Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter vorhanden ist, die Steuererkl&auml;rung von diesem abzugeben. Das Finanzamt kann verlangen, dass die Steuererkl&auml;rung auch von einem oder mehreren Erben unterschrieben wird (&sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 ErbStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 ErbStG regelt die Verpflichtung des Testamentsvollstreckers zur Abgabe der Erkl&auml;rung, ohne die Erkl&auml;rungspflicht von weiteren Voraussetzungen abh&auml;ngig zu machen. Die Vorschrift ist jedoch nicht dahin zu verstehen, dass sie im Falle einer Testamentsvollstreckung eine uneingeschr&auml;nkte Erkl&auml;rungspflicht des Testamentsvollstreckers anordnet. Vielmehr ist wegen der zivilrechtlichen Stellung und der Aufgaben des Testamentsvollstreckers sowie im Zusammenhang mit &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG, der die Erkl&auml;rungspflicht des an einem Erbfall Beteiligten regelt, davon auszugehen, dass der Testamentsvollstrecker nach &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 ErbStG nur zur Abgabe der Erbschaftsteuererkl&auml;rung f&uuml;r einen Erwerber verpflichtet ist, wenn sich die Testamentsvollstreckung auf den Gegenstand des Erwerbs bezieht und das Finanzamt die Abgabe der Erkl&auml;rung vom Testamentsvollstrecker verlangt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Zivilrechtlich ist der Testamentsvollstrecker weder Vertreter des Erblassers oder des Nachlasses noch Vertreter des oder der Erben; er hat die Stellung eines Treuh&auml;nders und ist Inhaber eines privaten Amtes (vgl. Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 7.&nbsp;Juli 1982 IVa&nbsp;ZR&nbsp;36\/81, Neue Juristische Wochenschrift 1983, 40, m.w.N.). Seine Aufgabe ist es, die letztwilligen Verf&uuml;gungen des Erblassers auszuf&uuml;hren (vgl. &sect;&nbsp;2203 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;) und den Nachlass zu verwalten (&sect;&sect;&nbsp;2205, 2216 BGB). Das Verwaltungsrecht besteht w&auml;hrend der Dauer der Vollstreckung und erstreckt sich grunds&auml;tzlich auf den gesamten Nachlass, also auf das durch Gesamtrechtsnachfolge (&sect;&nbsp;1922 Abs.&nbsp;1 BGB) &uuml;bergegangene Verm&ouml;gen des Erblassers (Palandt\/Weidlich, B&uuml;rgerliches Gesetzbuch, 72.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;2205 Rz&nbsp;1).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Testamentsvollstreckung kann auch f&uuml;r einen Nachverm&auml;chtnisnehmer angeordnet werden (vgl. Palandt\/Weidlich, a.a.O., &sect;&nbsp;2223 Rz&nbsp;1&nbsp;f.). Hat der Erblasser den vermachten Gegenstand von einem nach dem Anfall des Verm&auml;chtnisses eintretenden bestimmten Zeitpunkt oder Ereignis an einem Dritten zugewendet (sog. Nachverm&auml;chtnis), so gilt der erste Verm&auml;chtnisnehmer als beschwert (&sect;&nbsp;2191 Abs.&nbsp;1 BGB). Die Ausf&uuml;hrung der einem Verm&auml;chtnisnehmer auferlegten Beschwerungen kann gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;2223 BGB einem Testamentsvollstrecker &uuml;bertragen werden (sog. Verm&auml;chtnisvollstreckung). Zudem kann der Erblasser entsprechend den &sect;&sect;&nbsp;2209, 2210 BGB anordnen, dass der Testamentsvollstrecker den Verm&auml;chtnisgegenstand auch nach der &Uuml;bertragung an den Verm&auml;chtnisnehmer verwaltet (sog. Verwaltungs- oder Dauervollstreckung, vgl. BGH-Urteil vom 29.&nbsp;April 1954 IV&nbsp;ZR&nbsp;152\/53, BGHZ 13, 203; Palandt\/Weidlich, a.a.O., &sect;&nbsp;2223 Rz&nbsp;2; Zimmermann in M&uuml;nchener Kommentar BGB, 6.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;2223 Rz&nbsp;6).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Pflicht des Testamentsvollstreckers zur Abgabe der Erbschaftsteuererkl&auml;rung (&sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 ErbStG) kn&uuml;pft an seine zivilrechtliche Stellung an. Aufgrund seiner b&uuml;rgerlich-rechtlichen Befugnisse ist der Testamentsvollstrecker in der Lage, die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;2 ErbStG erforderlichen Angaben zum Gegenstand und zum Wert des Erwerbs zu machen sowie ein Verzeichnis &uuml;ber die zum Nachlass geh&ouml;renden Gegenst&auml;nde (vgl. auch &sect;&nbsp;2215 BGB) zu erstellen. Die Pflicht zur Abgabe der Steuererkl&auml;rung erstreckt sich auf Erwerbe von Todes wegen durch Erben bzw. Verm&auml;chtnisnehmer, wenn die Testamentsvollstreckung hinsichtlich des Nachlasses bzw. des Verm&auml;chtnisses angeordnet wurde (vgl. BFH-Urteil in BFHE 162, 385, BStBl II 1991, 52, und BFH-Beschluss vom 9.&nbsp;Juni 1999 II&nbsp;B&nbsp;101\/98, BFHE 188, 440, BStBl II 1999, 529).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In Bezug auf einen Verm&auml;chtnisnehmer tritt eine Steuererkl&auml;rungspflicht des Testamentsvollstreckers jedoch nur ein, wenn der Testamentsvollstrecker &uuml;ber die blo&szlig;e Erf&uuml;llung des Verm&auml;chtnisses hinaus weitere Befugnisse hinsichtlich des vermachten Gegenstands hat. Das betrifft vor allem F&auml;lle, in denen f&uuml;r das Verm&auml;chtnis eine Dauervollstreckung entsprechend den &sect;&sect;&nbsp;2209, 2210 BGB angeordnet wurde. Der Aufgabenkreis des Testamentsvollstreckers ist zivilrechtlich und damit auch erbschaftsteuerrechtlich begrenzt. Er umfasst grunds&auml;tzlich nicht die Regelung von (weiteren) Angelegenheiten der Personen, denen &#8211;wie einem Verm&auml;chtnisnehmer (vgl. &sect;&nbsp;2174 BGB)&#8211; infolge des Erbfalls lediglich schuldrechtliche Anspr&uuml;che erbrechtlicher Natur gegen&uuml;ber den Erben zustehen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 162, 385, BStBl II 1991, 52, und BFH-Beschluss in BFHE 188, 440, BStBl II 1999, 529). Erstreckt sich jedoch der Aufgabenkreis des Testamentsvollstreckers auf die Verwaltung des vermachten Gegenstands nach Erf&uuml;llung des Verm&auml;chtnisses, kann der Testamentsvollstrecker auch zur Abgabe der Erbschaftsteuererkl&auml;rung f&uuml;r den Verm&auml;chtnisnehmer aufgefordert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Pflicht des Testamentsvollstreckers zur Abgabe der Steuererkl&auml;rung entsteht &#8211;wie bei einem an einem Erbfall Beteiligten&#8211; erst mit der Aufforderung des Finanzamts, eine Steuererkl&auml;rung abzugeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG kann das Finanzamt von jedem an einem Erbfall Beteiligten die Abgabe einer Erkl&auml;rung ohne R&uuml;cksicht darauf verlangen, ob er selbst steuerpflichtig ist. F&uuml;r den am Erbfall Beteiligten entsteht die Verpflichtung zur Abgabe der Erbschaftsteuererkl&auml;rung, wenn das Finanzamt ihn zur Abgabe einer Erkl&auml;rung auffordert (vgl. BFH-Urteil vom 18.&nbsp;Oktober 2000 II&nbsp;R&nbsp;50\/98, BFHE 193, 48, BStBl II 2001, 14).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Zusammenhang mit dieser Vorschrift ist &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 ErbStG dahin auszulegen, dass auch die Steuererkl&auml;rungspflicht des Testamentsvollstreckers eine Aufforderung des Finanzamts zur Abgabe der Steuererkl&auml;rung voraussetzt (vgl. Schuck in Viskorf\/Knobel\/Schuck\/W&auml;lzholz, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Bewertungsgesetz, 4.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;31 ErbStG Rz&nbsp;13; Jochum in Wilms\/Jochum, ErbStG &sect;&nbsp;31 Rz&nbsp;35; Meincke, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Kommentar, 16.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;31 Rz&nbsp;12; Pahlke in Fischer\/J&uuml;ptner\/Pahlke\/ Wachter, ErbStG, 4.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;31 Rz&nbsp;41; Kien-H&uuml;mbert in Moench\/ Weinmann, &sect;&nbsp;31 ErbStG Rz&nbsp;12; J&uuml;licher in Troll\/Gebel\/J&uuml;licher, ErbStG, &sect;&nbsp;31 Rz&nbsp;28; Viskorf, Finanz-Rundschau &#8211;FR&#8211; 1999, 1256; Gohlisch, Zeitschrift f&uuml;r die Steuer- und Erbrechtspraxis 2011, 133, 136; Billig, Umsatzsteuer- und Verkehrsteuer-Recht 2012, 178; offen gelassen: BFH-Beschl&uuml;sse in BFHE 188, 440, BStBl II 1999, 529, und vom 7.&nbsp;Dezember 1999 II&nbsp;B&nbsp;79\/99, BFHE 190, 220, BStBl II 2000, 233).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dem Testamentsvollstrecker obliegende &ouml;ffentlich-rechtliche Verpflichtung zur Abgabe der Erbschaftsteuererkl&auml;rung kann nach dem Sinn und Zweck des &sect;&nbsp;31 ErbStG nicht st&auml;rker ausgepr&auml;gt sein als die dem Beteiligten selbst obliegende Verpflichtung. Bei einem Erbfall, einer Schenkung oder einer Zweckzuwendung wird es nach &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG dem Finanzamt &uuml;berlassen zu entscheiden, ob und gegebenenfalls von wem es die Abgabe einer Steuererkl&auml;rung verlangen will. Die Regelung zielt erkennbar darauf ab, dass nur in den F&auml;llen, in denen auch eine Steuerfestsetzung erwartet werden kann, zur Abgabe der Steuererkl&auml;rung aufgefordert werden soll. Damit soll zugleich in steuerlich nicht relevanten F&auml;llen jeder weitere Verwaltungsaufwand und jede unn&ouml;tige Belastung der Steuerpflichtigen vermieden werden. Dem widerspr&auml;che es, den Testamentsvollstrecker in jedem Fall unabh&auml;ngig davon, ob mit der Festsetzung einer Steuer gerechnet werden kann, als zur Abgabe einer Erkl&auml;rung verpflichtet anzusehen (Viskorf, FR 1999, 1256).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach diesen Grunds&auml;tzen ist der Erbschaftsteuerbescheid vom 30.&nbsp;April 1999 der Kl&auml;gerin als Nachverm&auml;chtnisnehmerin wirksam bekannt gegeben worden. In Bezug auf das Nachverm&auml;chtnis war zwar eine Dauervollstreckung angeordnet worden. Eine Bekanntgabe des f&uuml;r die Kl&auml;gerin bestimmten Erbschaftsteuerbescheids an den Testamentsvollstrecker war aber nicht erforderlich, weil das FA diesen nicht zur Abgabe einer Erbschaftsteuererkl&auml;rung f&uuml;r die Kl&auml;gerin wegen deren Erwerb durch das Verm&auml;chtnis aufgefordert hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.6.2013, II R 10\/11 Pflicht des Testamentsvollstreckers zur Abgabe einer Erbschaftsteuererkl&auml;rung &#8211; Zivilrechtliche Stellung des Testamentsvollstreckers Leits&auml;tze Ein Testamentsvollstrecker ist nach &sect; 31 Abs. 5 Satz 1 ErbStG zur Abgabe einer Erbschaftsteuererkl&auml;rung f&uuml;r einen Erwerber nur verpflichtet, wenn sich die Testamentsvollstreckung auf den Gegenstand des Erwerbs bezieht und das FA die Abgabe &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-10-11-pflicht-des-testamentsvollstreckers-zur-abgabe-einer-erbschaftsteuererklaerung-zivilrechtliche-stellung-des-testamentsvollstreckers\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;10\/11 &#8211; Pflicht des Testamentsvollstreckers zur Abgabe einer Erbschaftsteuererkl&auml;rung &#8211; Zivilrechtliche Stellung des Testamentsvollstreckers<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-59998","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59998","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59998"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59998\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59998"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59998"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59998"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}