{"id":60936,"date":"2013-11-09T13:34:00","date_gmt":"2013-11-09T11:34:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=60936"},"modified":"2013-11-09T13:34:00","modified_gmt":"2013-11-09T11:34:00","slug":"v-r-30-12-konkurrenzverhaeltnis-mehrerer-steuerbefreiungen-fuer-den-vorsteuerabzug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-30-12-konkurrenzverhaeltnis-mehrerer-steuerbefreiungen-fuer-den-vorsteuerabzug\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;30\/12 &#8211; Konkurrenzverh&auml;ltnis mehrerer Steuerbefreiungen f&uuml;r den Vorsteuerabzug"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.8.2013, V R 30\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Konkurrenzverh&auml;ltnis mehrerer Steuerbefreiungen f&uuml;r den Vorsteuerabzug<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Eine innergemeinschaftliche Lieferung von Gegenst&auml;nden, deren Lieferung im Inland ohne Recht zum Vorsteuerabzug steuerfrei w&auml;re, berechtigt nicht zum Vorsteuerabzug.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Offenbleibt, ob dies auch f&uuml;r den Fall der Ausfuhrlieferung gilt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine gemeinn&uuml;tzige GmbH (&quot;gGmbH&quot;), lieferte in den Streitjahren 2001 und 2002 Blutplasma in das &uuml;brige Gemeinschaftsgebiet. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) hob im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung den Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung (&sect;&nbsp;164 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) f&uuml;r beide Streitjahre auf. Hiergegen legte die Kl&auml;gerin am 14.&nbsp;Februar 2007 Einspruch ein, mit dem sie erstmals geltend machte, dass ihr &#8211;entgegen der bisherigen Beurteilung&#8211; der Vorsteuerabzug nach &sect;&nbsp;15 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) 1999 f&uuml;r die Lieferung von Blutplasma in das &uuml;brige Gemeinschaftsgebiet zustehe. Im Rahmen einer nachfolgenden Pr&uuml;fung ging das FA davon aus, dass es sich bei den Lieferungen in das &uuml;brige Gemeinschaftsgebiet um Reihengesch&auml;fte gehandelt habe, in deren Rahmen die Lieferungen der Kl&auml;gerin als nicht nach &sect;&nbsp;6a UStG steuerfrei anzusehen seien. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ohne die Frage, ob es sich um Lieferungen im Inland oder um innergemeinschaftliche Lieferungen handelt, zu vertiefen, ging das Finanzgericht (FG) bei seinem in &quot;Entscheidungen der Finanzgerichte&quot; 2013, 813 ver&ouml;ffentlichten Urteil davon aus, dass die Kl&auml;gerin unter Ber&uuml;cksichtigung der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) zu den Bestimmungen der Sechsten Richtlinie des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern 77\/388\/EWG (Richtlinie 77\/388\/EWG) nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sei und sie auch keinen Vertrauensschutz beanspruchen k&ouml;nne. Selbst wenn innergemeinschaftliche Ums&auml;tze vorl&auml;gen, sei die Kl&auml;gerin nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt. Komme ein Vorsteuerabzug bei Blutplasmalieferungen im Inland nicht in Betracht, bestehe auch bei Blutplasmalieferungen, die als innergemeinschaftliche Lieferung steuerfrei seien, kein Recht auf Vorsteuerabzug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit der Revision, mit der sie Verletzung materiellen Rechts geltend macht. Die Rechtsprechung des EuGH betreffe andere Sachverhalte. Ihr sei f&uuml;r andere Zeitr&auml;ume Vertrauensschutz gew&auml;hrt worden. Ihre Rechtsauffassung werde durch die gesetzgeberischen Erw&auml;gungen bei der Einf&uuml;hrung des Mehrwertsteuersystems durch das UStG 1967 best&auml;tigt. Der EuGH-Rechtsprechung sei nicht zu folgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Umsatzsteuerbescheide 2001 und 2002 vom 1.&nbsp;Februar 2007 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 24.&nbsp;April 2012 dahingehend zu &auml;ndern, dass die festgesetzte Umsatzsteuer um weitere Vorsteuerbetr&auml;ge in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR (2001) und &#8230;&nbsp;EUR (2002) gemindert wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG habe zutreffend entschieden. Die Steuerfreiheit ohne Vorsteuerabzug habe Vorrang vor der Steuerfreiheit mit Vorsteuerabzug. Vertrauensschutz sei nicht zu gew&auml;hren, da die Voraussetzungen von &sect;&nbsp;176 AO nicht vorl&auml;gen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;gerin ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Kl&auml;gerin ist f&uuml;r die Lieferung von Blutplasma in das Ausland nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG kann der Unternehmer die gesetzlich geschuldete Steuer f&uuml;r Leistungen, die von einem anderen Unternehmer f&uuml;r sein Unternehmen ausgef&uuml;hrt worden sind, als Vorsteuer abziehen. Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG ist der Vorsteuerabzug f&uuml;r Leistungen, die der Unternehmer f&uuml;r steuerfreie Ums&auml;tze verwendet, ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Diese Vorschriften sind entsprechend Art.&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a der Richtlinie 77\/388\/EWG auszulegen. Danach ist der Steuerpflichtige (Unternehmer), der Gegenst&auml;nde und Dienstleistungen f&uuml;r Zwecke seiner besteuerten Ums&auml;tze verwendet, befugt, die im Inland geschuldete oder entrichtete Mehrwertsteuer f&uuml;r Gegenst&auml;nde und Dienstleistungen, die ihm von einem anderen Steuerpflichtigen geliefert oder erbracht werden, von der von ihm geschuldeten Steuer abzuziehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach nunmehr st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist der Unternehmer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 und 2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG bei richtlinienkonformer Auslegung zum Vorsteuerabzug berechtigt, soweit er Eingangsleistungen f&uuml;r sein Unternehmen (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 UStG, Art.&nbsp;4 der Richtlinie 77\/388\/EWG) und damit f&uuml;r seine wirtschaftlichen T&auml;tigkeiten zur Erbringung steuerpflichtiger Leistungen gegen Entgelt (&sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG, Art.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Richtlinie 77\/388\/EWG) zu verwenden beabsichtigt. Zur Vermeidung von Wiederholungen verweist der Senat insoweit auf sein Urteil vom 9.&nbsp;Februar 2012 V&nbsp;R&nbsp;40\/10 (BFHE 236, 258, BStBl II 2012, 844, Rz&nbsp;19).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Neben dem Vorsteuerabzug f&uuml;r steuerpflichtige Leistungen gegen Entgelt ist der Unternehmer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b UStG auch insoweit zum Vorsteuerabzug berechtigt, als er Eingangsleistungen f&uuml;r Zwecke der dort aufgef&uuml;hrten steuerfreien Ums&auml;tze zu verwenden beabsichtigt. Zu diesen geh&ouml;ren die nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b i.V.m. &sect;&nbsp;6a UStG steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferungen, nicht aber z.B. die nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;17 Buchst.&nbsp;a UStG steuerfreie Lieferung von menschlichem Blut im Inland.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unionsrechtliche Grundlage hierf&uuml;r ist Art.&nbsp;17 Abs.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;b der Richtlinie 77\/388\/EWG. Danach gew&auml;hren die Mitgliedstaaten jedem Steuerpflichtigen den Abzug oder die Erstattung der in Abs.&nbsp;2 genannten Mehrwertsteuer auch, soweit Gegenst&auml;nde und Dienstleistungen f&uuml;r Zwecke seiner nach Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;g und i, Art.&nbsp;15, Art.&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Teile&nbsp;B, C, D und E und Abs.&nbsp;2 sowie Art.&nbsp;28c Teile&nbsp;A und C der Richtlinie 77\/388\/EWG befreiten Ums&auml;tze verwendet werden. Zu den danach zum Vorsteuerabzug berechtigenden Ums&auml;tzen geh&ouml;ren innergemeinschaftliche Lieferungen i.S. von Art.&nbsp;28c der Richtlinie 77\/388\/EWG, nicht aber auch die Lieferung von menschlichem Blut, die nach Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;A Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;d der Richtlinie 77\/388\/EWG steuerfrei ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Streitfall ist die Kl&auml;gerin nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt, wie das FG zutreffend unter Bezugnahme auf das EuGH-Urteil vom 7.&nbsp;Dezember 2006 C-240\/05, Eurodental (Slg. 2006, I-11479) entschieden hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Bezieht der Unternehmer Leistungen f&uuml;r die innergemeinschaftliche Lieferung von Gegenst&auml;nden, deren Lieferung im Inland aber steuerfrei ist, hat der Unternehmer kein Recht auf Vorsteuerabzug. Nach dem Leitsatz des EuGH-Urteils Eurodental in Slg. 2006, I-11479 er&ouml;ffnet ein Umsatz, &quot;der nach Artikel&nbsp;13 Teil&nbsp;A Absatz&nbsp;1 Buchstabe&nbsp;e der &#8230; Richtlinie 77\/388\/EWG &#8230; innerhalb eines Mitgliedstaats von der Mehrwertsteuer befreit ist, &#8230; kein Recht auf Vorsteuerabzug nach Artikel&nbsp;17 Absatz&nbsp;3 Buchstabe&nbsp;b dieser Richtlinie, selbst wenn es sich um einen innergemeinschaftlichen Umsatz handelt&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ma&szlig;geblich ist hierf&uuml;r die Entscheidung des EuGH, dass, wenn die innergemeinschaftliche Lieferung von Gegenst&auml;nden ein Recht auf Vorsteuerabzug im Abgangsmitgliedstaat er&ouml;ffnen w&uuml;rde, obwohl die Inlandslieferung dieses Gegenstandes steuerfrei ist, derartige Gegenst&auml;nde in der Gemeinschaft unter vollst&auml;ndiger Befreiung von der Mehrwertsteuer geliefert werden k&ouml;nnten, da im Hinblick auf die Steuerfreiheit der Inlandslieferung auch der innergemeinschaftliche Erwerb im Bestimmungsmitgliedstaat gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;28c Teil&nbsp;B Buchst.&nbsp;a der Richtlinie 77\/388\/EWG (im Inland: &sect;&nbsp;4b Nrn.&nbsp;1 und 2 UStG) steuerfrei w&auml;re und daher ein Vorsteuerabzug ohne Besteuerung auf der folgenden Stufe erfolgen w&uuml;rde (EuGH-Urteil Eurodental in Slg. 2006, I-11479 Rdnr.&nbsp;40). Nach der Zielsetzung des gemeinsamen Mehrwertsteuersystems und der durch die Richtlinie 77\/388\/EWG eingef&uuml;hrten Regelung f&uuml;r die Besteuerung des Handels zwischen den Mitgliedstaaten kann aber &quot;ein Steuerpflichtiger, dem eine Steuerbefreiung zugute kommt und der folglich nicht zum Abzug der innerhalb eines Mitgliedstaats gezahlten Vorsteuer berechtigt ist, dieses Recht auch dann nicht haben, wenn der betreffende Umsatz innergemeinschaftlichen Charakter hat&quot; (EuGH-Urteil Eurodental in Slg. 2006, I-11479 Rdnr.&nbsp;41), so dass es unter &quot;diesen Umst&auml;nden &#8230; der Systematik der Sechsten Richtlinie [entspricht], dass der Regelung, die auf die spezifischen Steuerbefreiungen des Artikels&nbsp;13 Teil&nbsp;A dieser Richtlinie anwendbar ist, Vorrang vor derjenigen zuerkannt wird, die auf die von der Richtlinie vorgesehenen allgemeinen Steuerbefreiungen betreffend innergemeinschaftliche Ums&auml;tze anwendbar ist&quot; (EuGH-Urteil Eurodental in Slg. 2006, I-11479 Rdnr.&nbsp;44).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieses Spezialit&auml;tsverh&auml;ltnis ist auch bei der gebotenen richtlinienkonformen Auslegung von &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 UStG zu beachten, da der Wortlaut dieser Vorschrift dem nicht entgegensteht. Ohne Bedeutung ist daher, dass sich im Streitfall die Steuerfreiheit des Inlandsumsatzes zwar nicht aus Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;A Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;e der Richtlinie 77\/388\/EWG, aber aus Buchst.&nbsp;d dieser Bestimmung als unionsrechtlicher Grundlage von &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;17 Buchst.&nbsp;a UStG ergibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Danach hat das FG zu Recht entschieden, dass die Kl&auml;gerin im Streitfall nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Selbst wenn sie innergemeinschaftliche Lieferungen ausgef&uuml;hrt hat, die grunds&auml;tzlich zum Vorsteuerabzug berechtigen, ist entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin der Vorsteuerabzug ausgeschlossen, weil die Lieferung von Blutplasma im Inland nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;17 Buchst.&nbsp;a UStG steuerfrei ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Soweit die Kl&auml;gerin auf die an diesem Urteil ge&uuml;bte Kritik verweist, beruht diese auf einer Besonderheit der Rechtssache Eurodental in Slg. 2006, I-11479, die im Streitfall nicht besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) &Uuml;ber die vorstehend wiedergegebenen allgemeinen Grunds&auml;tze hinaus betrifft das EuGH-Urteil Eurodental in Slg. 2006, I-11479 den Sonderfall der Lieferung eines Gegenstandes, der im Abgangsmitgliedstaat (Luxemburg) entsprechend dem Regelsystem der Richtlinie 77\/388\/EWG steuerfrei ist, w&auml;hrend die Lieferung desselben Gegenstandes aufgrund einer mit der Richtlinie &uuml;bereinstimmenden Sonderregelung im Bestimmungsmitgliedstaat steuerpflichtig ist. Der EuGH versagt auch f&uuml;r diesen Sonderfall den Vorsteuerabzug, was z.B. Rei&szlig; (Umsatzsteuer-Rundschau &#8211;UR&#8211; 2007, 565&nbsp;ff.) kritisiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Eine derartige Fallgestaltung liegt entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin im Streitfall nicht vor. Soweit sie geltend macht, dass Lieferungen nach &Ouml;sterreich erfolgt seien und die Lieferungen von Blutplasma in &Ouml;sterreich &#8211;anders als nach dem deutschem UStG&#8211; steuerpflichtig seien, schlie&szlig;t sich der erkennende Senat dem nicht an. Denn nach &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;21 des &ouml;sterreichischen Bundesgesetzes &uuml;ber die Besteuerung der Ums&auml;tze (BGBl f&uuml;r die Republik &Ouml;sterreich 663\/1994, S.&nbsp;5379) sind &#8211;wie im Inland&#8211; &quot;die Lieferungen von menschlichen Organen, menschlichem Blut und Frauenmilch&quot; steuerfrei. Diese Steuerfreiheit besteht nach Ruppe\/Achatz (UStG, 4.&nbsp;Aufl. 2011, &sect;&nbsp;6 Rz&nbsp;419) seit dem 1.&nbsp;Januar 1997 und galt somit auch in den Streitjahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Kl&auml;gerin hiergegen geltend macht, dass sich diese Steuerfreiheit im Gegensatz zu der nach nationalem Recht bestehenden Rechtslage nicht auf Plasma beziehe, das ausschlie&szlig;lich zur industriellen Weiterverarbeitung und zur Erzeugung von Arzneispezialit&auml;ten verwendet wird, und Gegenstand ihrer Lieferungen derartiges Plasma gewesen sei, handelt es sich um neuen Sachvortrag, der im Revisionsverfahren nicht zu ber&uuml;cksichtigen war (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Mai 2011 V&nbsp;R&nbsp;39\/10, BFH\/NV 2011, 1474, unter II.3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Im &Uuml;brigen kann der Senat offenlassen, ob die f&uuml;r den Streitfall ma&szlig;geblichen Grunds&auml;tze des EuGH-Urteils Eurodental in Slg. 2006, I-11479 auch auf Ausfuhrlieferungen &uuml;bertragen werden k&ouml;nnen (vgl. insoweit die Kritik von Rei&szlig; in UR 2007, 565&nbsp;ff., 573&nbsp;f.). Daher kommt es auf m&ouml;gliche gesetzgeberische Erw&auml;gungen zum UStG 1967 im Hinblick auf das Konkurrenzverh&auml;ltnis zwischen Steuerbefreiungen f&uuml;r Inlandslieferungen und Ausfuhrlieferungen nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Wie das FG weiter zutreffend entschieden hat, ist &sect;&nbsp;176 Abs.&nbsp;2 AO im Hinblick auf die sp&auml;tere &Auml;nderung von Abschn.&nbsp;204 Abs.&nbsp;4 der Umsatzsteuer-Richtlinien (UStR) 2004 durch Abschn.&nbsp;204 Abs.&nbsp;4 UStR 2008 schon deshalb nicht anwendbar, weil die Kl&auml;gerin den hier streitigen Vorsteuerabzug erstmals mit ihrem Einspruch vom 14.&nbsp;Februar 2007 und damit nach Ergehen des EuGH-Urteils Eurodental in Slg. 2006, I-11479 geltend gemacht hat. Die Anwendung von &sect;&nbsp;176 AO scheitert zudem daran, dass sich die Kl&auml;gerin nicht gegen die &Auml;nderung eines Steuerbescheides wehrt, mit dem das FA einen zuvor in einem Steuerbescheid ber&uuml;cksichtigenden Vorsteuerabzug versagt. Die Kl&auml;gerin kann sich auch nicht insoweit auf Vertrauensschutz berufen, als sie geltend macht, dass sie nach Abschn.&nbsp;204 Abs.&nbsp;4 UStR 2000 zum Vorsteuerabzug berechtigt gewesen sei. Denn dem kommt im gerichtlichen Verfahren keine Bedeutung zu, da es sich hierbei nur um eine norminterpretierende Verwaltungsanweisung handelt, die die Gerichte nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH nicht bindet (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 10.&nbsp;November 2011 V&nbsp;R&nbsp;34\/10, BFH\/NV 2012, 803, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit andere Erlassgr&uuml;nde vorliegen sollten, k&ouml;nnten diese nicht im hier vorliegenden Festsetzungsverfahren, sondern nur in einem gesonderten Erlassverfahren (&sect;&sect;&nbsp;163, 227 AO) Ber&uuml;cksichtigung finden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.8.2013, V R 30\/12 Konkurrenzverh&auml;ltnis mehrerer Steuerbefreiungen f&uuml;r den Vorsteuerabzug Leits&auml;tze 1. Eine innergemeinschaftliche Lieferung von Gegenst&auml;nden, deren Lieferung im Inland ohne Recht zum Vorsteuerabzug steuerfrei w&auml;re, berechtigt nicht zum Vorsteuerabzug. 2. Offenbleibt, ob dies auch f&uuml;r den Fall der Ausfuhrlieferung gilt. Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine gemeinn&uuml;tzige &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-30-12-konkurrenzverhaeltnis-mehrerer-steuerbefreiungen-fuer-den-vorsteuerabzug\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;30\/12 &#8211; Konkurrenzverh&auml;ltnis mehrerer Steuerbefreiungen f&uuml;r den Vorsteuerabzug<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-60936","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60936","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60936"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60936\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60936"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60936"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60936"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}