{"id":60928,"date":"2013-11-09T13:33:34","date_gmt":"2013-11-09T11:33:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=60928"},"modified":"2013-11-09T13:33:34","modified_gmt":"2013-11-09T11:33:34","slug":"iii-r-58-12-kindergeld-waehrend-der-mutterschutzfrist-und-der-elternzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-58-12-kindergeld-waehrend-der-mutterschutzfrist-und-der-elternzeit\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;58\/12 &#8211; Kindergeld w&auml;hrend der Mutterschutzfrist und der Elternzeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.6.2013, III R 58\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld w&auml;hrend der Mutterschutzfrist und der Elternzeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Ein Kind, das die Suche nach einem Ausbildungsplatz w&auml;hrend der Mutterschutzfrist unterbricht, ist in diesem Zeitraum weiterhin zu ber&uuml;cksichtigen. Dies gilt auch dann, wenn es die Bem&uuml;hungen um einen Ausbildungsplatz nach dem Ende der Mutterschutzfrist nicht fortsetzt.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Ein Kind, das w&auml;hrend der Elternzeit keinen Ausbildungsplatz sucht, kann &#8211;ebenso wie ein Kind, das seine Ausbildung wegen der Elternzeit unterbricht&#8211; nicht ber&uuml;cksichtigt werden.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Vater einer im Juni 1983 geborenen Tochter, die seit Juni 2003 in einem eigenen Haushalt lebte und f&uuml;r die er aufgrund von Bescheiden aus dem Jahr 2004 Kindergeld bezog. Die Tochter war arbeitslos und bezog ALG&nbsp;II. Sie war auch als Bewerberin um eine berufliche Ausbildungsstelle gemeldet und hatte sich zudem selbst um einen Ausbildungsplatz bem&uuml;ht. Am 11.&nbsp;Juni 2005 gebar die Tochter des Kl&auml;gers eine Tochter. Seit dem 23.&nbsp;April 2005 &#8211;dem Tag des Beginns ihrer Mutterschutzfrist&#8211; war sie mit dem Vermerk &quot;Mutterschutz\/Elternzeit&quot; wegen &quot;Mangelnde Verf&uuml;gbarkeit\/Mitwirkung&quot; nicht mehr als Bewerberin um einen Ausbildungsplatz registriert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) hob die Festsetzung des Kindergeldes f&uuml;r Mai 2005 bis Mai 2006 sowie von September 2007 bis M&auml;rz 2008 auf. Der Einspruch blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage als unbegr&uuml;ndet ab. Es f&uuml;hrte aus, die Tochter sei nicht nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;c des Einkommensteuergesetzes (EStG) zu ber&uuml;cksichtigen, weil sie nicht als Bewerberin f&uuml;r eine berufliche Ausbildungsstelle gemeldet gewesen sei. Der Umstand, dass sie sich von Mai 2005 bis August 2005 im Mutterschutz befunden habe, f&uuml;hre nicht dazu, dass sie in diesem Zeitraum weiterhin als Ausbildungssuchende anzusehen sei. Die Familienkasse habe die Festsetzung des Kindergeldes gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 EStG zu Recht aufgehoben; ihr R&uuml;ckforderungsanspruch sei auch nicht verwirkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung seiner Revision tr&auml;gt der Kl&auml;ger vor, eine R&uuml;ckforderung von Kindergeld f&uuml;r die Mutterschutzzeit scheide aus. Gleiches m&uuml;sse aufgrund des allgemeinen Gleichheitsgrundsatzes auch f&uuml;r die anschlie&szlig;ende Elternzeit gelten, da die Tochter wegen der Erziehung ihres Kindes nicht in der Lage gewesen sei, sich um eine Ausbildungsstelle zu bem&uuml;hen. Die R&uuml;ckforderung sei auch aus Vertrauensschutzgr&uuml;nden ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, das FG-Urteil, den Aufhebungsbescheid und die Einspruchsentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Familienkasse &#8230; der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit ist aufgrund eines Organisationsaktes (Beschluss des Vorstands der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit Nr.&nbsp;21\/2013 vom 18.&nbsp;April 2013 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;11 des Finanzverwaltungsgesetzes, Amtliche Nachrichten der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, Ausgabe Mai 2013, S.&nbsp;6&nbsp;ff., Nr.&nbsp;1 der Anlage&nbsp;2) im Wege des gesetzlichen Parteiwechsels in die Beteiligtenstellung der Agentur f&uuml;r Arbeit &#8230; &#8211;Familienkasse&#8211; eingetreten (s. dazu Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2011 V&nbsp;B&nbsp;17\/10, BFH\/NV 2011, 1105, unter II.A.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<table style=\"margin-left:90\"pt>\n<tr>\n<td>III.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist hinsichtlich der Monate Mai bis August 2005 begr&uuml;ndet (1.); im &Uuml;brigen, d.h. hinsichtlich der Monate September 2005 bis Mai 2006 sowie September 2007 bis M&auml;rz 2008, wird sie als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;), da der Kl&auml;ger insoweit keinen Anspruch auf Kindergeld hat (2.) und die R&uuml;ckforderung auch nicht ausgeschlossen war (3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Tochter des Kl&auml;gers ist f&uuml;r den Zeitraum Mai bis August 2005 weiterhin nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;c EStG als Kind zu ber&uuml;cksichtigen, weil die Unterbrechung der Suche nach einem Ausbildungsplatz w&auml;hrend der Mutterschutzfrist ebenso unsch&auml;dlich ist wie die Unterbrechung einer Ausbildung w&auml;hrend der Schutzfrist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Familienkasse hat die Tochter aufgrund des Bescheids vom 6.&nbsp;Februar 2004 bis einschlie&szlig;lich April 2005 als Kind ohne Ausbildungs- oder Arbeitsplatz ber&uuml;cksichtigt und daher Kindergeld gew&auml;hrt. Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Ber&uuml;cksichtigung &#8211;ab Juli 2004 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;c EStG&#8211; bestehen nicht. Denn die Tochter des Kl&auml;gers hat sich selbst ernsthaft um einen Ausbildungsplatz bem&uuml;ht (vgl. Senatsurteil vom 22.&nbsp;September 2011 III&nbsp;R&nbsp;30\/08, BFHE 235, 327, BStBl II 2012, 411) und war zudem bei der Agentur f&uuml;r Arbeit als Bewerberin um eine berufliche Ausbildungsstelle registriert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Tochter ist auch w&auml;hrend der Zeit ihres Mutterschutzes nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;c EStG zu ber&uuml;cksichtigen, der sechs Wochen vor der erwarteten Entbindung begann (&sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 des Gesetzes zum Schutz der erwerbst&auml;tigen Mutter &#8211;MuSchG&#8211;) und mit dem der Niederkunft am 11.&nbsp;Juni 2005 folgenden achtw&ouml;chigen Besch&auml;ftigungsverbot (&sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 MuSchG) im August 2005 endete, obwohl sie w&auml;hrenddessen von der Agentur mit Hinweis auf den Mutterschutz &quot;abgemeldet&quot; worden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der BFH hat bereits entschieden, dass ein Kind w&auml;hrend der Unterbrechung seiner Ausbildung aufgrund der Schutzfristen nach &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 und &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 MuSchG grunds&auml;tzlich weiter zu ber&uuml;cksichtigen ist (BFH-Urteile vom 15.&nbsp;Juli 2003 VIII&nbsp;R&nbsp;47\/02, BFHE 203, 106, BStBl II 2003, 848; vom 24.&nbsp;September 2009 III&nbsp;R&nbsp;79\/06, BFH\/NV 2010, 614); dies entspricht auch der Ansicht der Verwaltung (Dienstanweisung zur Durchf&uuml;hrung des Familienausgleichs nach dem X.&nbsp;Abschnitt des Einkommensteuergesetzes &#8211;DA-FamEStG&#8211; 63.3.2.7 Abs.&nbsp;3, BStBl I 2002, 393; DA-FamEStG 63.3.2.8 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1, BStBl I 2012, 774). Denn das Kind hat in diesem Zeitraum den Willen, sich der Ausbildung zu unterziehen, ist aber aus objektiven Gr&uuml;nden wegen des Besch&auml;ftigungsverbots nach dem MuSchG vor&uuml;bergehend daran gehindert, weil ihm die Durchf&uuml;hrung der Ausbildungsma&szlig;nahmen nicht m&ouml;glich oder nicht zumutbar ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Unterbrechung der Suche nach einem Ausbildungsplatz w&auml;hrend der Mutterschutzfristen ist im Hinblick auf die Ber&uuml;cksichtigung als Kind nicht anders zu behandeln als die mutterschutzbedingte Unterbrechung der Ausbildung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Die Gleichstellung von Kindern, die einen Ausbildungsplatz suchen, mit denen, die bereits einen Ausbildungsplatz gefunden haben, setzt voraus, dass der Beginn oder die Fortsetzung der Ausbildung nicht an anderen Umst&auml;nden als dem Mangel eines Ausbildungsplatzes scheitern (Senatsurteil vom 7.&nbsp;April 2011 III&nbsp;R&nbsp;24\/08, BFHE 233, 44, BStBl II 2012, 210). Das einen Ausbildungsplatz suchende Kind muss diesen daher im Fall einer erfolgreichen Suche auch antreten k&ouml;nnen. Wenn dies &#8211;z.B. aus ausl&auml;nderrechtlichen Gr&uuml;nden (Senatsurteil in BFHE 233, 44, BStBl II 2012, 210)&#8211; ausgeschlossen ist, scheidet eine Ber&uuml;cksichtigung aus. Ein derartiger Hinderungsgrund besteht bei jungen M&uuml;ttern indessen nicht. Sie k&ouml;nnten eine angebotene Ausbildung antreten und &#8211;nach Ablauf der Mutterschutzfrist&#8211; auch durchf&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Die Besch&auml;ftigungsverbote nach dem MuSchG hindern Frauen nicht aus rechtlichen Gr&uuml;nden an der Ausbildungsplatzsuche, diese ist aber in vielen F&auml;llen praktisch unm&ouml;glich und regelm&auml;&szlig;ig auch nicht zumutbar. Denn eine erfolgversprechende Suche nach einem Ausbildungsplatz erfordert nicht lediglich das Verfassen von Bewerbungsschreiben, wozu eine Frau meist auch kurz vor oder nach der Entbindung imstande sein wird, sondern regelm&auml;&szlig;ig auch Vorstellungsgespr&auml;che, die Teilnahme an Auswahltests, Assessment-Centern oder Betriebsbesichtigungen und gelegentlich sogar &quot;Probearbeit&quot;. Diese T&auml;tigkeiten k&ouml;nnen physisch und psychisch ebenso anstrengend sein wie eine &#8211;durch das MuSchG untersagte&#8211; &quot;normale Arbeit&quot;. Da das Kindergeldrecht als &quot;Massenrecht&quot; der Typisierung bedarf, kann es auch nicht darauf ankommen, ob die Suche nach einem Ausbildungsplatz im Einzelfall &#8211;z.B. bei ausschlie&szlig;lich schriftlichen Bewerbungsverfahren&#8211; trotz der besonderen Schutzbed&uuml;rftigkeit werdender und junger M&uuml;tter auch w&auml;hrend der Mutterschutzfrist m&ouml;glich und zumutbar w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Angesichts der zeitlich beschr&auml;nkten, regelm&auml;&szlig;ig lediglich etwa vierzehnw&ouml;chigen Mutterschutzfristen braucht der Senat nicht zu entscheiden, von welcher Zeitdauer an bei kranken Kindern die Unterbrechung der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder die Unterbrechung der Ausbildung eine Ber&uuml;cksichtigung nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a oder Buchst.&nbsp;c EStG ausschlie&szlig;en w&uuml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Der weiteren Ber&uuml;cksichtigung w&auml;hrend der Mutterschutzfrist steht nicht entgegen, dass die Suche nach einem Ausbildungsplatz nach ihrem Ende nicht umgehend wieder aufgenommen wird. Denn ein Kind wird durch den Beginn der Mutterschutzfrist an der Fortsetzung der Suche nach einem Ausbildungsplatz objektiv gehindert, w&auml;hrend der Entschluss, die Bem&uuml;hungen um einen Ausbildungsplatz zwecks Pflege und Erziehung des Kindes nicht fortzusetzen, erst nach deren Ende wirksam wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Da die &uuml;brigen Voraussetzungen der Ber&uuml;cksichtigung der Tochter nicht streitig sind, ist der Klage stattzugeben, soweit sie sich gegen die Aufhebung der Festsetzung f&uuml;r die Monate Mai bis August 2005 richtet (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. F&uuml;r die &uuml;brigen Monate, d.h. f&uuml;r September 2005 bis Mai 2006 und September 2007 bis M&auml;rz 2008, kann die Tochter nicht als Kind ber&uuml;cksichtigt werden. Denn ein Kind, das seine Ausbildung w&auml;hrend der Elternzeit unterbricht, ist nicht zu ber&uuml;cksichtigen (Senatsurteil in BFH\/NV 2010, 614). F&uuml;r ein Kind, das die Suche nach einem Ausbildungsplatz w&auml;hrend der Elternzeit unterbricht, gilt nichts anderes: In beiden F&auml;llen ist das Kind &#8211;anders als bei einer Erkrankung oder w&auml;hrend des Besch&auml;ftigungsverbots nach dem MuSchG&#8211; nicht aus objektiven Gr&uuml;nden an der Ausbildung oder der Suche nach einem Ausbildungsplatz gehindert, sondern weil es diese aufgrund eines eigenen Entschlusses zugunsten der F&ouml;rderung des Eltern-Kind-Verh&auml;ltnisses w&auml;hrend dieser Zeit nicht fortsetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die R&uuml;ckforderung des Kindergeldes ist nicht aus Vertrauensschutzgr&uuml;nden ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die R&uuml;ckforderung von Kindergeld richtet sich nur nach der Abgabenordnung (AO); der Gesetzgeber war nicht verpflichtet, eine Vertrauensschutzregelung &#8211;wie z.B. &sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;2 des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch &#8212; in das System steuerlicher &Auml;nderungs- und Aufhebungsvorschriften aufzunehmen (Senatsbeschluss vom 30.&nbsp;November 2009 III&nbsp;B&nbsp;187\/08, BFH\/NV 2010, 645). Der Grundsatz von Treu und Glauben steht der R&uuml;ckforderung von &uuml;berzahltem Kindergeld selbst dann nicht entgegen, wenn die Beh&ouml;rde trotz Kenntnis von Umst&auml;nden, die zum Wegfall des Kindergeldanspruchs f&uuml;hren, zun&auml;chst weiterhin Leistungen erbringt (z.B. BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Oktober 2003 VIII&nbsp;R&nbsp;56\/01, BFHE 203, 472, BStBl II 2004, 123); auch das Zeitmoment ist insoweit bedeutungslos (Senatsbeschluss vom 23.&nbsp;Mai 2011 III&nbsp;B&nbsp;177\/10, BFH\/NV 2011, 1507). Erforderlich sind vielmehr besondere Umst&auml;nde, die die Geltendmachung des R&uuml;ckforderungsanspruchs als illoyale Rechtsaus&uuml;bung erscheinen lassen und dazu f&uuml;hren, dass sich der R&uuml;ckzahlungsschuldner nach dem gesamten Verhalten der Familienkasse darauf verlassen durfte und verlassen hat, dass er nicht mehr in Anspruch genommen werden solle (Senatsbeschluss vom 8.&nbsp;Dezember 2011 III&nbsp;B&nbsp;72\/11, BFH\/NV 2012, 379). Derartige Umst&auml;nde hat das FG nicht festgestellt; es hat auch zutreffend entschieden, dass die Familienkasse sich die vom Kl&auml;ger behaupteten diesbez&uuml;glichen &Auml;u&szlig;erungen der bei der Agentur f&uuml;r Arbeit t&auml;tigen Frau&nbsp;Z nicht zurechnen lassen muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Senat weist darauf hin, dass &#8211;soweit der Kl&auml;ger unterlegen ist&#8211; ein Billigkeitserlass nach &sect;&nbsp;227 AO gerechtfertigt sein kann, wenn das Kindergeld bei der Berechnung der H&ouml;he von Sozialhilfeleistungen als Einkommen angesetzt wurde und eine nachtr&auml;gliche Korrektur dieser Leistungen nicht m&ouml;glich ist (vgl. Senatsurteil vom 22.&nbsp;September 2011 III&nbsp;R&nbsp;78\/08, BFH\/NV 2012, 204).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.6.2013, III R 58\/12 Kindergeld w&auml;hrend der Mutterschutzfrist und der Elternzeit Leits&auml;tze 1. Ein Kind, das die Suche nach einem Ausbildungsplatz w&auml;hrend der Mutterschutzfrist unterbricht, ist in diesem Zeitraum weiterhin zu ber&uuml;cksichtigen. Dies gilt auch dann, wenn es die Bem&uuml;hungen um einen Ausbildungsplatz nach dem Ende der Mutterschutzfrist nicht fortsetzt. 2. 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