{"id":60950,"date":"2013-11-09T13:34:14","date_gmt":"2013-11-09T11:34:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=60950"},"modified":"2013-11-09T13:34:14","modified_gmt":"2013-11-09T11:34:14","slug":"ii-r-16-12-rueckgaengigmachung-eines-erwerbsvorgangs-nach-par-16-abs-1-grestg-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-16-12-rueckgaengigmachung-eines-erwerbsvorgangs-nach-par-16-abs-1-grestg-2\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;16\/12 &#8211; R&uuml;ckg&auml;ngigmachung eines Erwerbsvorgangs nach &sect; 16 Abs. 1 GrEStG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.9.2013, II R 16\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">R&uuml;ckg&auml;ngigmachung eines Erwerbsvorgangs nach &sect; 16 Abs. 1 GrEStG <\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Werden die Aufhebung des urspr&uuml;nglichen Kaufvertrags und die Weiterver&auml;u&szlig;erung des Grundst&uuml;cks in einer einzigen Vertragsurkunde zusammengefasst, hat der Ersterwerber die M&ouml;glichkeit, die Aufhebung des urspr&uuml;nglichen Kaufvertrags zum anschlie&szlig;enden Erwerb des Grundst&uuml;cks durch eine von ihm ausgew&auml;hlte dritte Person zu nutzen.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Ist dem Ersterwerber das weitere Schicksal des Grundst&uuml;cks gleichg&uuml;ltig, hindert die Benennung des Dritten als Ersatzk&auml;ufer nicht die Anwendung des &sect; 16 GrEStG.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Ob die Benennung des Ersatzk&auml;ufers auf Verlangen des Verk&auml;ufers oder im eigenen (wirtschaftlichen) Interesse des Ersterwerbers erfolgt ist, ist im Rahmen einer Gesamtw&uuml;rdigung aller Tatsachen festzustellen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) nahm mit notarieller Urkunde vom 4.&nbsp;Oktober 2005 ein Angebot zum Erwerb zweier mit einem Lebensmittelmarkt zu bebauender Grundst&uuml;cke zu einem Kaufpreis in H&ouml;he von insgesamt 1.825.000&nbsp;EUR an. Zuvor, am 23.&nbsp;September 2005, hatte die Verk&auml;uferin einer noch zu gr&uuml;ndenden, in Luxemburg ans&auml;ssigen Tochtergesellschaft der Kl&auml;gerin ein gleichlautendes Angebot unterbreitet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit notariell beurkundetem Vertrag vom 2.&nbsp;Dezember 2005 hoben die Verk&auml;uferin und die Kl&auml;gerin den Grundst&uuml;ckskaufvertrag auf. In derselben Urkunde verkaufte die Verk&auml;uferin dieselben Grundst&uuml;cke zu demselben Kaufpreis an eine in Luxemburg ans&auml;ssige Gesellschaft (Zweiterwerberin). Die Zweiterwerberin ist die Tochtergesellschaft einer ebenfalls in Luxemburg ans&auml;ssigen Holding-Gesellschaft, an der verschiedene Investoren, u.a. der Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin, beteiligt sind. Die Vertragsparteien vereinbarten die &Uuml;bertragung einer von der Kl&auml;gerin im Auftrag der Zweiterwerberin am 30.&nbsp;November 2005 geleisteten Anzahlung in H&ouml;he von 194.000&nbsp;EUR auf das Notaranderkonto des neuen Erwerbs. Das Grundst&uuml;ckseigentum war am 2.&nbsp;Dezember 2005 noch nicht auf die Kl&auml;gerin &uuml;bergegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte mit Bescheid vom 3.&nbsp;April 2006 die Grunderwerbsteuer gegen die Kl&auml;gerin ausgehend von einer Bemessungsgrundlage in H&ouml;he von 1.825.000&nbsp;EUR auf 63.875&nbsp;EUR fest. Dagegen legte die Kl&auml;gerin mit der Begr&uuml;ndung, der Kaufvertrag sei r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht worden und die Festsetzung daher nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) aufzuheben, Einspruch ein. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage mit der Begr&uuml;ndung ab, die Voraussetzungen, die die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) an die Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG stelle, seien im Streitfall nicht erf&uuml;llt. Die Kl&auml;gerin habe bei Aufhebung des alten und Abschluss des neuen Kaufvertrags in einer Urkunde ihre Rechtsposition aus dem urspr&uuml;nglichen Erwerb im eigenen wirtschaftlichen Interesse verwertet. Sie habe einen Ersatzk&auml;ufer benennen m&uuml;ssen, um die mit der Nichterf&uuml;llung des Vertrags verbundenen wirtschaftlichen, finanziellen und sonstigen Folgen f&uuml;r ihr Unternehmen zu vermeiden. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 1297 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG. Die Zusammenfassung des Aufhebungsvertrags und des neuen Kaufvertrags in einer Urkunde stelle zwar ein gewichtiges Indiz f&uuml;r eine verbleibende Einflussm&ouml;glichkeit des Ersterwerbers dar. Dieses Indiz k&ouml;nne aber durch Zeugenaussagen entkr&auml;ftet werden. Durch Vernehmung des f&uuml;r die Verk&auml;uferin handelnden Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers und des Notars k&ouml;nne nachgewiesen werden, dass sie, die Kl&auml;gerin, kein Interesse an der Weiterver&auml;u&szlig;erung der Immobilien gehabt habe. Ihr Interesse habe aus finanziellen Gr&uuml;nden allein der Aufhebung des Vertrags gegolten. Die Verk&auml;uferin habe der Aufhebung aber nur unter gleichzeitiger Benennung eines Ersatzk&auml;ufers zugestimmt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Vorentscheidung sowie den Grunderwerbsteuerbescheid vom 2.&nbsp;Juni 2006 und die Einspruchsentscheidung vom 14.&nbsp;Februar 2007 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat auf der Grundlage der von ihm getroffenen Feststellungen (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) zu Unrecht angenommen, die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG seien nicht erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG wird die Steuerfestsetzung auf Antrag u.a. dann aufgehoben, wenn ein Erwerbsvorgang vor dem &Uuml;bergang des Eigentums am Grundst&uuml;ck auf den Erwerber durch Vereinbarung der Vertragspartner innerhalb von zwei Jahren seit der Entstehung der Steuer r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) &quot;R&uuml;ckg&auml;ngig gemacht&quot; ist ein Erwerbsvorgang, wenn &uuml;ber die zivilrechtliche Aufhebung des den Steuertatbestand erf&uuml;llenden Rechtsgesch&auml;fts hinaus die Vertragspartner sich derart aus ihren vertraglichen Bindungen entlassen haben, dass die M&ouml;glichkeit zur Verf&uuml;gung &uuml;ber das Grundst&uuml;ck nicht beim Erwerber verbleibt, sondern der Ver&auml;u&szlig;erer seine urspr&uuml;ngliche Rechtsstellung wiedererlangt (BFH-Urteile vom 19.&nbsp;M&auml;rz 2003 II&nbsp;R&nbsp;12\/01, BFHE 202, 383, BStBl II 2003, 770; vom 21.&nbsp;Februar 2006 II&nbsp;R&nbsp;60\/04, BFH\/NV 2006, 1700; vom 25.&nbsp;April 2007 II&nbsp;R&nbsp;18\/05, BFHE 217, 276, BStBl II 2007, 726; vom 14.&nbsp;November 2007 II&nbsp;R&nbsp;1\/06, BFH\/NV 2008, 403; vom 6.&nbsp;Oktober 2010 II&nbsp;R&nbsp;31\/09, BFH\/NV 2011, 306, und vom 28.&nbsp;M&auml;rz 2012 II&nbsp;R&nbsp;42\/11, BFH\/NV 2012, 1486, Rz&nbsp;22).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Wird im Zusammenhang mit der Aufhebung eines Kaufvertrags &uuml;ber ein Grundst&uuml;ck dieses weiterver&auml;u&szlig;ert, ist f&uuml;r die Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG entscheidend, ob f&uuml;r den fr&uuml;heren Erwerber trotz der Vertragsaufhebung die M&ouml;glichkeit der Verwertung einer aus dem &quot;r&uuml;ckg&auml;ngig gemachten&quot; Erwerbsvorgang herzuleitenden Rechtsposition verblieben und der Verk&auml;ufer demzufolge nicht aus seinen Bindungen entlassen war (BFH-Urteil in BFH\/NV 2012, 1486, Rz&nbsp;23, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem fr&uuml;heren Erwerber verbleibt die M&ouml;glichkeit der Verwertung einer aus dem &quot;r&uuml;ckg&auml;ngig gemachten&quot; Erwerbsvorgang herzuleitenden Rechtsposition jedenfalls dann, wenn der Aufhebungs- und der Weiterver&auml;u&szlig;erungsvertrag in einer einzigen Urkunde zusammengefasst sind (BFH-Urteil in BFH\/NV 2012, 1486, Rz&nbsp;24). In diesem Fall hat er die rechtliche M&ouml;glichkeit, die Aufhebung des urspr&uuml;nglichen Kaufvertrags zum anschlie&szlig;enden Erwerb des Grundst&uuml;cks durch eine von ihm ausgew&auml;hlte dritte Person zu nutzen. Denn der Ver&auml;u&szlig;erer wird aus seiner &Uuml;bereignungsverpflichtung gegen&uuml;ber dem fr&uuml;heren Erwerber erst mit der Unterzeichnung des Vertrags durch alle Vertragsbeteiligten und damit erst in dem Augenblick entlassen, in dem er bereits wieder hinsichtlich der &Uuml;bereignung des Grundst&uuml;cks an den Zweiterwerber gebunden ist (BFH-Urteil in BFH\/NV 2012, 1486, Rz&nbsp;24).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG ist jedoch nur dann ausgeschlossen, wenn der Ersterwerber eine ihm verbliebene Rechtsposition auch in seinem eigenen (wirtschaftlichen) Interesse verwertet hat. Eine Verwertung in diesem Sinne liegt vor, wenn die Einflussnahme des Ersterwerbers auf die Weiterver&auml;u&szlig;erung Ausfluss der ihm verbliebenen Rechtsposition ist. In diesem Fall sind die Interessen Dritter an der Weiterver&auml;u&szlig;erung unbeachtlich (BFH-Urteil in BFH\/NV 2012, 1486, Rz&nbsp;25, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ist Ersterwerber eine Kapitalgesellschaft, so muss sie sich in diesem Zusammenhang die Interessen derjenigen Person(en) zurechnen lassen, die bei der Aus&uuml;bung der Rechtsposition der Kapitalgesellschaft aus dem urspr&uuml;nglichen Kaufvertrag gehandelt hat\/haben (BFH-Urteile in BFH\/NV 2006, 1700, und vom 25.&nbsp;August 2010 II&nbsp;R&nbsp;35\/08, BFH\/NV 2010, 2301, Rz&nbsp;24). Der Kapitalgesellschaft zuzurechnen sind auch die (wirtschaftlichen) Interessen ihres Alleingesellschafters, und zwar unabh&auml;ngig davon, ob es sich hierbei um eine nat&uuml;rliche oder eine juristische Person handelt; denn der Alleingesellschafter kann ma&szlig;geblichen Einfluss auf die Angelegenheiten der Kapitalgesellschaft nehmen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2010, 2301, Rz&nbsp;24).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ist dem Ersterwerber das weitere Schicksal des Grundst&uuml;cks indes gleichg&uuml;ltig, so hindert die Benennung des Dritten als Ersatzk&auml;ufer nicht die Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG (BFH-Urteile vom 4.&nbsp;Dezember 1985 II&nbsp;R&nbsp;171\/84, BFHE 145, 448, BStBl II 1986, 271, und in BFH\/NV 2011, 306). Das gilt insbesondere dann, wenn der Eigent&uuml;mer des Grundst&uuml;cks dieses auf jeden Fall verkaufen will und daher von dem K&auml;ufer die Benennung eines Ersatzk&auml;ufers verlangt (BFH-Urteil in BFH\/NV 2011, 306). Ob die Benennung des Ersatzk&auml;ufers auf Verlangen des Verk&auml;ufers oder im eigenen (wirtschaftlichen) Interesse des Ersterwerbers erfolgt ist, ist im Rahmen einer Gesamtw&uuml;rdigung aller Tatsachen festzustellen. Den Steuerschuldner trifft hier eine erh&ouml;hte Pflicht zur Mitwirkung an der Aufkl&auml;rung des Sachverhalts; er tr&auml;gt auch die Feststellungslast (objektive Beweislast) daf&uuml;r, dass die tats&auml;chlichen Voraussetzungen der von ihm begehrten Nichtfestsetzung der Steuer oder Aufhebung der Steuerfestsetzung nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG erf&uuml;llt sind (BFH-Beschluss vom 24.&nbsp;April 1985 II&nbsp;B&nbsp;28\/84, BFHE 143, 499, BStBl II 1985, 520, und in BFHE 145, 448, BStBl II 1986, 271).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG hat aus den von ihm getroffenen Feststellungen (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) zu Unrecht geschlossen, die Kl&auml;gerin habe durch die Benennung eines Ersatzk&auml;ufers ihre Rechtsposition aus dem urspr&uuml;nglich geschlossenen Kaufvertrag zu eigenen wirtschaftlichen Zwecken verwertet. Das Ziel, den Kaufvertrag nicht erf&uuml;llen zu m&uuml;ssen, um die mit der Nichterf&uuml;llung des Vertrags verbundenen wirtschaftlichen, finanziellen und sonstigen Folgen f&uuml;r ihr Unternehmen zu vermeiden, begr&uuml;ndet kein der Anwendbarkeit des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG entgegenstehendes eigenes (wirtschaftliches) Interesse der Kl&auml;gerin an der Weiterver&auml;u&szlig;erung des Grundbesitzes (vgl. auch BFH-Urteil in BFH\/NV 2011, 306). Die Vorentscheidung war daher aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat zu Unrecht noch nicht gepr&uuml;ft, ob die Kl&auml;gerin oder ihr Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer &uuml;ber das von ihr verfolgte Ziel hinaus, den Kaufvertrag nicht erf&uuml;llen zu m&uuml;ssen, ein eigenes (wirtschaftliches) Interesse daran hatte, dass die Verk&auml;uferin die Grundst&uuml;cke an die Zweiterwerberin (und nicht an einen beliebigen Dritten) weiterver&auml;u&szlig;erte. Der BFH kann dies nicht abschlie&szlig;end beurteilen, weil es an den dazu erforderlichen tats&auml;chlichen Feststellungen des FG fehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der vom FG nachzuholenden Gesamtw&uuml;rdigung aller Tatsachen wird einerseits zu ber&uuml;cksichtigen sein, dass der Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin an der Holding-Gesellschaft beteiligt war, deren Tochtergesellschaft die Zweiterwerberin war, und dass die Zweiterwerberin die Kl&auml;gerin bereits vor Abschluss des Vertrags vom 2.&nbsp;Dezember 2005 mit der Leistung einer Anzahlung beauftragt hatte. Ferner wird zu beachten sein, dass die Kl&auml;gerin und die Zweiterwerberin beim Abschluss der Vertr&auml;ge vom 2.&nbsp;Dezember 2005 durch denselben Bevollm&auml;chtigten vertreten wurden und die von vornherein bestehende Absicht, dass eine Luxemburger Gesellschaft die Grundst&uuml;cke erwerben sollte, tats&auml;chlich verwirklicht wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Andererseits wird festzustellen sein, wie die Verhandlungen der Kl&auml;gerin mit der Verk&auml;uferin &uuml;ber die R&uuml;ckg&auml;ngigmachung des Kaufvertrags abgelaufen sind, insbesondere ob die Kl&auml;gerin zun&auml;chst ernsthaft mit dem Wunsch nach einer Vertragsaufhebung ohne Stellung eines Ersatzk&auml;ufers an die Verk&auml;uferin herangetreten ist und erst auf Verlangen der Verk&auml;uferin einen Ersatzk&auml;ufer gesucht hat oder ob sie von sich aus die Zweiterwerberin als Ersatzk&auml;uferin angeboten hat. Ferner wird in diesem Zusammenhang zu kl&auml;ren sein, ob der Aufhebungsvertrag und der Weiterver&auml;u&szlig;erungsvertrag vom 2.&nbsp;Dezember 2005 auf Betreiben der Kl&auml;gerin oder der Verk&auml;uferin in einer Urkunde zusammengefasst wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit es sich dabei um die Feststellung von Sachverhalten mit Auslandsbezug handelt, richten sich die Mitwirkungspflichten der Kl&auml;gerin nach &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Da die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckverwiesen wurde, bedurfte es keiner Entscheidung &uuml;ber die von der Kl&auml;gerin erhobenen Verfahrensr&uuml;gen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.9.2013, II R 16\/12 R&uuml;ckg&auml;ngigmachung eines Erwerbsvorgangs nach &sect; 16 Abs. 1 GrEStG Leits&auml;tze 1. Werden die Aufhebung des urspr&uuml;nglichen Kaufvertrags und die Weiterver&auml;u&szlig;erung des Grundst&uuml;cks in einer einzigen Vertragsurkunde zusammengefasst, hat der Ersterwerber die M&ouml;glichkeit, die Aufhebung des urspr&uuml;nglichen Kaufvertrags zum anschlie&szlig;enden Erwerb des Grundst&uuml;cks durch eine von ihm ausgew&auml;hlte dritte &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-16-12-rueckgaengigmachung-eines-erwerbsvorgangs-nach-par-16-abs-1-grestg-2\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;16\/12 &#8211; R&uuml;ckg&auml;ngigmachung eines Erwerbsvorgangs nach &sect; 16 Abs. 1 GrEStG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-60950","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60950","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60950"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60950\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60950"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60950"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60950"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}