{"id":60573,"date":"2006-11-29T11:13:07","date_gmt":"2006-11-29T09:13:07","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=60573"},"modified":"2013-10-17T11:15:15","modified_gmt":"2013-10-17T09:15:15","slug":"bfh-urteil-vom-29-11-2006-vi-r-14_06-bstbl-2007-ii-s-129","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-29-11-2006-vi-r-14_06-bstbl-2007-ii-s-129\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 29.11.2006 \t(VI&nbsp;R&nbsp;14\/06) BStBl. 2007 II S. 129"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 29.11.2006 (VI\u00a0R\u00a014\/06) BStBl. 2007 II S. 129<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Betr\u00e4gt die positive oder die negative Summe der einkommensteuerpflichtigen Eink\u00fcnfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterwerfen waren, vermindert um die darauf entfallenden Betr\u00e4ge nach \u00a7\u00a013 Abs.\u00a03 und \u00a7\u00a024a EStG, jeweils mehr als 800\u00a0DM (410\u00a0\u0080), ist eine Veranlagung nach \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG von Amts wegen durchzuf\u00fchren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>2. Eine k\u00fcnftige mit R\u00fcckwirkung versehene Gesetzes\u00e4nderung ist kein Rechtsverh\u00e4ltnis, dessen Bestehen oder Nichtbestehen f\u00fcr die Entscheidung des Rechtsstreits vorgreiflich ist (Anschluss an BFH-Urteil vom 17.\u00a0Mai 1984 IV\u00a0R\u00a075\/80, juris).<\/strong><\/p>\n<p>EStG \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01; FGO \u00a7 74.<\/p>\n<p>Vorinstanz: FG Rheinland-Pfalz vom 7.\u00a0Dezember 2005 1\u00a0K\u00a02020\/04 (EFG 2006, 896)<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>\u00a0Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) reichte seine Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Streitjahr (1997) am 10.\u00a0November 2003 beim Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211; FA -) ein. Neben Eink\u00fcnften aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit in H\u00f6he von 58.836\u00a0DM erkl\u00e4rte er negative Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb in H\u00f6he von 44.432\u00a0DM. Daneben machte er einen Verlustabzug gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a010d des Einkommensteuergesetzes (EStG) lt. Feststellungsbescheid zum 31.\u00a0Dezember 1996 in H\u00f6he von 213.664\u00a0DM geltend. Das FA lehnte die Durchf\u00fchrung der Einkommensteuerveranlagung ab. Die Klage hatte keinen Erfolg. Mit der Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger die Verletzung materiellen Rechts. Der Kl\u00e4ger beantragt sinngem\u00e4\u00df, das angefochtene Urteil sowie den Bescheid vom 10.\u00a0Dezember 2003 und die Einspruchsentscheidung vom 24.\u00a0Mai 2004 aufzuheben und das FA zu verpflichten, ihn f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 1997 zur Einkommensteuer zu veranlagen.Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>\u00a0Entscheidungsgr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers ist begr\u00fcndet. Das angefochtene Urteil ist aufzuheben und der Klage stattzugeben (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 Nr.\u00a01 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -). Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist der Kl\u00e4ger zur Einkommensteuer zu veranlagen.<\/p>\n<p>1. Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats ist eine Veranlagung von Amts wegen gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG nicht nur dann durchzuf\u00fchren, wenn die positive Summe der Eink\u00fcnfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterwerfen waren (Nebeneink\u00fcnfte), den Betrag von 800\u00a0DM (410\u00a0\u0080) \u00fcbersteigt, sondern auch dann, wenn die negative Summe der betreffenden Nebeneink\u00fcnfte diesen Betrag \u00fcbersteigt (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 21.\u00a0September 2006 VI\u00a0R\u00a052\/04, BFH\/NV 2006, 2359, und VI\u00a0R\u00a047\/05, BFH\/NV 2006, 2364).<\/p>\n<p>2. Danach hat das Finanzgericht (FG) das Vorliegen der Voraussetzungen f\u00fcr eine Veranlagung des Kl\u00e4gers nach \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG zu Unrecht verneint. Der Senat kann in der Sache selbst entscheiden. Denn nach den tats\u00e4chlichen Feststellungen des FG erzielte der Kl\u00e4ger die Freigrenze von 800\u00a0DM \u00fcbersteigende negative Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb.<\/p>\n<p>3. Der Senat hat erwogen, das Verfahren im Hinblick auf die geplante \u00c4nderung des \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG durch den Entwurf des Jahressteuergesetzes (JStG) 2007 auszusetzen. In Reaktion auf den Gerichtsbescheid des Senats vom 22.\u00a0Mai 2006 VI\u00a0R\u00a047\/05 und weitere beim erkennenden Senat anh\u00e4ngige Revisionen hatte der Finanzausschuss beim Bundesrat am 29.\u00a0September 2006 zum JStG 2007 die Empfehlung ausgesprochen, \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG insoweit zu \u00e4ndern, als bei der Pr\u00fcfung der Eink\u00fcnftegrenze von 410\u00a0\u0080 (800\u00a0DM) &#8222;allein positive Eink\u00fcnfte entscheidend und negative Eink\u00fcnfte nicht zu ber\u00fccksichtigen seien&#8220; (BRDrucks 622\/1\/06). Der Finanzausschuss des Bundestags hat diese Empfehlung in seinen Beschluss vom 19.\u00a0Oktober 2006 aufgenommen (BTDrucks 16\/3036, 25). Unter den besonderen Umst\u00e4nden des Streitfalls kommt eine Aussetzung des Verfahrens jedoch nicht in Betracht. Nach Auffassung des Senats w\u00fcrde sich die prozessuale Lage des Kl\u00e4gers durch eine Verfahrensaussetzung wesentlich verschlechtern und das Gericht w\u00fcrde seine Verpflichtung zur Neutralit\u00e4t gegen\u00fcber allen Beteiligten verletzen. Im \u00dcbrigen ist die M\u00f6glichkeit einer Rechts\u00e4nderung kein Rechtsverh\u00e4ltnis i.S. des \u00a7\u00a074 FGO, dessen Bestehen oder Nichtbestehen f\u00fcr die Entscheidung des Rechtsstreits vorgreiflich ist (BFH-Urteil vom 17.\u00a0Mai 1984 IV\u00a0R\u00a075\/80, juris, m.w.N.).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 29.11.2006 (VI\u00a0R\u00a014\/06) BStBl. 2007 II S. 129 1. 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