{"id":61174,"date":"2013-11-28T20:43:40","date_gmt":"2013-11-28T18:43:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=61174"},"modified":"2013-11-28T20:43:40","modified_gmt":"2013-11-28T18:43:40","slug":"ix-b-61-13-terminsaenderung-terminsverlegung-fortbildungsveranstaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-b-61-13-terminsaenderung-terminsverlegung-fortbildungsveranstaltung\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;B&nbsp;61\/13 &#8211; Termins&auml;nderung &#8211; Terminsverlegung &#8211; Fortbildungsveranstaltung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.10.2013, IX B 61\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Termins&auml;nderung &#8211; Terminsverlegung &#8211; Fortbildungsveranstaltung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Mit Schriftsatz vom 19.&nbsp;M&auml;rz 2013 zeigte der Kl&auml;gervertreter seine Beauftragung an und beantragte, den auf den 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 anberaumten Termin zu verlegen. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte er an, er habe noch keine ausreichende Gelegenheit gehabt, sich in den Streitstoff einzuarbeiten, und er sei durch eine ganzt&auml;gige Fortbildungsveranstaltung am 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 gehindert, den Termin wahrzunehmen. Dem Schreiben war eine auf den 15.&nbsp;M&auml;rz 2013 datierte Anmeldebest&auml;tigung f&uuml;r eine am Verhandlungstag in der N&auml;he des Gerichtsorts stattfindende ganzt&auml;gige Fortbildungsveranstaltung beigef&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat am 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 in Abwesenheit des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) verhandelt und im Urteil zur Begr&uuml;ndung u.a. ausgef&uuml;hrt, der Antrag auf Verlegung des Termins habe offensichtlich der Prozessverschleppung gedient. Der Kl&auml;ger habe seinen neuen Prozessbevollm&auml;chtigten viel zu sp&auml;t mandatiert. Ihm seien die Zur&uuml;ckweisung seines vormaligen Prozessbevollm&auml;chtigten und der Verhandlungstermin seit langem bekannt gewesen. Bei rechtzeitiger Beauftragung h&auml;tte sich der neue Prozessbevollm&auml;chtigte einarbeiten und den Termin durch kurzfristige Unterbrechung seiner Fortbildung auch wahrnehmen k&ouml;nnen, da der Tagungsort unweit vom Gericht gelegen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Der ger&uuml;gte Verfahrensmangel einer Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs liegt vor (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Er f&uuml;hrt zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat es zu Unrecht abgelehnt, den auf den 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 anberaumten Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung zu verlegen. Indem es danach in Abwesenheit des Kl&auml;gers m&uuml;ndlich verhandelt hat, hat es das rechtliche Geh&ouml;r des Kl&auml;gers verletzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;227 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung i.V.m. &sect;&nbsp;155 FGO muss das Gericht einen Verhandlungstermin verlegen, wenn hierf&uuml;r erhebliche Gr&uuml;nde vorliegen (st&auml;ndige Rechtsprechung, Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 23.&nbsp;November 2001 V&nbsp;B&nbsp;224\/00, BFH\/NV 2002, 520; vom 1.&nbsp;Februar 2002 II&nbsp;B&nbsp;38\/01, BFH\/NV 2002, 938; vom 18.&nbsp;M&auml;rz 2003 I&nbsp;B&nbsp;122\/02, BFH\/NV 2003, 1584). Zu den erheblichen Gr&uuml;nden geh&ouml;rt nach der Rechtsprechung die Ortsabwesenheit eines Beteiligten oder seines Vertreters infolge eines vor Anberaumung des Termins geplanten Urlaubs, wenn eine Vertretung nicht in Betracht kommt und die Wahrnehmung des gerichtlichen Termins als nicht zumutbar erscheint. Gleiches gilt, wenn ein Beteiligter oder sein Vertreter durch anderweitige (fr&uuml;her anberaumte) berufliche Verpflichtungen an der Teilnahme gehindert ist (vgl. Gr&auml;ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;91 Rz&nbsp;4, m.w.N.). Ein erheblicher Grund kann nach der Rechtsprechung auch vorliegen, wenn der Prozessbevollm&auml;chtigte durch eine fr&uuml;her gebuchte berufliche Fortbildungsveranstaltung verhindert ist (vgl. BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;Januar 2010 VIII&nbsp;B&nbsp;221\/09, juris; Oberlandesgerichts Frankfurt, Beschluss vom 14.&nbsp;Januar 2008&nbsp;&nbsp;9&nbsp;W&nbsp;32\/07, Neue Juristische Wochenschrift 2008, 1328).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben kann die angefochtene Entscheidung keinen Bestand haben, da der Prozessbevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers wegen ganzt&auml;giger Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung gehindert war, den Termin wahrzunehmen. Dies stellt unter den Umst&auml;nden des Streitfalls einen erheblichen Grund f&uuml;r die Verlegung dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Dem kann nicht entgegengehalten werden, dass der Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung fr&uuml;her anberaumt war. Zum einen hat das FG dazu keine Feststellungen getroffen. Der auf den 15.&nbsp;M&auml;rz 2013 datierten Anmeldebest&auml;tigung des Veranstalters ist das Datum der Anmeldung nicht zu entnehmen. Aber selbst wenn sich der Prozessbevollm&auml;chtigte erst nach Anberaumung des Termins zu der Veranstaltung angemeldet haben sollte, kann ihm insofern eine Verschleppungsabsicht nicht unterstellt werden, da die Anmeldung nach Aktenlage jedenfalls vor seiner Mandatierung erfolgt sein muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auch dem Kl&auml;ger kann im Hinblick auf die Verhinderung des Prozessbevollm&auml;chtigten durch die Fortbildungsveranstaltung keine Verschleppungsabsicht unterstellt werden. Zwar lehnt die Rechtsprechung eine Vertagung unter Umst&auml;nden ab, wenn der Kl&auml;ger erst kurz vor dem Termin einen Vertreter bestellt (z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 13.&nbsp;November 2007 VII&nbsp;B&nbsp;100\/07, BFH\/NV 2008, 392, und vom 30.&nbsp;Januar 2008 V&nbsp;B&nbsp;72\/06, BFH\/NV 2008, 812). Die Rechtsprechung begegnet damit aber zu Recht nur dem Einwand fehlender Einarbeitungszeit, sofern die Umst&auml;nde darauf hindeuten, dass die (zu) sp&auml;te Mandatierung der Prozessverschleppung dienen sollte. Es kann dahinstehen, ob dieser Vorwurf im Streitfall zu erheben ist, weil er sich zumindest nicht ausgewirkt hat. Zwar h&auml;tte der Prozessbevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers durch die Buchung der Fortbildungsveranstaltung einen erheblichen Verlegungsgrund nicht mehr schaffen k&ouml;nnen, wenn er zu diesem Zeitpunkt bereits von dem Gerichtstermin gewusst h&auml;tte. Dies ist jedoch unerheblich, weil die Obliegenheit zur Prozessf&ouml;rderung durch rechtzeitige Beauftragung eines Terminvertreters nicht den Zweck hat zu verhindern, dass sich der Vertreter die Teilnahme an der m&uuml;ndlichen Verhandlung durch die Annahme anderer Termine unm&ouml;glich macht. Sie zielt vielmehr alleine darauf ab, seine ausreichende fachliche Einarbeitung in den Prozessstoff und Vorbereitung auf den Termin zu gew&auml;hrleisten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Schlie&szlig;lich konnte dem Prozessbevollm&auml;chtigten auch nicht zugemutet werden, seine Fortbildungsveranstaltung f&uuml;r die Wahrnehmung des Gerichtstermins zu unterbrechen. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Entfernung zum Gerichtsort der Tagungsort lag und wie lang die Unterbrechung gedauert h&auml;tte. Die gegenteilige Auffassung des FG ist nicht vertretbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.10.2013, IX B 61\/13 Termins&auml;nderung &#8211; Terminsverlegung &#8211; Fortbildungsveranstaltung Tatbestand 1&nbsp; I. Mit Schriftsatz vom 19.&nbsp;M&auml;rz 2013 zeigte der Kl&auml;gervertreter seine Beauftragung an und beantragte, den auf den 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 anberaumten Termin zu verlegen. 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